Test: MFB Step64, Stepsequencer

11. März 2009

Großes Kino mit kleinen Fricklern

Als der Mann vom Paketdienst die Treppen zu mir hoch stürzte und dabei jeweils zwei Stufen mit einem Schritt nahm, konnte ich kaum davon ausgehen, dass er mir solide Hardware zum Testen bringen will. Und dann noch gleich zwei Geräte.

Im handlichen Paket warteten der neue Step-Sequencer und die Filterbox aus dem Hause Manfred Fricke Ingenieurbüro Berlin. Was soll man beim Auspacken anderes sagen, als dass diese Geräte mit ihren praktischen Maßen einfach nur sexy sind?

Anschlüsse des MFB-STEP64

Der STEP64 ist ein maximal vierstimmiger Step-Sequencer, der seine Daten sowohl per MIDI als auch über CV/Gate ausgeben kann. Im Lieferumfang sind passende Kabel und Adapter für die CV/Gate-Buchsen enthalten. Die CV-Spannung arbeitet mit 1 Volt pro Oktave und die Gate-Spannung mit wahlweise 5 oder 10 Volt.

Die Betriebsarten des Sequencers

Dem Anwender stehen sechs unterschiedliche Betriebsarten zur Verfügung:

Wie so häufig bei Produkten aus dem Hause MFB verstecken sich hinter den wenigen Bedienelementen mehr Möglichkeiten, als man auf den ersten Blick erwartet. So legt man seine Sequenzen auf jeweils 118 Speicherplätzen in vier Bänken ab. Leider ist es nicht möglich, verschiedene Modi in einer Bank zu mischen, da man beim Einschalten des STEP64 den Modus bereits wählen muss. Dennoch ist der Speicher üppig ausgelegt. Gerade für Live-Anwendungen ist die Funktion schön, dass eine neue Sequenz erst angespielt wird, wenn die alte zu Ende ist – ganz so wie bei alten TR-808s oder TB-303s. Auf 16 Song-Speicherplätzen lassen sich jeweils 128 Sequenzen anordnen.

Die Programmierung des Step64

Die Programmierung einer Sequenz ist eigentlich denkbar einfach: In der gewählten Sequenz drückt man den Taster des Schritts, den man verändern möchte. Nun lassen sich alle Parameter (siehe Tabelle) mit den vier gerasterten Endlosdrehreglern anpassen. Manfred Fricke hat sogar eine Funktion zur Darstellung der Werte implementiert, ohne diese zu verändern. Die Drehpotis können daneben auch als Schalter gedrückt werden, um den Parameter dahinter zu löschen. Damit kann man kinderleicht Pausen setzen. Pausen ergeben sich natürlich auch bei einer Anschlagstärke von Null.

Persönlich gefällt mir die Anpassung der Notendauer oder Gate-Zeit ausgesprochen gut. Nicht viele Sequencer in dieser niedrigen Preisklasse bieten diese Funktion – selbst ein Döpfer MAQ16/3 kann das nicht. Spielt man aber immer nur Sechzehntel, nervt das schnell. Will man längere Noten programmieren, so selektiert man einfach mehrere zusammenliegende Steps und gibt dann den Notenwert etc. ein. Gepaart mit der Anschlagstärke kann man so schon sehr flexible und ausdrucksstarke Melodien einspielen.

Zusätzliche Lebendigkeit erzeugen die zwei Steuerspannungen bei analogen Synthesizern mit entsprechenden Eingängen oder der frei zuweisbare MIDI-Controller. Selbstverständlich kann die Controller-Nummer innerhalb einer Sequenz wechseln. Über die Reset-Funktion muss man nicht mit der maximalen Step-Anzahl einer Sequenz leben, sondern kann die Anzahl einschränken. Damit steht Polyrhythmen nichts im Wege.

Der MFB Step64 in der Praxis

In den Betriebsarten drei und vier, die ja polyphon sind, kann man logischerweise Akkorde programmieren. Da es manchmal aber doch etwas nervig ist, die vier Tonhöhen getrennt mit den vier Potis zu programmieren, spendiert uns Herr Fricke eine geniale Funktion: Mittels gedrückter Shift-Taste kann man mit dem ersten Parameterpoti Dur- und mit dem zweiten Moll-Akkorde eingeben. Da die letzte Note dabei nicht programmiert wird, kann man damit schnell Septimenakkorde oder ähnliches erzeugen. Schön, wenn das Leben so einfach sein kann.

Da ich selber riesengroßer Fan von Shuffle-Beats bin, habe ich mich natürlich gefreut, dass die Anleitung 15 verschiedene Shuffle-Einstellungen ankündigte. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass diese Shuffles so dermaßen gut und auch schräg sind. Ring frei für die fiesesten Schleppbeats und Lines. Die Shuffles wirken sich offensichtlich nicht nur auf jeden zweiten Step sondern auf alle Events aus.

Um die Lebendigkeit noch weiter zu treiben, ist der MIDI-In nicht nur für eingehende Clock-Signale zur Synchronisation gedacht. Mit einer MIDI-Tastatur kann der Live-Mucker nach Belieben die Sequenzen transponieren. Ist keine Tastatur zur Hand, kann man über die Shift-Taste und den Step-Tastern die Sequenz bis zu 15 Halbtöne transponieren.

Fazit

Das Fazit zum Step-Sequencer fällt mir leicht: Die kleine Kiste ist jeden Cent wert – absoluter Thumbs-up! Im Vergleich zu anderen Sequencern wie dem Schaltwerk und MAQ16/3 von Döpfer, Manikins Schrittmacher oder auch Future Retros Mobius ist der STEP64 geradezu billig. Letztlich besitzen alle diese und weitere Sequencer ihre Daseinsberechtigung. Manch einer braucht die 32 Spuren des Schrittmachers auf einmal. Andere können nicht ohne den direkten Zugriff auf jeden Parameter wie beim MAQ16/3. Und so passt der STEP64 hervorragend auch in ein kleineres Set-up mit nur wenigen analogen Synthis oder nur einem, dafür komplexen Synthesizer. Ebenso gut passt der STEP64 neben den Laptop als Eingabegerät zu Ableton Live. Ob analog oder digital, der STEP64 macht überall eine gute Figur, weil die Eingabe Spaß macht, die Kreativität boostet und die Sequenzen unglaublich lebendig klingen.

Wo so viel Licht ist, ist aber auch ein kleiner Schatten. Zum einen ist die Anleitung an wenigen Stellen etwas zu wenig ausführlich – da muss man dann selber viel probieren, was aber bei solch einem Hands-on-Gerät nur die Kreativität fördert. Zum weiteren nervt die Tatsache, dass Bearbeitungen einer Sequenz verloren gehen, sobald man den Sequencer stoppt. Manche Funktionen erreicht man nur mit leicht umständlichen Eingaben – der alte Konflikt zwischen aufgeräumtem Bedienfeld und hoher Komplexität. Und zu guter Letzt hätte ich mir für die Sequenzen eine Copy-and-Paste-Funktion gewünscht.

Plus

  • sehr lebendige Sequenzen
  • solide Verarbeitung
  • gelungenes Konzept

Minus

  • Programmierung nur bei laufendem Sequencer
  • kein Copy-and-Paste

Preis

  • Straßenpreis: 239 Euro
Forum
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    Ich liebe die kleine Kiste!
    Nach einer kurzen Einarbeitungszeit kommt man mit dem Step64 recht schnell zum Ziel. Super ist auch, dass man die Gate Spannung an den jeweiligen Synth anpassen kann.
    Das Preis/Leistungsverhältnis ist meiner Meinung nach unschlagbar.

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    Ich bin nicht jeden Tag an meinen Geräten und habe teilweise nur einen Tag im Monat Zeit, mit darum zu kümmern.
    Und jedesmal, wenn ich dann den STEP64 gebrauche ärgere ich mich darüber, dass die eingespielt Sequenz nach dem Stoppen wieder weg ist.
    Ja, ja, les dir halt die Anleitung vorher durch, aber ich kann mir auch nicht jede Kleinigkeit merken.
    Der Verfasser hat Recht, einige Funktionen könnten wirklich besser sein.
    Ansonsten alles sehr flexibel, klein aber fein!

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    Die Bedienung des kleines Sequencers ist doch eher was für Leute mit Nerven. Preis/Leistung ist dennoch unschlagbar.

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    AMAZONA Archiv

    Ich mag das Gerätchen sehr gerne, und auch wenn einige Funktionen eher kryptisch zu erreichen, ist dies meiner Meinung nach gut zu lösen: Ich benutze das Ding auch eher selten, und daher hab ich die wichtigsten Funktionen auf einem Zettel an der Unterseite aufgeklebt, insbesondere die der Start-Optionen. Übrigens nicht nur hier, sondern auch bei anderen kleinen, und mit Doppel- und Dreifachfunktionen belegten Gadgets, wie z.B. den Volcas.
    Für mich passt das ganz gut; sobald ich die entsprechenden Geräte aus dem Schränken hole, ist ein kurzer Blick auf die Unterseite ein ausreichendes Briefing.

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    Son of MooG  AHU

    Mit dem Step64 arbeite ich nun schon seit einigen Jahren und ich bin immer noch sehr zufrieden. Nach einer kurzen Lernphase hatte ich alle Funktionen drauf und konnte schnell Sequencen erstellen. Dabei nutze ich besonders die CV/Gate-Outs zur Steuerung meines Modular-Systems. In Verbindung mit den Pittsburgh Modular Sequencer, Doepfer Quantizer und Clk.Divider/Multiplier sowie dem Akai Rhythm Wolf erhalte ich das perfekte System für EM im Stil der „Berliner Schule“, und wenn’s mal härter werden soll, kommt noch eine Electribe EMX-1 ins Spiel.

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