width=

20. November 2018

Synthimuse Endless Random Sequencer

Synthimuse Review

Kreativblockade? Writer’s block? Lustloses Rumklimpern? Lass Dich von der Muse küssen – der Synthimuse!
Dieses Desktopgerät verspricht, neue Melodien zu schaffen und den alten neues Leben einzuhauchen. Entworfen, gebaut und verkauft wird die kleine Muse von Gerry Murray, einem sehr sympathischen Synthesisten aus Glasgow, der stets ein offenes Ohr für Wünsche, Verbesserungen und Kritik an seiner Schöpfung hat.
Konzept
Das Konzept des „MIDI Composers & Re-Composers“ hat mich sofort fasziniert und so wurde ich einer der ersten zehn Kunden weltweit. Während es in Software und wohl auch im Eurorack – Bereich entfernt vergleichbares gibt, war mir das als Hardware völlig neu. Nicht schon wieder eine analoge Tischhupe, sondern eine Blackbox, die Noten ausgibt – ob man nun welche reinschickt oder nicht. Die Synthimuse – ab jetzt S.M. ;) – gibt MIDI aus, sonst nichts! Dazu ist natürlich ein MIDI – IO Pärchen an Bord, aber auch ein USB – B Port, ein Miniklinkeneingang und ein Mikrophon…genau, denn die S.M. kann auch aus eingehenden Audiosignalen Noten generieren – macht aber selbst keinen Ton. Dazu schließt man einen beliebigen MIDI – fähigen Klangerzeuger an oder wechselt über MIDI – CV in die wunderbare Welt der Modularen.
Funktionen und Bedienung
Die S.M. erzeugt Notenfolgen mit unterschiedlichem Zufallsanteil. Dazu stehen folgende Funktionen zur Verfügung:

Clock

Sie hat dazu eine interne Clock, kann zur MIDI Clock synchronisiert werden oder gibt nur dann Noten aus, wenn eine MIDI Note am MIDI – in anliegt. Über einen Clock – Teiler wird die Auflösung eingestellt, bei interner Clock dient der Regler zur Einstellung der Geschwindigkeit. Einen analogen Clock-Eingang oder eine BPM – Anzeige gibt es dabei leider nicht.

LFO

Ein MIDI – synchronisierbarer LFO kann die Tonhöhe, die Anschlagstärke und die Notenlänge beeinflussen. Neben klassischen Wellenformen wie Sinus, Rampe, Sägezahn, Rechteck und Puls stehen auch exotischere „Clusterwellen“ zur Auswahl.
Audio in
Die Tonhöhe und die Anschlagdynamik können auch über ein eingehendes Audiosignal beeinflusst werden, dabei gibt es einen Line – Eingang mit Abschwächer im Miniklinkenformat sowie ein einfaches Mikrophon auf der Rückseite des Gerätes –nicht eben optimal platziert, aber ohnehin eher als Dreingabe zu verstehen.

MIDI Looper

Ausgegebene Notenfolgen können mit einem Looprecorder aufgezeichnet werden. Die letzten 64 Noten sind stets gespeichert und können in vier Speicherplätzen abgelegt werden. Die Looplänge kann auch beschnitten werden, ebenso kann der Start – und Endpunkt des Loops notenweise verschoben werden. Der Looper trägt der Tatsache Rechnung, dass die Notenfolgen der S.M. zufällig und damit einmalig sind. Wenn man also eine besonders schöne Passage hört, kann sie der Looper speichern für alle Ewigkeit. Die Umschaltung zwischen Loop-Play und Notengeneration erfolgt per Kippschalter.

Tonhöhe

Hier dreht es sich um den Hauptzweck der Maschine – die Erzeugung neuer Tonfolgen. Dazu wählt man zunächst einen Grundton und dann eine Tonleiter. Die S.M. spielt dann den Grundton im gewählten Tempo – bis man den „Random“ Regler aufdreht! Dann erst generiert S.M. zunehmend zufällige Noten in der gewählten Tonleiter (chromatisch geht natürlich auch). Der Oktavumfang kann dabei positiv oder negativ vom LFO moduliert werden. So entstehen wie gewünscht sehr harmonische oder aber auch sehr abgefahrene Tonfolgen. Im Re-Composer Modus –also der Erzeugung neuer Töne auf Basis eingehender MIDI – Noten – wird statt der Tonleiter ein Arpeggio gewählt, das entweder gehalten wird, solange eine MIDI-Note gehalten wird oder eben weiterläuft, bis die nächste Note eintrifft. Schließlich ist auch eine Zufallstonleiter wählbar, oder man kann selbst Tonleitern einspielen, nach denen die S.M. dann Notenfolgen generiert (User Scale). Die Tonhöhe der gerade erzeugten S.M. Melodie kann aber auch über MIDI transponiert werden, dazu ist ein Kippschalter verbaut. Es wird hier also bereits also recht komplex…

Accent

Lebendige Melodien brauchen natürlich auch Variationen in der Anschlagdynamik – auch hier bietet S.M. eine ganze Knöpfchenreihe Spaß! Wieder können der LFO und ein Zufallsregler den Grad der Anschlagvariation beeinflussen. Daneben lässt sich über einen Offset-Regler die Grunddynamik einstellen. Eine Quantisierungsfunktion gibt es ebenso, die in der Praxis jedoch eher geringen Effekt zeigt. Leider reagieren nicht alle Synthesizer auf diesen Parameter, hierzu bitte in der MIDI – Implementation des Zielgerätes nachschauen.

Notenlänge

Die Notenlänge bietet neben den oben geschilderten Methoden der Modulation und Randomisierung noch die Möglichkeit, Zufallspausen einzulegen („Random Rests“), also Noten auszulassen. Das schafft sehr abwechslungsreiche Sequenzen, die wirklich nicht repetitiv wirken. Allerdings gibt es hier keine Möglichkeit, über ein Audiosignal zu modulieren. Dazu gibt es jedoch zusätzlich wieder einen Offsetregler und eine Quantisierung. Beide sind nützlich, um beispielsweise ausreichend lange und exakt getaktete Gates an einen Klangerzeuger zu schicken.

In der Praxis

Die S.M. ist schnell startklar und mit interner Clock und Neutraleinstellung der Notenlänge und Anschlagdynamik lassen sich schnell interessante Zufallsmelodien zaubern. Allerdings wird dann schnell klar, dass es sich hier doch um ein sehr vielseitiges und auch vielschichtiges Gerät handelt – sobald man beginnt, auch den Looprecorder einzubinden , erreicht man manchmal den Punkt, wo nicht mehr ganz klar ist, woher die Melodien nun eigentlich genau kommen. Die S.M. lässt sich durchaus gut und auch sinnvoll in einen musikalischen Kontext einbinden, indem man sie zum Beispiel auf die Tonika und Tonleiter des Tracks begrenzte Zufallsmelodien erzeugen lässt. Schöne Resultate bringt auch das Einspielen von MIDI – Spuren aus der DAW, aus denen die S.M. dann neue Variationen „Re-komponiert“ oder eher wie bei einer Improvisationen Soli auf der Grundmelodie spielt. Konzeptbedingt geht das nur monophon, wobei natürlich nichts dagegen spricht, Klangerzeuger anzusteuern, die aus Noten(-folgen) Akkorde machen. Ich habe das mit einem MakeNoise Telharmonic probiert, mit interessanten Ergebnissen. Die Steuerung durch Audiosignale erweitert die Möglichkeiten vor allem im experimentellen Bereich nochmals deutlich. Interessant ist es, Bassgitarre oder andere (vorwiegend) monophone Instrumente einzuspeisen. Anders als neue Klangerzeuger ist die S.M. eine Bereicherung der kompositorischen Möglichkeiten und eine echte Inspiration beim „Basteln“ neuer Melodien. Die Hardware macht dabei einen sehr soliden und gerade für ein Kleinseriengerät sehr logischen, gut durchdachten und professionell gefertigten Eindruck. Allerdings sind die Potiachsen nicht mit dem Metallgehäuse verschraubt – dies sollte jedoch nur für absolute Grobmotoriker ein Problem darstellen!
Ausblick

Fazit
Die Zukunft esoterischer Nischengeräte liegt unzweifelhaft im Eurorack-Modularbereich und so arbeitet der Entwickler, Gerry Murray, auch an einer Eurorack – Synthimuse, die über CV statt MIDI kommunizieren wird. Dementsprechend wird wohl auch die Hardware komplett anders aussehen – statt Desktopgerät eben ein Eurorack – Modul.
Forum
    • Profilbild
      Kybernaughty  

      Hallo, auf der HP steht zu lesen:
      „1. It can create endless random sequences of MIDI notes derived from the genuine random internal noise generator that is the same circuit as that used in the analog synthesizers of the 1970’s“

      und weiter:

      „The original idea for the SynthiMuse was to design a ‘Sample/Hold’ module for analog synthesizers.

      This module is traditionally used to generate truly random notes that have no connection to musical scales.

      We decided from the start that it had to be based on a genuine noise source and it was also necessary was to have the ability to play random notes in musical scales.“

      Vielleicht hilft das weiter – als „Update“ der Triadex direkt ist es – glaube ich – nicht gedacht, aber schreib doch dem Entwickler, er ist sehr kontaktfreudig und freundlich.
      LG

  1. Profilbild
    Marco Korda  

    Sehr interessantes Kästchen. Allerdings sind die YouTube-Beispiele so geartet, dass man zu der Überzeugung kommen könnte, es kann entweder nur chaotisch oder eher langweilig. Ich bin sicher, da steckt mehr dahinter.
    Richtig stark finde ich die Audio-Input-Möglichkeit, die daraus MIDI generiert. Sehr schöne Idee in Hardware gegossen.

    Eine Eurorack-fähige Variante könnte m. E. auch als Desktop funktionieren, denn sonst muss man wahrscheinlich auf was verzichten – das Gerät wird sonst im Rack viel Platz einnehmen!? Vielleicht gibt es ja auch beide Varianten!? Das wäre nett.

    Den Preis hast Du noch vergessen. Nach Deutschland kostet es dann ca. 275 Euro, das ist nicht teuer, wie ich finde.

    • Profilbild
      Kybernaughty  

      Hallo, ja danke für die Ergänzung des Preises! Ich hatte letztes Jahr noch einen Hunni mehr gezahlt als „Launch-Kunde“. Die Beispiele stellen ja meine ersten Schritte mit dem Gerät dar – vor einem Jahr etwa- und ich war furchtbar langsam mit diesem Artikel. Ich wollte eben auch bewusst die Bandbreite der möglichen Anwendungen zeigen, eben von langweilig bis experimentell / chaotisch. Für einen „richtigen“ Track, bei dem die SM praktisch komplett alle Melodien generiert, empfehle ich:
      soundcloud.com/kybernaughty/unknown-kadath

      Herzliche Grüße

  2. Profilbild
    swellkoerper  AHU

    Schöner Bericht, das Teil war mir nicht bekannt. Für eine Eurorack-Version sehe ich ehrlich gesagt schwarz, das Thema wird schon von extrem fähigen und beliebten Modulen wie der Music Thing Turing Machine oder, wenn man einen eingebauten Quantizer braucht, Mutable Instruments Marbles beackert. Gerade letzteres ist ein derartiger Volltreffer, da wird es sehr schwer werden, neue Akzente zu setzen.

    • Profilbild
      Kybernaughty  

      Hallo, danke!
      ja, Eurorack-Land ist schon sehr voll mit allerlei komischen Kreaturen – aber deswegen denke ich eher, dass es dort noch einfacher ist, Interessierte zu finden, wer weiß. Was Du über Marbles schreibst klingt sehr interessant aber die MT Turing Machine ist -sorry-nicht mal entfernt dran. Ich hab sie auch, selbst gebaut, versteht sich, und das Modul ist toll, aber die SM ist deutlich vielseitiger und vor allem viel einfacher in einen musikalischen Kontext zu bringen – will sagen, das Chaos ist da viel feiner und gezielter dosierbar! Schließlich haben mich Module wie TM oder auch Grids und A-159 oder Wogglebug uvm. gerade in die Richtung der mehr-oder-weniger Zufallsgeneratoren gebracht. Und ja, der Namenszusatz „Muse“ macht schon eindeutig, woher der Wind weht, oder?

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.