Workshop: 13 Tipps für guten Sound im Proberaum

19. November 2020

Pimp my Proberaum

13 Tipps für guten Sound im Proberaum

13 Tipps für guten Sound im Proberaum

Der Workshop zum guten Sound im Proberaum

Anfang 2018 hat unser Autor Robert Biernat für uns einen Artikel mit 13 Tipps für guten Proberaumsound geschrieben. Er gehört zu einer kleinen Serie in der es grundsätzlich um Klangverbesserungen geht. Klar – in diesen ungewöhnlichen Zeiten einer weltweiten Corona-Pandemie und den damit verbundenen harten Einschränkungen überall auf unserem Globus werden viele Bands sicher auf Bandproben komplett verzichten. Aber Musik wird bestimmt weiter gemacht, denn sie gehört, wie wir finden, zum Leben dazu. Wenn auch in diesen Zeiten vielleicht ganz allein und in den eigenen vier Wänden Musik gemacht wird, Musik ist weitaus mehr als eine individuelle Ausdrucksform, sie ist eine universelle Sprache. Das haben sogar Wissenschaftler an der Harvard University in Cambridge herausgefunden.

Der Workshop 13 Tipps für guten Proberaumsound gibt nicht nur allgemeine wertvolle Tipps zu klanglichen Verbesserungen, sondern geht am Ende auch auf sinnvolle Akustikmaßnahmen ein. Vielleicht findet sich dort für den einen oder anderen unserer Leser der passende Tipp, wie sich das eigene Musikzimmer klanglich optimieren lässt.

Wir wünschen bei dieser Aktualisierung des Workshops eine spannende Lektüre und hoffentlich wertvolle Erkenntnisse.

Eure AMAZONA.de Redaktion Stage, 19. November 2020

13 Tipps um den Sound im Proberaum zu verbessern

Mit 13 Tipps für guten Proberaumsound geht es nun in eine weitere Runde der Workshop-Reihe, die sich vor allem um Möglichkeiten zur Klangverbesserung dreht. Nachdem im ersten Workshop 13 Tipps für guten Bühnensound die Live-Situation behandelt wurde, soll es nun um die intimsten Sphären des Musikers gehen, nämlich um den Proberaum und wie man den Klang und damit die Spielfreude beim Proben verbessern kann. Die Klangqualität im Proberaum hat maßgeblichen Einfluss auf das Zusammenspiel und die Effektivität der Probe, denn wenn Spielfehler oder Unstimmigkeiten im Arrangement in einem Klangbrei untergehen, kann man auch nichts verbessern. Das böse Erwachen kommt dann zumeist im Studio, wenn man das erste Mal genau hört, was die anderen spielen. Schon so manche Band ist an solch einer Situation zerbrochen, nur weil der Klang im Proberaum keine objektive Beurteilung zugelassen hat. Wer die nachfolgenden 13 Tipps beherzigt und umsetzt, der kann den Proberaumsound und damit die Qualität der Musik signifikant verbessern.

13 Tipps für guten Sound im Proberaum

Bass und Bässer

Tipp 1: Lautstärke im Proberaum

Die Gesamtlautstärke im Raum ist ein entscheidender Faktor für die Klangqualität. Denn je lauter ein Instrument ist, desto lauter sind auch die Reflektionen an den Begrenzungsflächen, d.h. an den Wänden, am Boden und an der Decke. Auch stehende Wellen, sogenannte Raummoden, werden mit steigender Lautstärke stärker angeregt. Der Klang wird dadurch undurchsichtiger und matschiger und macht eine Beurteilung des gerade Gespielten immer schwieriger. Je besser ein Raum durch Akustikmaßnahmen optimiert ist, desto lauter kann darin musiziert werden, ohne dass der Raumklang störend in Erscheinung tritt, doch dazu später mehr. Das Schlagzeug ist in der Regel die Lautstärke-Referenz, denn es lässt sich nicht leiser drehen. Hier ist der Schlagzeuger gefragt. Ein guter Schlagzeuger beherrscht das Spiel mit der Lautstärke und kann sich anpassen, Musikstile wie Rock oder Metal lassen sich ohne eine gewisse Anschlagstärke jedoch nur schwierig umsetzen. Trotzdem sollte das oberste Ziel sein, nur so laut wie nötig und so leise wie möglich zu proben. Eure Ohren und der Proberaumsound werden es danken.

Tipp 2: Schlagzeug im Proberaum

13 Tipps für guten Sound im Proberaum

Das Schlagzeug bestimmt in der Regel die Gesamtlautstärke der Band

Es gibt mehrere Methoden, das Schlagzeug leiser klingen zu lassen. Zum einen ist es nicht nötig, die dicksten Sticks zu benutzen und zum anderen sollten dicke, laute Becken vermieden werden. Becken strahlen ein sehr breites und dichtes Frequenzspektrum ab. Man könnte es auch mit Rauschen vergleichen, das eine tonale Komponente besitzt. Becken haben also das Potenzial, alle anderen Instrumente zu überdecken, deshalb sollte man darauf achten, sich eher dünne, leisere Becken anzuschaffen, auch wenn diese in Katalogen nicht unbedingt als Rock-Becken angepriesen werden. Die Trommeln sollten gestimmt sein. Trommeln können dabei nicht nur tonal auf den Grundton von Songs abgestimmt werden, auch die Länge und die Art des Ausklangs kann durch die Stimmung verändert werden. Vor allem die Toms sollten nicht zu lange ausklingen, um unnötigem Klangmatsch vorzubeugen. Das erreicht man dadurch, dass das Schlagfell und das Resonanzfell in der Tonhöhe annähernd gleich gestimmt sind. Das Resonanzfell sollte aber minimal höher oder tiefer gestimmt sein, sodass beide Felle im Nachklang gegeneinander schwingen, wodurch sich die Schwingungen neutralisieren und der Klang kürzer wird. Schlagzeugstimmung ist eine Wissenschaft für sich und es gibt viele Ansätze dabei. Trotzdem sollten sich Schlagzeuger davon nicht abschrecken lassen und sich unbedingt damit befassen. Es gibt z.B. von der Firma DW ein lehrreiches Video auf YouTube zu dem Thema. Ein gut gestimmtes Schlagzeug klingt überall besser und druckvoller, ob im Proberaum, im Studio oder Live. Erst im letzten Schritt und nur als Notbehelf sollte man Trommeln abkleben oder dämpfen. Am besten eignen sich dafür Dämpfungsringe oder selbstklebende Gel-Pads. Für preisbewusste Schlagzeuger reichen auch Teile von Gel-Fensterbildern, die vor allem zu Weihnachten günstig in großen Mengen verkauft werden.

13 Tipps für guten Sound im Proberaum

Auch Weihnachtsdekoration kann dem guten Klang dienlich sein

Tipp 3: E-Drums im Proberaum

13 Tipps für guten Sound im Proberaum

Das E-Drum (Im Bild: Yamaha DTX 760k) muss nicht gestimmt werden und kann vor allem leiser gedreht werden

Ist das Schlagzeug trotz aller Maßnahmen zu laut für den Proberaumsound, dann kann ein E-Drum abhelfen. Es lässt sich komfortabel in der Lautstärke regeln und es muss nicht gestimmt werden. Ein typisches E-Drum sieht optisch in der Regel eher bescheiden aus im Vergleich mit einem richtigen Schlagzeug. Doch das muss nicht sein. Schon für wenig Geld kann man das akustische Schlagzeug nämlich auch in ein leises E-Drum verwandeln. Alles was man dafür braucht, sind Drum-Trigger, ein Drum-Modul und Kabel. Wer es besonders leise will, nimmt anstatt normaler Schlagzeug-Felle sogenannte Mesh-Felle. Mit richtigen Becken anstelle von Becken-Pads lässt sich solch ein E-Drum-Hybrid kaum von einem akustischen Schlagzeug unterscheiden. Für einen möglichst originalgetreuen Klang sind Sample-Librarys aus dem Rechner das Mittel der Wahl, z.B. Addictive Drums, BFD oder die neueren Schlagzeug-Kits aus der Library von Logic Pro X. Um möglichst kurze Verzögerungszeiten zwischen Trommelanschlag und dem Klang aus dem Rechner zu erreichen, benötigt man einen halbwegs aktuellen Rechner mit ausreichend Arbeitsspeicher. Die Latenzzeit im Rechner sollte 128 Samples nicht überschreiten, besser sogar bei 64 Samples oder niedriger liegen. Wer im Rechner auf eine höhere Sample-Rate wie 96 kHz oder 192 kHz umstellt, verkürzt damit die Latenzzeit weiter, vorausgesetzt der eigene Rechner besitzt genug Rechenleistung und das Audiointerface unterstützt hohe Sample-Raten.

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ddrum DDTI – E-Drummodul ohne Sounds

Beim Drum-Modul kann dadurch wieder Geld eingespart werden, da hier ein einfaches Trigger-Modul ohne interne Sounds wie das DDrum DDTI, das Roland TM-2 oder ein altes gebrauchtes Drum-Modul wie das Roland-TD7 ausreichen. Hauptsache, es ist eine MIDI- oder USB-Schnittstelle zur Verbindung mit dem PC oder Mac vorhanden. Wer partout nicht mit einem Rechner arbeiten möchte und trotzdem möglichst natürliche Sounds bevorzugt, kommt auch sieben Jahre nach seiner Markteinführung nicht am Drumit Five-Modul von 2Box vorbei. Die beiden japanischen Platzhirsche im E-Drum Markt haben anscheinend kein Interesse klanglich nachzuziehen und begnügen sich lieber mit Samples, die zum Teil noch aus dem vorigen Jahrtausend stammen.

13 Tipps für guten Sound im Proberaum

Tipp 4: Aufstellung der Band im Proberaum

Die Aufstellung von Instrumenten und Musikern ist für einen ausgewogenen Klang und gutes Zusammenspiel essentiell. Jeder Musiker sollte sich selbst und die anderen gut hören und die Abstände zueinander sollten nicht zu groß werden. Am besten wird das Schlagzeug zentral positioniert, sodass alle Musiker einen ähnlichen Abstand dazu haben. So hören alle das rhythmische Fundament gleich laut und ohne unnötige Verzögerung. Gitarrenverstärker verfehlen ihren Zweck, wenn sie die Hosenbeine des Gitarristen beschallen. Stellt eure Verstärker so auf, dass möglichst viel Direktschall eure Ohren erreicht. Aber vergesst dabei nicht, dass die anderen Musiker euch auch hören müssen. Um der starken Richtwirkung von Gitarrenverstärkern im Höhenbereich entgegenzuwirken, gibt es spezielle Diffusoren wie die Produkte von Deeflexx, die vor die Box gestellt für einen gleichmäßigeren Raumklang sorgen, indem die hohen Frequenzen gestreut werden. Wer handwerklich begabt ist, kann sich solch einen Diffusor auch mithilfe von Heißluftfön und Säge aus einer handelsüblichen Acrylplatte bauen. Bassfrequenzen werden dagegen kugelförmig in alle Richtungen abgestrahlt und sind überall im Raum gut hörbar. Der Bassverstärker sollte für ein gutes Zusammenspiel aber möglichst dicht beim Schlagzeuger und auch nicht zu weit von der Wand entfernt stehen. Der Bass wird von der Wand nämlich reflektiert und sorgt am Abhörpunkt zusammen mit dem Direktschall des Verstärkers für eine Frequenzauslöschung. Je weiter die Entfernung des Verstärkers zur Wand, desto leiser ist zwar die Reflektion, desto tiefer liegt aber auch die Frequenz, die ausgelöscht wird, sodass im Zweifelsfall sogar der Grundtonbereich des Basses negativ beeinflusst werden kann. Sänger und Gesangsmikrofone sollten möglichst so aufgestellt werden, dass wenig Störschall von Schlagzeug und Verstärkern übersprechen kann. Auch die Aufstellung der Gesangsanlage ist in diesem Zusammenhang für den  Proberaumsound wichtig, denn sie sollte niemals direkt auf das Mikrofon gerichtet sein, da dadurch die Chance für Rückkopplungen ansteigt und die maximal erreichbare Lautstärke sinkt. Dabei spielt die Richtcharakteristik des Mikrofons eine wichtige Rolle. In dem Artikel 13 Tipps für guten Bühnensound habe ich diesem Thema ein ganzes Kapitel gewidmet.

Tipp 5: Welche PA-Lautsprecher sind geeignet?

13 Tipps für guten Sound im Proberaum

Günstig vs. teuer / passiv vs. aktiv (the Box und HK Audio)

In einem typischen Proberaum beeinflusst die PA vor allem den Gesangssound, nicht umsonst wird sie umgangssprachlich als Gesangsanlage bezeichnet. Als Faustregel lässt sich sagen: Je lauter die Band spielt und je leiser der Sänger im Vergleich dazu singt, desto hochwertiger und leistungsstärker muss die PA sein. Diese kann entweder aus Aktiv-Boxen bestehen oder aus passiven Lautsprechern und einem externen Verstärker. In Aktiv-Lautsprechern wurde die Endstufe in der Regel genau auf die Box abgestimmt, sodass auch technische Laien keine Probleme haben sollten. Nutzt man ein passives System, sollte man auf die Anpassung beider Komponenten achten. Bei Endstufen wird normalerweise angegeben, wieviel Leistung sie an einem bestimmten Lautsprecher-Widerstand (in Ohm) abgeben können. Der angeschlossene Lautsprecher sollte diesen Widerstand nach Möglichkeit nicht unterschreiten, das sonst die Transistoren der Endstufe bei zu großer Belastung zerstört werden können. Ein höherer Widerstandswert beim Lautsprecher ist hingegen kein Problem, nur die maximal erreichbare Lautstärke sinkt dadurch. Ein weit verbreiteter Irrglaube unter Musikern ist, dass die angegebene Verstärkerleistung nicht über der Leistungsangabe des Lautsprechers liegen darf, da sonst der Lautsprecher zerstört werden könnte. Das ist falsch, denn das Gegenteil ist zumeist der Fall. Hat die Endstufe zu wenig Leistung und wird an der Clipping-Grenze betrieben, entstehen Verzerrungen, die im Extremfall den Hochtöner der Box zerstören können. Optimal ist eine 50 Prozent höhere Verstärkerleistung als auf der Box angegeben ist. Das bezieht sich aber auf den Durchschnittswert (RMS) und nicht auf die Spitzenleistung (Peak). So hat der Verstärker genug Leistungsreserven, um auch Pegelspitzen ohne nennenswerte Verzerrungen zu verarbeiten. Die Lautsprecher selbst sollten nicht zu klein gewählt werden. Lautsprecher, die mit einem 12 Zoll Tief-Mitteltöner bestückt sind, bilden einen guten Ausgangspunkt. Wer auch Bassinstrumente darüber verstärken will, sollte eher zu Modellen mit 15 Zoll-Treiber oder separaten 15er- oder 18er-Bass-Lautsprechern tendieren. Horngeladene Hochtöner, wie sie in vielen klassischen PAs vorkommen, sind auch für den Proberaum ideal, da die hohen Frequenzen aufgrund der Bündelung kräftig genug abgestrahlt werden. Da bei der Lautsprecherwiedergabe die effektive Membranfläche den maximalen Tiefgang beeinflusst, können auch mehrere kleine, parallel betriebene Tiefmitteltöner eingesetzt werden, wie wie es bei manchen Bassboxen (Ampeg 8×10) und Linienstrahlern der Fall ist. Die momentan sehr angesagten Säulen-PAs, die quasi ein Line-Array im Miniformat darstellen, können also auch im Proberaum problemlos genutzt werden.

Tipp 6: Monitore im Proberaum?

13 Tipps für guten Sound im Proberaum

JBL PRX7 – Monitor und PA-Lautsprecher in einem

Monitore werden normalerweise auf der Bühne benutzt, um den Musikern einen vom Hauptmix unabhängigen Monitormix zuzuspielen. Da man live sowieso auf Monitore angewiesen ist, kann man die Proberaum-PA also auch gleich gegen Monitore austauschen. Dabei ist es am praktischsten, wenn jeder Musiker seinen eigenen Monitor hat. Eng beieinander stehende Instrumentalisten, wie z.B. eine Bläsergruppe, können sich auch problemlos einen Monitor teilen. Am Unkompliziertesten ist es, die Monitore wie eine am Boden liegende PA zu betrachten und einfach den Hauptmix vom Mischpult auf die Monitore zu schicken. Monitore besitzen in der Regel einen Link-Ausgang, aus dem das eingehende Signal direkt wieder herausgeführt wird. So können alle Monitore einfach in Reihe verkabelt werden und spielen den gleichen Mix. Viele Monitore besitzen gleich zwei Eingänge, die sich mischen lassen. Dadurch wird es möglich, z.B. das eigene Gitarrensignal zusätzlich zum Monitor zu schicken, um sich auf dem eigenen Monitor lauter zu hören. Aufwändiger wird es, wenn jeder seinen eigenen Monitor-Mix vom Mischpult bekommt. Dann braucht man nämlich ein Mischpult, das genügend Aux-Wege zur Verfügung stellt. Jeder Monitor wird dann direkt mit dem Pult verkabelt, was längere Kabelwege zur Folge hat. Für einen optimalen Mix braucht es etwas Zeit, aber es lohnt sich und man hat schon bei der Probe einen ähnlichen Sound wie auf der Bühne und lernt, welche Signale man wie laut benötigt, um optimal spielen zu können. Von dieser Erfahrung profitiert man wiederum in der Live-Situation auf der Bühne. Doch eines darf nicht vergessen werden. Eine Person aus der Band sollte sich mit der Technik auch auskennen und wissen, was ein Aux-Weg ist und wie sich z.B. eine Pre- oder Post-Fader-Schaltung auf den Monitormix auswirkt. Alternativ kann man sich auch für einen Abend einen befreundeten Tontechniker zu Hilfe holen, der die Grundeinstellungen erledigt und die Musiker für spätere Änderungen einweist.

Tipp 7: Welches Mischpult ist im Proberaum geeignet?

Sobald mehrere Signale im Proberaum über eine PA oder ein Monitor-System wiedergegeben werden sollen, wird ein Mischpult benötigt. Ob das Ganze jetzt analog oder digital erfolgt, ist zweitrangig und hängt vom Budget, der Technikkenntnis und den Vorlieben ab. Sollen nur drei Gesangsmikrofone über die PA zu hören sein, reicht ein einfaches analoges Mini-Mischpult schon aus. Selbst ein Audiointerface fürs Home-Recording könnte diese Aufgabe erledigen, doch die meisten Geräte lassen sich nur per Computer bedienen, abgesehen von einer Reihe von Motu Interfaces. Möchte man auch Synthies, Keyboards, den Bass, die Bassdrum und weitere Instrumente über die PA laufen lassen und separate Mixe für das Monitor-System erstellen, dann ist es Zeit für ein größeres Mischpult. Die nötige Größe und Ausstattung richtet sich hier vor allem nach der Anzahl der benötigten Mikrofoneingänge und Aux-Wege. Ein oder zwei integrierte Effekte können dabei auch nicht schaden. Man sollte aber nicht zu knapp kalkulieren. Falls noch Musiker dazu kommen, ist es besser, Kanalreserven zu haben. Analoge Mischpulte haben den Vorteil, dass es keine verschachtelten Menus gibt und dass alles zu jeder Zeit auf der Oberfläche zugänglich ist. Für technische Laien und Computer-Allergiker ist das ein großes Plus. Analoge Mischpulte sind momentan etwas aus der Mode gekommen und werden mehr und mehr von ihren digitalen Kollegen verdrängt, weshalb sie gebraucht oder auch neu teilweise zu sehr niedrigen Preisen gehandelt werden. Ich selbst konnte gerade ein Soundcraft GB-4 Analogpult neu vom Händler für weniger als ein Fünftel der unverbindlichen Preisempfehlung erwerben. Ein Glücksfall, denn ich liebe hochwertige analoge Pulte.

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Bild im Bild – Soundcraft GB4 vs. QSC Digitalpult – das Analogpult ist mehr als doppelt so groß trotz geringerer Kanalanzahl

Digitale Pulte haben wiederum den Vorteil, dass man alle Einstellungen abspeichern kann. Hat man den perfekten Proberaum-Mix einmal eingestellt, kann man ihn auch nach anderweitiger Benutzung des Mischpults immer wieder aufrufen. Zudem können sie bei gleicher Kanalanzahl auch wesentlich kleiner und leichter als ihre analogen Pendants sein, da sie aufgrund von Mehrfachbelegung weniger Bedienelemente benötigen. Außerdem besteht bei vielen aktuellen Digitalpulten die Möglichkeit, dass jeder Musiker seinen Monitormix per Smartphone oder Tablet selbst regelt. Wer die Probe gern mehrspurig mitschneiden möchte, findet unter den analogen ebenso wie unter den digitalen Mischpulten passende Geräte.

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QSC Touchmix 30 im Proberaum

Das QSC-TM30 Pro z.B. kann die Mehrspuraufnahme sogar ohne Computer auf eine angeschlossene Festplatte erledigen. Unter den Analog-Pulten ist das Soundcraft Signature-22MTK nicht nur sehr preiswert, sondern auch gut ausgestattet und sehr gut für Mehrspuraufnahmen geeignet. Einfach den Mac oder PC per USB-Kabel verbinden und schon kann die Aufnahme beginnen.

Tipp 8: Mikrofonvorverstärker

Der Gain-Regler am Mischpult ist für viele Musiker ein Mysterium und wird von manch einem sogar mit dem Lautstärkeregler verwechselt. Der Gain-Regler regelt den Mikrofon-Vorverstärker mit dem Zweck, das leise Signal eines Mikrofons auf den internen Arbeitspegel des Mischpults zu verstärken. Für die Lautstärke ist der Kanalfader zuständig. Um den Pegel korrekt einzustellen, drückt man die PFL-Taste (Pre Fader Listening) im jeweiligen Kanalzug. Nun wird der Eingangspegel durch die LED-Kette in der Master-Sektion angezeigt und kann im Kopfhörerausgang auch solo abgehört werden. Der Gain-Regler sollte soweit aufgedreht werden, dass der Pegel bei den lautesten Passagen noch im gelben Bereich bleibt. Wenn der Pegel ab und an kurz in den roten Bereich springt, ist das noch kein Problem. Sollte die Clipping-LED dauerhaft leuchten, dann ist der Pegel zu hoch und es drohen Übersteuerungen, die sich vor allem bei günstigen Mikrofon-Vorverstärkern schnell als harsche Verzerrungen bemerkbar machen. Das kann gewollt sein, wird aber eher selten mit gutem Klang verbunden. Hier sollte man also aufpassen und genau auf Verzerrungen im Klang achten. Bei Digitalpulten muss man sogar noch mehr aufpassen, denn nach dem Mikrofonvorverstärker folgt hier der Analog/Digital-Wandler. Analoge Schaltungen besitzen je nach Qualität einen mehr oder weniger großen, nicht-linearen Übergangsbereich bis Clipping hörbar wird. A/D-Wandler können dagegen nicht mehr als den festgelegten Maximalpegel verarbeiten. Alles darüber wird knallhart abgeschnitten. Bei Attack-reichen Signalen wie der Bassdrum oder Snare fällt es kaum auf, wenn die Attack-Phase ein wenig beschnitten ist. Sobald aber sinusartige Wellen hart beschnitten werden, wird aus dem Sinus ein Rechteck und das ist sofort hörbar. Wird der Mikrofonvorverstärker hingegen nicht weit genug aufgedreht, verschlechtert sich der Rauschabstand und der erreichbare Pegel ist unter Umständen nicht ausreichend.

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Tipp 9: Akustikmaßnahmen im Proberaum

Wir Deutschen lieben es gerade – rechte Winkel, parallele Wände und glatte Fußböden sind beim Hausbau das Nonplusultra. Für die Wiedergabe von Musik ist dieser Hang zum Perfekten aber pures Gift. Wer schon einmal in einem großen Tonstudio oder in einer Philharmonie gewesen ist, der wird bemerkt haben, dass dort zwar nichts parallel, dafür aber der Klang perfekt ist.

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Für eine gute Akustik sind rechte Winkel tabu

Parallele Wände führen zu Flatterechos, d.h. der Schall wird zwischen zwei Wänden wie ein Ping-Pong-Ball hin und her reflektiert. Stehende Wellen, sogenannte Raummoden, treten zwar in jedem geschlossenen Raum auf, doch in quadratischen oder rechteckigen Räumen sind sie ungleich stärker ausgeprägt. Das hat zur Folge, dass bestimmte Töne im Grundtonbereich lauter klingen, während andere wiederum zu leise sind. Die Stärke dieses Phänomens ist zudem stark positionsabhängig. Um die Akustik zu verbessern, müssen wir diese perfekte Gleichförmigkeit und Parallelität des Raumes durchbrechen. Was noch vor einigen Jahren oft in Proberäumen zu sehen war, sind Wände voller Eierpappen. Ich selbst habe vor Jahren mit meinen Bandkollegen einen Proberaum fast komplett mit Eierpappen und Teppich ausgekleidet. Macht das bloß nicht! Eierpappen oder Teppiche an den Wänden haben nur eines zur Folge, nämlich dass der Raum und die Musik dumpf klingt, denn absorbiert werden dabei nur die hohen Frequenzen. Was wir erreichen wollen, ist ein Mix aus breitbandiger Absorption und Diffusion. Eierpappen und Teppiche können das nicht leisten und haben deswegen als Akustikmaßnahme keine Daseinsberechtigung. Allenfalls gehört ein Teppich auf den Boden und unter das Schlagzeug, Eierpappen haben im Proberaum nichts zu suchen.

Tipp 10: Bühne, Erhebung des Bodens im Proberaum

Sie sieht nicht nur gut aus und hebt den Schlagzeuger auf Augenhöhe mit dem Rest der Band, nein auch in akustischer Hinsicht ist sie ein Gewinn. Die Bühne ist eine Erhebung am Boden und durchbricht damit die Gleichförmigkeit des Untergrundes. Eine Bühne lässt sich einfach aus Euro-Paletten oder Holzresten zusammenzimmern, je nachdem was vorhanden ist. Je größer sie ist und je unregelmäßiger, desto besser. Akustisch bringt eine solche Bühne vor allem im Bassbereich Verbesserungen, da sie wie eine Bassfalle die tiefen Frequenzen absorbiert. Um den Effekt zu verstärken, kann die Bühne mit Dämmwolle, Stoffresten oder anderem porösem material ausgestopft werden. Einen ähnlichen Effekt haben übrigens auch Couchen. Dabei gilt, je größer die Couch desto mehr tieffrequente Energie wird absorbiert.

Tipp 11: Vorhänge im Proberaum für bessere Akustik

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Akustikvorhang

Vorhänge sind sehr vielseitig einsetzbar. Dabei meine ich keine Fenster-Vorhänge, sondern dicke Akustik- oder Theater-Vorhänge. Solch ein Vorhang darf gerne ein Gewicht 500 g/m² oder mehr haben, je dicker desto wirkungsvoller. Wer nun einfach den Vorhang an die Wand nagelt, kann auch gleich Teppiche nehmen. Der Vorhang absorbiert Schall nämlich am besten, wenn er weiter von der Wand entfernt aufgehängt wird. Je weiter er von der Wand entfernt hängt, desto tiefer hinab in den Frequenzkeller reicht die Absorbtion. Wer den Platz und das nötige Kleingeld hat, sollte den Vorhang in Wellen oder Schlaufen hängen lassen. Dabei benötigt man zwar wesentlich mehr Vorhangfläche, dafür ist der Absorptionsgrad auch höher.

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Den Vorhang mit Abstand zur Wand und schön faltig aufhängen für optimale Ergebnisse

Auch Decken-Reflektionen kann man mit einem Vorhang bekämpfen. Dafür muss der Vorhang waagerecht in unregelmäßigen Abständen an der Decke befestigt werden, sodass er in Wellen von der Decke hängt. Je mehr Deckenhöhe im Proberaum zur Verfügung steht, desto weiter kann der Vorhang herunterhängen ohne zu stören.

Tipp 12: Breitbandabsorber und Bassfallen

Breitbandabsorber sind in der Regel nichts weiter als Akustikmodule, die aus porösem, luftdurchlässigem Material bestehen. Das kann Schaumstoff, Dämmwolle oder ein Akustik-Vorhang sein. Couchen, Sessel und Betten sind z.B. hervorragende Breitbandabsorber, denn sie absorbieren einen relativ breiten Frequenzbereich. Im Gegensatz dazu sind Helmholtz-Resonatoren oder Plattenschwinger auf eine bestimmte Frequenz abgestimmt und müssen für den Raum genau berechnet werden. Breitbandabsorber haben ihren größten Wirkungsgrad in der Regel im Höhen- und Mittenbereich, d.h. je weiter man in den Bassbereich kommt, desto weniger Energie wird absorbiert. Um auch im Bassbereich wirksam zu sein, müssen poröse Absorber sehr dick und massiv sein. Die Frequenz 100 Hz z.B. hat eine Wellenlänge von 3,4 Metern. Damit ein Breitbandabsorber diese Frequenz nennenswert absorbieren kann, muss seine Dicke ein Viertel der Wellenlänge betragen, also 85 cm.

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Schema und Formel zur Bestimmung der unteren Grenzfrequenz eines Breitbandabsorbers

In der Praxis reichen auch weniger dicke Breitbandabsorber aus, wenn sie nur weit genug von der Wand entfernt aufgehängt werden. Um das zu verdeutlichen, benötigen wir etwas theoretische Akustik. Die Schallenergie wird im Breitbandabsorber nämlich durch Reibung der Luftmoleküle am porösem Material absorbiert. Dafür müssen die Teilchen natürlich in Bewegung sein. Doch je weiter man sich der Wand nähert, desto geringer wird die Moment-Geschwindigkeit der Teilchen und desto weniger Energie kann absorbiert werden. Am höchsten ist die sogenannte Schallschnelle an der Spitze des Wellenberges, was einem Viertel der Wellenlänge entspricht. Es reicht also, wenn der Absorber 85 cm entfernt von der Wand installiert wird (idealerweise von der Mitte des Absorbers aus gemessen) um eine effektive Schallabsorption bis hinunter auf 100 Hz zu bekommen. Da dadurch viel Platz verschwendet wird, sind andere Maßnahmen wie Plattenschwinger oder Helmholtz-Resonatoren besser zum Absorbieren von Bassfrequenzen geeignet. Breitbandabsorber können zwar fertig im Fachhandel bezogen werden, doch sie sind die Absorber, die ohne mathematische Kenntnisse am einfachsten selbst gebaut werden können. Die Faustformel ist hier ganz einfach, je dicker und je weiter von der Wand entfernt, desto breitbandiger und effektiver ist der Absorber.

Tipp 13: Diffusoren für besseren Sound im Proberaum

Ein Diffusor absorbiert keine Schallenergie, er streut auftreffenden Schall in alle Richtungen. Dadurch wird aus einer gerichteten Reflektion ein diffuser Raumklang. Es ist wichtig, nicht zu viel Fläche absorbierend zu gestalten, da ansonsten die Nachhallzeit im Hochtonbereich zu kurz wird und der Raum im schlimmsten Fall dumpf und leblos klingt. Das sollte vermieden werden. Da harte, direkte Reflektionen ebenfalls unerwünscht sind, kommt nun der Diffusor für den Proberaumsound ins Spiel. Er besteht aus schallhartem Material und reflektiert deshalb auch die hohen Frequenzen. Hierbei gilt, je größer der Diffusor, umso breitbandiger wird der Schall gestreut. Bücherregale und Pflanzen sind durch ihre unregelmäßige Struktur hervorragende Diffusoren. Recht bekannt sind auch die sogenannten Skyline-Diffusoren. Sie ähneln vom Aussehen her der Skyline einer Großstadt mit zufällig verteilten Erhebungen und Vertiefungen.

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Skyline Diffusor

Kugel- oder Zylinderförmige Körper sind ebenfalls sehr gut als Diffusor geeignet. Sogenannte polyzylindrische Absorber sind dabei besonders interessant, denn sie streuen eintreffenden Schall und können gleichzeitig Bassenergie absorbieren. Um eine gleichmäßige Absorption zu erhalten, sollten mehrerer solcher Halbzylinder mit unterschiedlichem Volumen aufgehängt werden. Man schlägt damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe und bekommt Diffusion im Hochtonbereich und Absorption im Bassbereich. Für einen Selbstbau sollte aber eine Bandsäge vorhanden sein, um sich halbrunde Holzstücke sägen zu können. Um die halbrunden Holzstücke wird dann eine Sperrholz-Platte gespannt. Für mehr Bassabsorption kann das dahinter liegende Volumen mit Dämmwolle gefüllt werden. Es ist aber darauf zu achten, dass der Absorber luftdicht ist und dass nichts klappert.

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Diffusor und Bass-Absorber in einem – der polyzylindrische Absorber

Wer mehr darüber erfahren möchte, dem sei das Master Handbook of Acoustics empfohlen. Man sollte aber der englischen Sprache mächtig sein, um aus dem Buch einen Nutzen ziehen zu können.

Fazit

Die meisten Proberäume besitzen ihr größtes Optimierungspotenzial in der Raumakustik. Mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich viele Maßnahmen sogar recht kostengünstig durchführen. Weiteres Klangpotenzial lässt sich durch das richtige Equipment und etwas Sachverständnis ausschöpfen. Die 13 Tipps für guten Proberaumsound geben eine Übersicht und Anleitung, um dem Ziel nach besserem Klang näher zu kommen. Dass dafür kein abgeschlossenes Mathematikstudium nötig ist, hat der Workshop hoffentlich gezeigt. Experimentierfreude und etwas logischer Menschenverstand können dabei aber trotzdem nicht schaden.

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