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Test: Futureretro Orb Sequencer CV/Gate und Midi

29. Juli 2009

Kreisrunder MIDI/CV Sequenzer

Futureretro zeichnet sich für so illustre Produkte verantwortlich, wie den XS-Synthesizer und den Revolution-Synthesizer. Dabei handelt es sich um analoge semimodulare Synths. Im Revolution ist auch ein Patternsequencer/Songarranger enthalten. Dieser wurde ausgekoppelt, und der Orb ward geboren. Es handelt sich um einen einspurigen Lauflicht-Sequencer mit Accent- und Glide-Funktion.

Ein Blick auf den Orbit

Das besondere Äußere: Die Lauflichter sind im Kreis angeordnet, und die Sequenz läuft im Uhrzeigersinn von 6 Uhr (Step 1) an. Das Gerät ist etwa handgroß, wiegt 800 Gramm und ist als Pultgerät ausgeführt. Der Anschluss für das 12V Netzteil findet sich unterhalb des Gerätes und ist so vor versehentlicher Entstöpselung geschützt. Der Powerknopf liegt wieder gut erreichbar oben rechts. Die Optik, die sich aus dem anthrazitfarbenen Gehäuse mit weißem Aufdruck und den durchweg hellen blauen LEDs zusammensetzt ist Futureretro typisch und weiß zu gefallen.

Ein Blick in den Orbit

Die CV-Ausgänge für CV Out (1 Volt/Oktave), Gate (12V, positive Polarität) und Accent (10V, ebenfalls pos.) sind als 6,3 mm Klinken ausgeführt und befinden sich auch auf der Frontplatte des Gerätes auf der linken Seite. Dabei kommen einem die Kabel nicht unbedingt entgegen, wenn man den Orb bedient, aber möglich ist das durchaus schon. Vielleicht wären hier rückseitige Anschlüsse noch ergonomischer. Der Glide (Portamento) wird softwareseitig erzeugt und kann in seinem Glissando stufenlos über das Glide-Poti geregelt werden. Alle Pattern werden gleichzeitig auch am MIDI-Out ausgegeben. Der Orb kann zu externen MIDI-Clocks synchronisiert werden. Man kann den Orb auch als MIDI-to-CV Konverter benutzen, eingehende MIDI-Noten liegen dann an den CV-Outs an. Zusätzlich kann der Orb Program-Changes senden und empfangen. Jedes Pattern in jeder Bank hat seinen Bank-/Control-Change-Befehl, den es empfängt oder sendet.

Softwareseitig bietet der Orb 16 mal 16 frei in Echtzeit programmierbare Pattern. Diese werden über die kreisrunde Eingabe aufgerufen und im Pattern-Modus auch editiert. Hierbei ist die Eingabe von Sustain-Noten einfach und gut gelöst. Man hält einfach erste und letzte Zählzeit der Note gleichzeitig gedrückt. Patterns können kopiert und gelöscht werden. Auch eine Swing-Funktion in drei Stufen kann jedem Pattern zugeordnet werden. Komplettiert wird das Maschinchen von einem Song-Arranger, der in 16 verschiedenen Song-Speicherplätzen bis zu 3580 Takte unterbringen kann. Es können im Song- sowie im Pattern-Modus alle Pattern transponiert/geremixt werden. Auch notenweise Verschiebung der Steps eines Pattern oder gar Rückwärtslaufen bewerkstelligt der Orb on-the-fly. Alle Einstellungen des Orb können in verschieden Paketen (1 Bank, alle Banks, 1 Song, alle Songs) per Sysex gespeichert und geladen werden.

Copy and Paste

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Orb ist die Remixfunktion. Auf dem Gerät befinden sich links und rechts jeweils ein gerastertes Poti (‚Remix 1‘ und ‚Remix 2‘). Jedes Pattern kann durch Aktivierung der Funktion ‚geremixt‘ werden. Für jede Kombination, die sich aus den beiden Reglern ergibt (16 mal 16. also 256), erhält man eine Variation des aktuellen Patterns. Dabei handelt es sich laut Anleitung keineswegs um Zufallsergebnisse, sondern es werden über ‚mathematische Prozesse‘ (The Orb, Manual, S.22) neue Abfolgen für das Pattern gefunden. Befindet sich der Orb im Pattern-Edit Modus, kann man dann schön beobachten, wie das Lauflicht nicht mehr brav im Uhrzeigersinn seine Steps abknabbert. Vielmehr kann sieht man, wie verschiedene nicht aufeinanderfolgende Steps ausgewählt werden. Diese Funktion kann auch auf vorprogrammierte Songs angewendet werden.

Der Futureretro Orbit-Sequenzer ist einspurig. Obwohl es ja einen separaten MIDI-Out gibt, liegen hier nur die Noten an, welche man auch über CV/Gate abgreifen kann. Accents werden dabei mit einer Velocity von 127 ausgegeben, nicht akzentuierte Noten mit einer Velocity von 64. Für den aufgerufenen Preis von 550 Euro hatte ich ehrlich gesagt zumindest eine Spur für CV/Gate/ACCENT und eine für MIDI erwartet. Dass der Orb auch als reines MIDI-to-CV arbeitet, ist allerdings sehr erfreulich. Dabei gibt es aber weder Möglichkeit, die Patterns durch externes MIDI zu transponieren, noch die Gate-Polarität zu wechseln, was die Kompatibilität mit anderen Synths unnötig verringert.

Ab in die Umlaufbahn

Das Gerät findet aufgrund seines Pultaufbaus einen festen Halt. Die Verarbeitung ist erstklassig und vermittelt auch haptisch einen edlen Eindruck. Was zunächst als ‚Yet Another Step Sequencer‘ scheint, beginnt nach näherem Studium (u.a. der Bedinungsanleitung) zum ausgewachsenen Perfomance-Tool zu mutieren. Neben den erwähnten Remix- und Transponierungsfunktionen bietet der Orb noch mehr. Laufende Pattern können on-the-fly um eine beliebige Stepanzahl vor- oder zurückversetzt werden, und man kann die Wiedergabe sogar umdrehen. Das alles geschieht am Gerät durch verschiedene Tastenkombinationen (so z.B: Shift + Play für umgedrehte Wiedergabe). Auch können im Pattern beliebige Loop-Punkte gesetzt werden sowie 4/4 und 3/4 Takte gewählt werden.
Wichtig für Performer ist, dass die Änderungen erst vom Orb gespielt werden, wenn die Eins des Patterns beginnt. Ausnahme sind die Remix-Einstellungen, die sofort beginnen, wenn man den Remix-Button gedrückt hat. Der Orb bleibt also immer im Takt.
Tja, die Remix Funktion. Das hier wirklich keine Zufallsfunktion am Werke ist, wird nach Anwendung auf verschiedene Ausgangspattern deutlich (siehe auch Beispiele 6 und 7). Die 256 Kombinationen basieren tatsächlich auf bestimmten Regeln. So wird man schnell fündig, ist man auf der Suche nach neuen Ideen. Nicht alle Kombinationen von ‚Remix 1‘ und ‚Remix 2‘ erzeugen jedoch aus jedem Pattern etwas Brauchbares, hier muss man ausprobieren. Für spontane Remixergüsse am Set ist das natürlich ein zweischneidiges Schwert. Es können gute Remix-Pattern rauskommen – oder eben auch nicht. Leider kann man gute Remix Pattern nicht fixieren, d.h. auf ein anderes Pattern kopieren.

Fazit

Der Orb ist ein kleiner Sequencer mit großem Herz für Performer und Patternforscher. Durch die unkomplizierte Bedienung und die Manipulation der Pattern ‚on-the-fly’ ist der Orb ein Performance-Sequencer. Die Remix Funktion unterstreicht deutlich, in welchem Bereich die Entwickler den Orb sehen. Nicht alle Funktionen (wie z.B. das Rückwärtsspielen) erschließen sich sofort aus der Bedienoberfläche (obwohl, SHIFT + PLAY als Tastenkombination ist ja doch schon irgendwie naheliegend) und ein Studium des knappen aber exakten Handbuchs (PDF, Englisch, 29 S.) ist von Vorteil, um alle Kniffe des Orb zu kennen.
Beim Arbeiten mit dem Orb sind die Performance-Funktionen, wie ich sie mal nennen möchte, ganz klar das Highlight. Viele der angebotenen Remix-Einstellungen eigener Pattern klingen auf Anhieb und sind im Kontext des Original-Patterns sehr gut verwendbar (vor allem, wenn man mit Gilde und Accent arbeitet). Bei einer Live-Performance sollte man aber dann doch wissen, was mit dem aktuellen Pattern passiert, wähle ich diese oder jene Einstellung von ‚Remix 1‘ und ‚Remix 2‘. Mit dem eingebauten Glide/Portamento Effekt und dem extra ausgeführten ACCENT Ausgang sind z.B. klassische Acid-Pattern in Windeseile erstellt und klingen authentisch. Beim Programmieren der Pattern fand ich es gewöhnungsbedürftig, dass man Steps nur durch gleichzeitiges Betätigen der SHIFT-Taste löschen kann. Intuitiv klicke ich auf einen aktiven Step, um ihn auszuschalten, das ist jedoch einfach nur Gewöhnungssache.
Dass der Orb allerdings nur eine Spur zur Verfügung stellt, finde ich wie gesagt für den Preis von 550 Euro dann doch ein bisschen happig. Zudem ist die Gate-Polarität fix eingestellt und vermindert das Einsatzgebiet. Und als Wunsch: Es wäre toll, wenn man auch die ACCENT Intensität von der Frontplatte aus einstellen könnte (wie beim Glide/Portamento auch). Hier muss es insgesamt Abzüge im Preis-Leistungs-Verhältnis geben.
Dennoch ist der Orb wieder einer dieser kleinen Sachen, die einem das Analoge und Digitale im eigenen Studio wieder näher zusammenbringen. Und durch eine innovative Remixfunktion hat man auch an uninspirierenden Tagen jemanden, der einen mit frischen Ideen versorgen kann.
‚YASS‘ (Yet Another Step Sequencer) trifft auf den Futureretro Orb nicht zu, da seine vielen Echtzeitmanipulationen am laufenden Pattern ihn zu einem Performance-orientierten und leicht experimentellen Sequenzer machen. Ob man bereit ist, dafür den aufgerufenen Preis zu zahlen, liegt dann an einem selbst, auf jeden Fall bekommt man ein erstklassiges Produkt für sein Geld.

Plus

  • Perfomance-orientierte Bedienung
  • als MIDI-to-CV Konverter nutzbar
  • 256 Remixfunktionen pro Pattern
  • robustes und platzsparendes Design

Minus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Gate Polarität nicht wählbar
  • Remix-Pattern können nicht fixiert werden
  • ACCENT Intensität nicht extra steuerbar
  • Pattern nicht durch externes MIDI transponierbar

Preis

  • Straßenpreis: 549,- Euro
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