Gibson droht Händlern von Dean Guitars

10. Juli 2019

Nächste Runde im Klagedrama - Gibson schlägt um sich!

 

Es wird schmutzig: Gibson, die zuletzt signalisiert hatten, dass sie die Situation mit Dean Guitars entschärfen wollten – Kollaborieren statt Klagen lautete da die Devise – legen es anscheinend trotzdem auf eine Konfrontation an.

Denn Armadillo Enterprises scheinen nicht so einfach klein beigeben zu wollen: Die Mutterfirma von Dean Guitars hat am 8.7. vor einem texanischen Gericht die Gegenklage erhoben. Die Vorwürfe wiegen schwer: Gibson sollen sich mit Geschäftspartnern von Dean Guitars heimlich abgesprochen haben und, was um einiges schwerer liegt, den Guitar Dealers und Vertrieben von Dean Guitars mit rechtlichen Konsequenzen gedroht haben, sollten sie nicht sämtliche Halbresonanzgitarren sowie sämtliche Modelle mit V- oder Z-Form von Dean Guitars aus dem Sortiment nehmen. Ein erheblicher Schritt und ein ganz klarer Vorstoß Richtung Eskalation. Denn indem Gibson den Druck auf die Dealer erhöht, die viel weniger als Konzerne wie Armadillo Enterprises in der Lage sind, sich rechtlich zu wehren, steht Dean Guitars allmählich mit dem Rücken zur Wand. Eine Gegenklage ist somit der einzige logische, nächste Schritte und sicher etwas, was Gibson einkalkuliert haben dürften. Die Dealer sehen sich indes hier nämlich einfachen, rechtlichen Tatsachen gegenübergestellt: Wenn sie die entsprechenden Modelle nicht aus dem Sortiment nehmen, sind sie in der Klageschrift als Mittäter des trademark infringement gelistet. Die Drohungen haben Wirkung gezeigt: Erste Dealers reagieren und fahren das Sortiment von Dean Guitars vorläufig zurück.

Spät dran – so lautet der vorläufige Gegenvorwurf von Dean Guitars gegenüber Gibson. Die in der Klageschrift genannten Shapes sind seit Jahrzehnten auch außerhalb von des Hauses Gibson im Umlauf und haben unabhängig von dem Gitarrenbauer einen legendären Stand entwickelt. Da hatte Gibson zum Teil über dreißig Jahre Zeit, um sich rechtlich einzuschalten – getan hat das Unternehmen nichts. Das sah zuletzt ein EU-Gericht ähnlich und hatte Gibsons Klage für den Flying V Trademark in Europa nicht stattgegeben.

Prinzipiell verwiesen Dean Guitars auf einen weitern, in ihren Augen absurden Umstand: Unzählige Weltklasse-Musiker haben in den letzten Jahrzehnten mit Dean Guitars Geschichte geschrieben, sei dies Dimebag Darrell, Michael Schenker oder Eric Peterson. Würden Gibson ihr Recht bekommen, hieße das im Nachhinein, besagte Musiker hätten jahrzehntelang mit gefälschten Gitarren auf den Bühnen gestanden und diese gefördert.

Insgesamt macht das Timing von Gibson extrem skeptisch – das Unternehmen war in jüngster Zeit durch fehlgeschlagene Neuausrichtungen in gefährliches Fährwasser geraten. Dass ausgerechnet jetzt und mit einer solchen Aggressivität um ihr vermeintliches Erbe kämpft, ist viel – glaubwürdig jedoch ist es nicht.

Wer sich eine ausführliche rechte Meinung zum Thema geben möchte:

Forum
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    Larifari  

    Danke für den Bericht.
    Ich hab von Gitarren wenig bis keine Ahnung. Ich kenne noch nichtmal die Firma Dean. Mich interessiert aber die rechtliche Lage und vor allem die Auswirkungen auf den Markt. Fühlen sich evtl. andere Hersteller ermutigt ähnliche Schritte einzuleiten oder wird man eher Abstand nehmen !? Stichwort „Roland“. Spannend spannend…

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