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Test: Mackie SRM650, Aktivboxen

7. Oktober 2015

Knock on wood

Mackie SRM650 Aktivbox

Mackie SRM650 Aktivbox

Mackie SRM650

Wer kennt nicht den Klassiker SRM450 von Mackie? Diese aktive Zweiwegbox im Kunststoffgehäuse hat auf unzähligen Bühnen und in unzähligen Proberäumen Musikgeschichte geschrieben. Die SRM-Serie ist jetzt um drei Aktivboxen erweitert worden. Eine davon ist die Fullrangebox Mackie SRM650. Diese aktive Zweiwegbox mit 15-Zoll Basslautsprecher trägt den Zusatz High-Definition Audio Processing. Sie leistet 1600 Watt Peak (800 Watt RMS) und kommt, anders als die kleinere Variante SRM450, mit einem massiven Holzgehäuse daher. Hier hat sich Mackie für 15 mm Pappelholz entschieden.

Mackie SRM650 in Monitorposition

Mackie SRM650 in Monitorposition

Die Lautsprecherbox wiegt 21 kg und misst 677 x 445 x 441 mm (H x B x T). Das Multifunktionsgehäuse mit fein strukturiertem Schutzlack lässt die SRM650 auf dem Hochständer platzieren, im Winkel von 60° als Bodenmonitor einsetzen und natürlich auch bei Festinstallationen geflogen betreiben. Für letzteren Verwendungszweck finden sich drei M10 Flugpunkte. Zum Transport gibt es an jeder Seite einen gut ausgeformten Griff.

Guter und stabiler Tragegriff

Guter und stabiler Tragegriff

Zweiwegbox

Das allseits beliebte Zweiwegbox-Konzept mit Bassreflexgehäuse setzt Mackie bei der SRM650 mit einem 15-Zoll Basslautsprecher und einem 1,4-Zoll Titan-Kompressionstreiber um. Beide Schallwandler sind mit konservativen Ferritmagneten bestückt. Das Abstrahlverhalten des relativ kleinen Horns beträgt 90° x 50°, die digitale Frequenzweiche trennt bei 3 kHz. Ein sehr stabiles Stahlgitter mit feiner Lochstruktur und hinterlegtem Akustikschaum schützt die Treiber.

Mit einem Frequenzbereich von 39 Hz bis 20 kHz sollte bei dieser Box auch die Wiedergabe tiefer Basstöne bestimmt kein Problem darstellen, das wird sich später im Klang- und Performance-Test noch zeigen.

Ansicht ohne Frontgitter

Ansicht ohne Frontgitter

Power on

Das leistungsstarke Triebwerk in Form einer modernen Class D-Endstufe ermöglicht einen maximalen Schalldruck (max peak SPL) von 133 dB. Zum Vergleich: Die Schmerzgrenze liegt bei 130 dB; ein Düsentriebwerk erzeugt in 25 Metern Entfernung etwa 140 dB.

Leistungsstarke Endstufe

Leistungsstarke Endstufe

Äußerlich sind am Gehäuse keine Kühlkörper auszumachen. Auch Lüftungsschlitze oder die Öffnung für einen aktiven Lüfter gibt es nicht. Der ungehinderte Blick auf das demontierte Bedienfeld samt Endstufe lässt schließlich zwei verhältnismäßig kleine Kühlelemente erkennen – gemessen an der hohen Ausgangsleistung dieser Aktivbox. Die geringen Abmessungen des Endstufenmoduls sind einmal mehr erstaunlich, führt man sich vor Augen, welche Dimensionen und auch Gewichte bedingt durch die Bauteile klassische AB-Endstufen aufweisen.

Wenn das Modul mit den Bedienelementen schon entfernt ist, geht der Blick natürlich auch im Gehäuse auf Wanderschaft. Hier erkennen wir direkt die Gehäuseverstrebung sowie eine ordentliche Portion an Dämm-Material.

Blick in das Innere

Blick in das Innere

Kein Eckenschutz

Ganz aus der Mode gekommen scheinen bei Holzgehäusen, also auch bei diesem Modell, stabile Kugelecken oder sonstige Schutzelemente für die Ecken aus Metall oder Kunststoff. Und zugegeben, ohne die optisch oftmals störenden Anbauteile sieht das Ganze natürlich auch viel besser aus. Doch die nur wenige Millimeter vorstehenden Ecken, besonders an der Vorderseite des Gehäuses, sind vollkommen ungeschützt, was beim harten Einsatz „on the road“ für sichtbare Blessuren sorgen könnte.

Viel Schutz hingegen und auch guten Abstand zum Untergrund bieten hingegen die vier robusten Gummifüße, auf die das Gehäuse beim Einsatz als Bodenmonitor aufgesetzt wird. Das gilt ebenso für die vier großformatigen Füße an der Unterseite.

Mackie SRM650 von hinten betrachtet

Mackie SRM650 von hinten betrachtet

High-Definition

Wofür steht bei der SRM650 die Bezeichnung High-Definition Audio Processing? Diese Frage stellt sich natürlich und soll nicht unbeantwortet bleiben. Die Bezeichnung High-Definition Audio Processing hat Mackie seinerzeit schon bei der HD-Serie eingeführt. Tests dieser Boxen finden sich übrigens auch hier bei Amazona.de. In der erweiterten SRM-Serie gibt es zwei Aktivboxen, die den Zusatz High-Definition Audio Processing tragen: das aktuelle Testobjekt SRM650 und das kleineres Modell SRM550 mit 12-Zoll Basslautsprecher.

Die Experten von EAW-Audio (Eastern Acoustic Works) haben die Abstimmung dieser neuen Mackie Box vorgenommen, per DSP wird der Klang optimiert. Die präzise digitalen Frequenzweiche und Phasenkorrektur der Lautsprecher mit Anpassung der akustischen Zentren von Tief- und Hochtöner (Time Alignment) sind weitere Faktoren, die den Gesamtklang verbessern.

Die Technik für die neuen SRM-Boxen ist übrigens komplett neu entwickelt worden. Nur so sind optimale Abstimmungen möglich, was letztendlich dem Gesamtsound zugute kommt.

Passt schon

Die SRM650 verarbeitet mit den beiden sogenannten „Wide-Z“ Inputs vielfältige Eingangssignale: dynamische Mikrofone, Line-Signale wie zum Beispiel von Mischpulten oder Keyboards, aber auch elektrische Gitarren. All diese Quellen lassen sich direkt anschließen. Die beiden Kombo-Buchsen nehmen dabei XLR- wie Klinkenstecker gleichermaßen auf, sie haben allerdings keine Verriegelung. Wenn diese Eingangsoptionen für XLR- und Klinkenstecker nicht reichen, notieren wir im Kanal 2 auch noch einen Stereoeingang mit Cinch-Buchsen.

Anschluss- und Bedienfeld

Anschluss- und Bedienfeld

Die beiden unabhängigen Kanäle lassen sich stufenlos mischen. Je ein Gain-Regler sorgt für optimale Signalanpassung und die zwei Kontroll-LEDs leuchten ab einer gewissen Eingangsstärke grün und wechseln bei Übersteuerung auf rot.

Die XLR-Ausgangsbuchse „Thru“ schleift wahlweise das Signal aus Kanal 1 weiter oder auf Knopfdruck die gemischten Signale beider Kanäle.

Sound-Presets

Eine individuelle Klangregelung gibt es nicht. Stattdessen finden sich vier mit einfachem Knopfdruck abrufbare Basiseinstellungen. Damit lässt sich die Lautsprecherbox je nach Verwendungszweck klanglich anpassen: PA für den Fullrange-Betrieb; DJ hebt Bässe und Höhen an; MON ist für den Einsatz als Bodenmonitor gedacht, mit Roll-off im Bassbereich und leichter Betonung der Mitten; SOLO arbeitet ebenfalls mit einem Bass Roll-off, senkt aber die Mitten etwas ab und hebt die Höhen an.

15-Zoll Basslautsprecher

15-Zoll Basslautsprecher

Feedback Destroyer

Der integrierte Feedbackkiller reagiert mit vier schmalbandigen Filtern auf Rückkopplungen und ist ein prima Werkzeug bei Auftritten oder Darbietungen, bei denen kein Tontechniker korrigierend eingreifen kann. Für den Einsatz der Box als Bodenmonitor ist diese Schaltung ebenfalls eine tolle Sache.

Grün beleuchtetes Frontlogo

Grün beleuchtetes Frontlogo

Das neue Blau

Grün ist bei Mackie das neue Blau. Das grün beleuchtete Mackie-Logo auf der Vorderseite signalisiert nach dem Einschalten der Aktivbox Betriebsbereitschaft. Die Beleuchtung lässt sich aber auch ausschalten, zum Beispiel bei Festinstallationen.

Praxis und Klang

Hier werden verschiedene Aspekte untersucht: Wie klingen die Boxen mit produzierter Musik? Wie hört sich eine Elektro-Akustikgitarre über eine einzelne SRM650 an? Vor allem unter der Prämisse, dass es keine individuelle Klangregelung gibt. Und wie klingt ein direkt angeschlossenes dynamisches Mikrofon? Welche Auswirkungen beziehungsweise Reaktionszeiten zeigt dabei der Feedbackkiller?

Per Audio-CD läuft sehr unterschiedliches Musikmaterial über die beiden SRM650. Die Boxen präsentieren sich mit feinem Klang, seidigen Höhen und konturierten Bässen ohne jeglichen Mulm. Das Durchschalten der vier Klang-Presets verändert das Wiedergabeverhalten recht deutlich, vor allem was die Basswiedergabe betrifft. Eine gute Ausgangsposition für viele Anwendungen ist die Einstellung PA. Dagegen bringt die Einstellung DJ eine sehr deutliche Bassanhebung und auch die Bereiche um 2 kHz und 14 kHz werden hier stärker betont. Bei gemäßigter Lautstärke finde ich durchaus Gefallen an dieser Voreinstellung, die ein wenig wie eine Loudness-Schaltung wirkt. Hier hat Mackie ein ausgewogenes Verhältnis mit Anhebung von Bässen und oberen Mitten bzw. Höhen gefunden, das nicht direkt mit der „Holzhammer Methode“ daherkommt. Die Basswiedergabe ist so kräftig, dass man mit einem Paar SRM650 auch ohne Subwoofer auskommen kann. Schließlich haben wir es hier mit zwei kräftigen Endstufen und zwei 15-Zoll Basslautsprechern zu tun.

In der Einstellung Monitor werden die Bässe deutlich und die Höhen leicht zurückgenommen. Der Bereich zwischen 300 Hz und 1000 Hz wird im Gegensatz dazu leicht betont, was Stimmen beim Monitoring durchsetzungsfähiger macht. Ist die Position Solo gewählt, findet sich ein ähnlich starker Bass Roll-off wie in der Stellung Monitor. Eine stärkere Anhebung gibt es hier zusätzlich bei 10 kHz; zwischen 200 Hz und 600 Hz wird leicht abgesenkt.

Hochtontreiber mit Horn

Hochtontreiber mit Horn

Die angeschlossene Elektro-Akustikgitarre klingt richtig gut. Hier bietet sich das Preset Solo an. Diese Einstellung ist für Einzelinterpreten eine gute Wahl, die mit einer SRM650 zur Akustikgitarre auch noch ein Mikrofon benutzen möchten. Jetzt fehlt nur noch ein klein wenig Raumeffekt für den Gesang.

Beim Mikrofon-Test mit dem direkt angeschlossenen SM58 sagt mir das Preset Solo am meisten zu. Ansonsten sind mir die Bässe besonders im Nahbesprechungsbereich einfach zu kräftig. Jetzt macht sich auch der Feedback-Destroyer positiv bemerkbar. Zunächst greift er in diesem Fall im Bereich der tiefen Frequenzen und arbeitet sich dann weiter nach oben. Klangliche Beeinträchtigungen sind nicht wahrnehmbar, die Filter arbeiten so schmalbandig, dass lediglich die Rückkopplungsfrequenzen eliminiert werden.

In allen getesteten Bereichen machen die SRM650 klanglich wie leistungsmäßig ein gutes Bild. Erfreulich ist auch die einfache Bedienung, die ohne komplexe Menüführungen auskommt.

Kabel zur Beleuchtung des Logos ist ummantelt

Kabel zur Beleuchtung des Logos ist ummantelt

Ein letzter rundum Blick gilt der Verarbeitung. Hier gibt es nichts zu meckern, die Verarbeitung ist hervorragend. Ein kleines Detail soll an dieser Stelle noch Erwähnung finden. Sogar die Verkabelung hinter dem Frontgitter zur Beleuchtung des Logos ist mit grauem Schaumstoff überzogen und somit in keinster Weise sichtbar. Das nenne ich Liebe zum Detail.

Fazit

Wer sich für die Mackie SRM650 Aktivbox entscheidet, bekommt einen Multifunktionslautsprecher mit feinem Klang und ordentlicher Basswiedergabe. Mit einer einfach zu bedienenden Schaltung lässt sich der Sound je nach Einsatzzweck in vier verschiedene Richtungen trimmen. Die Endstufe leistet 1600 Watt Peak (800 Watt RMS) und bietet Leistungsreserven. Zwei „Wide-Z“ Eingangsbuchsen nehmen fast alle Eingangssignale auf, so lassen sich sogar elektrische Gitarren direkt anschließen. Der schnell und gut arbeitende Feedback-Destroyer verhindert Rückkopplungen, ohne das Klangbild zu verfälschen. Das Holzgehäuse ist mit feinem Strukturlack geschützt, allerdings sind die leicht vorstehenden und wenig abgerundeten Ecken und Kanten an der Vorderseite Stoß gefährdet. Die Verarbeitung ist tadellos und die Box sieht mit ihrem feinen Lochblech und dem grün beleuchteten Logo gut aus. So kann ich die Mackie SRM650 ruhigen Gewissens empfehlen.

Plus

  • Gesamtklang
  • Endstufenleistung
  • Wide-Z Eingänge
  • Feedbackkiller
  • Sound-Presets
  • Verarbeitung
  • Design

Minus

  • Stoß gefährdete Ecken und Kanten

Preis

  • UVP: 950,-Euro
  • Straßenpreis: 799,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Maxi Soundso

    Mich würde interessieren ob der SRM 650 den Mackies aus der HD-Serie klanglich ähnelt, da bei beiden Serien eben mit dem Ausdruck High Definition geworben wird und wie der Autor auch schon geschrieben hat beide von EAW-Audio abgestimmt wurden.

    • Profilbild
      p.ludl  RED

      Hallo Maxi Soundso
      Das ist eine sehr gute Frage. Habe die SRM 650 Box solo getestet – also ohne direkten Vergleich mit einer Box aus der HD-Serie. Deshalb konnte ich selbst keinen Vergleich anstellen. Habe deine Frage an die Fachleute von Mackie weitergeleitet. Hier die Antwort: Die neuen SRM-Boxen sind komplett neu entwickelt. Korrekt ist, dass der Klang stark „in Richtung“ HD ausgelegt ist.
      Andererseits kann man die neuen SRM-Boxen aber auch nicht mit dem Klang der vorherigen SRM-Modelle zu vergleichen.

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