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Test: Pioneer DDJ-200, DJ-Controller

6. Juni 2019

Pioneers neuer DJ-Controller für den Einsteigerbereich ist Tool und Toy zugleich

Pioneer DDJ-200

Pioneers DDJ-200 DJ Controller ist ein preiswerter Einsteiger-Controller und rundet Pioneers aktuelle Produktpalette nach unten hin ab. Wie immer in dieser Preisklasse lautet die entscheidende Frage: Toy oder Tool? Die Antwort liefert unser ausführlicher Test.

Selbstverständlich steuert die kleine Kiste Pioneers DJ-Software Rekordbox DJ. Ihre wahre Bestimmung dürfte sie aber als Controller für mobile DJ-Apps finden. Namentlich das hauseigene WeDJ aber auch DJay und edjing Mix können gesteuert werden.

Layout des Pioneer DDJ-200 DJ-Controllers

Der DDJ-200 präsentiert sich sehr aufgeräumt und reduziert, was mir sehr gut gefällt. Im Vergleich zum Kontrol S2MK3 von Native Instruments und dem Inpulse 300 von Hercules, die ich zum Vergleich heranziehen werde, fehlen separate Effekt- bzw. Loop-Steuerungen völlig. Interessant: Auch die Möglichkeit über den Controller in der Library zu suchen und Musik in Decks zu laden, sucht man auf dem DDJ-200 vergeblich. Das ist nur konsequent, denn das Gerät ist für die Zusammenarbeit mit Mobilgeräten und der WeDJ-App optimiert. Und ganz ehrlich, wer braucht schon Browsing auf dem Controller, wenn man auch direkt auf dem Touchscreen des Telefons scrollen kann


. Jedenfalls tut die Funktionsumfangs-Askese dem Layout seht gut. Kein Vergleich zum Inpulse 300, der dagegen schon sehr unübersichtlich wirkt. 
Die Kehrseite ist der Verzicht auf die oben genannten Funktionen ebenso wie die Gain-Regler.
 Immerhin, kanalweise bipolares Filter am Mixer gibt es. 

Auch bei preiswertesten Controller bleibt Pioneer dem asymmetrischen ans Club-Setup angelehnten Layout treu, was ich ja bekanntermaßen einfach richtig finde.

Pioneer DDJ-200

Layout- und Größenvergleich mit dem S3MK3 von Native Instruments



Konnektivität

Das wird jetzt ein kurzer Programmpunkt, denn der einzige Anschluss, der sich am DDJ-200 finden lässt, ist ein USB-Port. Damit handelt es sich um den ersten all-in-one Controller ohne eingebaute Soundkarte, der mir seit den Tagen des legendären Vestax VCI-100 über den Weg läuft, was mehr als 10 Jahre her sein muss. 
Pioneer geht einen ungewöhnlichen, aber für ein Gerät dieser Klasse sehr konsequenten Weg. 
Die Audioausgabe muss entweder über ein separates Interface oder über den eingebauten Ausgang des genutzten Rechners oder Mobilgerätes erfolgen. Ein Mono-Splitterkabel liegt der Packung bei, das Vorhören auch ohne separate Soundkarte ermöglicht. Ich würde das als sinnvollen und zielgruppengerechten Kompromiss bezeichnen. Und Stereo wird sowieso überbewertet. 

Im Betrieb mit einem Mobilgerät kann der DDJ-200 über ein USB-Netzteil geladen werden. Die Verbindung zwischen Telefon bzw. Telefon und We-DJ erfolgt über Bluetooth.

Pioneer DDJ-200

Sparsam: Die Anschlussmöglichkeiten beschränken sich auf USB (und Bluetooth)

Die Haptik – wie fasst sich der DDJ-200 DJ-Controller an?

Ich muss sagen, ich bin ziemlich beeindruckt. Angesichts des Preises von 160,- Euro fühlt sich der Controller sehr wertig an. 
Die Tasten und Druckknöpfe klicken satt und erinnern überhaupt stark an die des S2MK3 von Native Instruments. Die echte Überraschung aber sind die Potis der EQs und Filter. Sie wackeln zwar ein wenig mehr als die des Mitbewerbers von NI, setzen den Fingern aber einen wesentlich konsistenteren Widerstand entgegen und auch die Mittenrasterung ist sehr viel deutlicher zu erspüren. Bei normaler Bedienung erinnern sie mehr an die Regler des S4MK3 und der spielt in einer ganz anderen Liga. Auch die Tempo-Fader sind um einiges robuster und auch doppelt so lang wie die wenig vertrauenerweckenden Konstruktionen bei Hercules und NI. 

Die kapazitiven Jogwheels sehen zwar fast exakt genauso aus wie die der kleinen Hercules Konsole – sogar die „Search“-Beschriftung ist identisch- aber die Wheels sitzen ganz deutlich fester und im Gehäuse. Für ein Gerät dieser Preisklasse kann ich sie eigentlich nur als sensationell bezeichnen.

Pioneer DDJ-200

Stabil und gar nicht mal so klein: Die Jogwheels

Der Klang – welcher Klang?

OK, dieser Absatz wird wirklich kurz, muss aber sein. Mangels Soundkarte gibt es keine Soundqualität, die es zu bewerten gäbe. Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu lesen.





Alleinstellungsmerkmal: Tutorials

Wo die Inpulse-Serie von Hercules mit seinem „Beatmatch-Guide“ auf Hardware-unterstützes Lernen manuellen Beatmatchings als Alleinstellungsmerkmal setze, versucht Pioneer mit kleinen Tutorials die Geldbeutel der Sponsoren der minderjährigen Zielgruppe anzusprechen. 
Grundsätzlich immer eine gute Idee, blöder wird man davon sicher nicht. 
Man darf sich halt nicht zu viel versprechen. Viel mehr als ein paar hübsche Tool-Tipps kann man nicht erwarten. Hier mal ein Screenshot:

Pioneer DDJ-200

So sehen die eingebauten Tutorials aus

Das Zusammenspiel mit Rekordbox DJ

So ein Controller ist ja ohne die Software, die mit ihm bedient wird, nur ein ziemlich sinnloser Kasten mit einem Haufen Knöppen daran. Also schauen wir mal, wie sich der DDJ-200 schlägt, wenn man ihn seiner Bestimmung zuführt. 
Zunächst probieren wir es mit Rekordbox DJ: Wie zu erwarten war, läuft der DDJ-200 reibungslos und Plug and Play. Etwas überraschend für mich: Auch im Zusammenspiel mit Rekordbox DJ rechnet der DDJ-200 wohl nicht mit einer externen Soundkarte. Oder präziser: Der Soundkarte wird nichts zugetraut, denn obwohl RB automatisch mit meinem externen Interface verbunden hatte, kam nur aus einem Kanal ein Signal. Die Lösung: Rekordbox DJ hatte automatisch auf gesplittete Monowiedergabe gestellt.

Pioneer DDJ-200

Die Einstellung für die Nutzung mit Mono-Splitterkabel innerhalb Rekordbox DJ

Das war allerdings die letzte und einzige Irritation. Der DDJ-200 tut im Zusammenspiel mit Rekordbox DJ, was er soll und kann. Das ist angesichts der kargen Ausstattung des Controllers nicht viel, reicht aber vollkommen für ein einfaches traditionelles Set ohne Effekte, Loops usw. völlig aus. Wer will, kann die Funktionen, die nicht auf dem Controller zu finden sind, jederzeit mit Maus oder Tastatur bedienen oder einen Zusatzcontroller anschließen. 
Ich gehe soweit, dass die Kombination aus DDJ-200 und einem DDJ XP-1 bei mir wenig Wünsche diesbezüglich mehr offen ließe. Wenn ich es mir recht überlege, wäre das in Verbindung mit einer kleinen Soundkarte ein schönes Reise-Setup.

Das Zusammenspiel mit WeDJ

Pioneer DDJ-200

WeDJ in voller Pracht

Richtig scheinen kann der DDJ-200 natürlich erst mit der hauseigenen WeDJ-Software.
Das Verkoppeln der Software mit dem Controller ist einfach. Ein Klick in den Preferences und die Bluetooth-Verbindung steht. 

Am kleinen iPhone-Bildschirm wirkt die App relativ überladen und für meine beginnende Altersweitsichtigkeit wird es schwer, alle Details zu erkennen, aber grundsätzlich erschließen sich alle wichtigen Funktionen sofort.

 Der DDJ-200 wirkt in dieser Umgebung deutlich weniger rudimentär ausgestattet, denn im Zusammenspiel mit WeDJ kann er wesentlich mehr als mit Rekordbox DJ. Das liegt vor allem daran, dass Pioneer verstanden hat, dass ein Touchscreen quasi eine Verlängerung des Controllers sein kann. 
Wie schon weiter oben gesagt: Wenn es um das Scrollen in Playlisten geht, empfinde ich einen Touchscreen gegenüber dem klassischen Browse-Encoder als das bessere Tool. 
Die acht „Performance Pads“ können Pioneer-typisch verschiedene Funktionen annehmen. Sie steuern wahlweise Cue-Punkte, Loops, den Sampler oder Effekte. Und schon fühlt sich die kleine Kiste gar nicht mehr sparsam ausgestattet an. Dazu kommt noch, dass die mit „CFX“ überschriebenen Filterregler in WeDJ analog zu den Colour FX der DJMs mit zusätzlichen Effekten belegt werden können. Hier stehen neben dem klassischen Filter noch „Jet“, „Crush“, „Noise“ und „Pitch zur Verfügung.

Als ob das nicht genug wäre, ist WeDJ noch mit einer höchst interessanten Funktion namens „Transition FX“ ausgestattet, die im Wesentlichen Effektkombinationen sind, die mit dem Crossfader gesteuert werden und Laien ermöglichen sollen, interessantere Übergänge zu gestalten. Das geht vom einfachen Filtermix, also einem Crossfade übers Frequenzspektrum anstatt wie normalerweise über die Lautstärke, bis hin zu wesentlich abgefahreneren Kombinationen, die auch den alten Track stoppen und den neuen starten, also eher so etwas wie Cuts auf Steroiden sind. Interessantes Feature, das ziemlich perfekt auf die angepeilte Zielgruppe zugeschnitten sein dürfte. 

Auch wenn WeDJ auf dem Telefon in meiner Welt wie ein Spielzeug wirkt, so ist es doch ein Spielzeug, das in der Fischertechnik-Liga spielt. Will sagen, man kann wesentlich mehr damit machen, als es zunächst den Anschein hat. Jede Menge Spaß zum Beispiel.

Pioneer DDJ-200

Das Einstellfeld für die zum Teil sehr abgefahrenen Transition FX




Streaming

Für die Zielgruppe des DDJ-200 mit hoher Wahrscheinlichkeit eines der wichtigsten Features, ist die Fähigkeit der angeschlossenen DJ-Software, Musik von Streaming-Diensten einzubinden. 
Ein bisschen klangen die Ankündigungen so, als hätte Pioneer eigentlich alle relevanten Dienste am Start, aber das ist nicht mal die halbe Wahrheit. Welchen Dienst ihr nutzen könnt, hängt stark von der verwendeten DJ-Software ab. Welche DJ-Software ihr aber überhaupt nutzen könnt, hängt wiederum von der verwendeten Plattform ab.
Alles ein bisschen kompliziert und fragmentiert in der schönen neuen Streaming-Welt. Mit Pioneers WeDJ könnt ihr von Beatport Link und Soundcloud Go+ streamen, aber nur unter iOS, ebenso wie (ab Herbst 2019) mit Rekordbox DJ. Ob WeDJ für Android jemals Streaming unterstützen wird, ist „nicht bekannt“. Spotify läuft nach wie vor nur mit Algoriddims DJay, das nur unter iOS funktioniert. Deezer wird nur von edjing Mix unterstützt.

Hier mal eine Tabelle, anders kann man sich das ja nicht merken:

Ein bisschen unübersichtlich: Welche App kann von welchem Dienst streamen?

Fazit

Der Pioneer DDJ-200 DJ-Controller ist ein hochinteressanter Einsteiger-Controller, der sich auf die Kernfunktionen beschränkt und hervorragende Verarbeitungsqualität zu einem attraktiven Preis bietet. Diesen erkauft man sich allerdings durch den konsequenten Verzicht auf ein eigenes Audiointerface. Das mitgelieferte Mono-Splitterkabel dürfte für die angepeilte Zielgruppe den Job einer Soundkarte aber mehr als gut genug erledigen. 
In Verbindung mit Pioneers WeDJ-App ergibt das abgespeckte Gerätekonzept erheblich mehr Sinn, denn dann werden einige auf der Hardware fehlenden Funktionen über den Touchscreen des Mobilgeräts gesteuert, was hervorragend gelöst wurde und sich intuitiv bedienen lässt. 
Besonders interessant sind dabei die „Transition FX“, mit denen auch Laien durchaus beeindruckende Übergänge zaubern können. 
Alleine schon für das mutige Konzept und den niedrigen Preis gibt es von mir eine Kaufempfehlung für Pioneers DDJ-200 DJ-Controller.

Plus

  • attraktiver Preis
  • hervorragende Verarbeitung
  • schnörkelloses Layout

Minus

  • in Verbindung mit Rekordbox DJ sehr rudimentäres Interface
  • kein Audiointerface

Preis

  • Ladenpreis: 159,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    DJ Ronny  

    Hi, danke für deinen Bericht/ Test. Gefallen hat er mir nicht. Um es positiv auszudrücken, dir ist es gelungen Defizite als Vorteile darzustellen. Keine Soundkarte, geht schon mal gar nicht. Hast du im Fazit dann doch als Minus angegeben, im Text klingt das anders. Für den Preis gibt es doch einige Controler, die besser ausgestattet sind.
    Woher kommt nur diese Weisheit „Stereo wird überbewertet“? Ich frage mich warum sich die vielen Musiker, Produzenten usw. so viel Mühe geben alles in Stereo zu machen. Nach meiner Jahrzehnten langen Erfahrung als DJ, gibt es nur sehr wenige Situationen, wo Stereo bei Veranstaltungen nichts bringt.
    Mein Fazit zu diesem Gerät, ein Teil, was die DJ Welt nicht braucht, weil es die von anderen Herstellern in der Preisklasse in besser schon gibt, auch für Anfänger.

    • Profilbild
      Walter Marinelli  RED

      @DJ Ronny

      Danke für Dein Feedback.
      Mir ist nicht ganz klar, wieso du denkst, ich würde die fehlende Soundkarte „als Vorteil darstellen.“ Aus welcher Formulierung liest du das heraus? Wörtlich habe ich es als „sinnvollen und zielgruppengerechten Kompromiss“ bezeichnet. Als Kompromiss, nicht als Vorteil.

      Die Aussage, dass Stereo überbewertet wird, stützt sich in diesem Fall auf zwei Argumente:
      Erstens, die Zielgruppe des Geräts dürfte eher eine Boombox, als eine PA benutzen.
      Zweitens: Tatsächlich habe ich so viele PAs gehört, die mono liefen und ich habe so oft den Monoschalter am Mixer betätigt, weil zB ein Kanal eines Plattenspielers ausgefallen war o.ä., ohne dass es jemals jemandem aufgefallen wäre, dass ich gar nicht anders kann, als so zu denken.

      Was die Produzenten betrifft: Sie geben sich mindestens genauso viel Mühe, ihre Tracks monokompatibel zu mischen, wie eine schöne Räumlichkeit zu erzeugen.
      Beides ist notwendig.

      Ob die Welt das Teil braucht oder nicht, will ich gar nicht entscheiden, das kann die Welt bestimmt auch ohne mich. Aber welche Controller in der Preisklasse besser sind, würde mich sehr interessieren. Ich teste gerne Einsteigercontroller.

      • Profilbild
        DJ Ronny  

        Okay, dann Kompromiss, ich habe ja geschrieben im Fazit, Minus. Du hast ja selbst schon Controller angeführt, die eine eingebaute Soundkarte haben. Ich finde es nur nicht schön, das dieser Pfennig Artikel nicht mit eingebaut wurde. Numark, Herkules, Traktor, Reloop und noch einige andere Hersteller tun es doch auch.
        Mono als Notlösung ist okay, aber Stereo wird überbewertete finde ich nicht okay. Aber das wird eine Diskussion wie z.B. warum WAV oder Flac Dateien, MP3 reicht doch auch für die Disco. Die Gäste hören den Unterschied sowie so nicht.

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