Test: Keeley ECCOS Delay Looper, Delay-Pedal

14. Januar 2020

Vintage Delay und Loop Maschine in einem

Keeley sind so ein Ding: Mich persönlich hat noch kein Pedal von den Jungs und Mädels der amerikanischen Schmiede vom Hocker gehauen. Das Keeley Synth-1 ist preiswert, aber qualitativ hinter der Konkurrenz, dafür war das Aria aber über alle Zweifel erhaben. Der große Überflieger hat in meinen Augen bislang gefehlt – aber selbstredend lass ich mich gerne eines Besseren belehren.

Vor allem wenn es in die Delay-Riege geht. Da haben Keeley bislang noch nicht allzu viel vorgelegt. Klar – die immense Delay Workstation hat seine Abnehmer gefunden. Aber Workstations sind eben so eine Sache und es wurde schon unzählige Male vorgemacht, dass man Delay-Kunst auch in das kompakte Format unterbringen kann. Der Keeley ECCOS Delay Looper ist ein Vintage Delay mit Looper-Funktion – das klingt schon mal interessant. Auch dass das Pedal in Stereo ist, macht die Sache spannender. Hier wird ein Tape-Delay simuliert, das mit entsprechenden, für Bandmaschinen typische Modulationen wie Flanger und Chorus durchsetzt und einen ganz eigenen Charakter besitzen soll. Gut so – makellose Delay-Stationen gibt es zuhauf. Man darf also gespannt sein.

 

Keeley ECCOS Delay Looper – Facts and Features

Klein und handlich ist das gute Stück, mit gewohnten Stomper-Maßen, die gut aufs Pedalboard passen. Es handelt sich um ein True Bypass-Pedal, das mit einem (im Lieferumfang enthaltenem) 9V-Netzteil betrieben wird und „nur“ 115 mA frisst. Darüber hinaus ist hier Stereo angesagt – zwei 6,3mm Klinken regeln den Output, einmal Mono, einmal Stereo, und entsprechend gibt es auch zwei 6,3 Eingangsklinken, Mono-In und Stereo-In. Ein Anschluss für ein Expressionpedal und für einen weiteren, externen Fußschalter ist auch dabei – äußerst runde Angelegenheit also schon mal, welche die Jungs aus Edmond, USA hier präsentieren Die Verarbeitung ist wirklich tadellos, aber das muss wahrscheinlich nicht noch zusätzlich erwähnt werden. Alles ist perfekt verarbeitet und bei den fünf Potis wackelt nichts. Nur so am Rande: Die ersten 100 ECCOS, die rausgehen, kommen in einer ansehnlichen Holzbox daher, die man beispielsweise von den Chase Bliss Audio Pedalen kennt.

Keeley ECCOS Delay Looper – Funktionen und Panel

Klar ist natürlich – ein echtes Band-Delay ist das nicht. Der Keeley ECCOS Delay Looper arbeitet mit einem Quad 24/56 Bit Dream DSP-Chip, den Keeley über drei Jahre hinweg verfeinerte. Tut das der Klangwärme Abbruch? Werden wir später im Praxis-Teil nachvollziehen. Keeley hat in die kleine Kiste recht viel reingepackt und sogar eine zweite Bedienebene integriert, auf die wir zu sprechen kommen werden. Zentral ist die Funktionsweise der beiden Fußschalter, die ändert sich nämlich, je nachdem, welchen Modus man aktiviert hat.

  • Delay-Modus: Da wird ganz klassisch mit dem Bypass-Schalter das Signal aktiviert und deaktiviert, und der Tap-Schalter ermöglicht es, das Tempo einzutappen.
  • Looper-Modus: Da wird es schon ein bisschen komplizierter: Der Bypass Schalter erfüllt die Funktionen Record, Play und Stop, der Tap-Schalter lässt den Loop entweder halb so schnell ablaufen oder rückwärts abspielen.

Die Idee ist also prinzipiell, seinen Delay-Sound zu kalibrieren und ihn dann im Looper-Modus ausgiebig zu nutzen. Das Pedal besitzt drei Speicherplätze für Presets sowie Tap Divisions, die mit Kippschalter in der Mitte aktiviert werden können, sobald man sich in der zweiten Bedienebene befindet. Ein weiteres erfreuliches Feature, das in meinen Augen mehr Delay-Pedale nutzen sollten, ist eine entsprechende Swell und Runaway Feedback-Funktion, die vor allem aufgrund der Möglichkeit, Trails zu aktivieren oder zu deaktivieren sehr sinnig erscheint. Was sagen die Regler?

  • Time: Ist für die Delay-Zeit zuständig, die sich hierüber einstellen lässt. Auf der zweiten Bedienebene, Manual Time, lässt einen die Flanger-Zeit einstellen.
  • Rate: Kümmert sich um die LFO der Modulation und ihre Taktung. Aktiviert man die zweite Bedienebene, wird der Regler für Rate zum Tone-Poti, mit dem sich die Klangfarbe einstellen lässt.
  • Blend: Hier wird das Mischverhältnis von Dry- und Wet-Signal eingestellt, doch aktiviert man die zweite Bedienebene, wechselt die Modulationsart vom Flanger zum Vibe.
  • Depth: Ermöglicht es, die Klangtiefe und -intensität des Delays einzustellen. Auf der zweiten Bedienebene aktiviert sich der Regen für den Flanger, was das Feedback der Modulation an- oder abschwellen lässt.
  • FDBK: Hier wird das Delay-Feedback eingestellt. Hält man den FDBK-Regler gedrückt, erreicht man die zweite Bedienebene.

Interessantes Konzept also, das viele unter anderem von Meris kennen dürften. Was die Anzahl der Loops angeht, die man übereinander aufnehmen kann, sind dem prinzipiell erstmal keine Grenzen gesetzt. Man kann Schicht auf Schicht aufnehmen und schauen, wo die Belastungsgrenze des Chips liegt. Und Funktionen wie Reverse oder Half-Speed sind ja prinzipiell Punkte, die man von anderen Loopern bereits kennt. Dass das jedoch in diesem kleinen Stompbox-Format so eng beisammen geführt ist – das ist eher selten.

Keeley Electronics ECCOS Delay Pedal – in der Praxis

Gleich zu Beginn wird deutlich – die Klangfarbe ist warm, der Sound ist zweifelsohne ein waschechter Tape-Delay mit viele Tiefe und Charakter. Speziell das Nutzen der Modulation, in diesem Falle beim Flanger, offenbart durchaus, dass hier ein gewisser Vintage Charakter zum Tragen kommen kann. An das Volante von Strymon reicht die Klangtiefe nicht heran, aber der Vergleich mit dem Nonplusultra ist nur bedingt gerechtfertigt, immerhin ist man hier preislich eine ganze Liga tiefer.

In diesem Hörbeispiel sind die Repeats mit einem Flanger mit mäßigem Regen belegt. Ich spiele den Pickup-Bridge einer Schecter Diamond Series. Abgenommen wird das Pedal nicht über einen Amp, sondern über den Hi-Z-Anschluss des Audio-Interface.

Wenn man die Depth ein bisschen rausdreht und die Repeats ein bisschen weicher kommen lässt, vermischt sich die Modulation zu einer hallartigen Fahne, die trotz allem sehr warm rüberkommt.

Nun geht es daran, die Swell-Fähigkeiten zu demonstrieren. Dafür holen wir erstmal alles raus, was in Sachen Modulation geht und setzen Regen auf Maximum. Sehr schön – die Swells lassen sich sehr musikalisch an, die Oszillationskurve ist nicht zu steil und fliegt einem nicht um die Ohren – etwas, womit viele Delay-Swellfunktionen zu kämpfen haben. Sehr schön!

Nehmen wir sämtliche Modulation heraus, bekommen wir ein angenehm klingendes Tape-Delay – schnörkellos, warm, aber differenziert im Sound. Gefällt, haut aber nicht unbedingt vom Hocker.

 

Weiter geht’s mit dem Vibe. Diesen aktivieren wir ihn über die zweite Bedienebene, was problemlos erfolgt. Ich habe selbst schauen müssen, ob ich in dem Projekt noch irgendeinen Hall drinnen hatte. Tatsächlich ist der Sound trocken, und diese leicht sphärische Hall-Note, die der ECCOS über die Repeats legt, ist tatsächlich einzig und allein dem Pedal geschuldet.

Weiter geht’s mit einem entscheidenden Gehversuch in Sachen Looper. Eine kurze Phrase wird aufgenommen und darüber gespielt. Immer wieder aktiviere ich den Reverse-Effekt mithilfe des rechten Fußschalters und halte die gespielten Töne drüber – sehr einfach, sehr intuitiv, und für so eine kompakte Stompbox eher selten. Während der aufgenommene Loop ohne Modulation auskommt, ist während akuten Spiels ein ordentlicher Flanger über das Signal gelegt. Wie bei den meisten Loopers muss man sich ein wenig an das Hin und Her switchen gewöhnen. Tatsächlich machte am ehesten noch die Löschung eines Loops Probleme: Normalerweise verläuft diese über das zweisekündige Halten des rechten Fußschalters, doch das wollte zurecht nicht wirklich klappen. Trotzdem sind die potentiellen Soundgebilde, die sich hier rausholen lassen, immens.

Fazit

Ein überzeugendes Delay-Kunststück von Keeley: Looper und Delay auf engstem Raum beieinander, ohne dass sich beide Funktionen im Weg stehen. Im Gegenteil: Sehr durchdacht und ergänzend, darüber hinaus mit glaubhaftem Vintage Charakter. Eins der besseren Tape-Delays!

Preis

  • 249,- Euro
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