Test: AKAI MPC1000 Sample-Groovebox, Version 2.01

16. Februar 2006

Großes offizielles Up-Date für die MPC1000

Lange und sehnsüchtig mussten die Besitzer eines AKAI MPC1000 auf dieses Update warten, nun brachte Akai endlich zur NAMM das neue Betriebssystem in der Version 2.01 heraus. Wie ein völlig neues Gerät erstrahlt das kleinste Mitglied der MPC-Familie durch die enorm umfangreichen Neuerungen.
Neben lange überfälligen Bugfixes, jeder Menge neuer Möglichkeiten der Samplebearbeitung, einem Delay und umfangreichen Automationsoptionen, ist es vor allen Dingen die bedienerfreundlichere Interfacegestaltung, die für Begeisterung sorgt! Dieser Artikel befasst sich lediglich mit den Neuerungen, die das Update 2.01 zu bieten hat, für weitere Informationen zu den Grundlagen finden Sie unseren AKAI MPC1000 Test im AMAZONA.de Archiv.

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-Akai MPC 1000 V2.01-

Was lange währt…wird endlich gut! Nach langem Warten war es endlich soweit, am 20. Januar stellte Akai auf der amerikanischen Homepage das Update 2.01 für das MPC 1000 zum Download zu Verfügung. Quälend waren die Monate für die Fangemeinde, seit in dem US-MPC-Forum jemand eine Beta-Version präsentierte, aber nicht ins Netz stellte. Akai selbst äußerte sich dazu natürlich gar nicht, und ließ die armen User erstmal schön auf den zum Teil massiven Bugs sitzen…
Der Ärger dürfte aber jedem MPC 1000 Besitzer schnell vergehen, wenn er nach der Installation des kostenlosen Updates bestaunen kann, was das kleinste MPC plötzlich so alles kann.

Auf den ersten Blick

Die Installation des Updates ist einfach und schnell durchzuführen. Hat man die Datei erstmal herunter geladen und entpackt, muss diese auf die Compact Flash Karte des MPC 1000 kopiert werden. Anschließend wird das Gerät neu gestartet, zwei Tasten gedrückt und eine Minute später ist das neue Betriebssystem schon installiert. Eine Bedienungsanleitung zu Version 2.01 seht momentan nur auf www.akaipro.com in englisch zur Verfügung.

Beim ersten Durchschalten der unterschiedlichen Seiten des Menus fällt schnell die überarbeitete Bedieneroberfläche auf. Gut durchdacht wurden funktionsverwandte Seiten miteinander verknüpft. Zum Beispiel kann man nun mit einem Knopfdruck zwischen dem Mischer und der Effektsektion hin und her springen, ohne wie früher den umständlichen Weg über den Modetaster und die Pads zu wählen. Auf diese vielen kleinen Helfer wird aber später bei der Beschreibung der neuen Funktion noch ausführlich eingegangen.Bevor die verlockenden Neuerungen des MPC 1000 ausprobiert werden, muss jedoch erst einmal noch tief Luft geholt und das Wichtigste geklärt werden: Wurden die schwerwiegenden Bugs, wie die Timingprobleme oder die Sampleaussetzer behoben?
Nachdem einige Sequenzen geladen sind, bei denen unter dem alten Betriebssystem (Version 1.07) solche Fehler auftraten, kommt schnell Erleichterung auf – alles läuft rund und nichts setzt aus!

Allerdings sind jegliche Volumeneinstellungen der Samples durcheinander. Ein Blick auf den Mischer und die Lautstärkeeinstellungen des Programms hilft bei der Lösung des Problems auch nicht weiter, da alle Einstellungen exakt so aufgerufen werden, wie sie zuletzt unter dem alten Betriebssystem gespeichert wurden. Ebenso scheinen auch nicht die neuen Trackvolumenregler und die vier wählbaren Velocity-Kurven der Pads ursächlich zu sein.
Es hilft nichts, alle Sequenzen und Songs, die man je auf dem MPC 1000 programmiert hat, müssen neu gemischt werden – da kommt Freude auf…

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-Slices wie bei Dr. Rex-

 

Time Scratch und Kollegen

Die wohl umfangreichsten Neuerungen wurden im Bereich der Samplenachbearbeitung vollzogen. Hat man ein Sample geladen und einem Pad zugewiesen, muss nun die Trim-Seite aufgerufen werden. An dieser Stelle bieten die Funktionen Patch Phrasing, Time Scratch, Zoning, Pitch Shift und Reverse ihre Dienste an. Angenommen man hat als Sample einen Loop geladen, dessen Tempo, Anfangs- und Endpunkt genau bestimmt wurden, ist schon die Voraussetzung zur Verwendung von Patch Phrasing, Time Scratch und Zoning erfüllt.

Der Slice-Button ermöglicht zunächst das Sample in bis zu 64 Teile zu zerlegen. Jeder einzelne Schnipsel kann nun separat gehört und überprüft werden. Sollte ein Schnitt nicht sauber genug sein, kommen an dieser Stelle neuerdings die Q-Link Regler zum Einsatz. Mit ihnen lassen sich auf der Trim-Seite Anfangs- und Endpunkt eines Samples bequem bestimmen. Anschließend können die Slices automatisch auf die Pads verteilt werden. Eine wirklich schöne Funktion, um möglichst schnell etwas ganz anderes aus einem Loop zu zaubern.

Möchte man Patch Phrasing verwenden, muss das Sample zuvor erneut in Slices geteilt und das Originaltempo eingegeben werden. Das MPC 1000 erzeugt daraufhin eine Datei mit dem Namen des Samples und dem Anhang PP. Der Loop kann nun in Echtzeit ohne Veränderungen des Tunings dem Tempo angepasst werden. Am anschaulichsten wird diese Funktion, wenn man beim ersten Ausprobieren den Sequenzer auf das Tempo des Samples abstimmt und den Loop anschließend editiert. Nun kann im Sequenzer beliebig das Tempo verändert werden und das Sampletiming passt sich stets brav mit an.
Ohne das Sample zuvor in Slices zu teilen, lassen sich die Funktionen Pitch Shift und Time Scratching benutzen. Pitch Shift ermöglicht das Tuning eines Samples anzuheben oder abzusenken, ohne die Geschwindigkeit dabei zu beeinflussen. Die wohl am meisten vermisste Möglichkeit unter dem alten Betriebssystem war das Time Scatching.

Hier muss einfach nur die Geschwindigkeit des Samples und der gewünschte neue Tempowert eingegeben werden und schon hat man ein neues Sample mit verändertem Timing, aber gleich gebliebenem Tuning. Zur Umsetzung des Pitch Shift und Time Scratch verwendet das MPC 1000 Presets. Insgesamt 18 Presetbänke stehen für die unterschiedlichsten Anwendungen ( Fem Vox, Male Vox, Rhythm, Percussion, Orchestra u.s.w.) zur Verfügung. Wer hier nichts Passendes findet, kann manuell über das Adjust-Feld den Frequenzgang des Presets verändern.
Zu guter letzt muss noch das absolute Standardtool eines jeden Samplers erwähnt werden, das erst jetzt seinen Platz in dem MPC gefunden hat: die Reversefunktion.
Großartig ist auf der Trim-Seite auch die Möglichkeit, stets ein bearbeitetes Sample zu hören, bevor man entscheiden muss, ob es nun gespeichert oder wieder verworfen werden soll.

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-Die LFO Seite-

 

Modulation und Automation

Auf der Programmseite hat sich auch so einiges getan. Nicht nur die Filterfraktion wurde um ein neues Tiefpassfilter erweitert, sondern auch jedem Sample wurde ein eigener LFO zur Verfügung gestellt.

Das neue Tiefpassfilter hat mehr Resonanzgain als das bisherige und reicht bis zur Selbstoszillation. Als Modulationsziele des LFOs gibt es sowohl die Parameter Pitch, Level und Filter (1+2) eines jeden Samples , als auch das Panorama eines Pads. „Rate“ bestimmt natürlich die Intensität des LFOs und über den Delayregler kann dessen Einsatz verzögert werden.Über den Amp Envelope lassen sich Attack und Decay eines Samples der Anschlagsstärke der Pads zuweisen. Gleiches ist mit dem Tuning über die Pitch Modulation möglich.

Ruft man nun die Slider-Seite auf, in der man den Q-Link Reglern einen Parameter zuordnet, entdeckt man schnell die Option „Real Time“. Endlich lassen sich Parameter losgelöst vom Anschlag eines Samples frei steuern! Aber nicht nur das: Auch der Mischer kann über die Q-Link Regler bedient und automatisiert werden. Dienten die analogen und digitalen Eingänge des MPC 1000 bisher lediglich zur Aufnahme von Samples, erhalten sie nun durch die Möglichkeit des Input Thru eine ganz neue Funktion. Beliebig kann man nun externe Geräte in den internen Mischer einschleifen. Ebenso kann das externe Signal dabei auch durch die zwei Effektsektionen und ein eigenes Filter geschickt werden. Selbst dieses Filter lässt sich den Q-Link Reglern zuweisen und automatisieren!

Die Effektsektion wurde um ein Delay erweitert, das synchronisierbar und dessen Rhythmus in 1/8, 1/16 und 1/32 (jeweils auch in Triolen) einstellbar ist. Ansonsten verfügt es über die üblichen Werte wie Mono / Stereo, Panorama, Width, HF Damp und so weiter.
Leider ist es lediglich im Effektblock zwei aufrufbar.

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-Viele neue Aufgaben für den Q-Link-

Weitere nützliche Helfer

Viel bedienerfreundlicher ist vor allen Dingen die Step Edit Seite gestaltet worden. Endlich lässt sich eine Editierung verschieben, anstatt dass man sie an die gewünschte Stelle kopieren und anschließend die alte löschen muss. Ebenso kann man sich einzelne Steps mit Hilfe des Play-Tasters anhören und über den Track-Button in Erinnerung rufen, welchen Track man gerade bearbeitet. Mehr als sinnvoll ist an dieser Stelle die Verknüpfung zu dem Time Correction Modus. Hier lässt sich von nun an bestimmen, ob alle Samples eines Tracks quantisiert werden sollen oder lediglich ein einzelnes. Der Swingfaktor wurde leider nicht den großen Geschwistern der MPC-Familie angepasst, so dass man immer noch keine Note in den Minusbereich vorrücken kann.
Im Sequenz Edit Bereich gibt es nun die Möglichkeit, problemlos Tracks von einer Sequenz in eine andere zu verschieben, was gerade in Hinblick auf die Gestaltung eines Stücks im Songmodus des MPC 1000 Sinn macht. Die Anbindung an externe Midigeräte wurde auch überarbeitet. Wählt man in einem Track das Programm „No.1“, lassen sich Midi Bank und Midi Programm Wechsel sehr, sehr leicht einstellen. Der gewählte Track dient dann allerdings nur noch als Midi-Track.
Eine großartige Neuerung hielt sich schon die ganze Zeit in dem MPC 1000 versteckt: Zwischen dem Akai Professional Logo und dem Compact Flash Gehäuse befindet sich hinter der Verkleidung der Platz für eine interne Festplatte, die leider bei diesem Test noch nicht vorlag. Ihre Größe kann wohl bis zu 80 GB betragen, genügend Platz also, um das ein oder andere Sample zu lagern!

Zu guter letzt muss noch die Pre-Listen Funktion erwähnt werden. Mit ihrer Hilfe kann man sich Samples anhören, bevor sie in den Arbeitsspeicher geladen werden. Eine Funktion mit Goldwert,
denn alle in den Arbeitsspeicher geladenen Samples werden immer nur in einer nicht sortierbaren Liste angezeigt, die man bei jeder neuen Padzuweisung von Anfang an durchscrollen muss.

 

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-Hier versteckt sich der HD-Platz-

 

In der Praxis

Die Interfacegestaltung wurde sehr durchdacht überarbeitet. Die neue Bedienerfreundlichkeit springt einen in der Praxis regelrecht auf jeder Menuseite an. Keine der Verknüpfungen oder kleinen Helfertools wirkt deplatziert oder gar überflüssig. Die Möglichkeiten der Samplebearbeitung sind schon recht gut, allerdings auch mit Einschränkungen zu genießen. Ladet man einen Stereoloop um diesen in Slices zu zerlegen, muss man nach der Konvertierung enttäuscht feststellen, dass die einzelnen Slices nur in Mono gespeichert werden.

Gerade der Time Scratch Sound älterer Akai Sampler war bei extremen Werten (die noch über einen Taschenrechner bestimmt wurden…) legendär für seinen einzigartigen Lofi-Klang. Das kriegt man in der Form natürlich mit dem Pre-Set basierten Time Scratch nicht hin. Schlimmer aber ist, dass es schon bei kleineren Tempoverschiebungen zu Delay- und Flangeartigen Sounds kommen kann, die sich nur schwer durch die Wahl eines anderen Presets und dem Adjustregler beheben lassen.
Klasse ist dabei aber, dass man stets schnell die letzte Veränderung mit einem Knopfdruck widerrufen und eine neue Einstellung ausprobieren kann. Somit stimmt zumindest die Arbeitsatmosphäre!
Wie zu erwarten, entspricht die Qualität des neuen Delays natürlich den bereits vorhandenen Effekten.

Was bei Liveanwendungen eine große Bereicherung darstellt und völlig ausreichend ist, hat bei einer Studioproduktion nichts zu suchen. Hier sollte das Delay auf jeden Fall gegen eine hochwertigere Hard- oder Softwarekomponente ersetzt werden. Eine riesige Bereicherung sind auch die neuen Automations- und Modulationsmöglichkeiten. Gerade die Echtzeitsteuerungen der Filter lassen den Sound deutlich flexibler werden. Das ist gerade wichtig, wenn man mit Synthesizersamples arbeitet, und diesen wieder mehr Authentizität und Leben einhauchen will. Endlich kann man auch mehr als einen Parameter pro Sample aufnehmen, im Gegensatz zu früher, wo man z.B. eine Synthesizermelodie über das Tuning erzeugt hat und dann keine Filterbewegungen noch zusätzlich aufzeichnen konnte.

Nicht nur zum Resampling ist der Input Thru gut, sondern vor allen Dingen wenn man am Mischpult Kanäle sparen muss. Somit kann man z.B. ein Signal des MPC 1000 durch ein externes Effektgerät schicken und direkt wieder in die MPC einschleifen. Zu massiven Timinigproblemen des Sequenzers kommt es bei dem Input Thru, wenn man einen Effekt- oder Filtertyp verändert. Das ist nicht schön, aber es ist ein Fehler, den man bei der Anwendung mit nicht viel Aufwand umgehen kann.

YT-VIDEO EMPFEHLUNG:

Fazit

Nicht nur der Umfang dieses Updates ist schon sehr beeindruckend, sondern auch die vielen sehr gut durchdachten Neuerungen. Ein MPC1000 Besitzer kann sein Glück wahrscheinlich gar nicht fassen, wollte man doch nur die nervigen Bugs behoben haben… und dann kommt sowas…
Jeder, der Interesse an einem Akai MPC hat, sollte die Funktionen und den Preis der unterschiedlichen Modelle jetzt noch genauer prüfen! Das kleinste MPC ist nämlich plötzlich ganz schön mächtig geworden und stellt nun eine echte Alternative zu den großen Geschwistern dar.

Plus

  • enorme Vielfalt an Neuerungen
  • Input Thru
  • Delay / LFO / Reversefunktion
  • unterstützt HD bis 80 GB
  • alle Standardanwendungen zur Samplebearbeitung vorhanden
  • Echtzeit Parameterveränderungen, umfangreiche Automation
  • Pre-Listen Funktion

Minus

  • Akai Kundenservice (Bugfixes viel zu lange überfällig)
  • Sämtliche Volumeneinstellungen alter Sequenzen und Songs sind verstellt
  • Zoning nur in Mono
  • Timescratch erzeugt schnell ein Delay und Flangesound

Preis

  • kostenloses Up-Date
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    wie installiere ich das neue beriebsystem und kann ich es einfach so drauf spielen oder muss ich was beachten

  2. Profilbild
    Sebastian B.

    Ich kann leider kaum etwas Positives sagen.
    Spass kommt kaum auf, dafür sind schon allein die Pads zu unsensibel; mein Gott was muss man da draufhauen! Auch wenn die Dynamik abgeschaltet ist. Die Knöpfe sind billig, der Drehregler noch billiger, er eierte schon, als mein Gerät neu war. Die neuen Software-Erneuerungen wären schon vorher mehr als selbstverständlich gewesen. Das Out-Signal kommt nicht mittig aus dem Gerät (trotz zentriertem Pan), das eingeschleifte Input-Thru-Signal wird verfälscht (FX kompl. deaktiviert), der Power-Knopf kratzt derart beim Einschalten, dass man eigentl. nur die Netz-Steckerleiste benutzen möchte, das Panning ist optisch im Display eine Katastrope weil ehr nach gefühl nur einstellbar, denn ungewollte Wertesprünge kommen vor, Workflow mittelprächtig, usw.
    Mür mich völlig unverständlich, dass das Gerät mal 1000 Euro gekostet hat; selbst Heute mit 599,- Euro absolut überteuert.
    Vorteile:
    ein Hardware-Sequenzer, der gut funktioniert und ein Blech-Gehäuse (Perlen vor de Säue…)

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