Test: MFB Urzwerg, Stepsequencer

4. Dezember 2010

MFB Urzwerg

Nachdem wir vor kurzem den analogen Winz-Synthesizer MFB Nanozwerg unter der Lupe hatten, wollen wir nun im wahrsten Sinne des Wortes die nächsten Schritte in die weite Welt von Analog und Modular gehen – und zwar mit dem analogen Stepsequenzer MFB Urzwerg.

MFB Urzwerg

MFB Urzwerg

Dass das Analogrevival mehr als ein zeitgeistiger Hype ist, steht längst außer Frage. Immer mehr Musiker entdecken, dass digitale Präzision nicht alles ist und bestimmte Produktionsweisen nicht durch sehnenscheidenentzündendes Mausschubsen zu ersetzen sind. Was für die Klangerzeugung gilt, hat aber genauso bei der zeitlichen Organisation der Töne seine Berechtigung: Mit einem Analogsequenzer wie dem Urzwerg schraubt, steckt und schaltet man sich gewissermaßen mit beiden Händen seinen Groove zusammen.

Automatische Musik

Analoge Stepsequenzer ermöglichten bereits in den großen Modularsystemen der sechziger Jahre das gezielte Programmieren automatisierter Steuerspannungs-Abläufe und sind mit ihren oft monotonen Wiederholungen nicht zuletzt für den typischen Sound vieler Krautrock-Acts verantwortlich. In Zeiten von MIDI und VST muss ein analoger Stepsequenzer mit gerade einmal acht bis sechzehn Schritten, fehlendem Speicher und scheinbar umständlicher Bedienung aber doch wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Epoche anmuten. Warum sollte man sich also überhaupt auf so etwas einlassen?

Drei, die sich verstehen: Doepfer Dark Energy, MFB Urzwerg, MFB Nanozwerg

Drei, die sich verstehen: Doepfer Dark Energy, MFB Urzwerg, MFB Nanozwerg

Die Antworten liegen im Reiz des nicht immer ganz Vorhersehbaren, der kreativen Kraft der Reduktion und im haptischen Erleben, das eben nur richtige Hardware bieten kann. Die spezielle Funktionsweise eines analogen Stepsequenzers legt eben Melodie- und Klangverläufe nahe, auf die man beim Zusammenklickern von Noten in der DAW garantiert nicht kommen würde. Insbesondere zur musikalischen Ideenfindung ist das eine fantastische Sache, nicht nur wenn die Finger auf der Tastatur mal wieder immer nur die selben Tasten spielen wollen.

Dazu kommt die direkte Kontrolle über feine Tonhöhen-Nuancen per Potentiometer, für die man in der DAW aufwändige Pitch-Bend-Automationen einzeichnen müsste. Nicht zuletzt lassen sich durch die spontane Variation von Sequenzlängen und Abspielrichtungen kaum planbare, fast zufällige Muster erschaffen. Melodien, die man schon im Kopf hat, sind mit dem Urzwerg dagegen eher mühsam umzusetzen. Aber dafür hat man so ein Ding auch nicht. Vielmehr erfindet der Musiker die Musik gewissermaßen gemeinsam mit dem Stepsequenzer.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    sehr guter Ansatz, aber leider mit ein paar gravierenden Mankos. Als der Urzwerg angekündigt wurde dachte ich, dass ist es jetzt. Endlich ein kleiner, kompromißloser Stepper, der meinen Step64 ersetzen kann. Leider sind die fehlenden LED`s pro Step, die nicht vorhandene Random-Betriebsart ein No Go für mich. Die zusätzliche, am Besten parallele, Ausgabe über Midi wäre auch sehr sinnvoll gewesen. Schade!

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      AMAZONA Archiv

      Kleiner Tipp stellt man den Urzwerg vor oder Hinter ein Gerät mit Lauflicht hat man seine LEDs pro Step

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    Chromengel  

    Ich hatte ja auf eine erweiterte Version des Step64 gehofft, also einen „aufgebohrten“, bei dem die Funktionen auf der Oberfläche liegen.
    Vielleicht nimmt sich der Sache ja mal irgendwann jemand an.
    Ansonsten, bis auf die schon von m.ettlich erwähnten Mängel, ein schönes Konzept, leider ohne Midi-Notenausgabe – Schade, kann ich so nicht gebrauchen…

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