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Test: Ibanez XPTB720-BKF, E-Gitarre

19. Oktober 2021

Im Zylonen-Outfit durch die Metal-Sphere!

Es ist schon interessant zu sehen, dass sich bestimmte Korpusformen nur im Bereich Metal durchsetzen und nicht einmal mehr im Bereich des Hardrock zur Geltung kommen, der heutzutage bei der jungen Generation ohnehin nur noch als Retro-Pop gesehen wird, was die Großeltern vor dem Einschlafen hören. So verhält es sich ebenfalls mit der Ibanez XPTB720-BKF, die der Iron Label Serie angehört auf den ersten Blick klarstellt, für welche Zielgruppe sie konzipiert wurde.

Die Konstruktion der Ibanez XPTB720-BKF

Vorbei sind die Zeiten, wo man mit einer Explorer-Form noch die Ästhetik eines Strat oder LP Spielers auf eine harte Probe stellte und seitdem Firmen wie B.C.Rich Korpusformen wie „The Beast“ als reguläre Serieninstrumente etablierten, sind der freien Entfaltung in Sachen Kasperletheater keine Grenzen mehr gesetzt. So tendiert die Ibanez XPTB720-BKF bzgl. ihrer Korpusform latent in Richtung Dean, wobei ich mir aber ehrlich gesagt nicht sicher bin, welcher Hersteller zuerst mit der Mischung aus Space Invaders und Kampfstern Galactica Layout die Gitarrenwelt heimsuchte. Ich tendiere zu Dean, kann mich aber irren. Wie gesagt, ich kann mir nicht helfen, das komplett mattschwarze Finish mit der zackigen Korpusform erinnert mich ständig an einen Zylonen …

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Das einmal mehr in Indonesien gefertigte Instrument nun aber ausschließlich auf seine Gehäuseform zu reduzieren, wäre allerdings sehr unfair, zumal die Gitarre über mehrere Details verfügt, die eine nähere Betrachtungsweise verdienen. Zunächst einmal, das Instrument gibt es in einer sechs- und einer siebensaitigen Ausführung, zum Test liegt uns das siebensaitige Modell vor. Entsprechend kräftiger ist auch der fünfteilige, durchgehende Hals ausgefallen, der in einer Ahorn-Walnuss-Kombination, einer Sattelbreite von 48 mm und dem Profil eines kräftigen „D“ ausgeführt ist. Um eine gleichmäßige schwarze Färbung des Instrumentes zu gewährleisten, wurde das mit 24 Jumbo-Bünden versehene Griffbrett aus Ebenholz gefertigt, wobei die verwendete Variante noch eine leicht bräunliche Färbung aufweist.

Ibanez XPTB720-BKF Test

Ibanez XPTB720-BKF Profil

Die Ibanez XPTB720-BKF besitzt im Gegensatz zu anderen Mitstreitern keine überlange Mensur, sondern verwendet die lange Standard-Mensur von 648 mm. Der Hals besitzt eine Breite von 68 mm am 24. Bund, eine Dicke von 19 mm am 1. Bund, 21 mm am 12. Bund und einen Radius von 400 mm. Auf Griffbretteinlagen wurde gänzlich verzichtet, dafür wurden die seitlichen Griffbrettmarkierungen in fluoreszierendem Grün angelegt, das auf einer dunklen Bühne eine bessere Orientierung bietet.

Ungewöhnlich ist die Wahl des Korpusflügelholzes, das mit den Namen Okume belegt wurde und den Holzexport des afrikanischen Landes Gabun zu 90 % beherrscht. In der Roten Liste der gefährdeten Arten der IUCN wird Aucoumea klaineana (Okume) wegen der starken Nutzung und des langsamen Wuchses als „vulnerable“ = „gefährdet“ bewertet. Zu den vier größten Importeuren zählt ebenfalls Japan, was die Verwendung des Holzes erklären würde. Von den unterschiedlichen Färbungen und Maserungen der einzelnen Hölzer bekommt man allerdings nichts mit, da alles unter einer tadellos aufgetragenen mattschwarzen Lackierung verschwindet.

Ibanez XPTB720-BKF Test

Ibanez XPTB720-BKF Rückseite

Die Ibanez XPTB720-BKF wird mit einem auf Messerkantenprinzip basierenden Vibratosystem im Floyd Rose Stil ausgeliefert, das sauber läuft und dank der Saitenklemmen bei richtiger Justierung nur minimale Verstimmungen zulässt. Inwieweit man die Vorteile der erweiterten Ausdrucksmöglichkeiten mit den Nachteilen wie Einschränkungen bei Double-Bendings, Sustain-Verlust etc. abwägt, muss jeder mit sich selber ausmachen. Das System basiert auf dem Edge-Zero II-7 Prinzip, das ein deutlich besseres Palm-Muting ermöglicht. Wer wie ich einmal die ersten Floyd Rose Systeme mit den hoch aufstehenden Fine-Tunern gekannt hat, weiß, wie immens wichtig die Einführung der Low-Edge-Systeme war.

Eine weitere Besonderheit stellen die Platzierungen der beiden Gurtpins dar. Um die Linienführung der Korpusform auf der Rückseite optisch nicht zu schmälern, wurden beide Pins jeweils mit ihrer Oberseite um 180 Grad gedreht nach unten gerichtet im oberen Cutaway und auf der seitlichen Flanke des oberen Hinterteils angebracht. Dies hat zur Folge, dass durch Hebelwirkung des Gurtes das Instrument ständig eine leicht Kippneigung nach vorne erzeugt. Solange das Instrument fest am Körper anliegt, stellt dies nicht wirklich ein Problem dar, sofern man dem Publikum aber eine ordentliche Bühnenshow bietet, bei dem das Instrument einem frei hängt, kippt es unmittelbar nach vorne über und legt sich auf die Oberseite. Wer in diesem Fall keine Straplocks an seinem Gurt verbaut hat, muss über eine sehr schnelle Reaktionsfähigkeit verfügen, um das Instrument daran zu hindern, auf dem Bühnenboden aufzuschlagen.

Ibanez XPTB720-BKF Test

Ibanez XPTB720-BKF Vibrato

Erwartungsgemäß ist die gesamte Hardware der Ibanez XPTB720-BKF in Schwarz ausgeführt, wobei 7 Gotoh Mechaniken zum Einsatz kommen, die aufgrund des Locking-Sattels über keine Locking-Funktionen verfügen. Dass man bei Ibanez davon ausgeht, dass man trotz der tonalen Möglichkeiten der zusätzlichen B-Saite nochmals den Downtuning-Hebel ansetzt, sieht man daran, dass vom Werk aus ein 010 – 064 Satz aufgezogen wurde, der auch bei Downtuning-Setups eine straffe Basssaiten-Definition ermöglicht. Mit den drei verwendeten Federn innerhalb der Federkammer lässt sich auch gar nicht die nötige Spannung für ein Standard-Tuning erzeugen, für diesen Zweck muss mindestens noch eine weitere Feder eingesetzt werden. Ich habe daher auch das Instrument auf ein One-Halfnote-Down-Tuning eingestellt, das sich gerade noch mit drei Federn umsetzen lies.

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Als Tonabnehmer wurde einmal mehr Ibanez’ Haus und Hof Ausstatter DiMarzio ins Boot geholt, der in diesem Fall die D-Activator-7 Humbucker bereitstellt. Die Pickups sind passiv und besitzen Keramik-Magneten. Die Schaltung ist klassisch LP, will heißen, ein 3-Wege-Schalter mit den Positionen Hals alleine, Hals/Bridge, Bridge alleine. Eine Spulenanzapfung für Singlecoil oder Out-of-Phase ist nicht vorgesehen. Abschließend verfügt die Elektrik noch über einen Mastervolume- und einen Mastertone-Regler, wobei man sich natürlich schon fragt, ob die Zielgruppe jemals den Tone-Regler auch nur ansatzweise einmal zudrehen wird.

Ibanez XPTB720-BKF Test

Ibanez XPTB720-BKF Inlays

In der Praxis

Nimmt man die Ibanez XPTB720-BKF das erste Mal in die Hand, fallen einem unmittelbar drei Punkte auf, die der erfahrene Spieler allerdings schon hat kommen sehen bzw. kommen hören. Da ist zum einen das überdurchschnittlich gute Sustain, das ein durchgehender Hals einmal mehr erzeugt und die Schwingungsminderung des Vibratosystems mehr als nur kompensiert. Nahezu jeder Ton schwingt gleichmäßig lang aus und echte Deadspots sucht man vergebens auf dem Griffbrett. Zum zweiten haben wir wie bei jedem Floyd Rose System den „Hallspiraleneffekt“, sprich eine stark abgedämpfte Staccato-Spielweise im „Maschinengewehr“-Stil ist nicht möglich, da die Vibratofedern wie eine Hallspirale in Schwingung versetzt werden und einen Nachhall erzeugen, der insbesondere im High-Gain-Bereich den Sound mehr oder minder stark „einbreit“.

Die Abhilfe ist vergleichsweise einfach zu gestalten, man muss lediglich genügend Schaumstoff oder eine ähnlich schwingungsdämpfende Masse um die Federn legen. Ehrlich gesagt ist es mir ein Rätsel, warum dieser Effekt von nahezu allen Herstellern dieser Welt konsequent ignoriert wird. Ich glaube, in meiner gesamten Karriere habe ich nur einmal einen Hersteller gefunden, der sich dieses Problems bereits bei der Ausstattung des Instruments angenommen hatte.

Der dritte Punkt ist die Lagerung des Instruments, insbesondere der Stativbetrieb. Faktisch kein regulärer Gitarrenständer kann diese Korpusform ordentlich aufnehmen, daher empfehle ich ein Hängestativ, bei der das Instrument wirklich freischwebend aufgehängt werden kann, wie zum Beispiel den K&M Ständer Modell 17605

Ibanez XPTB720-BKF Test

Ibanez XPTB720-BKF Pickup Switches

Ansonsten erfüllt die knapp 3,6 kg schwere Ibanez XPTB720-BKF genau das, was ihre Zielgruppe von ihr erwartet. Bei Bedarf schweres Metal-Gewitter, aber auch gemäßigtere Gain-Strukturen werden adäquat umgesetzt. Bei Bedarf geht auch clean, ist aber offensichtlich nicht die erste Wahl des „Zylonen-Bombers“, da es ein wenig an Charakter mangelt.

Zum Schluss sollte einmal erwähnt werden, dass Ibanez in Sachen Zubehör nahezu immer ein Leckerchen inpetto hat. Im Fall der Ibanez XPTB720-BKF ist es ein im Lieferumfang enthaltenes Gigbag, dessen Sinnhaftigkeit man gerade bei dieser Korpusform gar nicht hoch genug einschätzen kann. Hier könnte sich mal wieder der eine oder andere Extremform-Anbieter ein Beispiel dran nehmen!

Die Klangbeispiele wurden mit einem ENGL Savage MKII, einem Marshall 412 Cabinet mit Celestion G12T 75 und 2 Stck. Shure SM 57 aufgenommen.

Ibanez XPTB720-BKF Test

Ibanez XPTB720-BKF im Einsatz

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Fazit

Mit der Ibanez XPTB720-BKF bietet der japanische Hersteller seiner Zielgruppe alles, was die Optik verspricht. Alle Gain-Strukturen bis hinauf ins ultimative High-Gain werden sauber umgesetzt, zudem bietet das Instrument durch die zusätzliche B-Saite Ausflüge in den Bereich, wo der Bassist bereits um sein Engagement fürchten muss.

Wer jetzt noch den Hallspiraleneffekt der Vibratofedern unter Kontrolle bekommt, hat ein gutes Handwerkszeug mit optischem Biss zur Hand.

Plus

  • Verarbeitung
  • Sustain
  • Optik
  • Zubehör

Minus

  • Hallspiraleneffekt aufgrund der Konstruktion des Vibratosystems

Preis

  • 1.398,- EUR
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Eisenberg  

    Die sieht sehr nach „yu gi oh“ aus und passt optisch perfekt in die Hand eines androgynen Wesens mit blauen Zackenhaaren….

    • Profilbild
      Hein Schlau  AHU

      Die Korpusform ist tatsächlich schon älter, die Ibanzez XPT700 Xiphos war praktisch identisch. Die gab es damals (2007) in coolen Chameleonfarben.

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