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Test: Apple Logic Pro X ES2 Software-Synthesizer

19. Juni 2002

Der zweite Logic-Software-Synthesizer

Vorwort der Redaktion 2019
Nach Übernahme der Firma EMAGIC durch Apple, haben wir diesen Test in APPLE ES2 umgetauft. Die Produkte sind jedoch identisch. Da der ES2 seit seiner Einführung 2002 bis heute nicht nachgebessert wurde, zählt dieser test zum Großteil auch für die heutige ES2-Version, die sich in Apple Logic Pro X befindet.

Emagics neuer Software-Synthesizer

Es wird immer schwieriger für die Software-Schmieden, neue Klangerzeuger zu generieren, die als VST Plug-In oder für eine spezielle Plattform, attraktiv genug sind um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Geradezu inflationär scheint die Schwemme neuer Software-Synthesizer zu sein, die um die Gunst der User buhlen.

Durch den Wegfall der Hardware-Produktion werden Klangerzeuger nicht nur günstiger, sondern auch die Produktionszeiten verkürzen sich erheblich. Hinzu kommt, dass selbst „Kleinstfirmen“ plötzlich in der Lage sind Software-Synthesizer zu produzieren und zu vermarkten.

Besonders die so genannten „virtuell analogen Klangerzeuger“ lassen sich kaum mehr zählen. Ob im Hardware-Kostüm analoger Vorbilder (Roland JP-8000) oder in unzähligen VST-Plug Ins, die Auswahl ist hoch, die Preise niedrig bis kostenlos. Bereits wenige Wochen nach offiziellen Release eines neuen Software-Synthesizers, findet man die meisten davon im World-Wide-Web die sich ohne Dongle oder Kopierschutz problemlos downloaden lassen.

Kennt man diese Hintergründe, darf man das Release des Software-Synthesizer ES2 von EMAGIC fast schon als wagemutig bezeichnen. Damit der ES2 dennoch aus der Flut der Software-Klangerzeuger heraus sticht, haben ihn die EMAGIC Entwickler mit Funktionen ausgestattet, die viele Mitbewerber „alt“ aussehen lassen.

VST – NO WAY

An dieser Stelle ist – zumindest bislang – für User einer VST-Host-Software, die nicht den Namen LOGIC trägt – erst einmal Schluss.

Der ES2 ist KEIN VST-Plug In und lässt sich demnach z. B. auch nicht in STEINBERGS Cubase verwenden. Aber auch der Apple Sampler EXS-24 wurde einst ausschließlich für LOGIC User entwickelt und wurde später auch als VST-Version veröffentlicht.

Für die PC-User bleibt bei solch politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen immer ein bitterer Nachgeschmack. Aber seis drum, für den ES2 benötigen Sie als Mindestanforderung Apple LOGIC 5.0 (oder höher) Audio, Gold, Platinium oder MicroLogicAV.

Laut Apple wird an den Rechner folgende Mindestanforderung gestellt: Pentium III, Pentium IV, Athlon XP oder Power Macintosh G4.

Emagic Synthesizer 2 = ES2

Dafür steht die Abkürzung ES2. Zwischenzeitlich läuft der ES2 unter der Apple-Fahne. Trotz des nur kleinen Unterschieds in der Namensgebung, ist es vom ES1 zum ES2 ein Quantensprung.

Jede Stimme des ES2 besitzt drei Oszillatoren, die neben Klassikern wie Dreieck, Rechteck, Sägezahn und Rauschen auch 100 digitale Wellenformen erzeugen – und ohne jeden hörbaren Sprung zwischen diesen überblenden können: Wavetable-Scanning. Da dies dynamisch moduliert werden kann, lassen sich bereits innerhalb eines Oszillators enorm lebendige Klangfarbenverläufe erzielen. Zudem bietet die Oszillatorsynchronisation äußerst aggressive, die Pulsweitenmodulation hingegen sehr weiche Klänge. Ein Ringmodulator spendiert rauhes Metall, und Dank linearer Frequenzmodulation beherrscht der ES2 auch typische Klangstrukturen der FM-Synthesizer.

Unabhängig von der Synthesetechnik steht stets eine Vektorhüllkurve mit maximal 15 Stützpunkten bereit: Jeder Punkt beschreibt ein Mischungsverhältnis der drei Oszillatoren, sowie die Werte zweier wählbarer Parameter. Durch die automatische, dynamische Bewegung zwischen diesen Punkten erzielen Sie beispielsweise Klänge, die als farbiges Rauschen beginnen und sich über Glocken-spektren in einen FM-Bass verwandeln – bei Bedarf sogar an das Songtempo gekoppelt.

Der ES2 besitzt gleich zwei resonanzfähige Filter, die wahlweise in Reihe oder parallel arbeiten. Das Multimodefilter beherrscht die Betriebsarten Peak, Bandsperre, Tief-, Band- und Hochpass und besitzt eine regelbare Verzerrungsschaltung. Das Tiefpassfilter arbeitet mit drei wählbaren Flankensteilheiten und kann durch Oszillator 1 frequenzmoduliert werden, um extrem harsche bis metallische Klänge zu erzielen. Emagics Fatness-Schaltung sorgt auch bei hohen Resonanzwerten stets für die volle Bassenergie im Tiefpassfilter. Für noch mehr Schub im Bassbereich können Sie den Sinus von Oszillator 1 dem Filterausgang beimischen. Zu allem Überfluss läßt sich der Anteil beider Filter am Gesamtergebnis einstellen – und das im Reihen- wie auch im Parallelbetrieb.

Neben einer Vielzahl von MIDI-Signalen stehen zur Modulation pro Stimme zwei LFOs und drei Hüllkurven bereit: Die Hüllkurven erzeugen bei Bedarf extreme Geschwindigkeiten und bieten dank des Parameters Sustain Time auch Verläufe abseits des Bekannten. Ein LFO läßt sich zum Songtempo synchronisieren; der andere wiederum verfügt über eine eigene Hüllkurve für Ein- oder Ausblendungen der LFO-Modulation. Unter Verwendung von zehn Modulationspfaden lassen sich insgesamt 20 Quellen zu 30 Modulationsempfängern führen. Sogar die Modulationsintensität jedes Pfades lässt sich durch eine beliebige Quelle modulieren, so dass ungeahnt ausdrucksstarke Klänge modelliert werden können. Zur klanglichen Abrundung finden sich am Ausgang des ES2 eine regelbare Verzerrungsschaltung mit zwei Stufen sowie ein höchstwertiger Modulationseffekt, der wahlweise als Chorus, Flanger oder Phaser arbeitet.

Bedienung

Der ES2 verzichtet bewusst auf die Nachahmung einer typischen Hardware-Oberfläche. Und das ist gut so. Zwar sind z.B. die Potis der Native-Instrument Plug-Ins „PRO 52“ oder des Waldorf „PPG V2“ schön anzusehen und lassen Vintage-Nostalgiker in Freudentaumel geraten, doch richtig praktisch sind sie nicht!

Der ES2 hingegen nutzt zu 100% die Stärken seiner graphischen Oberfläche und lässt schnell vergessen, dass statt unzähliger Knöpfe nur eine Maus zur Verfügung steht. Schon nach wenigen Experimenten hat man sich das Schema und den Klangverlauf des ES2 verinnerlicht und erlaubt es gezielt Klänge selbst zu erstellen.

Hinzu kommen ein paar sehr nette graphische Effekte, z.B. beim Abschalten einzelner Oszillatoren. Nur ein Manko ist mir dennoch aufgefallen. Zur Anwahl eines neuen Klanges gibt es kein eigenes Programmfeld mit dem man durch eine Auswahl von Sounds steppen kann. Man muss jedes Mal erneut in ein Auswahlmenü gehen und sich durch eine Baumstruktur „fretten“, die teilweise weit verästelt sind.

Liebe Logic-Programmierer: Bitte gebt dem ES2 beim nächsten Up-Date ein zusätzliches Auswahlfenster, bei dem sich wenigsten 100 zuvor ausgewählte Sounds, direkt und schnell anklicken lassen.

Klang

Der Klang des ES2 ist eine Wucht!!!!! Als echter Vektorsynthesizer lassen sich mit ihm extrem dynamische Klänge erzeugen, die sowohl digital (dank der 100 Grundwellenformen) als auch voll analog klingen können – oder – auf Wunsch auch beides gleichzeitig.

Die Vielseitigkeit der Klänge ist schier grenzenlos, so lange sie kein Piano oder akustische Gitarren erwarten. Wer immer auf einen Prophet VS als Software-Version gewartet hat, dem muss ich leider eine Absage erteilen, denn dieser Vergleich wäre unter der Würde des ES2. Der ES2 vermag nämlich die Klänge des VS wesentlich ausdrucksstärker wiederzugeben.

Gemessen an den derzeitigen „virtuell analogen Hardware-Highlights „Q“ oder „VIRUS“ darf sich der ES2 absolut in diese Oberliga einreihen.

Es ist wohl nicht schwer herauszuhören, dass der ES2 unter den software-Synthesizern derzeit mein absoluter Favorit ist.

Hunger

Oh ja.. er ist „hungrig“. Reizt man den ES2 vollkommen aus, sprich: 3 Oszillatoren, lange Sustains und voller Filtereinsatz, wird die Luft selbst auf einem G4 mit 733 Mhz schnell dünn. Im Vergleich zu den zuvor genannten Plug-Ins „Pro 52“ und „PPG V2“ benötigt er unter diesen Voraussetzungen mindestens doppelt so viel Prozessor-Power.

Bitte lassen Sie bei diese Vergleich aber nie außer acht, das der ES2 aber auch wesentlich mehr Möglichkeiten bietet. Ein Ferrari benötigt nun mal mehr Sprit als ein Golf. Basta!

Manual:

Eine besondere Würdigung verdient das Handbuch zum ES2. Wo fast alle VST-Plug Ins nur einen kurzen Abriss auf wenigen Seiten bieten, klotzt das ES2 Handbuch auf 150 deutschsprachigen Seiten mit ausführlichen Informationen zum ES2 und zu Synthesizertechnik im Allgemeinen. Begriffe wie Vektorsynthese werden ausführlich erklärt. Hinzu kommen jede menge Tipps und Tricks zur Programmierung und Effektivität um den vorhandenen Prozessor best möglichst zu nutzen. Selbst Synthesizer-Neulinge werden an diesem Werk viel Spaß haben… (spannende Urlaubslektüre!!!!)

Sounds:

Ja, sie waren sehr fleißig., die Programmierer die für den ES2 ca. 400 Werksounds erstellt haben. Fein kategorisiert nach Programmierer und Klangeigenschaften (Pads, Bässe etc.), erwecken diese Klänge niemals den Eindruck als hätte man nur mal schnell ein paar Demosounds erstellt.

Der ES2 kommt mit einer hochwertigen und vollständigen Library, die Ihnen definitiv den Zukauf weiterer Klänge erspart. Im Gegenteil, nutzen Sie die Werksklänge zur Erstellung Ihrer eigenen Library. Dank der leicht zu durchschauenden Oberfläche wird das für Sie Kinderspiel werden.

Apple ES2 Features:

  • Samplegenaue Einbindung in Logic mit unbegrenztem Zugriff auf alle Plug-Ins und Automation
  • Optimiert für Velocity-Engine (Mac) und P3/P4/Athlon XP
  • Bis zu 32 ES2 mit jeweils bis zu 32 Stimmen*
  • Poly-, Mono- und Unisono-Modus mit Glide und Legato für automatisches Portamento
  • Intelligente Zufallsklangprogrammierung mit einstellbarer Intensität und Zielrichtung
  • Abhängig von der Performance des Rechners und der Logic-VersionEffekte
  • Regelbarer Verzerrer mit den Klangcharakteren soft und hard
  • Hochwertiger Modulationseffekt mit den Betriebsarten Chorus, Phaser oder Flanger
  • 3 Oszillatoren mit klassischen analogen und
  • 100 digitalen Wellenformen sowie modulierbarem Rauschen
  • * Oszillator-Synchronisation, Pulsweitenmodulation, Frequenzmodulation und Ringmodulation
  • Dynamisches Wavetable-Scanning der 100 digitalen
  • Wellenformen durch beliebige Modulationsquellen
  • Dynamische Vektorsteuerung der Oszillatormischung und zwei weiterer, wählbarer Parameter
  • 1 Multimodefilter (Notch/Bandpass/Hochpass/Tiefpass/Peak) mit regelbarem Overdrive
  • 1 Tiefpassfilter (F lankensteilheiten: 12/18/24 dB) mit Filter-FM und Fatness-Schaltung
  • Die Filter sind seriell oder parallel schaltbar
  • 2 ADSR-Hüllkurven mit zusätzlichem Sustain-Time-Parameter und einstellbarer Velocity-Empfindlichkeit für Pegel und Attack-Zeit
  • 1 monophone oder polyphone AD/AR-Hüllkurve mit einstellbarer Velocity-Empfindlichkeit für Attack-Zeit
  • 2 LFOs mit jeweils 7 Wellenformen
  • LFO1 ist polyphon mit Key-Sync und bietet eine eigene Decay/Delay-Hüllkurve
  • LFO2 ist monophon und kann zum Songtempo synchronisiert werden
  • 10 frei definierbare Modulationswege (20 Quellen, 30 Ziele) mit modulierbaren Intensitäten
  • 1 Vektorhüllkurve mit 15 Punkten, Loop Mode und
  • Tempsynchronisation steuert pro Punkt Oszillatormischung und zwei frei wählbare Parameter

Fazit

Der ES2 bereichert den Software-Synthesizer Markt um ein hochwertiges Produkt der Oberliga. Apple (früher Emagic) setzt auf Qualität und Vielseitigkeit und hat gut daran getan, sich nach dem Release des ES1 Zeit zu lassen.

Der Preis ist angemessen, die Stabilität hervorragend. In den letzten 8 Wochen in denen ich den ES2 immer wieder eingesetzt habe, hatte ich kein einziges Problem.

Ich kann Apples „EMAGIC SYNTHESIZER ZWEI“ jedem LOGIC User unbedingt empfehlen.

 

Plus

  • Hervorragender Klang
  • Sehr gut Bedienung
  • Gutes Preis/Leistungsverhältnis
  • Ausführliches deutsches Handbuch
  • Riesige und hochwertige Soundlibrary

Minus

  • Kein "durchsteppen" der Programme möglich
  • Hohe Prozessorbelastung

Preis

  • 279,-€
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