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Test: Apple Logic Pro X Space Designer Faltungshall

17. November 2003

Faltungshall in Bestform

Apple Space Designer 2003

Apple Space Designer 2003

Vorwort der Redaktion 2019
Nach Übernahme der Firma EMAGIC durch Apple, haben wir diesen Test in APPLE Space Designer umgetauft. Die Produkte sind jedoch identisch. Da der Space Designer seit seiner Einführung 2003 nur leicht nachgebessert wurde, zählt dieser Test zum Großteil auch für die heutige Space Designer Version, die sich in Apple Logic Pro X befindet. Markant sind vor allem die optischen Unterschiede, siehe Bildunterschriften.

Der Emagic Space Designer Faltungshall

Für die ersten Hallgeräte Überhaupt verwendete man reale Räume, die man mit dem zu verhallenden Klängen beschallte und per Mikro den Raumhall wieder aufnahm. Dieses Verfahren hatte den entscheidenden Nachteil, dass man einen extra Raum als „Hallgerät“ brauchte und zudem nicht flexibel war, was die Gestaltung des Klangs anging. Trotzdem wäre es natürlich sehr interessant, den eigenen Mix in einen anderen „Raum“ stellen zu können.

Und genau hier kommt der Faltungshall „Space Designer“ von Emagic ins Spiel.
Der Space Designer arbeitet mit einem Verfahren bei dem mit den „Impulsantworten“ beliebiger Räume gearbeitet wird. Die Impulsantworten eines Raumes kann man sich als Fingerabdruck eben jenes Raumes vorstellen. Konkret heißt das, man sampelt den Raum, indem man nach einem kurzen lauten und breitbandigen Impuls die Hallreflexion mit einem oder mehreren Mikrofonen aufnimmt.
Hallgeräte wie der Space Designer können diesen Fingerabdruck nun auf jedes beliebige Audiosignal aufrechnen. Das mathematische Verfahren das dabei zum Einsatz kommt nennt sich „Faltung“, soll uns aber hier nicht weiter interessieren, da die Materie recht kompliziert ist.

Apple Space Designer 2019

Die Oberfläche

Der Space Designer ist ab Version 6.3 direkt in Logic integriert und kann über den XS-Key 28 Tage lang als Demo freigeschaltet werden. Nach erfolgter Registrierung erhält man einen Freischaltcode, tippt diesen in den XS-Key und kann nun den Space Designer unbeschränkt nutzen.
Mit seinem dezenten und stilvollen Grau-Look hebt sich der Space Designer erfrischend vom gewohnten Blau der übrigen Emagic-Effekte ab.
Links befindet sich die Input-, rechts die Output-Sektion, in der Mitte verschafft ein großes Display grafisch einen Überblick über das Geschehen.

Zuerst entscheidet man sich, ob der Space Designer Mono oder Stereo arbeiten soll, anschließend kann man die Samplingrate bestimmen. Entweder man belässt diese auf dem Normalwert, oder aber man schaltet diese beispielsweise auf die Hälfte um, um Rechenpower zu sparen. Die klanglichen Einbußen sind hörbar aber nicht dramatisch. Denkbar wäre es zum Beispiel den Hall bei voller Samplerate einzustellen, für den weiteren Mix die Auflösung herabzusetzen um schließlich den Mixdown wieder bei höchster Qualität durchzuführen. Die Felder „IR Sample“ bzw. „Synthesized IR“ bestimmen, in welchem Modus man den Space Designer betreibt. Über den „IR Sample“ lädt man gesampelte Impulsantworten von realen Räumen oder von Hardware-Hallgeräten. Von diesen Impulsantworten werden übrigens über 1000 mitgeliefert.
Die Option „Synthesized IR“ bietet dagegen die Möglichkeit selbst Räume zu „designen“. Ausgehend von der Länge der Hallzeit kann man sich hier nahezu jeden beliebigen Raum selbst basteln. Über drei Reiter oberhalb des Displays lassen sich detaillierte Einstellungen für Lautstärke-, Filter- und Dichte-Verlauf einstellen. Alle Parameter der gewählten Funktion erscheinen unterhalb der Ansicht und können entweder durch Tastatureingabe oder mit der Maus verändert werden. Alternativ kann man auch mit der Maus oder im Display selbst nach belieben an den einzelnen Kurven herumschrauben, je nach dem, was intuitiver erscheint.

Weiterhin gibt es einen „Reverse“-Button, der die Hallfahne rückwärts abspielt und einen Reset-Button, der alle Einstellungen auf den Anfangswert setzt. Mithilfe eines Zoom-Schalters lässt sich in das Geschehen hineinzoomen um eine genauere Auflösung für Detailarbeit zu haben. Zu guter Letzt hat man in einem Feld unterhalb des Displays noch die Möglichkeit die Pre-Delay-Zeit einzustellen.
All diese Bearbeitungsmöglichkeiten stehen selbstverständlich auch für gesampelte Impulsantworten zur Verfügung, nur das man hier über „Sample IR“ erst mal eine Audiodatei laden muss. Übrigens versteht sich Space Designer mit sämtlichen Impulsantworten die ich im Internet gefunden habe. Man muss nicht erst, wie etwa beim Altiverb, die Impulsantworten in ein eigenes Format konvertieren. Space Designer ließt wav, aiff und SD2 und arbeitet dabei intern mit 32 Bit.

In der Output-Sektion befinden sich lediglich 2 Regler, welche die Lautstärke von Original- und Hallsignal regeln.

Zur weiteren Klanggestaltung stellt der Space Designer ein resonanzfähiges Filter mit vier verschiedenen Filtertypen bereit (Hochpass, Bandpass sowie 6dB und 12dB Lowpass). Ein Low-shelving EQ und ein „Stereo-Spread“-Regler, zur Verbreiterung der Stereowirkung runden die Bearbeitungspalette ab. Eine automatische Latenzkompensation gleicht auf Wunsch entstehende Verzögerungen innerhalb Logic´s in allen Kanälen aus. Also sowohl bei Audiotracks als auch bei Audioinstruments oder in Bussen. Nur in Input-Objekten funktioniert es naturgemäß nicht, da Logic ja nicht wissen kann was der User als nächstes spielt.

Apple Space Designer 2019

Der Space Designer in der Praxis…

…zeigt sich ganz schnell, dass Emagic hier etwas ganz besonderes geschaffen hat. Hört man den Space Designer z.B. im direkten Vergleich mit dem PlatinumVerb ist der Unterschied einfach riesig. Gerade bei langen Hallräumen klingt der Space Designer wunderbar weich und natürlich aus, wo andere PlugIns irgendwann einfach anfangen digital zu klingen und zu scheppern. Die Ergebnisse liefern tatsächlich einen wunderbar „dichten und warmen Klang“ wie Emagic auf seiner Homepage verspricht.
Zur Verdeutlichung habe ich einen kleinen Song gebastelt. Das Arrangement besteht aus 3 Spuren Drums, Bass, Rhodes, Piano, einigen Streichern sowie einer Sologitarre. Als erstes gibt es den Song „Dry“, dass heißt ohne Hall und anschließend eben mit Hall, und zwar mit dem Preset „Medium Hall“, einem synthetisch erzeugten Raum.

Fazit

Mit dem Space Designer erweitert Emagic seine Produktpalette konsequent in Richtung Hi-End. Das PlugIn klingt toll und ist vielseitig und einfach zu bedienen.
Wenn man sich überlegt was ein hochwertiges Hardware-Hallgerät kostet, erscheint einem auch der Preis von fast 600 € nicht mehr teuer. Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist jedenfalls O.K.
Arbeitet man ein paar Tage mit dem Space Designer, gewöhnt man sich schnell an den Klang und möchte ihn nicht mehr missen. Einziger Wermutstropfen ist der CPU Verbrauch. Eine G4 sollte man schon sein eigen nennen, sonst macht das Arbeiten keinen Spaß.
Der Space Designer eignet sich für alle Musikarten bei denen hochwertige Hallräume gefragt sind und man keine Kompromisse eingehen will. Ob man für den Hall auf irgendwelchen Gitarren die 2 Takte mitspielen auch auf ihn zurückgreift, ist allerdings fraglich. Hier reicht meistens auch ein einfacherer Ersatz.
Interessant dürfte auch der Einsatz in der Postproduktion bei Filmen sein. Man könnte zum Beispiel am Drehort den Impuls der jeweiligen Location aufnehmen und hätte im Studio die perfekte Atmosphäre beim synchronisieren.
Bleibt abzuwarten, wie Emagic seine „Studio Tools“-Reihe weiter ausbauen wird?
Ganz oben auf meiner Wunschliste stehen dann hochwertige Kompressoren und andere Dynamics nach dem Vorbild von analogen Klassikern, wie man sie schon auf diversen DSP-Karten findet.

 

Plus

  • Konzept
  • Klang
  • mitgelieferte Library

Minus

  • prinzipbedingter CPU-Verbrauch

Preis

  • 550,-€
Klangbeispiele
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