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Test: AKAI MPC1000 Music-Production-Center

13. Juli 2004

(fast) quadratisch, praktisch, gut.

Nach dem MPC2000, 2000XL und dem 4000er legt AKAI nun endlich nach – und zwar mit einer Version des MPC, welches dem Konzept der Maschine nun vollends gerecht wird.

Darf ich vorstellen: das AKAI MPC1000

Angefangen hat die MPC-Ära mit dem immer noch legendären MPC 60, die seinerzeit natürlich einzigartig war und deshalb Anklang fand. Über die Jahre entwickelte man das Konzept weiter und schuf eine Generation nach der anderen, denn man bekam User-Feedback und die technischen Faktoren mussten frisch gehalten werden. Den Evolutions-Peak erreichte AKAI mit dem MPC 4000, das neben allen „klassischen“ Features eben auch AKAI’s neue Z-Engine beinhaltete und somit ein vollwertiger Studio-Sampler vorhanden war. Das MPC1000 macht hier wieder einen Schritt zurück, was dem Ganzen überhaupt nicht schadet – im Gegenteil! Betrachten wir das Gerät doch jetzt mal genauer:

Die schwarze Variante der AKAI MPC1000

LOOKS LIKE…

Das MPC1000 ist das bislang kleinste MIDI-Production-Center (MPC) in der Geschichte dieser Gerätefamilie. Klein, kompakt und in einem trendigen Blau kommt es daher. Es hat weniger Bedienelemente auf der Oberfläche, was das MPC möglicherweise etwas übersichtlicher macht. Die Pads sind auch kleiner und nicht mehr quadratisch, aber immer noch anschlagdynamisch und druckempfindlich. Die einzelnen Pads sind mehrfach belegt worden, so dass man so die einzelnen Menüpunkte anspricht, sowie Zahlen und Buchstaben eingeben kann.

Ganz links hat man zwei Q-Link Fader eingebaut, die frei definierbar sind. Die Parameter TUNE, FILTER, LAYER, ATTACK und DECAY stehen hierfür zur Verfügung. Die Master-Section befindet sich ganz rechts und ist Besitzern von älteren MPCs durchaus bekannt. Vier Drum-Bänke, Track Mute, Tap Tempo, Cursor, Data Wheel, etc. – alles da. Besonders erfreulich ist die Software, denn hier wurden keine gravierenden Änderungen vorgenommen, d.h. ich komme somit nach dem Einschalten einfach sofort klar. Aber auch MPC-Neulinge werden sich auf dem Screen gut zurecht finden. Schade (aber nicht schlimm!) ist, dass der Screen sich nicht mehr zum User hin neigen lässt. Dennoch ist er von nahezu allen Positionen um das MPC herum sehr gut lesbar.

Ein Blick auf die Rückseite offenbart mir etwas Schönes, denn dort ist keine Blindplatte für optionales Zubehör vorhanden – eigentlich AKAI-unüblich und deshalb an dieser Stelle wieder ein dicker Pluspunkt. Vier Einzelausgänge, Stereo Out, Stereo Record In, Digital In/Out (Coax), sowie 2 x MIDI In/Out sind vorhanden. Der SCSI-Anschluß ist auch verschwunden und wurde von einem USB-Port abgelöst: Sehr gut. Dieser wiederum korrespondiert mit einem an der Vorderseite angebrachten CF-Slot (Compact Flash). Dieser Slot arbeitet mit CF-Karten vom Typ 2 mit einer Kapazität von 32 MB bis 2 GB. Des weiteren befindet sich vorne noch der Phones-Ausgang sowie zwei Footswitch-Jacks.

SOUNDS LIKE…

Betrachten wir die Klangerzeugung. Das Datenformat beträgt 16 Bit mit einer maximalen Sampling-Rate von 44,1 kHz. Das Gerät kommt ab Werk mit 16 MB RAM und ist auf bis zu 128 MB RAM ausbaubar. Hier sind laut AKAI leider nicht alle DIMMs verwendbar, sondern spezielle Bausteine von AKAI (Tipp: günstigere AKAI RAM-Sätze gibt es bei MUTEC). Fünf MegaByte des RAM-Speichers sind auch schon mit Preset-Sounds versorgt – das bedeutet: einschalten und loslegen. Des weiteren ist im Lieferumfang auch noch eine 32 MB CF-Card mit Bonus-Kits enthalten. Je nach Speichergröße lässt kann man mit bis zu 24 Programmen (Drum-Kits) gleichzeitig arbeiten.
Übrigens: Unter http://www.akaipro.com/int/mpc1k/arc_kotw.html hinterlegt AKAI jede Woche ein neues Kit, das dann auch zum kostenlosen Download bereit steht.

Ein Effektboard ist bereits integriert und bietet zwei Stereo-Effekte (Chorus, Flanger, 4-Band EQ, Compressor, Phaser, Tremolo, AutoPan, Reverb) und einen Mastereffekt (4-Band EQ, Compressor). Vermisst habe ich lediglich ein Delay. Na ja, vielleicht gibt es ja mal ein Update! Im Effektmenü stehen zudem noch 20 Bänke zur Verfügung, auf denen sich bevorzugte Effektkombinationen hinterlegen lassen. Die Effekte sind zwar rudimentär ausgestattet, allerdings ist gerade im Live- Betrieb so ein internes Effektboard sinnvoll.

Das MPC1000 ist 32-stimmig polyphon und arbeitet mit 2 x 2-Pol-Filtern pro Stimme. Als Filtertypen stehen Tief-, Hoch- und Bandpass-Filter zur Verfügung – alles absolut ausreichend für einen Drum-Sampler.

Apropos Drum-Sampler: einen Blick in die Software des MPC, genauer gesagt in die Sample-Schmiede, offenbart ein auf das Nötigste reduziertes Editing-Konzept. Es gibt natürlich keine Multisample-Funktion und auch die Tools, die man von den großen Studio-Samplern kennt, fehlen hier gänzlich. Innerhalb der Programme lassen sich vier Samples im „Layer“-Prinzip übereinander stapeln und bei Bedarf Velocity-abhängig definieren. Als Klangformung stehen hier neben den zwei Filtern, die sich übrigens auch koppeln lassen, noch die Funktionen Attack und Decay zur Verfügung.

Auch beim Sample-Edit geht es richtig spartanisch zur Sache. Neben Schneiden und Loopen finden wir hier auch noch die Normalize-Funktion. Schade finde ich es jedoch, dass gerade wichtige Funktionen wie Reverse oder Time-Stretch nicht vorhanden sind. Die Firma AKAI teilte jedoch mit, dass innerhalb des OS noch ausreichend Resourcen frei wären, um gerade diese Funktionen in künftigen Software-Updates zu implementieren.

FEELS LIKE…

Und auch dieses MPC ist mal wieder richtig „tight“. Genau das war der Grund, weshalb ich bereits mit dem 3000er und den beiden 2000ern so gern gearbeitet habe (man verzeiht mir sicherlich an dieser Stelle, dass die 4000er hier keine Erwähnung findet!). Das MPC ist ein richtiges Live-Monster. Das MPC1000 arbeitet im Prinzip wie ein Pattern-Sequencer, bei dem die Pattern mit „Sequences“ bezeichnet werden. Man hat 99 Sequences zur Verfügung und pro Sequence 64 Tracks. Im Song-Modus kann man noch, wenn man das eh nicht live macht, bis zu 250 Sequences aneinanderreihen, um so einen Song zu herzustellen.

Der eigentliche Doppel-Bonus des MPC sind jedoch die Pads. MPC-User wissen, dass man das Spielen dieser Pads erst einmal erlernen muss, um z.B. gewisse Re-Trigger Bounces ganz sicher ausschließen zu können. Diese sind im Live-Einsatz und bei langen One-Shot Samples möglicherweise peinlich. Die Pads des MPC bilden auf jeden Fall das Kontrollzentrum. Bei wem das nicht so ist, der nutzt die MPC1000 nicht so, wie man sie nutzen sollte; denn neben einfach Drumtriggers bieten diese Pads noch weit mehr. Über diese kleinen Pads kann man u.a. andere Sequencen direkt ansteuern, einzelne Spuren direkt per „Pad-Druck“ muten oder „solo“ schalten. Als eine weitere interessante Funktion möchte ich auch noch „16 Levels“ erwähnen. Bei dieser Anwendung legt man genau einen einzigen Sound seiner Wahl auf alle 16 Pads, den allerdings mit unterschiedlichen Velocity-Werten (ansteigend), um z.B. einen HiHat-Lauf mit Akzenten einzuspielen.

Über die Pads erreicht man zu dem noch alle essenziellen Menüs, um notwendige Editierungen vorzunehmen.

JJ OS für AKAI MPC1000

Absolut überzeugend und empfehlenswert, sind die sogenannten JJ OS Betriebssysteme für die AKAI MPC1000 Serie. Diese Betriebssysteme erweitern die MPC1000 mit mehr Möglichkeiten und laufen stabiler, als das Original System von AKAI. Am besten unsere beiden testberichte dazu lesen:

  1. AKAI MPC1000 „unofficial“ JJ OS
  2. AKAI MPC1000 „unofficial“ JJ OS 1.5

Aber auch AKAI selbst hat ein umfangreich verbessertes Betriebssystem nachgelegt. Den test hierzu findet IHr HIER:

Fazit

Das AKAI MPC100 hat mich voll überzeugt. Oder sagen wir.. wieder mal überzeugt, denn egal mit welcher Nummer dahinter, die ganze MPC-Serie überzeugt mich vom Konzept her immer wieder aufs Neue. Es gibt nichts Vergleichbares am Markt, das ein System so aufs Wesentliche reduziert zum Einsatz kommen lässt. Vermeintliche Konkurrenzprodukte, wie z.B. Korg’s Electribe-Serie oder das Yamaha RS-7000 stelle ich persönlich nicht in eine Linie mit dem MPC1000, da sie ein anderes Konzept verfolgen. AKAI hat aber leider immer gewisse Startschwierigkeiten bei der Software, meistert jedoch erfahrungsgemäß immer diese Schwäche mit zügigen Software-Updates. Die aktuelle Version 1.05 stand bereits am 1. Juli zur Verfügung und beinhaltet schon einige Bug Fixes.

Plus

  • sehr gutes Timing
  • angenehme kompakte Struktur für effizientes Arbeiten
  • CF-Card und USB-Support

Minus

  • spartanisches Sample-Edit
  • Effektboard ohne Delay

Preis

  • 1.000,-€
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Gibt es sowas auch als Software? Hab einen Touchscreen und bin schon ewig auf der suche nah einem Software MPC.

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Die Firma fxpansion bietet ein sehr MPC ähnliches Programm namens GURU an. In verbindung mit einem Midi Pad gibt es schon ein MPC „ähnliches“ Gefühl. An den Workflow der MPC kommt meiner Meinung nach aber so schnell nichts ran.

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