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Musik Produzent Legende: Mutt Lange (AC/DC, Brian Adams, Def Leppard)

7. Juli 2019

Mutt Lange - Erfolgsgarant für AC/DC, Def Leppard und unzählige mehr

Mutt Lange

Mutt Lange

Wenn es in Sachen Umsatz und Anzahl weltberühmter Produktionen einen echten Superstar unter den Plattenproduzenten gibt, so heißt er Mutt Lange. Allein mit den Produktionen Back In Black von AC/DC und Come On Over von Shania Twain zeichnet er für knapp 80 Millionen verkaufter Tonträgern verantwortlich, wobei ihm die Shania Twain Produktion 22-fach (!) Platin allein in den USA einbrachte. Insgesamt dürfte Mutt Lange mittlerweile auf zwischen 150 und 200 Millionen verkaufte Tonträger zurückblicken, was nicht einmal Produzenten Schwergewichte wie Quincy Jones oder Rick Rubin toppen dürften. Wer aber ist dieser Typ, von dem es nicht einmal im Internet mehr als eine Handvoll und größtenteils unscharfe Bilder gibt, der allerdings im Gegenzug gerade unter Gitarrenproduzenten einen gott-gleichen Status genießt?

ACDC- Back In Black

ACDC- Back In Black

Die Anfänge von Mutt Lange

Robert John „Mutt“ Lange wurde am 11. November 1948 in Südafrika geboren, hat damit die 70 auch schon überschritten, was wohl u. a. für den Rückgang seiner Produzentenaktivitäten in den letzten Jahren verantwortlich sein dürfte. Eigene Bandaktivitäten wie die von ihm 1969 ins Leben gerufene Band „Sound Reason“ veröffentlichten zwar ein paar Singles, schafften es aber nie, den Local Hero Charakter abzulegen.

Echte internationalen Aufmerksamkeit erzielte seine Produzententätigkeit erstmals mit Bob „Live Aid“ Geldorf und den Boomtown Rats, deren Single „Rat Trap“ auf Platz 1 der britischen Charts kletterte. Schlagartig berühmt wurde er jedoch 1979 mit dem AC/DC Album „Highway To Hell“, welches auch für die Australier den Sprung von einer bekannten, aber wirtschaftlich vergleichsweise bescheidenen Band hin zu internationalen Superstars bedeutete. Die bis dato produzierten AC/DC Alben hatten zwar einen authentischen Sound, schafften es aber nicht, aufgrund der zuweilen rumpeligen Produktionen den damals alles vereinnahmenden USA-Markt zu erobern. Auf Wunsch der Plattenfirma sollte Mutt Lange die Energie der Band erhalten, aber die Ecken und Kanten der Band entfernen und den Sound „gefälliger“ machen.

Die Arbeitsweise von Mutt Lange: AC/DC & Def Leppard

Fällt der Name Mutt Lange bei Künstlern, die bereits mit ihm gearbeitet haben, verfallen nicht wenige in schweres nervöses Zucken, wenn sie an die Arbeit mit ihm zurückdenken. Mutt Lange als Perfektionisten zu bezeichnen, wäre die Untertreibung schlechthin. Was bis Anfang der Achtziger lediglich mit einer straffen und disziplinierten Arbeitsweise einige Bands stark motivierte und das Maximale an eigenem künstlerischen Output herausholte, endete spätestens Ende der Achtziger mit Einführung des Harddiskrecordings in einer Material- und Zeitschlacht ohne Gleichen.

Hatte Mutt Lange Angus Young von AC/DC lediglich seine bis dato stets improvisierten Soli auf Platte erstmals komplett ausarbeiten lassen und damit seinem Spiel eine weit größere Dynamik und Melodieführung beschieden, so gab es knapp 10 Jahre später bei der Def Leppard Produktion „Hysteria“ kein Halten mehr. Ganze zwei Jahre verbrachte die Band im Studio, wohnte dort zeitweise, um dem zuweilen manischen Soundwahn gerecht zu werden. Als ich mit meiner Band DOMAIN 1989 in den Wissellord Studios in Hilversum das zweite Album aufnahm, befanden sich Def Leppard gerade im Nachgang zu besagtem Album und erzählten mir einige Details bzgl. der Aufnahmen.

Brian Adams – Waking Up The Neighbours

Legendär sind die Gitarren-Pickings, bei der Mutt Lange jede Saite und jeden Ton einzeln aufnehmen lies, da ihm die einzelnen Anschläge im regulären Spiel zu unterschiedlich waren. Wohlgemerkt, wir reden von einer Zeit, in der die Apple Rechner (Windows gab es noch nicht im Profibereich) ein RAM von max. 512 MB hatten und alle HD-Recordings von externen Modulen mit entsprechenden Slots, eigenen CPUs und eigenen Festplatten (Größe maximal 2 GB) erledigt wurden. Preis für ein hochgerüstetes Pro Tools III Set mit 32 Spuren mit entsprechendem Rechner knapp DM 100.000! Gerüchten zufolge soll Mutt Lange im Zeitalter der Nubus-Karten auf dem Mac das größte Pro Tools System der Welt besessen haben, genaue Quellen hierfür fehlen allerdings.

Neben dem perfekten Einspielen ist Mutt Lange ebenso berühmt/berüchtigt für seine Soundvorstellungen. Schon 1981 lies er bei den Aufnahmen zu Foreigner „4“ Schlagzeuger Dennis Elliot vor Beginn der Aufnahmen allein 3 Tage lang nur auf die unterschiedlichsten Snares hauen, bis er den Sound gefunden hatte. Im selben Jahr lies er bei den Aufnahmen zu AC/DC For Those About To Rock eine komplette P.A. drei Wochen lang in einer Halle aufbauen, nur um den Raum zu den Drum-Aufnahmen zu mischen. Zum Mix des „Hysteria“ Albums brauchte Mutt Lange zunächst einmal vier Wochen, um die Grundeinstellung des Sounds zu finden. Man kann sich vorstellen, wie eine solche Arbeitsweise an den Nerven der involvierten Musiker zehrt, die zum Verharren verdammt die Zeit dann zumeist mit Wein, Weib und Gesang verbrachten.

Kleine Achtziger Anekdote am Rande von Mutt Lange:  „Als ich o. g. Album aufnahm, brach unserem Bassisten an seinem 67er Precision an der E-Saite der Sattel, sodass die Saite ständig aus dem Sattel sprang. Unser Produzent bat um einen Moment Geduld, er würde bei Def Leppard kurz nachfragen, ob sie uns einen Bass leihen könnten. Er kam 10 Minuten später mit einem nahezu baugleichen Bass zurück. Unser Bassist mahnte dann die Band, sich zu beeilen, damit man den Bass schnellst möglich zurückgeben könnte. Woraufhin unser Produzent lakonisch erwiderte: „Keine Eile, die haben im Studio A 40 (!) Bässe für die Overdubs“. Man mag sich nun die Anzahl der Gitarren vorstellen …

Mutt Lange – Songwriter für Def Leppard und Brian Adams

Was Mutt Lange neben seinem immensen wirtschaftlichen Erfolg allerdings am meisten von seinen Kollegen abhebt, ist seine Funktion als Songwriter innerhalb seiner Produktionen. Hatte er bei den Gebrüdern Young oder auch bei Foreigner mit Mick Jones noch songwriterische Schwergewichte an der Hand, die ihren Stil längst gefunden hatten, begann spätestens bei seiner Arbeit zu Def Leppard’s „Pyromania“ seine Funktion als Co-Songwriter, was viele seiner Produktionen in Sachen Songstruktur den entscheidenden Schub zum radiotauglichen Megahit gab.

Mutt Lange verwendet hierzu zumeist, neben klaren Melodiestrukturen und interessanten gegenläufigen Chorarrangements einen Trick, der dafür sorgt, dass der Chorus innerhalb eines Songs einen Extrastatus erhält. Im Vergleich zu den meisten Pop-Rock-Arrangements seiner Zeit, in dem lediglich der Doppelchorus am Ende des Songs in der Wiederholung eine Erhöhung um einen Ganzton erfuhr, wechselt Lange bei seinen Songs nahezu immer zum Chorus hin die Tonart. Dies sorgt dafür, dass man nicht wie ein Wahnsinniger an der Melodieführung schrauben muss, um den Chorus vom Rest des Songs abzuheben oder noch viel besser, es sorgt dafür, dass der Chorus nicht gegenüber dem Rest des Songs in Langeweile aufgeht, insbesondere, wenn der Song über eine Bridge verfügt.

Shania Twain Come On Over

Shania Twain Come On Over

Kritiker werfen Mutt Lange gerade aufgrund seiner Songstrukturen gerne vor, dass seine Produktionen seit den Achtzigern allesamt gleich klingen würden, lediglich die Sänger wären gewechselt worden. Ganz von der Hand zu weisen ist der Vorwurf nicht, insbesondere da das Bryan Adams Album „Waking Up The Neighbours“ z. B. starke Parallelen zu Def Leppard aufweist. Auch die Tatsache, dass bei nahezu allen 80er und späteren Produktionen die Drums programmiert wurden, sorgt für einen Gleichklang der Produktion.

Auf der anderen Seite kann man den Kritikern entgegenhalten, solange dabei ein Song wie Brian Adams „Everything I Do“ als erfolgreichste Single aller Zeiten (in knapp 40 Ländern der Welt gleichzeitig auf Platz 1 der Charts) heraus kommt, kann es einem als Künstler wohl recht egal sein, was die Kritiker sagen.

Das Private mit dem Beruflichen verband Mutt Lange als er 1993 eine der attraktivsten Vegetarierinnen weltweit und finanzieller Überflieger Shania Twain nach nur 6-monatiger Kennenlernzeit ehelichte. Die Ehe hielt 14 Jahre.

Wenngleich Mutt Lange mit Nickelback (2008), Maroon 5 (2010) und Muse (2015) noch ein paar Produktionen mit Schwergewichten der A-Liga in den letzten Jahren durchgeführt hat, so ist sein starker Output der früheren Jahre wohl auch aufgrund der geänderten Medienlandschaft zurückgegangen. Nur noch sehr wenige Plattenfirmen sind bereit, respektiv in der Lage, seinen sechsstelligen Vorschuss zu zahlen und die Tatsache, dass aufgrund der Streaming Kultur nicht mehr in Alben, sondern nur noch in Titeln gedacht wird, unterstützen die Zurückhaltung seinerseits.

In seiner Liga macht man nur noch ein Album, weil einen der Künstler interessiert, man ihn evtl. sogar menschlich mag oder weil einem schlicht und ergreifend langweilig ist. Wer mit Céline Dion, AC/DC, Shania Twain, Def Leppard, The Boomtown Rats, City Boy, Outlaws, Foreigner, Huey Lewis and the News, Bryan Adams, The Corrs, Michael Bolton, Nickelback, Maroon 5, Romeo’s Daughter, Billy Ocean, Lady Gaga, Muse, The Cars und vielen mehr gearbeitet hat, hat im Produzentensessel alles erreicht, was es zu erreichen gibt!

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