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Test: MFB Urzwerg Pro, Stepsequencer

3. Dezember 2011

Stepsequenzer mit CV/Gate und Midi

Der originale Urzwerg ist noch gar nicht mal so lange auf dem Markt, da schiebt die Firma MFB mit dem Urzwerg Pro bereits eine erweiterte Version des analogen Stepsequencers nach, die mit vielen Kritikpunkten am Original aufräumen soll. Der Urzwerg Pro feuert wie der erste Urzwerg Steuersignale aus vier Reihen à acht Steps ab, mit denen bis zu vier Parameter eines analogen Systems oder auch vier unabhängige Synthesizer kontrolliert werden können. Da die meisten Grundfunktionen der beiden Geräte übereinstimmen, sei an dieser Stelle zunächst auf den Test des MFB Urzwerg hier auf AMAZONA.de verwiesen.

Warum Pro?

Mit dem Urzwerg Pro reagiert MFB auf die Wünsche vieler Kunden, die von einem modernen Analogsequencer nicht nur die Ausgabe von CV/Gate-Signalen erwarten, sondern auch Hard- und Software-Synthesizer per MIDI anschließen möchten. Zwar hatte bereits der Urzwerg einen MIDI-Ausgang, darüber werden aber lediglich Start/Stop- und Tempoinformationen ausgegeben. Der Urzwerg Pro hingegen schickt die Werte eines jeden Reglers zusätzlich zu den Gate/CV-Signalen auch in Form von MIDI-Noten sowie Velocity- und Modulationsdaten an die Außenwelt.

Der zweite große Kritikpunkt am originalen Urzwerg betraf die fehlende optische Rückmeldung. Während das erste Modell nur jeweils eine zweifarbige LED pro Reihe besaß, hat der Urzwerg Pro nun für jeden einzelnen Schritt eine eigene LED, insgesamt also 32. Diese zeigen sowohl die aktiven Steps als auch die aktuelle Position im Pattern an, so dass man bestimmte Steps im laufenden Pattern leicht identifizieren und aktivierte und deaktivierte Steps auf einen Blick überschauen kann.

Weitere Verbesserungen finden sich in Form der echten Zufallswiedergabe der Steps, einer Autoglide-Funktion, und vier zusätzlichen Skalen für die Tonhöhen-Quantisierung. Die Skip-Schalter sind nicht einrastenden Tastern gewichen und die fummeligen Dip-Schalter einem roten Program-Button. Wie sich der gründlich überarbeitete MFB Stepsequencer in der Praxis macht und ob die neuen Funktionen den Preisunterschied von immerhin 100 € rechtfertigen, wollen wir uns im Folgenden im Detail anschauen.

MIDI am MFB Urzwerg Pro

Mit der Ausgabe von MIDI-Noten sowie Velocity- und Modwheel- Daten (CC1) zielt MFB nun auch auf jene Anwender ab, die digitale oder analoge MIDI-Synthesizer ohne Steuerspannungseingänge besitzen. Obwohl im reinen MIDI-Betrieb natürlich die vielen analogen Buchsen des Urzwerg Pro ungenutzt brachliegen, ist der unmittelbare Zugriff auf jeden Step – direkt, gleichzeitig und ohne Maus – die Investition möglicherweise bereits wert.

Einer der größten Vorteile der MIDI-Ausgabe ist, dass man eine gelungene, aber eventuell noch nicht ganz perfekte Sequenz ganz einfach am Computer aufnehmen, speichern und weiterverarbeiten kann. Ein geeignetes MIDI-to-CV-Interface vorausgesetzt, lassen sich diese mit dem Urzwerg Pro gefundenen und am Computer optimierten Sequenzen dann sogar wieder auf reine CV/Gate-Hardware loslassen.

Welche Signale an welchem MIDI-Kanal anliegen, hängt vom eingestellten Modus ab. Es gibt acht dieser Setups:

  • vierfach monophon: jede Reihe sendet Notenbefehle auf einem eigenen Kanal (zur unabhängigen Ansteuerung von vier verschiedenen Klangerzeugern)
  • vierstimmig polyphon: alle vier Reihen senden Notenbefehle an denselben Kanal (um Akkorde zu spielen)
  • dreistimmig polyphon mit Velocity auf Reihe 4
  • … und fünf weitere zweifach monophone Modi mit unterschiedlichen Kombinationen von Velocity und Modulation auf Reihe 3 und 4.

Range bestimmt den Wirkungsbereich der Step-Regler. In der kleinsten Einstellung lassen sich sechs Halbtöne spielen (C1-F#1), in der größten fast fünf Oktaven (C1-B5). Der Wirkungsbereich von Mod und Velocity schöpft hingegen leider nur knapp die Hälfte der 127 MIDI-Schritte aus: Im Test kamen bei Range auf Rechtsanschlag Velocity-Werte von 64 bis 122 (minimal: 64-70) und Mod-Werte von 0 bis 58 (minimal: 0-6) in der DAW an. Das ist je nach angeschlossenem Klangerzeuger unter Umständen zu wenig für intensivere Modulationen.

Da der Tonhöhenbereich an den CV-Ausgängen (zumindest im Zusammenspiel mit den 1V/Oktave-Synthesizern Dark Energy und Microzwerg) außerdem deutlich größer ist als der MIDI-Noten-Bereich, ist es kaum möglich, Melodien per MIDI und CV exakt zu doppeln. Gebundene Noten sind ebenfalls nicht drin, denn die maximale per Gate-Time-Regler einstellbare Notenlänge dauert lediglich 85% eines Schrittes. Wie beim ersten Urzwerg lässt sich die Gate-Dauer zudem leider nicht sequenzieren. Dafür wirkt sich die Stellung des Gate-Reglers immerhin direkt auf die effektive MIDI-Notenlänge aus, so dass manuelle Änderungen in der DAW mit aufgenommen werden können.

Lauflichter am Urzwerg Pro wie bei einer TR

Die LEDs leuchten in einem ansprechenden, bläulich schimmernden Weiß. Ist ein Schritt per Druck auf den Skip-Taster aktiviert, glimmt die zugehörige LED schwach, wird der entsprechende Schritt abgespielt, leuchtet sie für die für die Dauer des Schrittes heller auf – sehr übersichtlich. Großes Lob verdient MFB auch für die Möglichkeit, die Helligkeit sowohl der aktivierten als auch der gerade spielenden Steps unabhängig voneinander in zwei Stufen zu schalten, was in jeder Beleuchtungssituation ein angenehmes Arbeiten ermöglicht.

Das Verstellen der Helligkeit hat allerdings einen überraschenden Nebeneffekt: Ist die höhere Stufe gewählt, verlangsamt sich die Abspielgeschwindigkeit im Master-Sync-Modus etwas. Das ist technisch bedingt und prinzipiell auch nicht weiter schlimm, weil der Temporegler ohnehin keine bpm-Skala besitzt. Allerdings sollte man diese Einstellung während einer Performance besser nicht ändern. Agiert der Urzwerg Pro als Slave, bleibt das Tempo aber unbeeinflusst.

Random, Autoglide & Quantize

Ein typischer, bei sequenzierten Synthesizer-Patterns sehr beliebter Effekt ist die zufällige Wiedergabe einer programmierten Schrittfolge. Während beim Vorgängermodell der Zufall lediglich bei jedem Durchlauf über die Abspielrichtung einer Reihe entscheiden durfte, kann der Urzwerg Pro jetzt alle Schritte bunt durcheinanderwürfeln. Zudem werden die vier Reihen völlig unabhängig voneinander randomisiert. Damit sind sehr lebendige, sich nie wiederholende Melodien oder Klangfarbenänderungen möglich.

Ebenfalls neu und sehr nützlich ist das Autoglide, das gleitende Tonhöhen- oder Parameteränderungen nur dann aktiviert, wenn das Gate des jeweils folgenden Schrittes deaktiviert ist. Laut MFB ermöglicht diese Funktion insbesondere typische TB-303-artige Pattern.

Die CV-Tonhöhenquantisierung beherrscht jetzt außer Chromatik auch diatonische, pentatonische, hexatonische und Ganztonskalen. Leider wirkt sich die Skalen-Wahl nicht auf den MIDI-Ausgang aus: Hier quantisiert der Urzwerg Pro die Tonhöhen grundsätzlich chromatisch. Hat man also beispielsweise eine pentatonische Skala gewählt, wird das Ergebnis am MIDI-Ausgang meistens anders klingen als an den CV-Buchsen.

Bedienung des MFB Urzwerg Pro

Die neuen LEDs verbessern nicht nur die Übersichtlichkeit und den Workflow des Urzwerg Pro, sondern ersetzen in Verbindung mit den Step-Tastern auch die winzigen Dip-Schalter des Urzwerg. Wird der rote Program-Taster gehalten, geben die LEDs Auskunft über die Einstellungen von MIDI-Kanal und -Modus, Gate-Polarität und -Spannung, Quantize, CV-Ausgabe bei deaktivierten Steps sowie LED-Helligkeit.

Obwohl die Arbeit mit dem Urzwerg Pro selbst schon viel Spaß macht, sollte man für die gezielte Programmierung ein MIDI-Keyboard anschließen. Die Step-Taster unten links spielen nämlich mit jedem Drücken immer den jeweils nächsten Step ab – einen Step wiederholt zu triggern, um den richtigen Wert finden, ist leider nur per MIDI möglich. Dann fängt der Spaß aber erst richtig an, denn abgesehen von der viel effizienteren Arbeit erlaubt die MIDI-Steuerung im Verbund mit einer DAW gewissermaßen die Sequenzierung des Sequenzers.

Ganz problemlos ist der Alltag mit dem Urzwerg Pro aber noch nicht. So sind die neuen Taster noch unzugänglicher als die einrastenden Schalter des originalen Urzwerg, was die Gefahr, versehentlich einen Regler zu verstellen, erhöht. Zudem springt der ausgegebene Wert unvorhersehbar, wenn ein Regler genau zwischen zwei Quantisierungs-Positionen steht. Damit MIDI-Modulations-Daten ausgegeben werden, müssen die entsprechenden Schritte aktiviert sein – gehaltene MIDI-Noten mit lebendiger Modulation erlaubt der Urzwerg Pro also nicht. Und nicht zuletzt könnte die Anleitung ausführlicher und verständlicher geschrieben sein. Insbesondere vermisst man eine tabellarische Übersicht über die Funktionen der Taster und LEDs im Program-Mode.

Fazit

Der Urzwerg Pro ist im Vergleich zum Urzwerg ein deutlicher Schritt nach vorne und die 100 € Aufpreis definitiv wert. Direkte Konkurrenz gibt es hinsichtlich Ausstattung und Preis durch den Mitbewerber Doepfer Dark Time, der etwas günstiger ist, aber nur über halb so viele Schritte verfügt. Dem knapp halb so teuren MFB Step64 fehlen die Potis für jeden einzelnen Schritt, die für viele das wichtigste Argument für den Urzwerg Pro sein dürften. Für 200 Euro mehr gibt es den Doepfer MAQ 16/3, der umfangreichere MIDI- und Sequenzsteuerungs-Funktionen bietet, dafür aber weniger CV-Ausgänge. Insgesamt ist der Urzwerg Pro trotz kleiner Mängel jedem zu empfehlen, der CV/Gate- und MIDI-Equipment auf unkonventionelle Weise zum Tanzen bringen will.

Plus

  • Ausgabe von MIDI-Noten, Velocity und Modulation an bis zu vier unabhängige Kanäle
  • LED-Lauflichter mit zwei wählbaren Helligkeitsstufen
  • Step-Random, Autoglide
  • Spaßfaktor, kreatives Potenzial
  • effiziente Programmierung mit externem MIDI-Keyboard
  • 8 Patchkabel im Lieferumfang

Minus

  • eingeschränkter Velocity- und Modulations-Wertebereich
  • Tempoänderung bei Umschaltung der LED-Helligkeit
  • Gate-Dauer nicht sequenzierbar
  • keine gebundenen MIDI-Noten
  • MIDI-Modulationsdaten nur bei aktiviertem Step
  • knappe, unübersichtliche Bedienungsanleitung

Preis

  • 469,- €
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    banalytic

    Hallo! Ich war selbst mehrere Monate Besitzer des Urzwerg Pro. Angefangen hat es leider damit, dass ich bereits beim ersten Test merken musste: Im CV/Gate-Modus funktioniert die Chain-Funktion nicht (16 Steps aufeinmal durchlaufen lassen). Manfred meinte das sei ein Bug – Also gerät von Wien nach Berlin und nach 2 Wochen Warten gings dann.
    Als ich dann jedoch versuchte, die Monotribe mit dem Urzwerg zu Syncen war der Spass aus (Was mit dem Dark Time offenbar funktioniert). Auch Versuche den Urzwerg Pro mit einem einfachen CV-Puls-LFO (Nanozwerg/Dark Energy) zu triggern, ging gehörig in die Hose.
    Resümee: alle analoge teile die man per CV mit dem urzwerg syncen will, laufen 6 x so schnell, bzw. im externen modus sechsmal so langsam… (das selbe problem beschriebt ein poster auf muffwiggler der das ganze mit dem end of cycle off des maths-Moduls, doepfer a-145 lfo, asys
    rs-85 lfo und trigger outs from the asys rs-200 sequencer probiert hat)
    von manfred fricke habe ich per mail nur die antwort bekommen: „Clockeingänge sind leider nicht genormt, man kann also nie sagen was funktioniert. Der Clockeingang entspricht der MIDI Clock, also 96 Inpulse/Takt.“ – finde ich eigentlich heftig irgendwie so eine ansage für nen 480 € Teil, der laut technischen spezifikationen auch clock analog syncen kann bzw. synchroniserbar sein sollte! V.a. die 6fach-Teilung ist etwa durch einen Clockdivider nicht so leicht zu beheben, wegen den üblichen 2/4/8/16er schritten – abgesehen davon wäre es mühsam zwischenmodule einbinden zu müssen, nur damit die geschwindigkeit passt!
    prinzipiell ist der urzwerg pro ein cooles gerät, sofern man nicht per cv synchronisieren möchte – es wäre zumindest fair darauf hinzuweisen (Homepage bzw. Anleitung), dass es da Probleme gibt!!!

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