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Test: Heritage Audio Symph EQ, Stereo Asymptotic Equalizer

31. Mai 2021

Neuauflage des klassischen Baxandall Equalizers

test heritage audio symph eq equalizer

Heritage Audio Symph EQ, Stereo Asymptotic Equalizer

Heritage Audio ist für feines Outboard-Equipment bekannt, das von Vintage-Klassikern inspiriert und dabei immer mit einigen neuen Ideen versehen ist. Mit dem Symph EQ hat der spanische Hersteller nun einen hochwertigen 2-Kanal-Equalizer für Stereo-Bus- und Mastering-Anwendungen geschaffen, der die Topologie von klassischen Baxandall-EQs aus den 1950er-Jahren verwendet und diese durch eine Reihe moderner Features wie M/S-Funktion oder Eingangsübertragern von Carnhill auf eine neue Ebene hebt. Das Ergebnis ist ein als 19“-Rackmount ausgeführter Shelving-Equalizer, der durch musikalische Präzision und kontrollierte, natürlich klingende Bearbeitung der Bässe und Höhen hervorsticht. In diesem Test nehmen wir den Heritage Audio Symph EQ mal genauer unter die Lupe und hören, was dieser auch optisch sehr ansprechende Signalprozessor alles kann.

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Wie arbeiten Baxandall Equalizer?

Das Schaltungsprinzip eines Baxandall Equalizers, der Öffentlichkeit im Jahre 1950 von Peter Baxandall präsentiert, war ein sehr durchdacht konzipierter Weg, um High- und Low-Shelves mit Boost- und Cut-Option bereitzustellen, ohne dafür teure Bauteile wie Rotary-Encoder zu verwenden. Der kostengünstig zu realisierende Schaltungskreis wurde in Folge millionenfach von Hi-Fi- und Mischpultherstellern weltweit adaptiert; überall dort, wo Einfachheit gefragt und parametrische Frequenzbearbeitung nicht notwendig war.

Der Baxandall Equalizer ist also ein Shelving-EQ, mit dem sich die Bässe und Höhen anheben oder absenken lassen, aber anders als traditionelle Shelving-EQs, die einen steilen Anfall bzw. Abstieg oberhalb der gesetzten Grenzfrequenz aufweisen, hat die Baxandall Shelving-Kurve einen sehr weiten Q-Faktor. Dies resultiert in einem weichen und sanften Anstieg der Kurve, wodurch ein musikalischer und natürlicherer Klang sowie ein Minimum an Phasenverzerrungen erzeugt werden. Eben diese sehr geringen Phasenverzerrungen erlauben eine weitaus drastischere Anhebung oder Abschwächung der Höhen und Bässe, ohne dabei störende negative Artefakte in das Audiosignal einzuführen. Dies resultiert in einem offenen und weiten Sound, der eher den Klangcharakter des Ursprungsmaterials betont und verstärkt, anstatt einen hörbaren Eigencharakter einzubringen. Diese subtile und effektive Bearbeitungsmöglichkeit des Frequenzspektrums machen sie prädestiniert für Mix-Bus- und Mastering-Anwendungen.

Baxandall-EQ im neuen Gewand: Der Heritage Audio Symph EQ

Erster Eindruck und Verarbeitung

Der Audio Heritage Symph EQwird in einem schlichten unbedruckten Karton geliefert, im Lieferumfang befindet sich außer dem Gerät selbst noch das Netzteil, das aus einem Kaltgerätekabel sowie einem 5-poligen XLR-Stecker besteht. Ein integriertes Netzteil wäre hier sicherlich praktisch gewesen, aber da man Geräte dieser Gattung meist nur einmal anschließt und fest ins Rack einbaut, geht das schon in Ordnung.

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Der Stereo Asymptotic Equalizer sieht hochwertig verarbeitet aus und besticht mit einem sehr schönen, professionellen Design, das an große, funktionale Signalprozessoren der 50er – 70er-Jahre angelehnt ist. Die gerasterten Potis sind angenehm groß und bieten einen stabilen Drehwiderstand – hier wackelt nichts und alles rastet mit einem befriedigendem „Klack“ ein. Die vier mittig platzierten Taster sind hintergrundbeleuchtet und unterstreichen das klassische Design. Ganz links und rechts außen befinden sich die Regler für Highpass und Lowpass, die als Doppelpotentiometer ausgeführt sind; auch dies wirkt angenehm übersichtlich, da beide Werte mit einem Blick abzulesen sind.

Das Gerät strahlt eine Stabilität und Funktionalität aus und erschließt sich in seiner relativ minimalistischen Gestaltung sehr schnell in seinem Aufbau. Die Farbgebung wirkt angenehm dezent und unaufdringlich – schon ein Hingucker im Studiorack!

Solide Bauweise und stabile Potis: der Heritage Audio Symph EQ

Die Features des Audio Heritage Symph EQ

Der Heritage Audio Symph EQ ist als zweikanaliges 19″-Rackmount-Gerät gestaltet und aufgeteilt in High- und Low-Frequency mit fester Einstellung der Frequenzen und einem 0-10,5 dB Boost oder Cut. Die beiden Frequenzbänder lassen sich in 6 sinnvoll gewählten Schritten einstellen: 8, 10, 12, 15, 20 und 24 kHz für Hi-Frequency und 20, 60, 110, 220, 360 und 470 Hz für Lo-Frequency. Der Regler für Boost besitzt 10 gerasterte Schritte und lässt sich auf CUT umstellen, sodass statt der Anhebung eine Absenkung vollzogen wird.

Alle Einstellungen für Hi- und Low-Frequency sind als qualitativ hochwertige Drehregler ausgeführt. Die 1 dB Präzision lässt sich umschalten; aktiviert man den +0,5 Button, so wird noch mal ein halbes Dezibel draufgelegt. So lassen sich auch feine EQ-Einstellungen realisieren. Die Bedienung der Regler fühlt sich sehr gut an und macht wirklich Spaß.

Für weitere Kontrolle der Frequenzen finden sich pro Kanal noch 2-polige Highpass- und Lowpass-Filter, die fünf fest anwählbare Frequenzen (10,12,18, 22 und 30 kHz für Lowpass und 160, 82, 47, 20 und 15 Hz für Highpass) und eine Flankensteilheit von 12 dB/Oktave besitzen. Der über den normalen Hörbereich reichende Frequenzbereich der Filter und Grenzfrequenzen ist hierbei der sanft und langsam ansteigenden Curve geschuldet.

Symph EQ steht für Stereo Asymptotic Equalizer. Seinen Namen hat er von der Form der Shelving-Kurve, bei der die Boost- oder Cut-Amplitude ansteigt, bis der asymptotische Wert erreicht ist, so dass die Ultrahöhen und Subbässe immer kontrolliert werden. Der Begriff Asymptote kommt aus der Mathematik und beschreibt eine Linie bzw. Kurve, der sich der Graph einer Funktion im Unendlichen immer weiter annähert. Diese aus dem Baxandall-EQ resultierende Charakteristik steht im Gegensatz zu anderen Shelving-EQs, die einen eher harten Anstieg der Amplitude besitzen. Hierdurch wird der Baxandall-EQ als natürlicher und musikalischer wahrgenommen, insbesondere bei stärkeren Eingriffen.
Aufgrund des langsamen Anstiegs und des sehr breiten Q-Faktors bietet der Heritage Audio Symph EQ bei der Hi-Frequency-Sektion daher auch einen Frequenzbereich von 8-24 kHz; über das sonst gängige Spektrum bis 20 kHz hinaus.

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Das Design der Bedienungsoberfläche des Symph EQ ist für beide Stereokanäle L und R symmetrisch aufgebaut, mit den 4 hintergrundbeleuchteten Tastern in der Mitte:

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  • ON: Power On Switch
  • M/S: M/S Mode Switch
  • BP-L: Bypass L Channel Switch
  • BP-R: Bypass R Channel Switch

Der Heritage Audio Symph EQ verwendet maßgeschneiderte Carnhill Übertrager, made in Oxford, sowie einen High-End 73-type Class-A Output-Amplifier. Diese exklusiv für Heritage Audio angefertigten Komponenten sind festes Ausstattungsmerkmal des Herstellers und auch in allen anderen Geräten zu finden.

Als weiteres Extra-Feature besitzt der Symph EQ eine Mitte-Seite (M/S)-Funktion.
Insbesondere bei Mastering-Anwendungen reicht nichts an eine M/S-Equalizer-Bearbeitung heran. Die Möglichkeit, das Center und die Seiten unabhängig voneinander zu bearbeiten, ist oft Gold wert und liefert großen Nutzen: So kann der gesamte Mix brillanter gemacht werden, ohne die Vocals in der Mitte spitz oder harsch werden zu lassen. Auch der Bass kann tighter im Stereobild gemacht werden, ohne an Druck einzubüßen.

Das Seiten-Highpass-Filter wird im M/S-Modus zu einem elliptischen Typ, ganz so wie es in Vintage-Scheibenschneidern der Fall ist.

Die Rückseite des Heritage Audio Symph EQ ist hingegen recht überschaubar und bietet neben dem Anschluss des Netzteils (5-pol-XLR) je 2 symmetrische Line-Ein- und Ausgänge, ausgeführt als vergoldete XLR-Verbindung.

Die Rückseite des Heritage Audio Symph EQs

Der Heritage Audio Symph EQ im Praxistest

Nun wird es Zeit für einen Praxistest mit dem Stereo Asymptotic Equalizer, kurz Symph EQ. Ich schraube das Gerät in das Studiorack, verbinde die In- und Outputs mit meinem Audiointerface und schicke verschiedenes Audiomaterial durch den Equalizer. Nach einigen Testläufen mit verschiedenen Mixes offenbart sich bereits der schöne Klangcharakter und das Potential des Symph EQs.

Der Heritage Audio Symph EQ klingt wunderbar unaufdringlich und musikalisch, selbst bei drastischen Einstellungen. Die zugefügten Höhen klingen glatt und natürlich, während man mit Anhebung der Bässe ordentlich Wärme und Punch herausholen kann, ohne ein Dröhnen wahrzunehmen. Es klingt einfach sehr rund und das Audiosignal wird merklich veredelt. Gleichzeitig erzeugen die hochwertigen Carnhill Eingangsübertrager eine subtile, im direkten Vergleich jedoch wahrnehmbare zusätzliche Tiefe. Dies hängt mit den zugefügten harmonischen Verzerrungen der analogen Schaltkreise zusammen und ist ein echter Vorteil von Analog-Equalizern. Es ist schon erstaunlich, welchen Druck im Subbass der Symph EQ hinzufügen kann. Eine großzügige Anhebung bei 20 Hz in Kombination mit dem Hipass-Filter auf 15 Hz, das unnötige Subbass-Anteile entfernt, bringt einiges an Punch hervor, der aber immer ausgewogen klingt – sofern das Ausgangmaterial gut gemischt ist.

Die sehr gut einstellbaren Highpass- und Lowpass-Filter sind im Gebrauch sehr hilfreich und auch durchaus gut zu bedienen. Mir gefällt die Ausführung mit den Doppel-Potis sehr, da sie der Übersichtlichkeit dienen und mehr Platz lassen für die je vier anderen Potis pro Kanal. Stark angehobene Frequenzbänder können in Kombination mit den beiden Filtern gut unter Kontrolle gehalten werden.

Eine Stereo-Link-Funktion bietet der Audio Heritage Symph EQ nicht, dies ist aber auch nicht wirklich notwendig oder fehlend, da die gerasterten, großen Potis mit ihrer sehr guten Ablesbarkeit in der Praxis sehr schnell einzustellen sind und eine gute Übersicht liefern. Man kann die beiden Stereokanäle L und R sehr schnell miteinander abgleichen.

Die M/S-Funktion ist in dem Gerät sehr gut realisiert und bietet einen großen Nutzen bei dem Haupteinsatzfeld des Symph EQs, dem Bearbeiten von Stereospuren und -mixen. Dies hebt den Symph EQ wirklich noch mal in neue Sphären und stellt auch einen großen Vorteil gegenüber anderen Hardware-Equalizern dar. So verhilft der Audio Heritage Symph EQ dem Mix nicht nur zu mehr Brillanz, Klarheit, Wärme oder Punch im Frequenzbereich, sondern auch zu mehr Durchsichtigkeit hinsichtlich der Räumlichkeit und des Stereobildes.

In der Praxis sind die beiden Bypass-Buttons ebenfalls beim A/B-Vergleich vom ursprünglichen und bearbeiteten Soundmaterial sehr hilfreich.

Was mir wirklich gut gefällt, ist die Haptik und Ablesbarkeit der Bedienelemente. Hier hat Heritage Audio mit dem Symph EQ wirklich gute Arbeit geleistet und man kann schnell und sicher durch verschiedene EQ-Einstellung navigieren. Man hat somit immer einen guten Überblick zwischen den Parametern für den L- und R-Kanal.

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Fazit

Mit dem Stereo Asymptotic Equalizer Symph EQ ist den Spaniern von Heritage Audio ein wirklich gutes Gerät gelungen, das Liebhabern von analogen Signalprozessoren einen echten Mehrwert im Studiorack bieten kann. Die Bedienung ist sehr direkt und geht dank der solide gestalteten Bedienelemente schnell von der Hand. Die custom Carnhill Übertrager bringen eine subtile zusätzliche Dichte in das Frequenzspektrum und man kann schnell einiges an Punch, Druck und Brillanz aus dem Mix herausholen. Das Klangbild bleibt immer sehr natürlich und musikalisch, nicht zuletzt durch die Highpass- und Lowpass-Filter, welche die ungewollten Frequenzanteile kontrolliert halten. Die M/S-Fähigkeit machen den Heritage Audio Symph EQ zudem zu einer wahren Wunderwaffe bei Mastering-Anwendungen – und auch optisch macht der Symph EQ einiges her. Klare Kaufempfehlung!

Plus

  • M/S-Equalizing
  • guter, natürlicher Klang
  • hochwertige Bauteile
  • solide Verarbeitung

Minus

  • keine Link-Funktion

Preis

  • 1.599,- Euro
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    AMAZONA Archiv

    Inzwischen bin ich mit meinen VSTs ziemlich zufrieden. So ein Teil ist was für etwas altmodische Profis, da bin ich raus. Aber immer wieder interessant zu sehen was es so alles gibt!

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