Test: East West Quantum Leap Symphonic Orchestra Gold

23. Februar 2007

EWQLSO Gold

Ein digitales Symphonieorchester auf dem Rechner, jederzeit einsatzbereit, ist schon ein toller Gedanke. Nachdem es bisher schon diverse Produkte in Form von Sampling CDs in jedweder Form gegeben hat, machte sich vor gut drei Jahren die Klangschmiede East West auf, mit Hilfe einer einheitlichen Benutzeroberfläche, dem Kompakt-Player aus dem Hause Native Instruments, auch noch das Abspielgerät dazu mitzuliefern, so dass dieses Orchester sowohl im Standalonebetrieb wie auch als VSTI und damit als eigenständiges Instrument Verwendung finden konnte. Die Klangbibliothek East West Quantum Leap Symphonic Orchestra wird derzeit in drei Klassen ausgeliefert (Platinum, Gold und Silver), zu deren Unterschieden ich weiter unten komme. Jetzt möchte ich dem Leser gleich an dieser Stelle mitteilen, dass ich kein Musik- oder ein ähnlich gelagertes Studium hinter mir habe, sondern aus der synthetischen Ecke komme und mich eigentlich auch mehr an diese Klientel wenden möchte. Durch diverse andere Reviews ist das klassische oder konventionelle Einsatzgebiet dieses Pakets m.E. schon genügend durchleuchtet worden, und das mit allgemein sehr positivem Ergebnis. Mich, und vielleicht den einen oder anderen Leser auch, hat mehr der Einsatz im Hinblick auf Bereicherung des Homerecording- und Synthesizerinstrumentariums und seines ganzen Drumherums interessiert. Wie machen sich diese Instrumente in Chill Out-Tracks, kann man sie den Liebhabern der 70er – Elektronik empfehlen (ich erinnere an Klaus Schulze, der gerade in seinen Frühwerken wie Irrlicht oder Cyborg auf solche Instrumentierungen und deren Verfremdungsmöglichkeiten setzte) oder bereichern sie das Klangspektrum im Rahmen von Filmmusik? Oder einfach: Kann jemand wie ich, der das Bruckner-Konservatorium nur aus dem Klappentext von Eela Craig-CDs kennt, mit solch einem Instrumentarium etwas anfangen?

-- Die Schachtel --

— Die Schachtel —

Installation
Die Installation verlief auf meinem Rechner ohne Probleme. Mit Unterstützung eines Native Instruments Register Tools (mittlerweile durch das NI Support Center abgelöst), das on- wie offline arbeitet, ist die Software schnell registriert und autorisiert. Worauf Sie allerdings einen Blick werfen sollten, sind die u.a. Systemvoraussetzungen, bevor Sie sich ein Paket ordern. Getestet habe ich auf meinem Pepperbox PC P IV 3,4 GHz mit 2 GB RAM unter Windows XP SP2. Neben der Standalone Version wurde der Kompakt-Player auch noch unter Cubase 4.0.1 ausprobiert, es gab im ganzen Testzeitraum keine systembedingte Störung zu verzeichnen. Als Objekt stand mir die Gold-Edition zur Verfügung.

Grundsätzliches zum Aufbau der Klangbibliothek
Die Instrumente wurden aus drei verschiedenen Positionen per Mikrofon aufgezeichnet, einmal sehr nah (Close), einmal im mittleren Abstand zwischen einem angenommenen Publikum und dem Orchester (Full) und einmal weit hinten im Saal (Surround). So etwas liest sich gut, kann es doch entscheidend für die Abmischung sein, welche Raumposition man nun gewählt hat. Im Fall der Gold-Ausgabe wird der Anwender mit 44,1 KHz/16 bit – Samples versorgt, die in unterschiedlichen Dynamikstufen und unterschiedlichen Spielweisen dargeboten werden. Und es ist alles da, was man von seinen Klassik-CDs so kennt: Streichinstrumente, Blech-, Holzbläser und natürlich Perkussion. Die Platinum Edition bietet die Samples in 24 bit und mit noch mehr Spielweisen an. Dabei wird jede Instrumentengruppe noch mit einer eigenen Kompakt Benutzeroberfläche ausgestattet. Die Silver-Edition ist im Rahmen der ausgelieferten Spielweisen dementsprechend deutlicher gegenüber der Platinum-Edition reduziert als die Gold-Edition, bietet dafür aber zusätzlich einen Steinway-Flügel, eine Kirchenorgel und einen Chor! Die vorliegende Gold Edition besteht hauptsächlich aus Aufnahmen der Full-Position, so dass Sie immer mit ein wenig Raumanteil konfrontiert werden, also keine ganz trockenen Instrumente bekommen.

-- Die Benutzerschnittstelle --

— Die Benutzerschnittstelle —

Im Einsatz
Nun gibt es was auf die Ohren! Natürlich habe ich erst einmal damit angefangen, mich akustisch durch die einzelnen Instrumentengruppen zu wühlen. Da ich innerhalb meines schon sehr breit angesetzten Musikgeschmacks auch klassische Komponisten wie Debussy, Ravel und Strawinsky, um nur wenige zu nennen, zu schätzen weiß, darf ich mir zumuten, die Qualität der einzelnen Instrumente und ihre unterschiedlichen Spielweisen, die hier vorhanden sind, als gut zu hören und einzusetzen zu bezeichnen

. Man gewöhnt sich schnell an die Umschaltbarkeit der Spielweisen durch einfaches und innerhalb dieser Klangbibliothek standardisiertes Ändern mittels bestimmter Tasten auf dem angeschlossenen Masterkeyboard.

Diese Möglichkeit findet man nicht bei jedem Instrument, aber eben bei vielen, je nach den Möglichkeiten unterschiedlicher Ausdrucksweisen.

Des weiteren bietet auch die Benutzung des Modulation Wheels eine gute Beeinflussung des Klangverlaufs an, ist doch ein interessantes Dynamikverhalten ein wichtiger Bestandteil zur Bildung dramatischer Klänge. Und ich kann es an dieser Stelle wieder bestätigen, es hört sich für meine Ohren alles sehr natürlich an.

Neugierig wie ich bin, habe ich mir mal ein paar wenige Instrumente in den großen Bruder Kontakt 2 geladen, um mal im Mapping Editor den grundsätzlichen Aufbau eines Instruments anzuschauen. Neben unterschiedlichen Velocitystufen habe ich dann auch die Release-Samples entdeckt, die in ihrem zeitlichen Ablauf veränderbar sind, daher auch die natürlichen Ausklänge der Instrumente. Feine Arbeit, da enden die Violinen schon anders als mit dem „Schluppen“ eines Mellotrons! Ich liebe Mellotrone, aber das ist eine andere Geschichte.

Auffällig ist, eben auch durch die oben schon erwähnte Art des Aufnahmeverfahrens bedingt, ein ständig vorhandener und weiter oben schon erwähnter Raumanteil oder eben natürlicher Hall, der jetzt m.E. aber nicht so stark ist, dass er die Einbringung der Instrumente in einen Mix verhindert! Im Gegenteil, für mich ist da noch ein guter Teil an Leben und Natürlichkeit in die Samples gekommen. Das kann vielleicht mal ein Problem sein, wenn Sie unbedingt ein trockenes Signal benötigen, aber im Großen und Ganzen behaupte ich, dass es bei einem Großteil der Anwendungen kein Problem darstellt. Sollte die Arbeit an Surround-Projekten die grundsätzliche Intuition sein, diese Sammlung anzuschaffen, empfehle ich lieber gleich die Platinum-Edition, weil eben dort die Spielweisen in allen drei Raumpositionen angeboten werden.

Wochen später hat man sich durch alle Instrumente gewühlt und somit die einzelnen Klangkörper und einige ihrer Spielweisen kennen gelernt. Gut, in diesem Fall waren es einige Stunden, aber ich habe natürlich vorerst nur Stichproben gemacht und konnte nicht jedes Instrument genau hören und prüfen. Das heißt aber auch, dass diese Klangbibliothek eben sehr ergiebig ist und man sich wirklich Zeit nehmen soll/muss, um jeden Aspekt genau zu durchleuchten. Und dass es eben immer noch etwas zu entdecken gibt.

An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass in diesem Fall ein wirklich gutes Manual (für registrierte Benutzer auch in deutsch bei Best Service erhältlich) seitens East West zur Verfügung gestellt wurde. Es erklärt dem Nichteingeweihten die diversen Spielarten, weist genauestens auf die Spieltechniken und deren Umsetzung in dieser Library hin und gibt so manchen Kniff Preis, auf den man als Nichtklassiker nicht unbedingt kommt.

Trotz dieser Tatsache, bei weitem noch nicht alles mitbekommen zu haben, wandte ich mich nun den Untaten des Klangverfremders zu, indem ich erst einmal die Kompaktbenutzeroberfläche benutzen wollte, um die Instrumente in altbewährter Weise zu verfremden und zu modulieren. Hier fängt jetzt die Geschichte an, dass sich jeder unter Violinen und Oboen etwas Klangliches vorstellen kann, aber sobald ich einen Bandpassfilter zur Verfremdung eines Cello-Multisamples mit Modulation durch einen LFO einsetze und das Ganze noch durch ein Delay schicke, hört es mit der Vorstellungskraft auf, weil jeder Leser andere Parametervorstellungen hat. Lassen Sie sich gesagt sein, Sie können jetzt mit Ihrem Cellisten (fast) alles machen, was Sie wollen, er wird zu allem Ja und Amen sagen und spielen, bis der Arzt kommt! Und er will kein Geld und er möchte auch nichts essen!

Klangbeispiele
Forum
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    Nur ein kleiner Korrekturbeitrag: Die unterschiedlichen Mikrofonierungen sind nur in der Platinum-Ausgabe vorhanden. Die Gold-Variante beschränkt sich auf die "far"-Mokrofonierung.

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    Hallo Jochen, kleine Gegenkorrektur: es ist so, wie ich es im letzten Satz oberhalb des GUI-Bildes geschrieben habe: Die Aufnahmen der Gold-Edition sind HAUPTSÄCHLICH der FULL (F) – nicht FAR – Position entnommen, es gibt aber auch einen kleinen Anteil an CLOSE (C)- und SURROUND (S)-Multisamples in dieser Edition!

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    Also mich persöhnlich würde der enthaltene Hall (der meiner Meinung nach doch recht stark ist und die Gestaltung des eigenen Sounds sehr einschränkt) stören. Ich habe mir dieses Orchester zumindest mal bei einem Bekannten angeschaut und angetestet, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass man mit den VSL samples weit besser bedient ist, wenn es um die Symbiose von elektronischer Musik mit orchestralen Elementen geht.
    Opus1 ist gerademal 100€ teurer (wobei mir da gerade einfällt, dass man eventuell noch was drauflegen muss für einen Sampler, falls man einen solchen noch nicht besitzt), kommt allerdings mit absolut trockenen Samples, die man dann nach eigenem Belieben mit Hall versehen kann.

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    Da möchte ich auch meinen Senf dazugeben :-)). Das mit dem Hall ist ein Argument, allerdings verfechte ich die Meinung, dass keine auf dem Markt befindliche Library alleinstehend ein 100%ig "Wohlgefühl" aufkommen lässt. Das EW Gold Orchestra ist ideal für Leute, die schnell und ohne grossen Aufwand nach "Hollywood" Orchester klingen müssen. Da beisst die Maus keinen Faden ab… das Ding klingt einfach fett – auch bei spielerischen Grobmotorikern wie mir. Die VSL Sachen sind akribisch gesampelt, aber wenn's schnell gehen muss ist's auch nicht wirklich zufriedenstellend, weil man zu viel "basteln" muss, bis es "voll" klingt. Mein Fazit: ich habe hier das Gold Orchester, einige VSL Sachen, dazu aber noch den guten, alten Siedlaczek, M. Vitous und das MotU Orchestra… erst der Mix aus allem hat mich irgendwann einigermassen befriedigt, weil jede Library irgendwo ihre Stärken und Schwächen hat.

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    Hallo Axel,da ich demnächst Neoklassische Stücke aufnehmen möchte, dachte ich mir, dass Symphonic Orchestra Platinum, wegen dem sehr guten Grundklang, genau das Richtige für mich wäre. Nur eine Sache. Ist Close trocken genug, um noch eigenen Hall drüberzulegen?Das was ich erreichen möchte, geht so in diese Richtung!http://de......W3iws7jm-s Lg Maik

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      a.jungkunst  AHU

      Guten Morgen Maik, ich bin mittlerweile auf die PLAY-Edition Gold übergegangen, die darin enthaltenen Samples entsprechen aber den hier getesteten. Das Video habe ich mir angeschaut, Dein Vorhaben sollte klappen. Ich habe nur wenige Close-Samples in der Gold Edition, aber diese haben nur einen ganz geringen Anteil an Raumhall in der Aufnahme. Ganz trocken gibt es z.B. bei VSL.
      Viele Grüße Axel

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