Test: BOSS Katana Air, Gitarrenverstärker

8. Mai 2018

Die Kabel bleiben zu Hause!

 

BOSS Katana Air title

Wenn ein Segment des Verstärkersektors in den letzten Jahren massiv zugelegt hat, dann der Bereich der Übungsverstärker. Verwunderlich ist dies nicht, haben sich doch die Prioritäten der Millenniumgeneration in Sachen Bühnenpräsenz zum Teil massiv verschoben. Während für frühere Generation die Reihenfolge Instrument Kaufen, Instrument erlernen, Band gründen, Liveauftritte absolvieren, geradezu als in Stein gemeißelt galt, ist vielen jungen Musikern die Gründung einer Band zeitlich und organisatorisch viel zu aufwendig und der Ersatz der Klatscher im Publikum durch die Clicks auf YouTube bereits eingeleitet. Warum man dann allerdings E-Gitarre spielen möchte, welche ausschließlich zu dem Zweck erfunden wurde, gegen die hohen Lautstärken eines Drummers oder eines Orchesters anstinken zu können, steht auf einem anderen Blatt.

Leistungsstarke, dynamische Vollröhren-Halfstack-Boliden, die auch einem kräftig knüppelnden Drummer Paroli bieten können, gestalten sich aufgrund ihrer Ausrichtung im heimischen Schlafzimmer-Homerecording-Studio als massives Problem in Sachen Lautstärke und können ihre klanglichen Stärken nicht nur nicht ausreizen, sondern gelten eher als Belastung für Partner und Nachbar. Sich dessen bewusst, findet man im Verstärkerbereich immer mehr Namen, welche zwar weltweit bei Nennung geradezu einen Donnerhall erzeugen, sich bisher allerdings aus der direkten Bewegung der Luft heraus gehalten haben. Einer dieser Protagonisten ist der Pedal-Gigant BOSS, der unlängst mit der Katana-Serie auf sich aufmerksam machen konnte. Aufgrund der überwiegend positiven Resonanz schickt sich der japanischen Hersteller nun mehr an, mit dem BOSS Katana Air ein „Rundum-sorglos-Paket“ für den heimischen Einsatzbereich zu stricken, welches mit einigen interessanten Detaillösungen aufwarten kann.

BOSS Katana Air front

Das Konzept des BOSS Katana Air

Wie man bereits dem Namen des Produktes entnehmen kann, spielt die Bezeichnung „Air“ eine große Rolle, allerdings nicht wie bei Apple-Produkten, wo sich der Namen primär auf ein vermindertes Gewicht bezieht, sondern im Bezug auf die Verwendung von Kabeln aller Art. In letzter Konsequenz, was bei dem BOSS Katana Air Batteriebetrieb bedeutet, kann das Produkt tatsächlich ohne irgendwelche Kabel betrieben werden. Das Gitarrensignal, eventuell gestreamte Playalong-Musik oder auch die Betriebsspannung kann drahtlos mittels diverser Protokolle übertragen werden, was den Katana Air für den mobilen Einsatz prädestiniert.

Konstruktion des BOSS Katana Air

Mit den Abmessungen 340 x 144 x 181 mm bewegt sich der Katana Air in den Regionen eines handelsüblichen WLAN/Bluetooth Radios, welche vielerorts bereits die Funktion der heimischen Stereoanlage übernommen haben, wobei das einfache Kunststoffgehäuse auf ein geringeres Gewicht als die veranschlagten 2,2 Kilogramm schließen lässt. Auf der Unterseite ist das Batteriefach, wobei man acht Stück AA-Batterien für den kabellosen Betrieb benötigt. Bei Batteriebetrieb leistet der Verstärker 20 Watt, bei Betrieb über ein Netzteil 30 Watt.

Übertragen wird der Klang von zwei geradezu winzig anmutenden 3 Zoll (7,5 cm) Lautsprechern, die als einzige Klangquelle dienen. Ein zusätzlicher Lautsprecher kann leider nicht angeschlossen werden. Rückseitig verfügt der Verstärker über den Eingang für das mitgelieferte Netzteil, wobei die Werte 13 V DC bei 4 Ampere (!) dafür sorgen, dass kein anderes Netzteil verwendet werden kann. Die Oberseite des Gehäuses wird von einem übergroßen, massiven Griff aus verchromten Kunststoff dominiert, der auf den ersten Blick recht überdimensioniert wirkt.

Auf den zweiten Blick hingegen erklären sich die Abmessungen des Griffs. Auf der rechten Gehäuseoberseite befindet sich der Ladeslot des mitgelieferten Gitarrensenders WL-T, der in eingestecktem Zustand bündig mit dem Griff abschließt und somit bei langen, flächigen Auflagen vom Griff mit geschützt wird. Der Sender aktiviert sich automatisch, sobald er aus dem Slot gezogen wird. Außerdem hat er einen Bewegungssensor, der den Sender bei Inaktivität (Gitarre steht im Stativ) ausschaltet, um Energie zu sparen. Bei einer Bewegung der Gitarre stellt er die Verbindung zum Verstärker automatisch wieder her.

BOSS Katana Air top

Die restliche Oberseite des BOSS Katana Air lässt viele Parallelen zu einem regulären Verstärker Panel erkennen. Neben einem Wahlschalter, welcher zwischen 5 verschiedenen Presets (Acoustic, Clean, Crunch, Lead, Brown) wählt, sitzt daneben ein Lautstärkeregler, eine Dreibandklangregelung, ein Reverb Regler und ein Mastervolume Regler. Etwas ungewohnter gehen da die beiden Regler mit der Bezeichnung BST/MOD und DELAY/FX zu Werke, die sowohl Doppelfunktionen bekleiden als auch in ihrem verwendeten FX-Bereich sehr flexibel sind. Insgesamt stehen fünfzig verschiedene Effekte zur Verfügung, wobei sechs Sounds intern abgespeichert werden können. Wie aber soll man die Effekte tauschen und die Presets abrufen können?

BOSS Katana Air – Bluetooth und App

Eine weitere Besonderheit des Verstärkers ist die konsequente Anbindung an die Bluetooth-Schnittstelle, welche nicht nur neben einer optional verwendbaren Miniklinke auf dem Frontpanel das Zuspielen von Musik zwecks Übungssessions ermöglicht, sondern auch eine komplette Verwaltung aller Verstärkerparameter mittels der optional erhältlichen App. Die App entpuppt sich als echtes Highlight in der Klangverwaltung, da sie nicht nur den Amp komplett fernsteuert, sondern auch die programmierten Sounds abspeichert und einen Tuner verwaltet. Besonderes Augenmerk verdient dabei die Funktion, die Reihenfolge der Effekte beeinflussen zu können, ähnlich so, wie man es auf einem physikalischen Floorboard machen würde.

Forum
  1. Profilbild
    Numitron  

    Hoffentlich verliert man nicht das Netzteil….. Finde ich nervig so etwas.
    bei boss kostet das Netzteil wohl 30 €.

  2. Profilbild
    amazonaman  AHU

    Die kantana Serie ist mal wieder ein typisches Roland Produkt. Alles versucht man zu simulieren und wundert sich dass es nicht so klingt! Wenn es wenigstens 199€ kosten würde, wäre es noch verständlich. In der Preisklasse gibt es jedoch bereits eine Menge Röhren Amps die unmissverständlich nach einem echten Amp klingen.

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