Blue Box: Roland SVC-350 Vocoder

7. Februar 2010

Ein Roland VP-330 ohne Tasten?

Vorwort der Redaktion zu Vocodern

Was genau ein Vocoder ist, wie die Hintergründe für seine Entwicklungwaren und welche Varianten es gibt, erklären wir ausführlich in unserem Vocoder-Special. Dazu bitte HIER KLICKEN.

Der Vocoder aus dem Roland VP-330

Im Jahre 1979 bringt Roland den VP-330 auf den Markt, einen Vocoder im Keyboardformat mit eigener Klangerzeugung. Zeitgleich erblickt auch der kleine Bruder SVC-350 das Licht der Welt. Die abgespeckte 19“-Version des VP-330 ist zwar stets auf ein externes Trägersignal angewiesen, bietet dafür aber Zugriff auf die Lautstärke der einzelnen Filterbänder.
Mehr Informationen zu den technischen Grundlagen des Gerätes finden Sie im ausführlichen VP-330 Bericht im AMAZONA.de Archiv (siehe Verweise).

Alle Funktionen des SCV-350 auf einen Blick

Der Roland SVC-350 passt dank seines 19“-Formates in jedes Rack und nimmt dabei zwei Höheneinheiten in Beschlag. Das Gehäuse ist aus schwarzem Stahlblech gefertigt und besitzt ein massives Frontpanel mit zwei praktischen Griffen an den Rackohren. Auf der Rückseite befindet sich lediglich eine Klemmschraube für ein Erdungskabel, während alle Anschlüsse von vorne zu erreichen sind. Die Bedieneroberfläche ist sehr simpel gestaltet und dementsprechend kinderleicht zu bedienen.

Als Eingänge für das Mikrofon, sprich für den Modulator, stehen wahlweise ein 6,3 mm Klinken- und ein XLR-Port zu Verfügung. Via Level-Regler kann das vorverstärkte Signal geregelt werden, und eine grüne und rote Diode geben Auskunft, ob es übersteuert oder nicht.
Für das Trägersignal, also den Carrier, gibt es zwei Inputs, die sogar parallel nutzbar sind. Da wäre einmal ein Instrumenteneingang, dessen Level per Dreiwegschalter von -30 dB über -15 dB bis 0 dB angepasst werden kann. Als zweite Option gibt es den Guitarinput, der aber nicht nur für Gitarrensignale geeignet ist, sondern sich auch für Instrumente mit großer Dynamik empfiehlt. Grund dafür ist ein Kompressor, der direkt hinter dem Eingang eingebaut wurde. Zusätzlich kann das Signal über das Harmonics-Poti noch mit Obertönen angereichert und leicht verzerrt werden.
Es folgt die Frequency-Sektion, die zum Regeln der Lautstärke der elf Filterbänder dient, ähnlich wie bei einem graphischen Equalizer. Zusätzlich befindet sich hier die Mastervolume- und Balanceregler, um das Verhältnis zwischen originalem Eingangssignal und dem Vocodersound zu bestimmen.

Wenn es um die Audioausgabe geht, ist der SVC-350 vielseitig nutzbar: Es gibt einen Kopfhöreranschluss mit eigener Lautstärkeregelung, einen Mono-/Stereoausgang für ein Mischpult oder Stereoverstärker und einen Monoausgang für einen Gitarrenamp. Auch hier lässt sich der Ausgangspegel in drei Stufen wählen.
Ganz links auf der Bedieneroberfläche befinden sich noch drei Eingänge für Fußschalter, die äußerst wichtig sind, da sich hiermit Funktionen aufrufen lassen, die anders nicht erreichbar sind. Zunächst einmal kann zwischen dem Eingangssignal und dem Vocodersound hin und her geschaltet werden. Auch der Stereo-Chorus des SVC-350 lässt sich via Footswitch ein- und ausschalten. Generell ist der Chorus immer aktiv, solang kein Kabel in der Ensemble-Buchse steckt. Es reicht aber auch ein einfacher Blindstecker (z.B. ein Kopfhöreradapter), um den Chorus zu deaktivieren. Zu guter Letzt besitzt der Vocoder noch eine Hold-Funktion, mit der eine Klangprobe „eingefroren“ werden kann, die anschließend via Carrier modulierbar ist.

Der Roland Vocoder in der Praxis

Grundsätzlich können mit einem Vocoder beliebige Signale miteinander verschmolzen werden, der Kreativität sind bei einem solchen Gerät keine Grenzen gesetzt.
Ein klassisches Beispiel ist natürlich, die menschliche Stimme als Modulator zu verwenden und als Trägersignal einen Synthesizer zu nehmen. Wird ein Rechteck oder Sägezahn als Schwingungsform gewählt, erreicht man ganz einfach den klassischen Roboterklang. Schöne Chöre lassen sich wiederum mit einem mehrstimmigen Flächensound erreichen, wobei ein gezieltes Spiel mit der Anzahl und Steigerung der Stimmen einem Arrangement deutlich mehr Dynamik geben kann.
Gerade für experimentierfreudige Gitarrenspieler dürfte der SVC-350 interessant sein, da eine E-Gitarre einmal ganz anders verwendet werden kann. Es ist als Gitarrist schon ein sehr spektakuläres Erlebnis, eine gesprochene Stimme durch das Gitarrenspiel zum Singen zu bringen, zumal jegliche Spielarten, wie zum Beispiel Bendings, Slides oder Pull-Offs, übertragen werden. Richtig abgefahren wird es, wenn man dabei das pure Gitarrensignal völlig ausblendet und der Anschlag komplett auf die Silben der Sprache abgepasst werden muss, da ohne Modulator vom Carrier natürlich nichts zu hören ist.
Daher kann es auch spannend sein, mal einen Synthesizer-Sound mit langsamer Filter-Hüllkurve als Modulator zu benutzen und über die Inputs des Carriers gleich zwei Signale zu senden. Wird hierfür ein Beat Loop und ein zweiter Synthesizer verwendet (wie bei Klangbeispiel 3), schweißt die Filtermodulation des Modulators alle drei Signale wunderbar zusammen.
Durchaus reizvoll ist auch die Hold-Funktion, die allerdings ein bisschen Übung mit dem Fußschalter voraussetzt, da dieser präzise betätigt werden muss. So lassen sich jegliche Klangendungen verlängern, die via Carrier mannigfaltig moduliert werden können, was insbesondere bei Atempausen sehr empfehlenswert ist.

Der Sound des Roland SVC-350

Grundsätzlich wirkt der Sound des Roland SVC-350 sehr hochwertig. Das fällt gerade dann auf, wenn ein Signal unbearbeitet durchgeschleift wird, da hierbei kein großer Klangverlust auftritt.
Allein der Kompressor des Gitarreninputs verleiht einer cleanen Gitarre einen unheimlich knackigen Sound, das gleiche gilt natürlich auch für andere Signale. Ebenso ist der Harmonics-Regler ein gutes Werkzeug, um mehr Sättigung zu erzeugen und Obertöne hinzuzufügen – wobei ein gemäßigter Umgang mit diesem Knopf ratsam ist.

Wie schon der VP-330, ist auch der SVC-350 bekannt für seine gute Sprachverständlichkeit.
Im Gegensatz zu seinem großen Bruder kann das Klangbild dank der elf Frequency-Regler noch präziser eingestellt werden. Generell lohnt es sich, viel Zeit für diese Sektion zu nehmen, da hiermit einem Sound unterschiedlichste Facetten verliehen werden können.
Etwas rauschiger wird der Klang beim Einsatz des Chorus, der aber einen äußerst warmen und weichen Charakter besitzt und ein schön breites Stereobild erzeugt. Natürlich ist der Ton dann nicht mehr so präzise und vordergründig wie vorher, da sich der Anteil des Chorus leider nicht einstellen lässt.

Ein kleiner Wehrmutstropfen ist auch die Tatsache, dass sich Modulator und Carrier nie ganz ausblenden lassen, selbst wenn mit der Balance nur einer von beiden angewählt ist.
Dafür hat der SVC-350 den großen Vorteil gegenüber digitalen Vocodern, da ein Signal auch mal analog übersteuert werden darf. Dadurch kann ein Sound deutlich mehr Fülle erlangen, was bei der digitalen Konkurrenz direkt mit einem fiesen Clipping bestraft werden würde.

Fazit

Der Roland SVC-350 ist auch heute noch ein sehr empfehlenswerter Vocoder. Trotz des hohen Alters von gut 30 Jahren sind die meisten Geräte in passablem Zustand, was für die Verarbeitung und Qualität der Bauteile spricht.
Die Bedienung ist kinderleicht, fast komplett sich selbst erklärend und ermöglicht dadurch ein sehr intuitives Arbeiten.
In Punkto Sound lässt der SVC-350 sogar moderne digitale Vocoder blass aussehen. Seine analoge Wärme, der druckvolle Klang und vor allen Dingen die gute Sprachverständlichkeit machen ihn sehr empfehlenswert.

Plus

  • Klang
  • Sprachverständlichkeit
  • Verarbeitung
  • hochwertige Bauteile
  • simple Bedienung

Minus

  • Modulator und Carrier lassen sich nie ganz ausblenden

Preis

  • laut Syntacheles derzeit 481,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    digge

    Hallo! Geht auch ein Mikrofon mit Phantomspeisung? Ich seh kein on/off Taster dafür. Ich befürchte es hat keine oder?

    • Profilbild
      Chris Pfeil  RED

      Der Mikrofoneingang verfügt über keine Phantomspeisung, da muss schon ein entsprechender Vorverstärker verwendet werden. In diesem Fall empfiehlt es sich auch die Erdung auf der Rückseite zu verkabeln.

      Gruß Chris

  2. Profilbild
    montezuma

    hab mir nen svc leisten dürfen, könnt Ihr mir nen mic empfehlen welches gut passt ? vielleicht auch nen preamp ?
    oder ist es bei einem vocoder echt egal welches mic ?
    hab nen shure c??? kein tolles.
    aber beim vocoder hat der mic eingang so gut wie kein ausschlag, sprich muss echt gut aufdrehen damit nen leichtes signal reinkommt.
    grüsse

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Der SVC-350 ist eine Legende. Mich wundert es sehr, dass hier kaum Kommentare vorhanden sind. Der SVC-350 ist der Vocoder der 80er Jahre. Electro Funk und R’n’B ist ohne den SVC kaum vorstellbar. Angefangen von Egyptian Lover über Pretty Tony, Dynamix II und Quincy Jones bis hin zu Dynamik Bass System (ein Steinwurf von der Amazona Redaktion entfernt) verleiht der SVC einen echten Roboter Sound in die Vocals.

    Egyptian Lover
    https://www.youtube.com/watch?v=qjFs9CPGhts

    Pretty Tony
    https://www.youtube.com/watch?v=6I7gb2yt9vs

    Dynamix II
    https://www.youtube.com/watch?v=snlWovyt2ME

    Phil Collins
    https://www.youtube.com/watch?v=MN3x-kAbgFU

    Keith Sweat
    https://www.youtube.com/watch?v=AmIa5djjKAw

    Dynamik Bass System
    https://www.youtube.com/watch?v=QPWil_G5HVo
    https://www.youtube.com/watch?v=x6Wq0QAzLPc
    https://www.youtube.com/watch?v=rVmX9MAatIE

    Leider hatte ich nie einen SVC in meinem Besitz, da die Gebrauchtpreise sehr hoch sind. :(

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