Test: AKAI MPC2500 und MPC2500 SE Sample-Groovebox

4. August 2006

Die vergrößerte MPC1000

Die MPC Serie der Firma Akai kann auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken und auch heute in Zeiten der vollintegrierten PC-Studios gibt es noch viele User, die auf die MPCs schwören. MPC bedeutet „Music Production Center“ – dieses Konzept resultierte in den 80er Jahren aus der Kombination von Drumcomputer und Sampler, was sich bis heute nicht geändert hat. Den Ursprung hatte die MPC-Serie im Klassiker AKAI MPC60 – hierzu findet ihr HIER bei uns ein ausgiebiges Special.

Dem MPC Konzept wurde im Laufe der Zeit bis heute immer wieder eine Frischzellenkur in Form von neuen Features wie USB oder Compact-Flash Card verpasst. Die MPC2500 ist das aktuell zweitgrößte Modell und platziert sich über der Akai MPC1000 sowie zwischen MPC2000XL und MPC4000.

Features der AKAI MPC2500

Die MPC „2k5“ ist ein 32-stimmiger Sampler mit einer maximalen Samplerate von 44,1 kHz in 16 Bit und je zwei Filtern und einem LFO pro Stimme. Diese technischen Daten wirken zwar auf den ersten Blick längst überholt, aber sind für die Anwendungsgebiete einer MPC auch für Vollprofis immer noch vollkommen ausreichend.
Das RAM ist werksseitig mit 32 MB ausgetattet, kann optional aber auf 128 MB erweitert werden.
Das im Stealth-Design anmutende Metallgehäuse ist mit zwei Kunststoffseitenteilen versehen und bietet Platz für ein optionales Festplatten- und ein optionales CD-RW-Laufwerk mit dem sich sogar Audio-CDs erstellen lassen. Von vorne ist auch der Compact-Flash Einschub zugänglich, der mit Medien gefüttert werden kann. Da das RAM in Akai-Geräten seit jeher flüchtig ist, werden beim Power-Up alle Daten von der Flash-Card ins RAM geladen. Das geht recht flott und die MPC ist auf jeden Fall schneller einsatzbereit als ein PC.

Rückseitig finden wir alle wichtigen Anschlüsse einer MPC. Die acht Einzelausgänge sind serienmäßig vorhanden. Zwei MIDI-Ins und vier MIDI-Outs, USB Anschluss, Digitalanschlüsse, zwei Eingänge und insgesamt 10 Ausgänge stellen das Portal zur Außenwelt dar.

Wie schon von den anderen Modellen bekannt, lassen sich die 16 anschlagdynamischen PADs in vier Bänken A, B, C, D umschalten und auch Buttons für „Full Level“ und „16 Level“ sind wieder vorhanden.Der Stereo-Eingang kann bei Bedarf auf den Stereo-Ausgang gemischt werden und wird mit dem REC GAIN gepegelt, wodurch sich auch auch andere Klangerzeuger an die MPC 2500 anschließen lassen ohne dass ein Mischpult benötigt wird.
Die Bedienung und Menüführung ist sehr intuitiv und einfach gehalten und man findet sich als alter Akai-User sofort auch ohne Handbuch zurecht.
Der geneigte Anwender wird sich über die zwei Slider und die zwei Potis freuen, mit denen man Parameter der Pads in Echtzeit beeinflussen und die Bewegungen in Sequenzen aufnehmen kann.

Possibilities MPC2500

Pro Pad können bis zu vier Samples gelayert und mit zwei Filtern und LFO bearbeitet werden. Es stehen zwei LowPass und je ein BandPass und HighPass Filter mit Resonanz zur Verfügung. Auf Hüllkurven verzichtet die 2500 ebenso wie ihre Artgenossen.
In der MPC 2500 gibt es zwei Effekte (Reverb, Delay, EQ, Kompressor, Modulationseffekte) und einen Master-Effekt, bestehend aus 4-Band-EQ und einfachem Kompressor.
Im Mixer können wir Effektanteile, Pan, Lautstärke und Einzelausgänge festlegen. Ein EQ pro Kanal oder die Einbindung externer Effekte ist nicht vorgesehen. So wird man die MPC für diese Anwendungen immer an ein externes Mischpult anschließen, wobei dann die Einzelausgänge angewandt werden.
Im Grunde genommen sind das fast alle Möglichkeiten, die man mit einer MPC hat. Das genügt aber schon vollkommen aus, um komplette HipHop Arrangements anzufertigen, weshalb die MPCs gerade in diesem Bereich so populär sind.

Dem Arrangieren kommen viele nützliche Funktionen entgegen. So kann man die Pads auch als Mute-Schalter für Tracks verwenden oder Tracks mit ihnen starten.
Neu ist auch, dass man sämtliche Parameter mit in die Sequenzen aufzeichnen kann, also auch Mixer-Parameter.

Das Editieren der Sequenzen kann über einen Step-Editor, der dem Cubase Listen-Editor gleich kommt, und über den Grid-Edit erfolgen. Grid Edit funktioniert dabei ähnlich einer Lauflicht-Programmierung der TR-Drumcomputer. Mit der neuen Softwareversion kann man hier nun auch mehr als drei Pads gleichzeitig darstellen. So sind nun zwei weitere Modi für 8 und 16 Pads vorhanden. Bei den beiden neuen Modi kommt man jedoch leicht mit der Zuordnung zu den Pads durcheinander, weil die Darstellung hier schon recht klein ist.

Chop

Beim Aufzeichnen von Loops kommt die Chop-Funktion gerade recht, mit der man eine Loop automatisch in mehrere Regionen aufteilen kann. Dies kann anhand der Attack-Level-Erkennung oder in gleich großen Teilen erfolgen. Wenn man die Regionen dann auf die Pads legt, kann man die einzelnen Klänge der Loop neu in den Sequenzen zusammensetzen. Durch die integration von Soft- und Hardware ist so etwas mit der MPC viel intuitiver zu bedienen als mit einer Kombination aus PlugIn und Keyboard/Controller. Die neue Funktion „Patched Phrase“ erlaubt nun eine Phrase aus einer Loop zu erzeugen, die sich automatisch nach dem Songtempo richtet.

Neu in der Version 1.2 ist auch das automatische (chromatische) Belegen der Pads mit Samples. Man wählt dazu die Samples aus, die dann über die 64 Pads verteilt werden.

Und wo wir schon bei neuen Features sind: seit der V1.2 gibt es endlich auch MIDI Timecode der in verschiedenen Framerates und als Master und Slave implementiert ist. Zudem wird auch MMC (MIDI Machine Control) unterstützt, das zum Steuern von anderen Geräten genutzt werden kann. Auch die Fernbedienung der MPC ist dadurch möglich.

USB

Der USB-Port kann mit einem PC oder Mac (ist ja inzwischen das gleiche ;-)) verbunden werden. Die MPC taucht dabei als Laufwerk auf und man kann seine Daten und Samples austauschen. MIDI und Audio sind der USB-Schnittstelle unbekannt. Prinzipiell tauscht man die Daten mit der eingesteckten Flash-Karte der MPC aus und nicht mit dem RAM. Man kann also nicht direkte Samples austauschen, sondern muss diese zuerst auf die Flash-Karte schieben und dann nochmals manuell in das MPC RAM laden.

Die Akai MPC2500 in der Praxis

Die Arbeit mit einer MPC zum Arrangieren von elektronischen oder hiphopischen Loops, Drums und Sequenzen ist eine reine Freude und es ist erfrischend abwechslungsreich, mal wieder keine Maus in der Hand zu halten. Die Arbeitsweise unterscheidet sich gänzlich von der Arbeit mit einem Computer, was für den musikalischen Flow nur zuträglich ist.
Schön fände ich trotzdem, wenn Akai mal eine integrierte MPC fürs Studio bauen würde, mit der man MPC-like arbeiten kann, danach aber auch bei Bedarf in eine Cubase Umgebung schwenken kann. Eine Kombination aus MPD16 / MPD24 mit einem MPC-Software-PlugIn würde das ermöglichen.
Im Vergleich zu aktuellen Software-Produkten sind die Effektmöglichkeiten und Bearbeitungsfunktionen jedoch leider irgendwo in den 90er Jahren stecken geblieben. Eine aktuelle MPC sollte eigentlich viel mehr Echtzeit-Funktionen und Effekte bieten, die zum Songtempo synchron arbeiten. So fehlen mehrere und vor allem bessere Reverb-Klänge, abgefahrene Echos und Verzerrer und ein Multiband-Kompressor für das Mastering.

Klangbeispiele MPC2500

Leider wird die Akai MPC2500 nur mit einer dürftigen Klanglibrary auf 32 MB Compact Flash Card ausgeliefert. Zeitgemäß wäre zumindest eine CD mit einer größeren Anzahl an Samples und Settings, die man per USB auf die MPC aufspielen kann. Die Klangbeispiele können Sie unten hören.

Die Akai MPC2500 SE Special Edition

2009 kam von Akai unter der Bezeichnung Akai MPC2500 SE ein optisches Facelift der MPC2500 auf den Markt. Zum einen wechselte die Gehäusefarbe von Schwarz zu Weiß, zum anderen erhielt die MPC2500 LE ein hell leuchtendes, blaues Display, und bereits in der Grundausstattung den voll ausgebauten RAM-Speicher mit 128MB sowie den CD-Brenner, der bislang optional war.

Zusätzlich gab es die Akai MPC2500 während einer kurzen Produktionsphase, auch in einem blauen Gehäuse (siehe Video), die allerdings technisch wieder der ursprünglichen Akai MPC2500 entsprach und keine SE-Variante darstellte.

Die AKAI MPC2500 on YouTube

Fazit

Die neue Akai MPC2500 ist auch im DAW-Zeitalter eine geniale Produktionsmaschine und Alternative zum Computer. Sie ist einfach ein Muskinstrument, das man von einer Computer-PlugIn-Kombination nur bedingt behaupten kann. Dank der neuen Arrangierfunktionen, den Effekten und der Möglichkeit, optional direkt Audio-CDs zu brennen, verdient die MPC ihren Namen wirklich. Seit der Version 1.10 ist auch der Import von MPC2000XL-Daten erheblich verbessert worden und in der aktuellen V1.2 gibt es nun auch vollständigen MIDI Timecode und MMC.
Wer übrigens Bedenken hat, dass 44,1 kHz und 16 Bit nicht gut klängen, dem sei Entwarnung gegeben: Die verbauten Wandler sind sehr gut und klanglich gibt es an der MPC überhaupt nichts auszusetzen. Man muss lediglich alle Samples, die man in der MPC verwenden möchte, nach 44,1 kHz und 16 Bit konvertieren, aber dafür gibt es ja auch genügend Programme, die das von selber erledigen.

Plus

  • Intuitives Arbeiten möglich
  • Neue Arrangierfunktionen
  • Erweiterbarkeit
  • USB vorhanden

Minus

  • nur 16 MB ab Werk
  • unzeitgemäße Effektanzahl und Qualität

Preis

  • 1.600,- Euro
Klangbeispiele
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