AMAZONA.de

Test: Moog Minimoog Voyager Old School


Moog der alten Schule

Der Old School ist lediglich eine Variante des Voyager und kein gänzlich neuer Synthesizer. Die Tonerzeugung ist gleich geblieben, die Unterschiede liegen im bedientechnischen und, wenn man so will, im philosophischen Bereich. Denn das Gerät verzichtet auf die wichtigsten technischen Errungenschaften der letzten zwanzig Jahre im Synthesizerbau: Speicherbarkeit und MIDI. Warum? Diese Frage heben wir uns mal für etwas später auf…

noch mehr Platz für die Regler - der Voyager OS

noch mehr Platz für die Regler – der Voyager OS

Mit dem Verzicht auf Speicherbarkeit und MIDI entfallen auch Display und XY-Pad. Aber weil das gleiche Voyager-Gehäuse verwendet wird, erhielten die verbliebenen Bedienelemente mehr Platz. War der normale Voyager diesbezüglich ohnehin schon großzügig dimensioniert, ist es der Old School umso mehr. Apropos Gehäuse, der Voyager ist ein wahrlich wuchtiges und mit ca. 16 kg auch ziemlich schweres Gerät, besonders für einen Monosynth. Aber wenden wir uns zuerst einmal der Tonerzeugung zu.

Stromfluss

Das Old School-Model entspricht wie gesagt syntheseseitig ganz dem bisherigen Minimoog Voyager. Mit drei VCOs, Mixer, VCF, VCA, zwei Hüllkurven und einem LFO fällt seine Ausstattung nicht übermäßig üppig aus, jedoch gibt es eine Reihe Besonderheiten, die dem Voyager (OS) eine gewisse Flexibilität und damit einen eigenen Charakter verleihen, was einen A/B-Vergleich zum Original Minimoog meiner Meinung nach hinfällig macht.

Markantester Unterschied zu den alten Moogs sind sicherlich die stufenlos wandelbaren Wellenformen der Oszillatoren. Von Dreieck über Sägezahn und Rechteck bis zum Pulse kann die Wellenform mit einem Reglerdreh verbogen oder wahlweise auch moduliert werden. Da die Wellenformen nicht „ideal“ sind, also nicht exakt die namensgebenden geometrischen Figuren auf das Oszilloskop zeichnen, sondern über gewisse Frequenzanteile gemeinsam verfügen, fällt der Klang der Wellenformmodulation nicht so drastisch aus wie man es vielleicht erwarten mag. Natürlich gewinnt der Sound an Lebendigkeit, eine Art analoger Wavetable ist das jedoch nicht.

Mit Sync und FM stehen noch zwei Funktionen bereit, mit denen man das Klangspektrum erweitern kann. Dabei kommt einem der weite Stimmbereich von sechs Oktaven entgegen.

3 VCOs garantieren einen satten Sound

3 VCOs garantieren einen satten Sound

 

Das Filter agiert entweder als klassischer Tiefpass oder als eine Hoch-/Tiefpass-Kombination. Der Klang ist sehr ausgewogen und trägt (natürlich) den gewissen Moog-Charakter in sich. Für Freunde von Filtern mit ausgeprägtem Eigenklang im Sinne von Sherman, MS20 oder WASP mag das Voyager-Filter vielleicht zu rund sein. Hier zeigt sich, wie beim gesamten Gerät, die Ausrichtung auf die musikalische Anwendung. Als extremer Klangverbieger oder Effekterzeuger eignet sich dieser Synthesizer eher weniger.

Die Hüllkurven sind ihren gängigen Aufgaben für VCF und VCA zugewiesen. Der LFO lässt sich neben einigen anderen Steuerquellen über zwei Modulationsbusse verschiedenen Zielen zuweisen. Hier kann die Filterhüllkurve den gesyncten VCO 2 steuern oder ein Oszillator zur Filter-FM herangezogen werden. Für eine dynamische Steuerung der Modulationstiefe können Velocity und Mod-Wheel in den Bus mit eingebunden werden.

vom Mixer mit den typischen Minimoog-Schaltern geht es in das Filter

vom Mixer mit den typischen Minimoog-Schaltern geht es in das Filter

 

Rein und (irgendwie auch) Raus

Old School – das bedeutet nicht nur die Abwesenheit von MIDI, sondern auch die Anwesenheit von CV und Gate. Der Voyager OS lässt sich über zehn CV- und vier Gate-Eingänge mit ebenso unmodernem, externem Equipment ansteuern. Neben Tonhöhe (CV > Pitch) und Notenlänge (Gate > Hüllkurve-VCA) lassen sich die weiteren Funktionen auch mit Modulationsquellen steuern, die der Voyager selber nicht besitzt. Da kämen beispielsweise komplexere Hüllkurven, Theremin-Controller oder analoge Stepsequenzer in Betracht. Und ist doch einmal MIDI gefragt, wird hier ein MIDI-CV-Interface angedockt. Da reicht ein einfaches Doepfer MCV aus, das beim Test problemlos funktionierte.

CV/Gate-Eingänge an Bord - Ausgänge aber nur optional

CV/Gate-Eingänge an Bord – Ausgänge aber nur optional

Ausgänge stehen über den Accessory-Port zur Verfügung. Mit Hilfe des optionalen VX-351 Expanders lassen sich die CV- und Gate-Signale des Voyagers abgreifen, um sie einem Modularsystem oder einem Moogerfooger-Pedal zuzuführen. Das OS-Serienmodell wird auch über Key CV- und Gate-Out verfügen, sodass man mit dem Keyboard auch ohne den VX-Expander ein weiteres Gerät ansteuern kann.

über den VX-Expander lassen sich die CV-Signale des OS nutzen

über den VX-Expander lassen sich die CV-Signale des OS nutzen

1 2 >

Klangbeispiele

  1. Avatar
    marko

    Ich konnte den OS auf der Musikmesse in Frankfurt ausgiebig testen. Mal abgesehen von den kleinen Unzulänglichkeiten in der Optik und Haptik etc. des Prototyps die später behoben sein sollen, ist erwirklich gut…aber nicht so gut, dass mein guter alter Minimoog Angst bekommen müßte.

    Bin gespannt auf den ausführlichen Test.

  2. Avatar
    Lebon

    Das scheint ein wunderbarer Synthesizer zu sein, nur sind solche grottig-grausamen Audiodemos diesem ziemlich unwürdig. Kennt ihr niemanden, der das mal anständig vorspielen kann? Schade drum.

  3. Avatar
    piet

    Sorry, aber 2500 Euronen für ein Stück Hardware ohne Midi und Monophon ist wohl doch fast sowas wie ne Frechheit. Die Leute von EMC sollten mal darüber nachdenken das Champagner auch nur Sekt ist.

  4. Avatar
    Stephan

    danke für die Preview. Bin schon gespannt auf den Test.

    @Lebon: Kann dir nur beipflichten, soundmäßig geht da noch mehr und vor allem interessanter. Die Soundbeispiele hier hätte ich weggelassen.

    @piet: Preis ist immer relativ. Bestimmt zahlt man bei Moog auch den Namen mit, aber wo macht man das nicht? Der Voyager zählt neben dem Klang zu den am wertigsten verarbeiteten Synths, da bin ich gerne bereit, ein wenig mehr zu zahlen.

    Zum Glück gibt's noch Hersteller, die diese Erbstücke bauen. Schau dir z.B. mal einen Prophet08 zum Vergleich an. Da kriegst du 8x so viele Stimmen in die Tüte, für weniger Geld. Ist doch geil, oder?

    Ein M5 ist noch teurer als der OS und hat noch nicht mal Tasten. Sollte man verbieten sowas. ;)

  5. Avatar
    Nudel

    Also Midi hätte man Ihm schon spendieren sollen. Reicht ja in und thru. Aber warum sind bestimmte Positionen an den Reglern blau markiert??

    • Profilbild
      der jim RED

      Die blauen Markierungen sind Default-Positionen für die Regler. Man will damit Trouble-Shooting erleichtern, falls mal doch der Überblick verloren geht. Ob das auch so in der endgültigen Version auf der Oberfläche ist war noch nicht ganz klar.

  6. Avatar
    piet

    Vielleicht sollte man mal ein paar Bilder vom Innenleben zeigen sodaß man die edle Analogtechnik auch mal bewundern kann um zu sehen ob die Kohle wirklich gerechtfertigt ist. Ich denke da an ne Platine mit Transistoren die sich zur Moogkaskade zusammenfinden.

    • Profilbild
      der jim RED

      Das Innenleben war wie gesagt noch nicht in der endgültigen Version. Auch wenn sie es ist, spiegelt sie doch nicht die wirklichen Herstellungs- und Entwicklungskosten eines Gerätes wieder. Zumal das ja nur für Elektronikexperten wirklich informativ ist, wozu ich und vermutlich die meisten Musiker nicht gehören.
      Klar ist der OS teuer, durchaus ein Luxus-Artikel. Aber macht man die Entscheidung zum Nicht-/Kauf an den Transistoren fest? Eher doch am "Gesamtpaket".

      • Avatar
        piet

        Wenn ich mir solch ein Gerät kaufen würde wäre für mich das Innenleben auf jeden Fall ausschlaggebend denn Analog bedeutet für mich einfach Hardware in Form von Transistoren, Dioden, Widerständen und u.u. auch Cips ala Curtis oder SSM. Eine Platine mit drei oder vier Sharc-DSP hat einfach nicht den Namen Analogsynth verdient.Also entweder Richtig oder Nicht. Wie gesagt, meine persönliche Meinung dazu.

    • Avatar
      Cornel

      Die Filterkaskade ist bei den "neuen" Minis nicht mit Transistoren aufgebaut, sondern mit ICs, die eine Transistorschaltung beinhalten. So erspart man sich die mühsame Selektierung und klingen tut es trotzdem nach Moog.

    • Avatar
      Nudel

      Lt. Schaltung sind die Transistoren in IC CA 3086.
      Sieht wohl nicht so schön aus.
      Siehe Innenansicht Voyager weiter unten.

  7. Avatar
  8. Avatar
    Felix

    joa der preis is wirklich krass und die audio demos haben mich persönlich jetzt auch net vom hocker gerissen..

  9. Avatar
    • Avatar
      piet

      @Stephan. Beeindruckendes Innenleben. Heftig. Wenn der Voyager innen so oder ähnlich ausschaut ist der Preis gerechtertigt.

  10. Avatar
    dreitagebart

    Wer um alles in der Welt soll so etwas kaufen? Ich jedenfalls nicht, ich bleib bei meinem Phatty, der hat Midi, Speicher und einen feeeettttttttttten Supersound.

  11. Avatar
    Dieter Herten

    Echt mega krass. Vielleicht sollten die sich mal wieder mit einem Herrn Rudi L…. einigen.

  12. Avatar
    Felix

    Speicher is wirklich das mindeste was mann erwarten sollte, will ja nicht die ganze zeit meinen Sampler neben her laufen haben ;) wobei es dann auch nur noch samples sind und nicht mehr

  13. Profilbild
    der jim RED

    Hallo an alle – Danke soweit für positive wie negative Feedback.
    Tja, der OS ist tatsächlich nicht für Jedermann relevant, noch nicht mal für die Majorität. Deswegen kann man ihm aber nicht pauschal die Existenzberechtigng absprechen. Gerade im Livebereich z.B. bei Fusionbands oder klassischem Ami-Rock wo man oft noch alte Analog auf der Bühne sieht, bietet sich der OS meiner Meinung nach gut an. Mit dem Konzept kann man sich anfreunden oder eben nicht, es gibt beide Lager – und keins wird das andere jemals überzeugen ;) Wozu auch?

    Wegen Audio, ich nehm die Kritik ernst (aber nur wenn freundlich formuliert). Leider war der OS wirklich nur auf Sehrkurzbesuch hier, schaun mer mal weiter wenn der "Echte" da ist.

  14. Avatar
    Sigmuntowski

    Gleich zwei Kommentare: 1. Die Soundbeispiele sind – das wurde jetzt 10.000 Mal gesagt, und ich sage es auch noch einmal – nicht aussagekräftig; sie klingen weder nach "Moog" noch nach "analog" und hätten gut und gern auch von einem Freeware-Plugin stammen können. Daher bin ich gespannt auf die Soundbeispiele des richtigen Tests.

  15. Avatar
    Sigmuntowski

    …und der zweite Kommentar: 2. Am Voyager Old School werden sich die Geister noch viel mehr scheiden. Ich prognostiziere Big Briar keine guten Absatzchancen für dieses Gerät. Erstens gibt es für die Hardcore-Analogfreaks (ja, die Jungs ohne Midi und Speicher und so) bei in etwa gleichem Preis die Entscheidung "Voyager Old School" oder "echter alter Minimoog" – die Wahl wird mit Sicherheit auf den original Minimoog fallen, weil die alte Kiste nämlich einfach mehr Fett hat. Wer dann über den Preis stöhnt, dem bieten sich preiswertere Alternativen an, die nicht weniger pur analog sind (siehe Kommentare weiter oben). Und zweitens: die Midiabhängigen werden entweder ihren normalen Voyager behalten oder zum (preiswerteren) Li'l Phatty greifen. Preispolitisch wird Big Briar hier ein Eigentor schießen – sinnvollerweise hätte man vielleicht eine nicht-digitale Variante des Little Phatty konzipieren sollen…

  16. Avatar
    Xpander

    Die vielen CV und Gate Eingänge sind für Modular-Synth-User eine sehr interessante Sache. Das der OS dann keine Sounds abspeichern kann ist dann auch nur konsequent.Ich sehe den OS-Moog als ein Modul-Synth-Zubehör mit (hoffentlich) geilen Potis und Tastatur. Werde ihn auf jedenfall mal antesten.

    Jörg

  17. Avatar
    Analogulator

    Ich kann ja mal wieder nur schmunzeln… Klar, jeder Keyboarder sollte in der Lage sein, on the fly live seine patches mit vielen Knöpfchen einzustellen… denn das paßt so gut zum Hype seit dem Moog und Co revival dieser Tage… Ausprogrammierte Presets sind uninteressant, es lebe die Spontanität ;)
    Kommt mir ein wenig vor, wie wenn Pianisten jetzt als richtige "Keyboarder" ab sofort auch live ihren Flügel stimmen können sollen…
    Wie wär's denn mit dem Live Einbau einer Midi Schnittstelle on the fly, wäre sicher auch 'ne nette Performance ;)

  18. Avatar
    Zack

    Weiß nicht, was an dieser Pseudo-Retro-Errungenschaft nun so toll ist – und das bei DEM Preis? Wenn es den Voyager nicht gäbe, wäre es ok. Wer aber Geld für den Old School hat, kann sich auch den Voyager zulegen und hat das bessere Gerät. Wer meint auf Speicherplätze (+ MIDI) verzichten zu müssen, macht sich selbst was vor, denn das kann der Voyager auch, indem man diese Funktionen einfach nicht nutzt. Zum Schrauben gibts ja noch genug.

  19. Avatar
    nguoduc

    Naja, ich finde den eigentlich Klasse. Auch wie schon erwähnt als Modularzubehör. Außerdem gibt es doch genug gute MIDI-CV-Interfaces, die den OS auch MIDI-steuerbar machen. Naja, zum Preset merken muss man dann wohl die guten alten Zettel zur Hand nehmen und alles aufschreiben…..und seien wir mal ehrlich, wie viele Leute steppen beim Synthi die Presets durch und drehen nur am Cutofff Regler und nennen das dann Sounddesign?\r\n\r\nHier ist man halt zum Forschen gezwungen. Weniger ist halt oft auch mehr!

  20. Avatar
    babo

    ich freue mich sehr darauf ihn vor augen und händen zu haben.
    das schöne ohne digitale rastereung
    sind die feinen parameterfahrten
    und die ständige erneuerung des klanges, weil man nicht nur durch die schon abgelegten surft. ohne digitale technik wird er auch langlebiger sein. bei einem in s m d –
    bauweise gebauten synth wie dem
    evolver oder prophet 08 kannst du, wie bei mir geschehen nur noch mit dem gehäuse was anfangen, und nicht wie bei den
    meisten alten schlachtschiffen
    in reperatur begeben wenn er kränkelt. wer einen synth wie den o.s. kauft kennt die parameter und weis
    wie ein klang aufgebaut ist oder will es eben lernen.

  21. Avatar
  22. Profilbild
    Goofy

    Zunächst einmal ‚Glückwunsch zu dem Bericht‘. Vor kurzem habe ich gebraucht einen Voyager Old School erstanden und der Bericht hat mir dabei doch den letzten Zweifel ausgeräumt. Denn auch gebraucht war der OS immer noch teuer genug. Aber der Sound läßt einen den Preis vergessen.
    Ich kann den Kollegen zustimmen, einen Speicher brauche ich beim OS ebensowenig wie bei meinen Yamaha CS-10 und CS-15.
    Midi wäre nicht schlecht um die gute Tastatur auch für andere Geräte zu nutzen, dann könnte ich den OS mit meinem Waldorf Pulse doppeln – oder so… .
    Speicher sind manchmal nicht schlecht doch verleiten sie dazu einen Grundsound mit verändertem Cutoff hundertfach im Speicher zu haben.
    Ich bereue jedenfalls nicht den OS gekauft zu haben. Ein tolles Instrument mit sehr gutem Klang, sehr guter Hardware und spitzenmäßiger Verarbeitung.

  23. Profilbild
    studiodragon

    Also, ich hatte damals einer der ersten Minimoog Old School geschnappt, und es bis heute immer noch nicht bereut.
    Von der Verarbeitung bis zum Sound da stimmt einfach alles …

Kommentar erstellen Kommentar erstellen Leser-Story erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

Über den Autor

Bewertung

Moog Voyager Old School

Bewertung: 5 Sterne Bewertung des Autors
Leserbewertung: 5
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.

Hersteller-Report Moog

AMAZONA.de Charts

Aktion