Test: MFB Kraftzwerg

16. Oktober 2008

MFB Kraftzwerg

Auf der diesjährigen Musikmesse stellte MFB erstmals den Prototypen eines neuen Analogsynthesizers vor, der durch sein Konzept, aber vor allem durch seinen Namen auffiel. Denn anstelle einer schnöden, numerischen Bezeichnung verfiel man diesmal auf „Kraftzwerg“, ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Der Kraftzwerg ist ein Abkömmling der MFB Modulreihe, die seit Kurzem erhältlich ist und stetig erweitert werden soll. Für den Kraftzwerg hat man einfach eine sinnvolle Kombination von Modulen zusammengestellt, ein MIDI/CV-Interface hinzugefügt und alles in das Gehäuse vom MFB Synth-II gepackt. Das Ergebnis ist ein MIDI-fähiges, halbmodulares System, wie es in solch einer kompakten Form bislang noch nicht angeboten wurde.

 

Der Kraftzwerg setzt auf analoge Patchverbindungen anstelle von Speicherplätzen und MIDI-Controllern

Der Kraftzwerg setzt auf analoge Patchverbindungen anstelle von Speicherplätzen und MIDI-Controllern

 

Obwohl der Kraftzwerg auf den MFB Modulen beruht und diese Sektionen auf der Frontplatte auch separiert sind, ist er kein frei konfigurierbares System. Intern kommt Ein-Platinen-Technik zum Einsatz, und die durchgehende Frontplatte ist bauformbedingt etwas größer als die üblichen drei Höheneinheiten. Wer vielleicht darauf spekuliert hatte, sich seinen persönlichen Kraftzwerg konfigurieren zu können oder das Gesamtpaket aus der Plastikschale zu nehmen und in ein Modularrack zu verfrachten, muss diese Pläne leider einmotten. Hier hilft nur ein Rückgriff auf die separaten Module, gegebenenfalls plus Rahmen. Der Kraftzwerg selbst ist ein „geschlossenes System“ – jedenfalls was seine Bauform betrifft.

Ganz anders sieht es aus, wenn es darum geht, den Kraftzwerg mit anderem Analogequipment interagieren zu lassen. Dann zeigt sich der Kleine sehr kontaktfreudig. Mit 37 Patchbuchsen sowie vier weiteren Anschlüssen des MIDI/CV-Wandlers steht der Kreuz-und-Quer-Verkabelung nichts im Wege. Gefolgt wird dabei den gebräuchlichsten Normen: Volt/Oktave, Maximalspannung bis 10 Volt, positiver Trigger. Somit kann mit vielen Euroracksystemen wie z.B. Doepfers A100 oder auch älteren Analoggeräten im Verbund gearbeitet werden.

Natürlich kann der Kraftzwerg auch einzeln gespielt werden. Das semimodulare Prinzip besagt schließlich auch, dass der Synthesizer ohne eine einzige Patchverbindung spielbereit ist. Die Klangerzeugung ist von Oszillator über Filter bis Verstärker intern verbunden und die Hüllkurven sowie ein LFO den nahe liegenden Modulationszielen zugeordnet. Also Keyboard oder Sequenzer angeschlossen und los geht’s – kein Problem.

Weil die einzelnen Sektionen so schön nebeneinander aufgereiht sind, arbeiten wir sie uns mal flugs von links nach rechts durch den Signalweg. Übrigens, die Beschreibung gilt dabei selbstredend auch für die einzelnen Eurorackmodule.

 

Dual LFO

Links sitzen bei einem Synthesizer traditionsgemäß die Oszillatoren. Beim Kraftzwerg ist das nicht anders, allerdings kommen hier zuerst die Langsamschwinger. Zwei LFOs sind an Bord, die sich nur durch die Wellenformen unterscheiden. LFO 1 bietet fallenden Sägezahn, Dreieck und Rechteck, LFO 2 steigenden Sägezahn, Dreieck und Zufall (Sample&Hold). Bei beiden LFOs ist die Rate (Geschwindigkeit) CV-steuerbar, und über die Reset-Eingänge lassen sich die Wellenformen auf ihren Startpunkt zurücksetzen. Mit feinfühliger Rate-Abstimmung und separaten Reset-Triggern können die LFOs zu einem Sequenzer synchronisiert werden.

Die CV-Eingänge haben aber noch mehr zu bieten. Zum einen sind die LFOs darüber miteinander verbunden, sie können sich gegenseitig modulieren. Einfach die CV-Regler aufdrehen, und schon geht es deutlich lebendiger zu als bei einer statischen Schwingung. Allerdings fehlt dem Kraftzwerg ein separater Mixer, mit dem man diese beiden CV-Spannungen dann zusammenführen und auf ein Modulationsziel routen könnte. Hier muss man sich gegebenenfalls extern behelfen.

Der zweite Trick der CV-Eingänge besteht darin, den Rate-Bereich erweitern zu können – und zwar erheblich. Wird eine positive CV-Spannung eingespeist, steigt die maximale Rate von rund 100 Hz auf fast 3.000 Hz, liegt also im mittleren Hörbereich. Legt man hingegen eine negative CV-Spannung an, teilt sich die Rate um den entsprechenden Faktor. Die untere Grenze von ca. 15 Sekunden wird auf mehrere Minuten ausgedehnt. Als nach über vier Minuten die Amplitude noch nicht einmal zur Hälfte absolviert war, hatte ich keine Lust mehr weiter auf die Uhr zu schauen – und der Track war auch schon vorbei …

Positive und negative CV stellt der Kraftzwerg passenderweise am Pitch(Wheel)-Out des MIDI-CV-Konverters bereit. Neben der internen Verbindung untereinander ist LFO 2 zu einem Modulationseingang des Oszillatorblocks geroutet, um diesen in Vibration zu versetzen.

 

Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Ein schön ausführlicher Test und tolle Soundbeispiele mit viel Dampf. Der Klang erinnert mich mehr an den guten alten SCI Pro One als an Moog, aber das macht ja nix – das Kistchen scheint mir einen Blick wert zu sein:-D

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    AMAZONA Archiv

    Danke für den guten Test! Ich überlege mir, den Kraftzwerg zuzulegen. Ich warte aber noch auf DAVE SMITH INSTRUMENTS „MOPHO“, der wohl innerhalb der nächsten Tage lieferbar sein soll. Dieser hat allerdings nicht soviele Knöpfe zum Spielen, genau wie der Waldorf Pulse, der mich auch immer noch reizt. Wer die Wahl hat…

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      der jim  RED

      Jaja, die Qual der Wahl ;) Mopho wird sicher ein sehr gut klingender, gut ausgestatteter und vor allem preiswerter Synth. Aber konzeptionell ist er ja fast das komplette Gegenteil zum Kraftzwerg. Mopho ist schon eher mit dem Synth-II, aber auch dem Pulse, vergleichbar – wie gesagt konzeptionell, der Klang ist ne ganz andere Angelegenheit. Am besten wäre es, wenn man die Teile nebeneinander vergleicht, um zu sehen was den eigenen Vorstellungen/Ansprüchen/Vorlieben am nächsten kommt.

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    AMAZONA Archiv

    Das die MFB`s wirklich gut klingen ist ja schon bekannt. Auch hier zeigt sich wieder mal, dass es nicht auf Design sondern nur auf den Klang ankommt. Und dieser überzeugt einfach. Schöner Bericht!

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    AMAZONA Archiv

    Wenn dieses Teil noch eine eingebaute Tastatur hätte, wäre das der absolute Renner! Der alte MS-20 würde dann kräftige Konkurrenz bekommen…. dann würde ich mir das Teil holen…

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      der jim  RED

      Eine Keyboardversion ist meines Wissens nach voerst nicht zu erwarten, MFB hatte ja bislang noch nie einen Tastensynthie. Bei genügend großer Nachfrage wäre da vielleicht(!) was möglich, aber die One-Man-Show des Herrn Fricke hat natürlich auch nur gegrenzte Kapazitäten. Bis dahin bleibt nur die Kombi mit einem Controllerkeyboard (doppelseitiges Teppichklebeband hält sehr gut ;)

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    AMAZONA Archiv

    Es muß ja keine angschlagdynamische, teure Tastatur sein. Zweieinhalb Oktaven reichen mir schon. Nur keine Minitastatur! Live ist das schon ein Vorteil, eine eingebaute Tastatur macht daraus erst ein richtiges Musikinstrument. Wenn ich mir den Kraftzwerg mit eingebauter Tastatur vorstelle – da würde ich schwach werden, ich würd’s sofort kaufen, der Sound und das Konzept stimmen einfach. Aber mit einem Desktop Gerät arbeite ich ungerne. Tastatur mit Klebeband ist keine befriedigende Lösung. Vielleicht läßt sich MFB da was einfallen, eine kleine, einfache Tastatur ist bestimmt nicht allzu teuer…

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    Goofy

    Moin, Moin

    Vielen Dank für diesen Test. Schon vorher war ich von den mfb-Synthesizern begeistert. Jetzt hat mir dieser Bericht die letzten Zweifel geraubt und ich habe gerade in der ‚Bucht‘ einen Kraftzwerg erstanden.
    Mit Minimoog Vaoager Old School, Waldorf Pulse, Yamaha CS-10 & CS-15, Novation BassStation Keys & Rack habe ich zwar schon genug monophone Synthesizer – aber einer mehr ist nie verkehrt. Zumal mit dem Sound!
    Ich zumindest freue mich schon auf meinen Zwerg.
    (Jetzt fehlt mir nur noch ein MS-20 zu meiner Sammlung – grins)

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