DJ-Workshop: Tipps & Tricks für das Streaming von DJ-Sets

16. April 2020

Ein kleiner Einsteiger-Guide zum Thema Streaming für Musiker

Streaming von DJ-Sets

Streaming von DJ-Sets – wie geht das am besten?

Jeder kennt es, jeder macht es und keiner weiß, wie es funktioniert. Na ja, zugegeben – der letzte Teil war gelogen, aber ja: Ob Netflix oder Spotify, es wird gestreamt, was das Zeug hält. Allerdings sind wir in diesen Szenarien häufig dann doch nur der Empfänger, wie wäre es mal, der Sender zu sein? Das Streaming von DJ-Sets ist gerade aktuell wohl die verbreitetste Variante, Clubs „zu ersetzen“ und den Fans seine Sets in das Zuhause zu transportieren. Live-Streaming von DJ-Sets von klein bis groß, vom Act aus dem Wohnzimmer oder dem Studio bis hin zu United We Stream, die Bandbreite ist groß, die technischen Möglichkeiten unterschiedlich. Wie kann man nun als Künstler Streaming mit einfachen Mitteln umsetzen? Welche Hilfsmittel gibt es und worauf muss man achten?

Genau das wollen wir euch heute in unserem Workshop zum Thema Streaming von DJ-Sets ein wenig genauer beleuchten.

Die gute Nachricht vorab: Das teuerste Gerät, was man zum live Streamen brauchen kann, hat fast jeder von euch bereits: Mit so gut wie jedem Smartphone ist es möglich, mit wenigen Touches bei Instagram oder Facebook Live zu gehen. An alle, die jetzt direkt irgendwie ihr Handy aufrecht balancieren, die CDJs anschmeißen und loslegen wollen: Halt, stopp! Wir möchten hier gute Qualität abliefern und dazu gehört nun mal auch guter Sound. Daher ist euer Smartphone-Mikrofon, das schlussendlich nur auf Telefonie ausgelegt ist, alles andere als qualitativ hochwertig.
Genau aus diesem Grund erstellen wir diesen Workshop für euch, um einige Möglichkeiten vorzustellen, wie ihr die beste Qualität in Sachen Streaming schaffen könnt.

Bevor wir zu den technischen Finessen kommen, erst einmal die Basics.

Streaming von DJ-Sets – die Basics

Punkt 1: Ihr braucht eine vernünftige Internetleitung. Selbsterklärend, aber dennoch nicht zu unterschätzen, denn mit ständigen Verzögerungen, Abbrüchen oder mit einer Qualität, die mehr Pixel als Bild ist, wird keiner euren Stream genießen können.

Punkt 2: „Nicht stören“ aktivieren. Oft wird das im Eifer des Gefechts vergessen und sobald ihr einen Anruf erhaltet, könnte der Stream abbrechen. Das können wir vermeiden. Der Flugmodus geht hier leider nicht immer, da ihr ja dennoch eine aktive Verbindung zum Internet braucht. Einige Geräte können im Flugmodus das WiFi angeschaltet lassen, andere schalten ab. Probiert es aus!

Punkt 3: Achtet auf den Bildausschnitt (und räumt im Zweifel vorher noch mal auf). Stimmt die Entfernung, sodass man euch und das Equipment gut sehen kann? Eventuell besteht die Möglichkeit, das DJ-Setup vor einem schönen Hintergrund aufzubauen. Für den Fall, dass ihr vor einem Fenster steht, achtet darauf, dass durch hereinscheinende Sonne euer Bild nicht überbelichtet wird.

Punkt 4: Besorgt euch ein Smartphone-Stativ oder einen Aufsatz für Smartphones, den ihr auch auf eventuell schon bestehende Stative schrauben könnt.

Punkt 5: Achtet auf die Stromversorgung. Die Verbindung zum Internet beim Upstream und das Filmen an sich verbraucht einiges an Akkuleistung. Wenn ihr, um die bessere Kamera zu verwenden, die Kamera auf der Rückseite benutzt und so nicht die Akkuanzeige eures Smartphones sehen könnt, habt ihr am Ende das 3-stündige Set eures Lebens gespielt, aber nur ein kleiner Teil wurde tatsächlich gestreamt. Für alle Apple-Benutzer, hier noch ein Adapter, der uns vor genau dem Problem bewahrt hat:

Belkin Lightning Adapter

Damit einem beim Streamen nicht der Saft ausgeht (Quelle: www.belkin.com)

Punkt 6: Um das vorhergehende Szenario weiterhin zu vermeiden, empfiehlt es sich, den Stream selber zu checken, sei es auf dem Laptop oder Tablet, nur damit ihr Kommentare oder technische Probleme sofort im Blick habt.

Punkt 7: Denkt daran, nach eurem Stream das Ganze zu sichern und so als Video-on-demand zur Verfügung zu stellen. Schön für alle, die euch zusehen möchten, aber es live zeitlich leider nicht schaffen.

Punkt 8: Achtet auf eine vernünftige Lautstärke. Nicht zu leise, aber definitiv auch nicht zu laut. Im besten Fall macht ihr vorher einen Probelauf und nehmt mit der Kamera-App ein kurzes Video als Soundcheck auf.

Punkt 9: Am einfachsten ist es, das Signal am Record-Ausgang abzugreifen, sofern euer Mixer über diesen verfügt. Eine Anmerkung hierzu ist, dass je nach Hersteller der Pegel jedoch noch mal deutlich reduziert werden muss, damit das Signal nicht übersteuert. Dies kennen wir von den Mixern von Allen & Heath, jedoch gibt es für den XONE:92 einen einfachen Workaround: Einfach den Master 2 nutzen, da dieser ein dediziertes Poti hat, mit dem man das Ausgangssignal bestimmen kann.

Streaming in der Praxis: Audio -> Handy?

So, nun da die Grundlagen geklärt sind, geht es endlich zu der Frage: Wie um alles in der Welt bekomme ich das Audiosignal aus dem Mixer direkt in mein Handy? Dazu müssen wir logischerweise einen separaten Ausgang am Mixer verwenden, natürlich empfiehlt sich hier der Rec-Ausgang. Falls euer Mixer keinen dedizierten Rec-Ausgang besitzt, hat er eventuell einen zweiten Master-Ausgang als Cinch. Sollte auch dieser nicht vorhanden sein, muss man Booth- oder Main-Ausgang verwenden. Da wir diesen Workshop für Livestreams von zu Hause aus gestalten, sollte ein Monitor-Paar via Main-Ausgang oder Booth-Ausgang als Beschallung in den eigenen vier Wänden genügen. Der Vorteil hierbei ist, dass ihr durch das Poti am Mixer die Lautstärke einstellen könnt.

Nachdem wir also wissen, wie wir das Signal abgreifen, ist die Frage, wie wir es jetzt ins Smartphone schleusen. Für alle Leser, die ein Smartphone mit Kopfhöreranschluss besitzen, ist klar, dass das Signal dort rein muss. Hat jedoch der Handy-Hersteller in jüngster Zeit auf den Kopfhörerausgang verzichtet, muss man den passenden Adapter von Klinke auf USB-Micro, -Mini oder -C und Lightning haben. Alternativer Grund: Ihr möchtet bei der Klangqualität ein wenig höher ansetzen als das, was die Wandler in eurem Smartphone bieten – damit fällt die Wahl unweigerlich auf einen externen AD-Wandler, also ein externes Gerät, das euer Signal vom Mixer von analog zu digital wandelt.
Aber Vorsicht: Hier wieder der Vermerk auf Punkt 5 und gleich eine Lösung: Verwendet einen Adapter, der auf sowohl Klinke für Audio als auch auf den jeweiligen Anschluss für Strom splittet. So stellt ihr sicher, dass euch beim Streamen nicht der Saft ausgeht.

Damit euer Smartphone das Audiosignal richtig abgreifen kann, möchten wir euch zwei Methoden bzw. Geräte vorstellen.

IK Multimedia iRig2, iRig Stream

iRig 2

Klein, aber oho – das iRig 2 (Quelle:https://www.ikmultimedia.com)

Als wir vor drei Jahren das erste Mal streamen wollten, lasen wir durch Zufall, dass man das iRig 2 nicht nur zum Anschließen von E-Gitarren benutzen kann, sondern um generell eine externe Klangquelle aufs Smartphone zu bringen. Das Gute hierbei ist, dass sich am iRig selbst der Eingangspegel einstellen lassen kann. Sehr praktisch, da wir nur einen Record-Ausgang am Mixer zur Verfügung hatten und der für eine Aufnahme zu laut war. Das Gerät hat uns nie im Stich gelassen, jedoch ist uns nach der ersten Freude ein Nachteil aufgefallen: Das Teil ist logischerweise mono! Wie es scheint, konvertiert sowohl Facebook als auch Instagram generell alles auf mono, egal ob Mono- oder Stereo-Input. Bei YouTube ging das Ganze immer schon in Stereo, nur leider nicht mit dem iRig.

Deutlich eleganter ist da die Lösung über das iRig Stream.

IK Multimedia iRig Stream

IK Multimedia iRig Stream

Dieses bietet Stereo-Cinch-Eingänge und löst damit das Mono-Problem, bietet dafür auch einen Level-Regler auf der Oberseite. Zudem gibt es einen kombinierten Headphone-Out/Mic-In.

EvermixBox4:

Evermix Mixbox 4

Evermix Mixbox 4

Keep it simple! Wer es einfach mag, dem empfiehlt sich die EvermixBox4 für rund 130,- Euro. Super simpel und super effektiv. Cinch vom jeweiligen Ausgang des Mixers an die EvermixBox4, vorsorglich noch ein Stromkabel mit der auch das Smartphone gespeist wird und bei erfolgreichem Input gibt es sogar noch ein visuelles Feedback durch die Änderung der Anzeigefarbe an der Box. Der Sound kann in der kostenfreien App aufgenommen, bearbeitet werden, auch direkt zu verschiedenen Plattformen oder aber die Box kann als Audiointerface in Kombination mit der Geräte-eigenen Kamera für Streaming zu Instagram, Facebook und Co. Quasi plug and play genutzt werden.

Das Gute: Die Box gibt es für Nutzer von iOS- und Android-Geräten. Wer sich diese kleine, feine Box noch einmal genauer anschauen möchte, der findet HIER den ausführlichen Test.

Evermix Mixbox4

Super simpel zu handhaben und das auch noch in Stereo!

Open Broadcaster Software

Diese beiden Optionen geben euch die Möglichkeit, direkt vom Mixer ins Smartphone und ins Internet zu streamen. Soweit, so gut. Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Die Verwendung von OBS, der Open Broadcaster Software. Frei erhältlich für Windows und Mac ermöglicht uns OBS eine große Palette an Funktionen zum Aufzeichnen, aber auch zum Streamen von Videos mit externen Kameras und externen Audioquellen. Beim Start der Applikation führt euch OBS durch verschiedene Voreinstellungen und fragt auch direkt, ob ihr eher streamen oder aufnehmen wollt. Danach werdet ihr aufgefordert, den Streaming-Schlüssel einzugeben. Dieser dient zur Kommunikation zwischen der Software und der von euch ausgewählten Plattform, sei es Facebook, Twitch, YouTube oder Periscope.

Im Einzelnen findet ihr diese hier:

Facebook: Post -> Livestream -> bei „Los geht’s“ statt Kamera Streaming-Schlüssel auswählen

Twitch: Menü (via Profilnamen) -> Dashboard -> Einstellungen

YouTube: Profil -> Erstellen -> Livestream -> Titel eingeben -> Livestream starte -> Verwalten

Nachdem man sich für die Plattform seiner Wahl entschieden hat, können wir in den Einstellungen von OBS Video- und Audioquellen einstellen. So wählt ihr eure Webcam und Soundkarte aus. Praktisch ist, dass OBS im Fenster „Audio Mixer“ direkt eine Pegelanzeige hat und dort die Lautstärke eingestellt werden kann. Mit im Mixer eingebauten Interfaces oder anderen externen Soundkarten kann man so ganz einfach das Signal vom Mixer abgreifen und in den Rechner schleusen.

Auf der visuellen Seite kann man die im Laptop integrierte oder eine externe Webcam verwenden. Wer mehrere Kameras verwenden möchte – seien es Webcams oder evtl. GoPros u. ä. – und zwischen diesen schalten möchte, kann das über verschiedene Szenen machen. Diese müssen dafür separat einen Video-Eingang eingestellt bekommen.
Cool daran ist, dass sich zwischen den einzelnen Szenen mit einem Mausklick wechseln lässt. Falls man also noch einen MIDI-Controller oder eher gesagt einen einzelnen Button nicht verwendet, kann man so das Wechseln von Szenen via OBS mappen und während des Live-Streams an der Hardware die Kamera-Perspektiven wechseln.

Streaming von DJ-Sets

Was anfangs nach wenig aussieht, stellt sich schnell als komplex und vielseitig heraus

Wir hoffen, dass euch dieser Crashkurs die nötigen Informationen mitgibt, damit ihr während dieser Zeit schnell ein wenig Musik und Freude verbreiten könnt, bis dass wir schließlich alle wieder gemeinsam tanzen gehen können. Aber selbst da ist es attraktiv, die Möglichkeit zu haben, seine Sets live zu streamen, na ja solange der Club nicht wieder in Kellerräumen ohne WLAN ist.

Kommende Woche folgt ein zweiter Workshop zum Thema Plattformen. Dann werden wir einen Blick auf mögliche Plattformen zum Streamen und auf einige Eigenschaften von diesen. Also, stay tuned!

Forum
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    Kutscher  

    Hallo The Droids,

    Ein netter Artikel, der beim „nachkochen“ aber für Frust sorgen wird.
    Du hast dich für die Technische Seite entschieden was auch total ok ist.
    Aber dein Artikel währe vor drei oder vier Jahren voll ausreichend gewesen. Heute ist auch das Livestreaming deutlich regulierterer vor allem das Genre „LiveDJSet“ ist auf YouTube und Facebook nicht mehr wirklich Praktikabel (außer als Teaser).

    Denn YouTube und Facebook wollen und müssen sich an Regeln halten was Vergütung GEMA angeht.
    Facebook hat eine Recht flotte Copyright AI welche den Stream recht Schnell abkneift,(Aber auch einen neuen Stream wieder zulässt), sobald Geschütztes Material erkannt wird. Auflegen mit Gemafreier Musik ist eher Mittelteil aber eine Herausforderung.

    Bei YouTube geht das Ganze schon deutlich besser, denn es gab einen Deal mit Rechteverwertern. Aber es gibt noch Werke Ohne Deal, z.B. „Ten Walls – Walking Witz Eleohantes“. Den Titel haben wir fast am Ende eines dreistündigen Livesets gespielt und der Ganze Stream war dann weg, sowie auch die Stunden davor. (Wir mussten in YT Editor den Stream dann Kürzen um den vorherigen Teil wieder Sichtbar zu bekommen).

    Weiterhin gibt es bei YouTube dann einen Strike wobei bei drei Strikes einen gelöschten Account gibt.

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      Bolle  RED

      Man könnte fast meinen, dass da im Artikel / am Ende des Artikels eine Ankündigung eines zweiten Teils zu finden war…vielleicht folgt da also noch etwas ;)

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        Kutscher  

        Hallo Bolle ja da hast du recht das es einen zweiten teil geben soll.

        Aber es ist natürlich auch einen andere Sache erst zu sagen was man alles benötigt, um dann zwei Wochen später zu präsentieren das es auf den relvanten Platformen doch eher nicht praktikabel ist. Und man teilweise seinen Account durch die drei Strikes riskieren soll.

        Zumal auf DJtechtools ein sehr ähnlicher Artikel das Thema von hinten angeht und sich erst mal über das was geht überhaupt dem Streaming nähert. Zumal Youtube Streaming mit Mobilgeräten erst ab 1000Followern möglich ist….. und das bei einem Artikel voller Mobiltelefon Gadegets.

        Wie im Ersten kommentar von mir schon. vor drei Jahren wäre das ein super Artikel, da gab es aber auch den Rechte Quatsch noch nicht, dafür bekommt man als Produzent auch fürs Streaming von anderen ein paar GEMA Kröten.

        Der Artikel ist nicht schlecht aber auch nicht vollständig.

        Gruß Kutscher

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          Bolle  RED

          Servus, warten wir doch einfach den nächsten Artikel ab. Wie man es dreht und wendet, du brauchst die Plattform und die Technik. Kommt erst die Technik, dann die Plattform, sagt der ein oder andere.: Das ist aber verkehrtherum – machen wir es anders herum, haben die Leute die Plattform, aber noch nicht die Technik.

          Wir liefern kommende Woche nach für ein hoffentlich dann umfangreiches Bild :)

  2. Profilbild
    lightman  AHU

    Jaja, immer diese „Rechte“-Wegelagerei, echt zum Davonlaufen, damit hab ich auch schon reichlich Bekanntschaft gemacht.

    War in der letzten Zeit auf Mixlr unterwegs und habe zusammen mit Kollegen aus England diverse Sachen gemacht, da gabs das Problem zum Glück nicht.

    Der Artikel deckt wohl alles ab, was man braucht, um loszulegen. Kommt gerade recht in unseren Zeiten.

    Apropos live, hab neulich bei schönem Wetter alle Fenster und Türen aufgerissen und der Nachbarschaft einen 30-minütigen Livegig spendiert. Einige Häuser weiter fanden sie es ganz gut, ein paar der älteren Herrschaften nicht so, die habe ich dann mit Hildegard Knef-Songs besänftigt, nach „Heimweh nach dem Kurfürstendamm“ wars wieder gut.

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