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Feature: CITES – oder der K(r)ampf mit den Hölzern


Bubinga, Dalbergia Nigra und andere Exoten

Wir schreiben das Jahr 2011. Das Artenschutzabkommen CITES rückt plötzlich in den Fokus der Musikerszene, als den Behörden in Deutschland aufgeht, dass das seit 1992 streng geschützte Rio-Palisanderholz, Dalbergia nigra, in der Vergangenheit nicht nur zum Bau von Möbeln, sondern auch für Musikinstrumente genutzt wurde. Absage der Vintage Guitar Show in Münster wegen des Verbots der kommerziellen Nutzung des Holzes, Aufruhr in sämtlichen Musikerforen. Die Information sickert durch, dass Instrumente, bei denen Rio-Palisander verbaut wurde, theoretisch bei Liveauftritten oder Ausstellungen von den Behörden beschlagnahmt werden können, sofern die entsprechenden Papiere und Bescheinigungen nicht vorliegen. Gleichzeitig wird die Fabrik des Gitarrenbauers Gibson in den USA aufgrund von Verstößen gegen die Einfuhrbedingungen von der Polizei besetzt und vorübergehend geschlossen. Als sich herausstellt, dass kaum etwas so heiß gegessen wie gekocht wird und das entsprechende Holz sowieso fast nur auf amerikanischen Gitarren der 1930er bis 1960er Jahre verbaut ist, die sich preislich heutzutage weit jenseits von Gut und Böse befinden, legt sich die Aufregung schnell. Nichtsdestotrotz, ein schaler Beigeschmack bleibt und das Thema taucht in den folgenden Jahren verlässlich wieder auf, sobald über Vintage-Gitarren diskutiert wird.

Ende 2016 dann der vermeintliche Paukenschlag, auch andere, deutlich häufiger verwendete Palisander-Arten und das vor allem beim Bau von Bässen und Schlagzeugen populäre Bubinga landen ab 2017 auf der Artenschutzliste des CITES. Werden alle Gitarren mit Palisandergriffbrettern illegal oder nur noch unter ständigem Papierkrieg zu verwenden? Darf ich meine geliebte Warwick aus Bubinga weiter live spielen oder knöpft mir die Polizei den ab, sobald ich mich damit in der Öffentlichkeit blicken lasse? Scharen von Musikern laufen los und stellen Anträge auf Bescheinigungen, dass man das entsprechende Instrument vor dem Stichtag, dem 02.01.2017 bereits besaß, um auf der sicheren Seite zu sein.

Fällt seit 2017 unter CITES-Artenschutz: Warwick-Bass aus Bubinga.

Wie stellt die Situation sich jetzt wirklich da? Ganz kurz gesagt: Rio-Palisander ist und bleibt problematisch, alles andere darf man ohne weiteres weiterhin verwenden. Instrumente mit Bubinga und Palisander werden auch weiterhin hergestellt. Allerdings gelten für den Verkauf solcher Instrumente und vor allem für die Hersteller im Rahmen der Holzbeschaffung strengere Bedingungen. Aus diesem Grund lohnt sich ein genauerer Blick auf die Regulatorien – das Risiko besteht im Moment weniger darin, dass Instrumente beschlagnahmt würden, allerdings könnte es theoretisch passieren, dass man seine teuer erstandene und vielleicht sogar als Geldanlage genutzte Gitarre irgendwann mangels Papieren nicht mehr legal wieder verkaufen kann.

Der Kern der Sache liegt wie gesagt im CITES, dem Washingtoner Artenschutzabkommen. Dieses listet Rio-Palisander im Anhang I, damit steht es auf einer Stufe mit Pandafellen, Sumatra-Nashörnern und Alpenveilchen, es besteht quasi ein komplettes Nutzungsverbot. Diverse andere Palisanderarten und Bubinga hingegen sind zum Jahr 2017 in den Anhang II aufgenommen werden und unterliegen damit aufgrund ihres Status als gefährdete Arten gewissen Handelsbeschränkungen. Das Hauptproblem werden damit die Instrumentenhersteller haben, die genauestens auf die Herkunft des Holzes und die notwendigen Genehmigungen konzentrieren werden müssen. Aber eins nach dem anderen, nehmen wir die Sache mal etwas auseinander.

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    Green Dino ••••

    Jetzt weiss ich endlich mal was TIR bedeutet. Hab mich das als Kind im Auto bestimmt tausend mal gefragt^^
    Internet war da halt noch nich…
    Naja, Verwaltungsaufwand hin oder her, solche Dinge hätte man schon viel früher und wesentlich umfassender anleiern müssen.
    Am besten überall wo nötig.
    Ist vielleicht nur meine Meinung, aber wie es momentan aussieht muss man ja richtig fürchten, dass die Menscheit irgendwann richtig den Sprung ins Weltall schaffen könnte. Dann hätten wir „die Heuschrecken“ aus dem Film „Independence Day“.
    Grüsse

  2. Profilbild
    Franz Walsch •••

    Meines Kenntnisstandes ist es egal aus welchem Holz die E-Gitarre ist.
    Es gibt auch eine schöne Doku mit Jack White (White Stripes) »It Might Get Loud«, die zeigt wie er ein Stück Holz zur E-Gitarre macht.
    Absurd erscheint mir das Besitzverbot von älteren Instrumenten. Das bringt keinen Baum zurück. Außerdem wusste ja damals niemand, das das in der Zukunft die verbotene Frucht sein wird und viele Besitzer kennen gar nicht die verbaute Holzart. An den Grenzen muss man jetzt eine Holzunbedenklichkeitsurkunde mitführen?
    Das Holz nachzuweisen, dürfte bei komplett lackierten Modellen auch schwierig werden. Deshalb wäre es gut, diesen Nachweis in Form einer
    EC-Karte bei jedem Instrument beigelegt zu bekommen.
    Hoffentlich hilft das alles dem Regenwald.

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      LittleGizzmo

      Quote: Absurd erscheint mir das Besitzverbot von älteren Instrumenten. Das bringt keinen Baum zurück. Außerdem wusste ja damals niemand, das das in der Zukunft die verbotene Frucht sein wird und viele Besitzer kennen gar nicht die verbaute Holzart. An den Grenzen muss man jetzt eine Holzunbedenklichkeitsurkunde mitführen?

      Ich habe in den Mittneunzigern mit meinem Stiefvater ein Zoofachgeschäft betrieben. CITES war bei uns damals gang und gäbe (Reptilien, Zahlreiche Arten im Bereich Seewasser usw usw) Wer einen damals „illegalen“ Kaiserfisch haben wollte, zahlte Unsummen dafür. Wir bekamen die Tiere damals aus den Niederlanden, so richtig gängstermässig auf einem Autobahnparkplatz…

      Der Besitz von Mördermuschelschalen, Korallenskeletten geschützter Arten war (ohne CITES) verboten, soviel zur Absurdität . Man war (und ist glaubich) ein krimineller, wenn die Kids am Strand Schneckengehäuse finden und ins Gepäck in die Heimat importieren wollen. Oder Bienenhonig samt Waben, eingelegte Weinblätter bestimmter Rebsorten?? Artenschutz ist wichtig, aber die Regeln und Gesetze sind teilweise wirklich grenzwertig absurd. Wie heisst es doch immer gern, Unwissendheit schützt vor Strafe nicht

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      TobyB RED

      Hallo Franz,

      da gibt es ja eine großzügige Stichtagsregel. Und die Bürokratie ist leider nötig, um dem Zoll die Arbeit zu vereinfachen. Das der Raubbau von Harthölzern nun auch die Musikinstrumente trifft, war abzusehen. Die Thematik ist ja nun nicht neu. Stichwort Schiffsbau, Möbel und Baumärkte, da waren ja die Tropenhölzer gang und gäbe. Und das Urwaldplantagen nun durch Rodung zu Palmholzplantagen mutieren, ist leider auch nicht neu. Im Prinzip gehts bei CITES um die Eindämmung von illegalem Naturraub. Und nicht um Bestrafung von Musikern.

  3. Profilbild
    TobyB RED

    Hallo Peter,

    sehr gut geschrieben. Zwei Ergãnzungen. Der Zoll übernimmt mit dem BfN die CITES Durchsetzung. Für Musikinstrumente ist wiederrum die Behörde des Bundeslandes zuständig. Hier kann man die CITES Freistellung mit dem Formular 211 einholen. Achtung die Beweise und Belege ab. An dieses Dokument wird ein Beiblatt angesiegelt, welches der Zoll bei Einfuhr und
    Ausfuhr abstempelt. Das heisst auch das ich die beglaubigten Kopien zum genehmigten Antrag mitführen muss. Das Carnet kommt dann noch on top. Wichtig sind die Fristen, wenigstens drei Monate vorab zum lokalen Umweltamt gehen oder wenn das Budget es hergibt einen Zollagenten einschalten. Wer keine Belege hat, weil gebraucht gekauft, sollte sich den Gang genau überlegen. Wenn ich nicht unter die Stichtagregel falle, sollte sich das Kap. 7 zu den Vollzugshinweisen zum Arten und Biotopenschutz durchlesen.

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