Test: Keith McMillen BopPad, MIDI-Drumcontroller

15. April 2018

Drumpad mit Extras

 

Keith McMillen BopPad im Test bei AMAZONA.de. Keith McMillen ist bereits ein alter Hase, was das Entwickeln von Hardware-Controller für musikalische Zwecke angeht. In seiner bereits 35-jährigen Schaffenszeit hat er unter anderem die elektronische Violine (Zeta Music), die Mirror 6 MIDI-Gitarre und viele weitere MIDI-Controller wie das Qu-Nexus entwickelt. Dabei ist stets der Musiker selbst Mittelpunkt der technischen Entwicklung mit dem Ziel, ausdrucksvolle elektronische Musik zu ermöglichen. Nun hat er sich den trommelnden Musikerkollegen angenommen und mit dem BopPad einen Drum-Controller entwickelt, der zum einen mehr als nur ein Empfänger von Stockschlägen ist und zum anderen auch erfreulich preiswert über den Ladentisch geht. Wie sich die weiß-graue Frisbee-Scheibe in der Praxis macht, wird der Test zeigen.

Das BopPad ausgepackt

Das BopPad kommt in einer schicken, klappbaren Verpackung. Deren Verschluss ist magnetisch, so wie es z.B. bei Zeiss-Objektiven üblich ist. Das macht schon mal einen hochwertigen Eindruck. In der Verpackung befindet sich das BopPad und ein relativ kurzes USB-C-Kabel zum Anschluss an einen Computer oder den hauseigenen MIDI-Expander.

 

Micro-USB-Anschluss

Die einzige Schnittstelle am BopPad ist ein Micro-USB-Anschluss, der von einem Metallbügel gegen Stöße geschützt ist. Durch den MIDI-Expander, der separat erworben werden kann, lässt sich das BopPad nicht nur an Computern oder Tablets verwenden, sondern auch an Hardware-Geräten, die nur die konventionelle MIDI-Schnittstelle besitzen.

Keith McMillen MIDI-Expander

 

Funktionsweise des BopPads

 

Flach, rund…mit praktischem Haken zum Anhängen

Das BopPad ist ein reiner MIDI-Controller. Es sendet also nur Steuerdaten und besitzt keine internen Klänge. Das Pad ist in vier Quadranten aufgeteilt, die jeweils separate Noten und Steuerdaten ausgeben können. Es kann gleichfalls mit Sticks und mit Händen gespielt werden, entsprechende Presets stehen im Editor bereit.

 

Trommelspiel mit Händen… kein Problem

Das BopPad sendet, wie andere Drum-Pads auch, beim Anschlagen einen Notenwert und die zugehörige Anschlagstärke. Doch Keith McMillen hat weiter gedacht und dem Drum-Controller weitere Sensoren verpasst. So lassen sich kontinuierliche Druckänderungen auf der Pad-Oberfläche als Steuerdaten senden, ähnlich wie beim Aftertouch an manchen Keyboards. Auch die Druck-Position zwischen Mitte und Rand wird pro Quadrant erfasst und als Controller-Daten in Echtzeit ausgegeben. Das öffnet das Feld für Synthesizer-Applikationen, bei denen sich der Klang nach dem Anschlagen durch Veränderung des Drucks und der Druck-Position in Echtzeit verändern lässt, was ein noch ausdrucksstärkeres Spiel ermöglicht.

 

Ohne Bedienelemente, aber mit Status-LED

Was für den einen oder anderen etwas gewöhnungsbedürftig sein könnte, ist die Tatsache, dass es keine Bedienelemente gibt. Alle Einstellungen müssen vom Rechner aus getätigt werden, es lassen sich aber vier Presets direkt auf dem BopPad speichern. Auswählen lassen sich diese aber leider nicht direkt am Gerät selbst, sondern nur über Program-Change-Befehle, die von einem externen Gerät gesendet werden müssen. Der Status wird von einer winzigen LED angezeigt. Sie leuchtet grün, wenn das Gerät angeschaltet ist und orange, wenn man damit interagiert. Ist das BopPad mit dem MIDI-Expander verbunden, leuchtet die LED rot. Der regelmäßige Wechsel von rot nach grün bedeutet, dass sich das BopPad im Bootloader-Modus befindet und die Firmware aktualisiert werden kann.

Systemvoraussetzungen für die Nutzung des BopPads

Grundsätzlich ist hier Plug&Play angesagt, es müssen also keine Treiber installiert werden. Auf dem Mac wird dafür mindestens die MacOS-Version 10.6 benötigt, auf dem PC wird Windows ab Version 7 unterstützt. Zur Editierung des BopPads kann ein Standalone-Editor heruntergeladen werden, der auf dem Mac ab MacOS 10.9 und auf dem PC ab Windows 7 installiert werden kann. Zusätzlich gibt es einen Web-Editor, der der Standalone-Variante größtenteils entspricht. Als Voraussetzung wird ein Web-MIDI-fähiger Browser wie Opera oder Chrome benötigt.

BopPad Editor

 

Web-Editor des BopPad

Mit dem Editor kann sich der geneigte Soundtüftler nahezu endlos austoben. Für jeden Quadranten lassen sich bis zu sechs Noten zuweisen, es können somit auch ganze Akkorde oder mehrere Drum-Samples auf einmal getriggert werden. Der MIDI-Kanal lässt sich separat pro Quadrant einstellen und auch Program-Change- und Bank-Select-Befehle können buchstäblich auf einen Schlag gesendet werden. So ist es z.B. möglich, externe Klangerzeuger über das BopPad umzuschalten. Zusätzlich zum Notenwert kann das BopPad bis zu 5 unterschiedliche MIDI-CC-Daten (Continious Control) gleichzeitig senden. Pitchbend, Channel Pressure und Poly Aftertouch können dabei direkt ausgewählt werden. Alternativ lässt sich die MIDI-CC-Nummer eingeben. Als Quelle für die MIDI-Daten können folgende Optionen ausgewählt werden: Velocity (Anschlagstärke), Pressure (Druck auf das Pad nach dem Anschlagen), Initial Radius (die Stelle, an der angeschlagen wird), Radius (die Stelle, an der auf das Pad gedrückt wird) und Relative Radius (Differenz aus Anschlagpunkt und Druckpunkt). Die Quelle kann invertiert, verstärkt und mit einem Offset-Wert belegt werden. Es lässt sich auch ein minimaler und maximaler Wert zwischen 0 und 127 vordefinieren. Hier wurde ein breites Feld für Sound-Tüftler und MIDI-Frickler geschaffen und mit wenigen Handbewegungen lassen sich ganze Klangwelten erschaffen und in Echtzeit verändern, vorausgesetzt man weiß, was man tut. Das ist nichts für Anfänger, die gerade mal eine Spur in ihrer DAW aufnehmen können. Vorkenntnisse im Bereich MIDI und Klangerzeugung sind für solch tiefgehende Nutzung des BopPads mehr als nützlich.

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