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Test: Apple Logic EVOC 20 Filterbank & Vocoder

5. August 2003

Vocoder & Polysynth in einem

Test: Apple Logic EVOC 20 Polysynthesizer

Test: Apple Logic EVOC 20 Filterbank & Vocoder

Vorwort der Redaktion 2019
Nach Übernahme der Firma EMAGIC durch Apple, haben wir diesen Test in APPLE EXS24 umgetauft. Die Produkte sind jedoch identisch. Da der EXS24 seit seiner Einführung 2002 bis heute nicht nachgebessert wurde, zählt dieser Test zum Großteil auch für die heutige EXS24-MKII-Version, die sich in Apple Logic Pro X befindet.

Sie wollen mehr über Vocoding wissen?

Was genau ein Vocoder ist, wie die Hintergründe für seine Entwicklungwaren und welche Varianten es gibt, erklären wir ausführlich in unserem Vocoder-Special. Dazu bitte HIER KLICKEN.

Der Emagic Vocoder EVOC 20

Mit einem Vocoder kann man Roboterstimmen erzeugen.
Soweit so gut. Dass man dies, und noch viel mehr, inzwischen bequem per Software verwirklichen kann, möchte Emagic mit dem Evoc 20 demonstrieren. Waren früher aufwendige und teure Schaltungen notwendig, so muss man heute lediglich einen Freischaltcode in Logic´s XS-Key eintippen und es kann losgehen.
Zu Beginn des Tests fielen mir übrigens zufällig ein paar alte „Die 3 Fragezeichen “-Hörspielkassetten in die Hände, und ratet mal was man da im Refrain hört?
Richtig Roboterstimmen aus dem Vocoder.

Installation

Das Prinzip eine Vocoders besteht darin, dass man das Klangspektrum eines Analysesignals (z.b. eine Stimme) einem Synthesesignal aufprägt. Dadurch beginnen Synthesizer plötzlich zu sprechen.
Alles was man an klassischen Vocodersounds kennt, lässt sich auch mit dem Evoc 20 realisieren. Darüber hinaus gibt es noch einige Features mehr, denn der Evoc besteht nicht aus einem sondern gleich aus drei PlugIns:

  1. Evoc 20 PS – Polyphonic SynthesizerEvoc 20
  2. TO – Tracking Oscillator
  3. Evoc 20 FB – Filterbank

Der Evoc20 ist wie alle Emagic PlugIns schon in Logic enthalten. Hat man also die aktuellste Logic Version installiert, kann man den Demo-Modus im XS-Key Fenster aktivieren und schon kann man den Evoc für 28 Tage ohne Einschränkung nutzen.
In dieser Zeit sollte man sich bei Emagic registrieren, um den endgültigen Freischaltcode zu bekommen. Tippt man diesen ein, ist das PlugIn von nun an unbefristet freigeschaltet. Nicht-Logic-User bleiben leider außen vor. Es gibt keine Version für die VST oder Audio Unit Schnittstelle. Auch benötigt man mindestens Logic 5.
Der Evoc 20 gibt sich ressourcenfreundlich. Selbst auf meinem betagten iMac G3 konnte ich problemlos mit mehreren Instanzen parallel arbeiten.

EVOC 20 Tracking Oscillator

Optisch

Vom optischen Design her hält sich der Evoc an Emagics Synth-Linie die man schon vom ES1 oder ES2 her kennt. Eine Mischung aus grau und neongrün. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Der Übersichtlichkeit tut dies keinen Abbruch. Man findet sich nach kurzer Zeit zurecht und weiß wo man was findet, bzw. welcher Knopf sich wie auswirkt.
Schade ist, das ich kein Handbuch in PDF-Form auftreiben konnte. Für alle anderen Emagic-PlugIns gibt es solche Handbücher nur eben nicht für den Evoc. Auch der Support konnte mir nicht weiterhelfen und verwies mich auf die Produktbeschreibung, die hier zu finden ist.

PlugIns

Wie oben erwähnt holt man sich mit dem Evoc 20 gleich 3 verschiedene PlugIns ins virtuelle Studio. Fangen wir an mit dem

PS – Polyphonic Synthesizer

Hier kann man das Analysesignal über einen Sidechaineingang aus jedem beliebigen Audiokanal wählen. Es sind nur Audiosignale möglich und nicht etwa der Ausgang eines beliebigen Audio Instruments. Das Synthesesignal liefert einen in Echtzeit spielbaren Synthesizer mit bis zu 16 Stimmen. Es stehen zwei Oszillatoren mit 50 Wellenformen zur Verfügung, die auch auf FM-Synthese umgeschaltet werden können und eine einfache Hüllkurve bestehend aus Attack und Release pro Stimme bieten. Das Sidechainsignal kann auch über Attack und Release beeinflusst werden. Man kann in allen 3 PlugIns zwischen 5 und 20 Bändern für die Analyse benutzen und auch den Frequenzbereich festlegen in dem diese wirken. Das höchste und tiefste Band kann man zudem auf Low Pass bzw. High Pass umschalten.
Mit Formant Stretch und Formant Pitch lassen sich die einzelnen Filterbänder stauchen und dehnen bzw. auch komplett in andere Frequenzbereiche verschieben.
Alle Parameter des Evoc lassen sich natürlich komplett in Logic automatisieren, und erlauben interessante Klangverläufe.
Ein „Unvoiced/Voiced Detector“ kann Vokale und Konsonanten unterscheiden und soll helfen die Sprachverständlichkeit zu erhöhen.
In der Abschluss-Sektion gibt es einen Level-Regler, einen einfachen Ensemble Effekt und die Möglichkeit via „Stereo Witdh“ die Stereobreite des Signals zu erweitern. Sehr praktisch ist auch die Möglichkeit zwischen Analyse-, Synthese- und kombiniertem Signal umzuschalten.

TO – Tracking Oscillator

Der Tracking Oscillator TO entspricht in seinem Aufbau weitestgehend dem PS. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass man hier auch das Synthese-Signal frei wählen kann. Und zwar zwischen einem beliebigen Audiosignal und einem FM/Sägezahn-Oszillator. Sehr raffiniert ist, dass der Oszillator einem einstimmigen Eingangssignal in der Tonhöhe folgen kann. Man kann dabei die Tonart und die gängigsten Skalen wählen. Wem das nicht genug ist, kann über eine Mini-Tastatur selbst Skalen definieren. Auch beim Tracking Oscillator gibt es 2 LFO´s, die entweder Formant Shift oder Pitch modulieren.

Evoc 20 Filterbank

FB – Filterbank

Zu guter Letzt gibt es noch die Filterbank FB, die streng genommen nichts mehr mit einem Vocoder zu tun hat, die man aber trotzdem gerne mitnimmt. Wie der Name schon sagt, wird hier gefiltert, und zwar heftig. Das PlugIn wird als Effekt in einen beliebigen Insertslot eingeschliffen. Das Signal durchläuft verläuft nun zwei parallel angeordnete Filterbänke mit bis zu 20 Bändern. Jedes Band lässt sich individuell, bis hin zur völligen Stille, regeln. Zwischen beiden Bänken lässt sich per LFO hin und her blenden. Resonanz, Flankensteilheit der Filter und eine Verzerrerstufe bilden weitere Einstellmöglichkeiten.

Klang und Praxis des Apple EVOC 20

Nachdem die Installation ja problemlos abgehakt war und man sich einigermaßen zurechtfindet geht’s um die wichtigste Frage. Wie klingt das Teil?
Um es mal vorwegzunehmen: der Evoc macht Spaß und klingt amtlich. Mit dem PS lassen sich die typischen Roboterstimmen im Handumdrehen realisieren.
Einfach über den Sidechain ein Analysesignal wählen, ein paar Midi-Noten einspielen und schon spricht mein Computer mit mir.

Nach kurzem rumschrauben an den Parametern weiß man intuitiv wie man was erreicht. Wer nicht gerne selber an Sounds tüftelt kann sich auch mit den mitgelieferten Presets einen ersten Eindruck verschaffen. Sie sind fast alle brauchbar und machen deutlich, wozu der Evoc 20 in der Lage ist.
Die Sounds klingen allesamt künstlich und elektronisch, so wie es sich für einen Vocoder gebührt. Der Evoc 20 ist aber weit davon entfernt digital oder steril zu klingen. Gibt man sich ein wenig Mühe, so fügen sich die Ergebnisse perfekt in den eigenen Mix ein, ohne dabei an Durchsetzungsfähigkeit zu verlieren.
Wer es gerne drastisch mag, wird sich vor allem an der Filterbank erfreuen, mit deren Hilfe man z.B. Drumloop´s aufs heftigste verbiegen kann. Einen einfachen trockenen Loop mit einem Phaser-Preset versehen und schon klingt es mächtig elektronisch.

Oder im Tracking Oscillator als Synthese-Signal eine Drumloop laden und den gleiche Loop, rückwärts abgespielt als Analyse-Signal benutzen.

Wie man sieht, es gibt viele Möglichkeiten wie man einen Vocoder zweckentfremden kann, um Klänge jenseits der allbekannten Roboterstimmen zu erzeugen. Durch die nahtlose Integration in Logic´s Automation ist es möglich jeden einzelnen Parameter zu automatisieren und Sounds eine gewisse Lebendigkeit zu verleihen.
Das Analyse-Signal im PS und im TO lässt sich auf Wunsch zu jedem beliebigen Zeitpunkt „einfrieren“, man hat dann die ganze Zeit ein Analyse-Signal das sich nicht verändert.

Fazit

Mit dem Evoc 20 erhält man ein wirklich hochklassiges Paket von PlugIns. Das man gleich 3 Effekte geliefert bekommt, lässt den Preis von 179 € günstig erscheinen. Hört man dann, was man damit alles anstellen kann, ist der Preis allemal gerechtfertigt. Schade ist nur, dass man den Evoc 20 einzig und allein in Logic nutzen kann.
Jedenfalls liefert Emagic hier 3 erstklassige Werkzeuge fürs Sounddesign.
Das ganze ist einfach zu bedienen und zu verstehen und zudem perfekt in Logic integriert. Wobei man natürlich aufpassen muss, dass man jetzt nicht in jedem Song einen Roboter einbaut, dann wirkt es nämlich ziemlich schnell öde und nervig. Aber der Evoc hat viel mehr und vor allem viel interessanteres zu bieten.

Plus

  • Preis /Leistungsverhältnis
  • Vielseitigkeit und Sounds

Minus

  • kein PDF Handbuch

Preis

  • 150,€
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