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Test: Gretsch G2420T GD Streamliner, E-Gitarre

19. November 2019

Goldener Stromlinienkreuzer

Gretsch G2420T GD Streamliner E-Gitarre

Gretsch G2420T GD Streamliner E-Gitarre

Gibt es bzw. gab es je schönere Show-Gitarren als die von Gretsch? Schon seit der Entstehung der E-Gitarre, und das liegt auf der Zeitachse ja bekanntermaßen schon eine ganze Weile zurück, setzt die US-Traditionsfirma mit viel Glanz und Glitzer auf ein pompöses Erscheinungsbild ihrer Instrumente. Das Bild hat sich bis heute nicht gewandelt, in Sachen Design setzt man nach wie vor absolut auf traditionelle Konzepte und davon macht auch die Gretsch G2420T GD Streamliner E-Gitarre keine Ausnahme. Die goldene Lady hat sich bei uns zum Test angemeldet, da lassen wir uns doch nicht zweimal bitten und schauen und hören im folgenden Artikel ganz genau hin.

Gretsch G2420T GD Streamliner – Facts & Features

Wie viele andere namhafte Hersteller auch, lässt Gretsch einen Teil seiner Instrumente in Fernost fertigen, das spart natürlich enorme Kosten gegenüber den US-Modellen. Unsere Testgitarre ist ein solches Fernostmodell, genauer gesagt läuft die Gretsch G2420T GD Streamliner E-Gitarre in Indonesien vom Band und ist beim Händler im günstigsten Fall für einen Preis von knapp 500,- Euro zu bekommen. Das bemerkt man aber auf den ersten Blick überhaupt nicht und da auch ich mir zunächst nicht ganz sicher war, mit welcher Qualitätskategorie wir es hier zu tun haben, fand ich die Aufklärung auf einem Sticker auf dem Boden der Gitarre, zu erkennen durch das obere F-Loch des hohlen Korpus. „Made in Indonesia“ steht dort. Alles klar, Herkunft geklärt!

Die Qualität der aufgebrachten „Gold Dust“ Lackierung, die massive Präsenz von verchromter Hardware auf der Decke sowie die beiden wuchtigen BroadTron-Pickups mittendrin vermitteln sowohl optisch als auch haptisch einen recht hochwertigen Eindruck. Unter der Haube geht es jedoch deutlich bescheidener zu, denn alle Teile des Korpus bestehen nicht aus massiven Hölzern, sondern aus laminiertem Ahorn, also Sperrholz. Auch beim Hals setzt sich der Sparkurs fort, hier wurde ein Stück Nato eingeleimt, das deutlich günstiger als Mahagoni zu bekommen ist, das hier typischerweise seine Anwendung findet.

Aus einem Lorbeerbusch kann man nicht nur Kränze flechten, nein, man kann wohl auch Griffbretter daraus machen und ein solches wurde hier auf den Hals geleimt. Beim Einsetzen bzw. bearbeiten der 22 Medium-Bünde ist man leider nicht sehr sorgfältig vorgegangen, denn vom ersten bis zum letzten Stäbchen piekt es an beiden Rändern des Griffbretts unseres Testinstruments spürbar. Bei den Inlays zeigt man sich ebenfalls nicht bescheiden und setzt fette Perlmuttblöcke an die gewohnten Positionen, hier sollte sich wirklich niemand bei seinen Licks verirren.

Gretsch G2420T GD Streamliner Kopfplatte

Der Griffbrettradius von 12″ ergibt zusammen mit dem schlanken Thin-U Halsprofil eine angenehme Bespielbarkeit. Fast schon eine zu angenehme, denn die Saitenlage unseres Testinstruments war extrem flach eingestellt. So etwas gibt es nur ganz, ganz selten, macht aber Spaß, darauf die Finger ohne nennenswerten Widerstand flitzen zu lassen. Allerdings geht eine derart flache Saitenlage auch immer auf Kosten eines fetten Tons, hier sollte man das Setting am besten nach dem persönlichen Geschmack anpassen. Das geht ganz fix u. a. durch das Anheben bzw. Absenken der Tune-o-Matic Brücke – und damit sind wir bei der Hardware der Gretsch G2420T GD Streamliner E-Gitarre angelangt.

Die Hardware

Blickfang bzw. zentraler Mittelpunkt der verbauten Hardware stellt natürlich das auf der Decke montierte Bigsby-Vibrato dar – der Albtraum eines jeden Floyd-Rose-Fans. Zugegeben, hinsichtlich der Stimmstabilität trennen diese beiden Systeme mehr als Welten, rein optisch betrachtet wäre jedoch ein Bigsby auf einer US-Customshop-Strat genau so deplatziert wie ein Floyd-Rose-Kasten auf einer Vintage-Style-Gitarre, wie unsere G2420T GD Streamliner nun mal eine ist. Insofern passt das montierte System gut zum Gesamtbild der Gitarre und auch hinsichtlich der Stimmstabilität treffen wir auf das erwartete Bild: Leichte Bewegungen sind noch O.k., geht das Drücken bzw. Ziehen mit dem Hebel jedoch Richtung Halbton, dann darf man danach direkt seine Hand in Richtung Kopfplatte und den Mechaniken bewegen, um nachzustimmen. Dabei sollte man dann etwas mehr Geduld mitbringen, denn die Mechaniken glänzen zwar in hübschem Chrom, aber nicht gerade mit übermäßiger Präzision. Will heißen, sie zeigen deutliches Spiel beim Drehen und geben sich deshalb etwas störrisch. An dieser Stelle wurde wohl der Rotstift ein weiteres Mal angesetzt, ziemlich unglücklich.

Gretsch G2420T GD Streamliner E-Gitarre Bigsby

Des einen Freud, des anderen Leid – aber optisch auf jeden Fall passend: Das Bigsby-Vibrato der G2420T GD

Elektronik & Pickups

Damit man auf den wichtigsten Regler immer und sicher Zugriff erhält, wurden gleich zwei Lautstärkepotis in die Decke eingesetzt. Ein Mastervolume-Poti im Cutaway regelt die Gesamtlautstärke der beiden BroadTron BT-2S Tonabnehmer, die in identischer Form ihren Platz an Hals und Steg eingenommen haben. Separat in ihrer Lautstärke lassen sich die beiden Pickups aber dennoch regeln, dafür stehen zwei weitere Potis zusammen mit einer Tonblende rund um das untere F-Loch bereit. Die Auswahl der gewünschten Konfiguration übernimmt ein Dreiwegeschalter im oberen bzw. vorderen Teil des Korpus. Die Schaltung ist recht rudimentär gehalten und bietet lediglich die Auswahl zwischen dem Steg-Humbucker, dem BT2S am Hals oder eben beide zusammen. Eine Coilsplitting-Option existiert nicht.

Die Qualität der verbauten Potis und die des Schalters geht für ein Instrument dieser Preisklasse in Ordnung, Kritik gibt es lediglich für die aufgesteckten Kunststoffköpfe, die speziell bei feuchter Hand nicht immer ein sicheres Zugreifen ermöglichen. Apropos sicheres Zugreifen: Wer das Bigsby-System kennt, der kennt auch den Vibratohebel dazu und damit auch das Problem, das entsteht, wenn der Hebel für Aktionen ausgefahren wird. Er steht schlicht im Weg und das Erreichen der drei Potis gestaltet sich dann schwierig. Aber zum Glück gibt es ja den wichtigsten Regler, den für die Lautstärke, noch einmal vorne am Korpus extra. Und damit ab zum Praxisteil!

Gretsch G2420T GD Streamliner BroadTron Pickups

Gretsch G2420T GD Streamliner BroadTron Pickups

In der Praxis

Die Konstruktion aus laminiertem Ahorn für den Korpus und Nato für den Hals bringt keinen besonders ausdrucksstarken Grundsound, auch wenn die halbakustische Bauweise schon eine gute Portion Druck erzeugt. Das Sustain, die Dynamik und das Schwingungsverhalten sind ebenfalls eher limitiert, fast fühlt es sich ein wenig spröde und träge an, wenn man auf dem Griffbrett unterwegs ist. Über die außergewöhnlich komfortable Saitenlage habe ich schon berichtet, weiterhin kann der Hals mit seinem schlanken Profil und der klebefreien Polyurethan-Lackierung beim Bespielen überzeugen, sodass hier selbst anspruchvolle Spieler ideale Voraussetzungen finden.

Die beiden BroadTron BT-2S Tonabnehmer machen ihren Job recht gut, können aber den flachen Grundsound auch nicht so recht kompensieren bzw. kaschieren. Den druckvollen Sound der Grundkonstruktion bringen sie zweifellos rüber, im Höhenbild mangelt es aber auch hier spürbar. Für alle Arten von schmutzigem Rock ’n‘ Roll oder Blues ist dieser mittenbetonte, durchsetzungsfähige Klang durchaus brauchbar, zumal sich auch die Nebengeräusche selbst bei höherer Verzerrung in erfreulich engen Grenzen halten. Crispe Cleansounds aber sollte man auf keinen Fall erwarten, dafür fehlt es ja auch an einer Coil-Splitting-Option der beiden Humbucker.

Die Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Gretsch G2420T GD Streamliner E-Gitarre an meinen Referenz-Amp Orange Micro Dark angeschlossen. Der Amp war mit einer 1×12″ Celestion Vintage 30 Box verbunden, vor der ein AKG C3000 Mikrofon platziert wurde. Aufgenommen wurden die Tracks in Logic Audio, eine weitere Bearbeitung fand nicht statt.

Fazit

Angesichts eines Verkaufspreises von nicht einmal 500,- Euro kann man der Gretsch G2420T GD Streamliner E-Gitarre unterm Strich ein befriedigendes Urteil ausstellen. Sie besitzt zwar keinen besonders charakterstarken, dafür mit den zwei BroadTron-Pickups aber einen druckvollen Sound, der sie für viele Stile rund um den Rock ’n‘ Roll empfiehlt.

Plus

  • sehr gute Bespielbarkeit
  • klassische Gretsch-Optik
  • grundsätzlich druckvoller Klang

Minus

  • Verarbeitungsmängel
  • Qualität Mechaniken
  • Klang recht flach bzw. nicht sehr flexibel

Preis

  • Ladenpreis: 479,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Hein Bloed  

    Hmm, 67 Kommentare unter der Ankündigung des Behringer WASP, 0 Kommentare hier, ebenso unter dem Harley Benton Verstärker und nur 4 unter dem Test des Audio Colliders. Als Autor muss das wohl eher frustierend sein.
    Ich frage mich langsam, ob Iggy Popp nicht recht hat, wenn er die Gitarre als ausgespielt bezeichnet.

    Auf der anderen Seite hat die ganze Flut an elektronischem Equipment kein bischen zu wirklich neuer Musik geführt – vielleicht sind ja sogar alle Genre mehr oder weniger ausgereizt?

  2. Profilbild
    Jörg Hoffmann  RED

    Na, dann wollen wir hier doch mal für immerhin zwei Kommentare sorgen:
    Danke, Stephan, für den guten Test. Als Gretsch-Fan hat mich der Artikel sofort gepackt. Ich selber habe eine G5622T aus der mittleren Serie und auch aus Deinem Fazit heraus bin ich froh, die 300,- Euro mehr investiert zu haben. Die 2er Serie hatte für mich nie den Glanz einer „echten“ Gretsch aus der Beatles Area. Gute Gitarren, ohne Zweifel – aber in dem 500 Euro Preisgefüge gibt es Besseres – wenn man nicht auf den Ruf der Marke hört.
    Kurzum: Ich persönlich würde für 500,- Euro eher bei Epiphone wildern, aber ich kann jedem nur raten: wenn Du eine Gretsch willst, dann sollte die erste Zahl der Modellbezeichnung eine 5 (oder besser eine 6) sein.

    • Profilbild
      iltis30  

      Genau. Eine 6120 oder eine Duo Jet. Oder eine Falcon. Ich habe eine 6120, den Klassiker. Der Hals ist schlanker, das Holz nicht so dick, das ganze Instrument schwingt ganz anders, und vom Ebenholz-Griffbrett ganz zu schweigen … die 5xxx Serie ist ganz OK. Alles darunter ist, wenn man den Vergleich hat, wirklich minderwertig. Da gibts besseres.

  3. Profilbild
    iltis30  

    Warum immer den minderwertigen Kram von Gretsch besprechen? Das sind Budget-Gitarren, die taugen, um sie an die Wand zu hängen. Die Musik spielt bei den Japan-Modellen. Da findet man das, was Gretsch besonders macht.

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