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Test: FGN Masterfield Semi Special, E-Gitarre

3. März 2019

Signature-Modell des Frankfurter Ausnahmejazzers

FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre

FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre

Als ich als Jugendlicher gerade zwei Jahre Gitarre spielte und mich in meiner Heimatstadt Frankfurt am Main herumtrieb, um mir interessante Gitarristen anzusehen, machte ich eines Abends Station im „Jazz Live“ Klub im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen, in dem damals täglich Bands aller Genres zu sehen waren. Mittlerweile existiert die Location leider nicht mehr, wie so viele andere Live-Klubs auch. Auf der Bühne saß an jenem Abend ein Gitarrist, der mir bis dato unbekannt war. Nachdem ich einige Töne auf seiner Gibson ES 335 gehört und sichtlich angetan vom Gebotenem war, fragte ich einen Zuhörer, mit wem ich denn das Vergnügen hätte. Es war der Frankfurter Jazzgitarrist Michael Sagmeister, von dessen Technik und musikalischem Können ich sehr beeindruckt war, da ich einen Gitarristen dieses Kalibers vorher live noch nicht erlebt hatte.

Nun hat der Hersteller FGN für den längst auch international zu Ruhm gekommenen Michael Sagmeister ein Signature-Modell seiner FGN Masterfield Semi Special gebaut, das seine persönlichen Bedürfnisse und Vorlieben integriert bzw. umsetzt. Diese limitierte Sonderausgabe der FGN Masterfield Semi Special zeigt einmal mehr die profunden handwerklichen Fähigkeiten der Gitarrenbauer in der Nähe von Fujigen in Japan. Unsere Testkandidatin ist die Custom-Variante der Masterfield Semiacoustic und erscheint mit Ebenholzgriffbrett, verchromter Hardware und Blockeinlagen im Griffbrett. Die Seymour Duncan SH-1 & SH-4 Pickups definiert Michael Sagmeister selbst als sein Standard-Pickup-Set. Die FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre ist zunächst in einer streng limitierten Auflage von lediglich 30 Stück erhältlich, jedes Instrument wird mit einem handsignierten Zertifikat des Künstlers ausgeliefert.

 

FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre

Die FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre in schönem Weinrot

FGN Masterfield Semi Special – Facts & Features

Die FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre kommt inklusive eines wertigen Formkoffers ins Haus. Öffnet man diesen, findet man die Gitarre nochmals in einem hellen Stoffbeutel (ähnlich einem Turnbeutels) verpackt, damit das gute Stück auch keine Kratzer abbekommt. Im Lieferumfang befinden sich auch der Inbusschlüssel zur Einstellung der Halsspannung und das Zertifikat von FGN. Die Gitarre wurde ab Werk mit einem 0.10-er-Satz (D’Addario EXL 110 .010 – .046) besaitet.

Die Masterfield Semi Special ist absolut klassisch im Design und Funktion gehalten und orientiert sich natürlich an einer Gibson ES 335, die von unzähligen Gitarristen als Waffe der Wahl bevorzugt wurde, als da wären: Larry Carlton, Chuck Berry, Alvin Lee, John McLaughlin, B.B. King (mit ES 345 TD), Eric Clapton zu Zeiten von Cream und viele weitere.

Da eine Halbakustikgitarre nach Vorbild einer ES 335 oft nur in Sunburst oder Cherry-Red bzw. gelegentlich auch mal in Braun oder Schwarz angeboten wird, ist die weinrote Farbe mal etwas anderes. Diese farbliche Variante bei Semiakustikmodellen gab es in der Vergangenheit z. B. auch bei den Modellen SA 2000 bzw. SA 2200 von Yamaha.

Die Kopfplatte erhielt die gleiche Lackierung wie der Korpus (Matched Headstock). Der Centerblock und die Zarge der Masterfield Semi Acoustics werden aus einem massiven Stück Mahagoni gefräst, so verbessert sich die Schwingungsübertragung und das Sustain zwischen dem eingeleimten Hals und dem Korpus im Vergleich zur herkömmlich angewandten Bauweise. Der kompakte Korpus mit reduzierter Größe (15“) und Gewicht gestaltet das Handling mit der Gitarre angenehm komfortabel. Das Instrument eignet sich klanglich für sämtliche Stilrichtungen, wie etwa Jazz, Fusion, Blues, bis hin zum Rock und Rock & Roll.

FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre – der Korpus

Wie das Vorbild ist unsere Testkandidatin gleichfalls eine Semi-Hollowbody mit Centerblock. Der Centerblock und die Zargenflügel aus afrikanischem Mahagoni wurden aus einem Block gefräst, was sich positiv auf die Stabilität der Gitarre auswirkt. Durch die etwas kleineren Ausmaße (15″) ist der Korpus angenehm kompakt, was sich auch positiv in der Handhabung auswirkt. Die Decke und der Boden aus geflammtem kanadischem Riegelahorn sind gleichfalls von einem 7-lagigem weißen Binding umschlossen, auch hier gibt es verarbeitungsmäßig keinen Anlass zu meckern. Auch die Acryllackierung wurde absolut perfekt ausgeführt. Diese handwerkliche Perfektion gilt erfreulicherweise gleichermaßen für das ganze Instrument. FGN ist bekannt für die hohe Qualität ihrer Produkte, deswegen ist die Gitarre auch nicht ganz billig.

Masterfield Semi Special – der Hals

Der Hals aus Mahagoni wurde eingeleimt und die FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre besitzt einen langen Halsfuß (Long Neck Tenon). Das Griffbrett aus Ebenholz wurde, beginnend mit dem ersten Bund, mit Blockeinlagen aus Perlmutt versehen, wie dies beispielsweise auch bei einer Les Paul Custom oder vielen ES 335 zu sehen ist. Die Mensur beträgt erwartungsgemäß 628 mm, die Sattelbreite 43 mm. Der Sattel wurde perfekt eingesetzt und gefeilt. Ein solches Ausmaß an Perfektion ist leider nicht so häufig anzutreffen, da es nicht unbedingt die Regel ist, dass man in diesem Punkt einen hohen Aufwand betreibt. Angesichts des Preises des Instruments könnte man dies zwar erwarten, aber mir sind auch schon teurere Objekte untergekommen, die diesbezüglich teilweise deutlich liebloser verarbeitet waren. Ein perfekt gefeilter Sattel ist bekanntermaßen die Voraussetzung für eine gute Saitenlage und Verstimmungsfreiheit.

Die 22 Bünde wurden mit dem speziellen, eigens von FGN entworfenen sogenannten „Circle Fretting System“ ausgestattet. Damit soll die Intonation laut Hersteller positiv beeinflusst werden.

FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre Bundierung

Perfekte Bearbeitung, Abrundung und Politur der Bünde

Wem das „Circle Fretting System“ unbekannt sein sollte, kann sich diesbezüglich gerne einmal hier sachkundig machen. Ob dieses System, wie der Hersteller es verspricht, eine Verbesserung der Intonation zu bewirken mag, sei einmal dahingestellt, man muss jedoch festhalten, dass die Bünde absolut perfekt eingesetzt, verrundet und poliert wurden und sich ausgesprochen angenehm anfühlen, was den Spielkomfort spürbar erhöht.

Die Elektrik

Bei einer extrem klassisch veranlagten Semiakustik ist diesbezüglich nichts Innovatives zu erwarten. So trifft man auch keine aktive Elektronik, Push-Pull-Potis, Coilsplitting etc. an. Jeder der beiden Humbucker (Seymour Duncan SH-1 am Hals und SH-4 Humbucker am Steg) besitzt gemäß dem Vorbild jeweils einen separaten Lautstärke- und Klangregler. Die Pickups werden mit dem Dreiwegeschalter angewählt und können einzeln bzw. parallel betrieben werden. Die vier Potiknöpfe und die Kappe des Schalters sind in klassischer Form und dezentem Schwarz gehalten, was die unaufgeregte und seriöse Erscheinung der Gitarre untermalt.

Die Hardware

Die Hardware der FGN Masterfield Semi Special kommt ausschließlich von Gotoh. Da wären zu nennen: SD90-SL Mechaniken, der GE101A Saitenhalter und die Tune-o-Matic Brücke GE104B. Die komplette Hardware ist chromfarben und unterstützt optisch die angenehme „Schnörkellosigkeit“ des Instruments.

FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre Kopf

„Big in Japan“

Handling

Die FGN Masterfield Semi Special war ab Werk erfreulicherweise bereits optimal eingestellt. Der Hals fühlt sich sehr komfortabel an, liegt gut in der Hand und ermöglicht nicht zuletzt aufgrund des patentierten „Circle Fretting System“ eine ausgezeichnete Bespielbarkeit. Die Maße des Halses bewegen sich im Mittelmaß, d. h. man hat hier weder einen Baseballschläger noch ein superflaches „Ibanezmäßiges“ Hälschen in der Hand. Auch in diesem Punkt bleibt FGN der Tradition treu.

Ein Zwischenzeugnis

Der bisherige Eindruck ist ausgesprochen positiv. Seitens der Verarbeitung, der Optik und des Handlings gibt es ausschließlich Positives zu berichten. Wie die FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre klingt, hängt natürlich wie immer auch von den Fähigkeiten seines Bedieners ab, wir verschaffen uns nun einmal einen Eindruck!

FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre – der Sound

Schon trocken gespielt ist das Potenzial des Instruments zu spüren, da die Gitarre in allen Lagen gut resoniert und einen ausgewogenen, warmen, leicht „holzigen“ und dennoch „attackreichen“ Ton erzeugt. Wir hören zunächst die klaren Sounds und beginnen mit dem Halstonabnehmer (Seymour Duncan SH-1), der sicherlich für Jazzgitarristen von entscheidender Wichtigkeit ist.

Wir hören beide Pickups parallel. Gerade für Rock & Roll oder auch Rockabilly wird diese Variante gerne verwendet. Hier ist stilgemäß auch etwas Slapback-Delay im Spiel:

Wir hören den Steg-Pickup, zunächst klar:

Jetzt kommt ein wenig Verzerrung ins Spiel. Gerade für bluesige und rockige Sounds eignet sich der Steg-Pickup hervorragend:

Schließlich hören wir den Hals-Pickup mit moderater Verzerrung. Die Licks sind bluesy:

Hier ist zu hören und sehen, wie der Meister persönlich seinem Signaturmodell bedient:

Die „klassischen“ Sounds der FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre klingen absolut überzeugend, da hier gute Materialien in Verbindung mit hervorragender Verarbeitung und einer guten Wahl der Pickups eine perfekte Symbiose ergeben.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre – Peavey Classic MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher (Klon) – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall und Delay hinzugefügt).

Fazit

Die FGN Masterfield Semi Special E-Gitarre ist eine hervorragend verarbeitete Semiakustikgitarre nach dem Vorbild einer Gibson ES-335. Sie bietet keine innovativen Neuigkeiten, sondern ist absolut klassisch gehalten. Der Sound und die Bespielbarkeit sind absolut erstklassig und in der schönen Farbgebung Weinrot ist eine Semiakustik auch nur selten anzutreffen. Der Preis geht aufgrund des Gebotenen, was man sicherlich als hochklassig bezeichnen muss, in Ordnung.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 2199,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ArvinG   1

    Sound und Optik erscheinen in der Tat in Ordnung für den Preis, zumal für eine 335er Gibson in der Farbgebung aktuell schätzungsweise gut und gerne nochmal 1,5K € drauf zulegen sind. Ich glaube mich zu erinnern, auf dem Cover der CD „Highlights“ ist auch zu sehen, dass M.S. seinerzeit eine Gibson 335 spielte. Jedenfalls scheint dieses Modell seinem persönlichen Ton deutlich mehr entgegen zukommen als die Gibson Wes Montgomery, auf der er m.E. einen deutlich dünneren, quasi „spillrigeren“ Ton produzierte (ich glaube auf einem seiner educational YT Vids) was mir persönlich mal so gar nicht gefiel.

    P.S. Die Vielspielerei gehörte und gehört bei M.S. als ausgewiesenem Pat Martino Adepten natürlich dazu ;-). Dennoch – schöne Gitarre.

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