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Studie untersuchte den Wortschatz von Songtexten

Wer hat einen größeren Wortschatz: Die etablierten oder zeitgenössischen Sänger und Sängerinnen?

13. Februar 2023

Screenshot von word.tips

Die Jugend verblödet, die Musik wird immer schlechter und außerdem wissen sich die modernen Musiker und Musikerinnen nicht mehr auszudrücken. So wird es oft erzählt. Doch was ist an den Aussagen dran? Eine Studie verglich den Wortschatz zeitgenössischer Musiker mit den Legenden der alten Garde. Wer hat den größeren Wortschatz? Patti Smith oder Billie Eilish? Prince oder Bruno Mars?

Das Ziel der Studie war es herauszufinden, ob sich im Vergleich zwischen 100 zeitgenössischen Stars und 100 klassischen Stars eine Veränderung im Wortschatz ergab. Es wurden die benutzten Wörter analysiert.

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Die Anzahl der verwendeten Wörter wurden pro 1.000 Wörter berechnet. Beispielsweise nutzte Patti Smith in ihren Songs 12.291 Wörter. Insgesamt nutzte sie 2.669 verschiedene Wörter, was einem Wert von 217/1000 entspricht. So weit das mathematische Vorgehen.

Die Liste der besten 100 Sänger des Musik-Magazin Rolling Stone war die Basis für die  Auswahl der Legenden. Die modernen Stars wurden durch eine Auswertung der meistgehörten Songs auf Spotify ausgesucht. Die Musikerinnen und Musiker mussten mindestens 25 Songs veröffentlicht haben. Insgesamt wurden 17.667 Songs von 156 Sängern und Sängerinnen analysiert. Die Daten wurden im Mai 2021 erhoben.

Screenshot von word.tips

Die wichtigsten Ergebnisse der Word.tips Studie:

Patti Smith hat den größten Wortschatz mit 217 / 1.000 Wörtern. Billie Eilish hat den größten Wortschatz unter den modernen Stars mit 169 / 1.000 Wörtern. Luther Vandross und Trey Songz verfügten über das kleinste Vokabular mit jeweils 66 / 1000 Wörtern. Der Song mit den meisten Wörtern ist „The Murder Mystery“ von The Velvet Underground mit 639 Wörtern.

Es zeigt sich, dass Stars der älteren Generationen über ein größeres Vokabular verfügen, als die Stars von heute. Im Durchschnitt konnten 124 / 1000 Wörter gegenüber 107 / 1000 Wörter gezählt werden.

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Die Studie erklärt, dass zeitgenössische Musiker und Musikerinnen eher drauf bestehen, ihre Texte selber zu schreiben, während die Musiker der älteren Generation sich nicht scheuten, ihre Texte von Profis schreiben zu lassen. Professionelle Schreiber verfügen über einen größeren Wortschatz.

Screenshot von word.tips

Selbstverständlich müssen  die Unterschiede zwischen den Künstler berücksichtigt werden. Beispielsweise hat Bob Dylan weit mehr unterschiedliche Wörter als Rod Stewart verwendet, aber weil der Katalog von Bob Dylan viel größer ist, wiederholen sich bei ihm auch mehr Wörter.

Hank Williams hat thematisch viel über Einsamkeit geschrieben, aber wollte dieses Wort nicht immer verwenden, also musste er es umschreiben, was den Wortschatz vergrößerte, aber nicht die thematischen Inhalte seiner Songs. Interessant ist auch, dass der Wortschatz von Prince auf Platz 2 ist, weil er z. B. auch Wörter erfand, wie z. B. Superfunkycalifragisexy und beispielsweise u anstatt you schrieb.

Es zeigt sich, dass es bei einem Liedtext nicht immer auf die Anzahl der Wörter ankommt. Musik und Gesang bilden eine Einheit, die sich im Idealfall gegenseitig unterstützen. Das ist das Geniale an Musik. Der Satz „Ich liebe dich“ ist für sich genommen dichterisch nicht besonders anspruchsvoll, aber mit der richtigen musikalischen Untermalung und der geeigneten Stimme wird auch dieser Satz genial. Diese 3 Wörter sind in der Lage, einen ganzen Song zu tragen.

Screenshot von word.tips

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Forum
  1. Profilbild
    MartinM.

    Hm, das Ergebnis war wohl absehbar. Den triftigsten Grund für die Wortverknappung würde ich aber in Kommerzialisierung und Globalisierung sehen. Wer international gehört werden will, sollte leicht verständliches Englisch verwenden. Und ist die Zeit nicht auch ein Faktor? Je mehr Songs geschrieben und veröffentlicht werden, desto ausgeprägter müsste die Erwartungshaltung geraten.
    Dass ein Singer-Songwriter wie Dylan weit vor EDM Ikonen steht, überrascht auch nicht. Wie sähe wohl so ein Ranking für deutschsprachige Musik aus? Auch da würde ich den textlastigen Reinhard Mey ganz vorne sehen und die knappen Texte von Kraftwerk eher hinten. Nach Genre müsste man hier eigentlich auch unterscheiden.
    Text ist für mich ohnehin so eine Gretchenfrage. Muss ich als Nicht-Native-English-Speaker etwas poetisch wertvolles produzieren, obwohl ich das noch nicht einmal beurteilen könnte? Und gleichzeitig rotzt der Native Speaker in seinem Rap total falsches Englisch dahin. Nö, dann verziere ich meine Musik doch lieber mit Phrasen aus dem Baukasten. Selber schuld, wer da mehr erwartet.

    • Profilbild
      Tai AHU

      @Tai Es gab auch mal eine Untersuchung zur Silbenanzahl in der Rockmusik. Viele kamen nicht über zwei hinaus. Ok, lässt sich rhythmisch auch leichter setzen. Ab 3 Silben begannen die Texte der Intellektuellen. Schon lange her, dass ich das gelesen habe, daher keine Quelle.

      • Profilbild
        Sven Rosswog RED

        @Tai Bob Dylan hat es ja schon gesungen: All I’ve got is a red guitar, three chords and the truth. Bis auf die Wahrheit, die wohl jeder Künstler und Künstlerin für sich selber definieren darf, wirklich nicht sonderlich anspruchsvoll, aber unglaublich wie empfänglich die Menschen dafür sind.

        Dieter Meier von Yello auf die Frage nach dem wichtigsten Statement in der Musik:

        Wop-bop-a-loo-mop alop-bom-bom

        • Profilbild
          Flowwater AHU

          @Sven Rosswog >Dieter Meier von Yello auf die Frage nach dem wichtigsten Statement in der Musik:
          >Wop-bop-a-loo-mop alop-bom-bom

          Hahaha … ausgezeichnet! 😂👍
          Das muss ich mir merken. Das wird mir noch viele Tage versüßen!

      • Profilbild
        Einfach Toll

        @Tai Nun ja, längere Wörter machen einen Text kaum besser. Jeder Stilratgeber fürs schöne Schreiben empfiehlt, möglichst viele einsilbige Wörter zu verwenden. Man schaue sich nur mal Franz Kafka an: lauter einsilbige und hundsgewöhnliche Wörter. Wenn der gesungen hätte, wäre er ganz schön weit links im Diagramm oben.

        • Profilbild
          Sven Rosswog RED

          @Einfach Toll Das Dieter Meier Zita ist natürlich aus Tutti Frutti. Ein Lied, dass jeder mitsingen kann. Einer der ersten Rock and Roll Hits.

          https://youtu.be/F13JNjpNW6c

          Alles klar, Herr Kommisar? Ich hoffe das Zitat ist bekannt 😉🙂

          Ich glaube der erste Satz im Zauberberg vom Thomas Mann geht über eine halbe Seite oder noch Wahrscheinlich ist er auch länger. Oder kuck dir mal die unglaublich schönen Wortbilder von Tom Robbins an. Das Lieblingswort von Loriot war Auslegeware…😉 Sprache ist Bewegung, Sprache ist kreativ und ich glaube kaum nach Handbuch zu bewältigen. Es kommt natürlich drauf an, was für Sprache man meint. Die Wissenschaftssprache hat ganz eigene Regeln, ein Bericht lernt man nach gewissen Regeln in der Schule zu schreiben, wenn du ein Sonett schreiben willst, musst Regeln beachten. Andere haben diese Regeln genommen und sie den Abgrund herunter geschleudert.

  2. Profilbild
    Tai AHU

    James Ellroy hat in einem seiner Kennedy Mafia Bücher den Roman fast ausschliesslich mit Sätzen, die aus zwei Wörtern bestehen angefangen. Kommt wie Maschinengewehr rüber.

  3. Profilbild
    ARIMUSIK

    Man sollte irgendwie erwähnen, dass es sich hier ausschließlich um den amerikanischen bzw. englischsprachigen musikalischen Raum handelt. Das sieht man ja auch an den Jahrhunderte alten Interpreten, die hierzulande z.B. kaum eine Rolle spielen. Wenn man das etwas ins Verhältnis setzt und anders berechnen würde und z.B. mit der deutschen Sprache kombinieren würde, dann würde sich das alles schnell verschieben. — aber wie auch immer — Fakt ist: Die ganze Auswahl, Berechnungsgrundlage und somit das Ergebnis ist maximal einseitig.

  4. Profilbild
    dAS hEIKO AHU

    Die reine Anzahl der Worte ist interessant, aber der gebrauch der Wörter wiegt schon nochmal anderst. Ich bin jetz nicht Heinz Rudolf Kunze Fan. Aber die Art, wie er mit der Sprache spielt ist phenomenal. Nicht umsonst greifen auch andere Künstler gerne auf seine Texte zurück. Ähnliches läßt sich über die Nutzung von Sprache bei Anne Clark oder den Fantastischen Vier sagen.

    Gestern hab ich erst im Radio wieder mal die Beatles gehört: Give peace a chance hat halt nicht mal 10 Wörter. Der geballten Aussage des Songs tut das keinen Abbruch.

    Also mal nett zu lesen. Aber Statistiken sagen doch selten etwas über die Wirk- oder Tragweite der tabellarisch aufbereiteten Materie aus. Am Ende des Tages beurteilt man ja die Musik auch nicht nach der Anzahl verschiedener Noten oder Akorde.

  5. Profilbild
    moinho AHU 1

    „die Musiker der älteren Generation sich nicht scheuten, ihre Texte von Profis schreiben zu lassen“

    Ich wußte garnicht, daß die hier erwähnten Relativ/Absoluthighlights unter den alten Säcken Patti Smith und Prince sich ihre Texte von anderen Leuten schreiben ließen ;).

  6. Profilbild
    DieserTii

    Die gleiche Auswertung gab es vor 1 oder 2 Jahren auch mal für amerikanische und deutsche Rapmusik. Sehr spannend, da die Texte da natürlich nochmal einen ganz anderen Stellenwert haben als in der Popmusik. Die Schere ging zwischen den verschiedenen Künstlern mitunter recht weit auseinander.

  7. Profilbild
    BigDaddyGreezy

    Fairerweise muss man aber anmerken, dass HipHop/Rap in der Studie absichtlich ausgeklammert wurde. Allerdings sind ja mit die größten Stars unserer Zeit Rapper*innen, wodurch sich mir da der Sinn nicht ganz erklärt. Aber klar, viele Worte sind dem Genre ja auch inhärent, insofern wurde das wohl als nicht vergleichbar angesehen.

    Naja, hier kann man sich die Zahlen für den (US-amerikanischen) Rapbereich anschauen:
    https://pudding.cool/projects/vocabulary/index.html

    Die Studie oben verweist auch explizit dahingehend und diente ihnen wohl auch als Vorbild. Allerdings rechnen die anders (absolute Zahl an einzigartigen Wörtern).

    Aber an sich ist das ja eh Schmarrn, davon irgendeine lyrische Qualität ableiten zu wollen.

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