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Test: Moog Minimoog Voyager XL, Analogsynthesizer

28. Mai 2011

Minimoog XXXXL

Moog ist Moog. Der Voyager ist seit seiner ersten Version noch zu Robert Arthur Moogs Lebzeiten in die Welt gekommen. Nach diversen Farbvariationen und bunten beleuchteten Handrädern wurden gut 5 Jahre später die von MIDI und Speichern befreite Urversion des Voyagers als Voyager OS (Old-School) mit leicht anderem Routing der Modulationsbusse in einer limitierten Auflage veröffentlich und nun ist Monster-Tag. Nicht Maximoog, sondern weiterhin Moog: Minimoog Voyager XL ist der offizielle Name. Der letzte „Bob Moog“ Synthesizer war übrigens der Little Phatty.

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Minimoog Voyager XL steht für …

Der Moog Voyager XL ist wie ein Anbau an den Voyager zu verstehen. Die Doppelhaushälfte bekommt eine Garage. XL steht für eine größere Tastatur, ein Patchfeld und einen Ribbon-Controller im Vergleich zum Standard-Voyager. Ebenfalls direkt zu erkennen ist, dass die Anschlüsse von hinten nach vorn gerutscht sind. Er ist daher natürlich nicht ganz ein umgebastelter Standard-Voyager. Lediglich Audioausgänge und der externe Eingang sitzen hinten. Zudem finden sich dort zwei Schwanenhals-Lampen-Anschlüsse und die drei MIDI-Buchsen. Er ist schwer. Das Gewicht ist mit 22,5 Kilo eher für das Studio geeignet. Die Tastatur ist dynamisch, bietet Aftertouch und liegt insgesamt im guten Mittelfeld was Spielgefühl und Qualität angeht. Der XL möchte Steuerkeyboard sein für alle, die nicht unbedingt eine Klavier-Hammer-Tastatur wünschen, was für einen monophonen Synthesizer dieser Art sicher kein großer Wunsch sein dürfte.

Unterschiede – Voyager vs. Voyager XL

Der genaue Unterschied des Moog Voyager XL in Stichpunkten zum normalen Voyager sind:

  • zweiter LFO bis 20 Hertz, spannungsgesteuert, Synchronisationseingang
  • 2 Abschwächer mit Offsetausgleich
  • Mischeinheit mit 4 Eingängen, Offsetausgleich und 2 Ausgängen
  • Glättungseinheit (LAG)
  • großes Ribbon mit Hold-Funktion und Triggerausgang bei Berührung
  • 3 Multiples (Verbindungsbrücken)
  • 5-Oktaven-Tastatur (anschlagdynamisch, Aftertouch), 2 Lampenanschlüsse

Generell an Bord der Voyager-Serie sind abgreifbar, bzw. zuführbar

  • Hüllkurvensignale (Gate, Signal, Release Zeit, Zeiten)
  • LFO mit 2 Schwingungsformen und Sample and Hold mit Glättung und stufig
  • Tastaturspannungen (CV, Gate, Dynamik und Aftertouch)
  • Touchfeld (Trigger, X und Y-Position und mit der Hand abgedeckte Gesamtfläche)
  • Weißes Rauschen
  • Gesamt-Tonhöhe und Wellenform der Oszillatoren
  • Handräder
  • Filter und VCA

Aufbau des Moog Voyager XL

Der Moog Voyager XL bietet zwei Oszillatoren mit stufenloser Regelung der Schwingungsform von Dreieck über Sägezahn bis hin zum Rechteck, welche bei Modulation auch eine Pulsbreitenmodulation erfahren kann. Moduliert werden die Schwingungsformen aller drei Oszillatoren gleichzeitig. Es gibt eine harte Synchronisation zwischen den ersten beiden Oszillatoren, und die Frequenzmodulation des ersten Oszillators durch den dritten ist möglich. Ebenso kann der dritte Oszillator von der Tastatur abgetrennt werden und damit als Modulationsquelle ohne Keytracking dienen.

Die Mischsektion ist sehr aufwendig und mit Schaltern und Potis ausgestattet, obwohl die Nullstellung des Knopfes eigentlich ausreichen würde. Das Weisse Rauschen und das externe Signal haben ebenfalls ein eigenes Bedienelement. Die Voyager-Serie hat zwei Filter, welche als Doppeltiefpass oder als Hochpass-Tiefpass-Kombination schaltbar sind. Der Doppeltiefpass ist interessant für stimmenähnliche Klänge und „Phasing“-Sounds. Über das Displaymenü ist die Flankensteilheit von 6 bis 24 dB pro Oktave und Filter einstellbar. Die Resonanz ist nur beim Tiefpass wirksam. Die Steuerung des zweiten Filters erfolgt durch den Spacing-Knopf als Versatz gegenüber dem Haupt-Cutoff-Regler. Die beiden Hüllkurven sind Filter und Lautstärke zugeteilt und haben ADSR-Charakteristik.

Das Betriebssystem des Voyager XL

Der Moog Voyager XL ist zwar analog, aber auch er hat eine Software. Sie unterscheidet sich vom normalen Voyager jedoch nicht wesentlich. Die Menüs sind daher identisch mit dem „kleinen“ Voyager. Über das Display werden Klänge gespeichert, Triggertypen festgelegt oder alternative Routings für die beiden Modulationsbusse definiert oder die Ziele des eingebauten Touchpads festgelegt. Es gibt auch die Möglichkeit, die Fläche des Pads als Steuerquelle anzugeben.

Die Modulationsbusse erlauben auf Basis der Hauptcontroller, Modulationsrad und Pedal, die Funktion einer Modulationsmatrix mit Sidechain abzubilden. Die Schwingungsformen des LFOs sind für jeden Bus unterschiedlich wählbar. Ungewöhnlich ist auch die Einbeziehbarkeit der Frequenzmodulation der Oszillatoren. Wenn das gewünschte Ziel oder Quelle nicht aufgedruckt zu finden ist, kann man über ein Menü diese festlegen und dennoch spontan umschalten.

Modulationsmatrix

Damit besteht die „Modulationsmatrix“ des XL ebenfalls zwar nur aus zwei Einträgen, dafür haben sie aber auch eine sehr große Flexibilität, und über das Menü kann sogar der Oszillator 1 sich selbst modulieren. Die Intensität dieser Modulation ist ebenfalls steuerbar. Die klassische Einstellung ist, dass beim Betätigen des Modulationsrades der LFO per Dreieck die Tonhöhe aller Oszillatoren steuert, um ein Vibrato zu erhalten.

LFO

Der LFO und die Sample and Hold Schaltung sind über den Weg der Modulationsbusse nutzbar. Dafür muss man nichts speziell verschalten. Wie bereits angedeutet, kann vom gleichen LFO pro Bus je Rechteck und Dreieck gleichzeitig abgenommen werden. Das Dreieck wird als Eingang für die Sample and Hold Schaltung verwendet, um die bekannten getakteten Zufallsmodulationen zu erhalten.

Wem dieser und der zusätzliche bisher noch nicht erwähnte „XL-LFO“ (LFO2) zu wenig ist, kann den dritten Oszillator im klassischen Minimoog-Stil als LFO umschalten. Natürlich muss hierfür einer der Modulationsbusse eingesetzt werden. Auch das Filter ist durch Oszillatoren zu modulieren. Es gibt keine „hart verdrahteten“ Modulationsverbindungen. Alles weitere wird über das Moog Voyager XL Patchfeld gemacht. Bis hier hatten wir es mit dem Voyager zu tun …

Patchfeld – nur im XL

Alle zusätzlichen Funktionen sind über das Patchfeld herzustellen, es gibt keine spezielle XL-Eintragung im Menü, außer der XL Startscreen. Das erzeugt ein recht klassisches MS20-Patchkabel-Feeling. Wieso der Korg MS20? Weil dieser semimodular ist und nicht alles im Audioweg frei verschaltet werden kann. Ganz genau betrachtet, entsprechen die zusätzlich angebauten Elemente dem Control Processor CP251 und der VX351 Breakout-Box (Voltage Expander), allerdings mit etwas anderem Layout. Noch genauer genommen stammt die Abschwächer-Abteilung mit Offset-Möglichkeit aus dem VX352. Alles, was die VXe anbieten, gibt es auch am XL. Der VX352 ist für die Rackversion des Voyager vorgesehen, während der VX351 die Keyboard-Version erweitert. Da der Moog Voyager XL wenig Anschlüsse hinten hat, liegen insgesamt somit alle wichtigen Ein- und Ausgänge direkt vorn vor, damit man alles leicht erreichen kann. So soll es auch sein, und anders wäre es auch nicht sinnvoll. Die mitgelieferten Patchkabel laden ein, es gleich zu versuchen. Spaß macht es sofort, und man findet sich sofort zurecht.

Der 2. LFO

Der zweite LFO funktioniert anders als der Haupt-LFO. Er hat, ganz klassisch, einen Waveform-Schalter und reicht bis 20 Hertz. Eine angelegte Modulation als Austricksversuch bringt ihn nicht höher als die 20 Hertz. Der LFO ist spannungssteuerbar. Da es auch einen Clock-Eingang gibt, lässt sich durch Anlegen eines Gate-Signals eine dritte Hüllkurve zaubern, denn über den Clock-Eingang kann man ihn dazu zwingen, nur ein Mal durchzulaufen. Gezielte Modulation eines bestimmten Oszillators muss man dem „internen“ LFO überlassen. Wie man das schon vom MS20 kennt, ist nämlich das Steckfeld so ausgelegt, dass man keine Oszillator-FM extern konfigurieren kann, dafür aber im „klassischen“ Teil des Voyagers. Moduliert werden alle Schwingungsformen oder alle Tonhöhen gemeinsam.

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Der Ribbon Controller

Durch die Trigger-Funktion des Ribbon kann man auch ohne Keyboard die Hüllkurven auslösen oder externe Geräte steuern. Es arbeitet immer im Hold-Modus, sodass die zuletzt gedrückte Position gespeichert bleibt. Auch das Touchfeld hat eine Triggerfunktion (Gate-Ausgang). Theoretisch ließen sich mit diesen beiden zwei Analogsynthesizer steuern, während man mit der Tastatur den Moog Voyager XL selbst spielt. Hilfreich ist die schon angesprochene Offset-Funktion des Abschwächers und des Mischbereichs im Patchfeld. Hier lassen sich bis zu 6 Spannungen eingangsseitig einbeziehen.

Diese können nicht nur eine Intensität haben, sondern sind in der Lage, einen tieferen Ausgangspunkt zu haben, damit die Modulation vollständig zur Geltung kommt oder sensible Ziele wie die Pulsbreitenmodulation, beziehungsweise die „Waveform-Verformung“ genau zu justieren sind. Die Abschwächer sind vorverschaltet mit dem Signal des zweiten LFOs und des Ribbons und werden durch Einstecken einer anderen Quelle entsprechend umfunktioniert und spart Kabel.

Patchfeld – ein Beispielpatch

Nimmt man den Abschwächer, führt ihm Weißes Rauschen zu und nutzt das Signal als Trigger für die Filterhüllkurve, so bekommt man ein regelbares, fast „granulares“ Impulsgewitter, sofern man die Hüllkurve kurz und perkussiv eingestellt hat und genug Modulationshub auf das Filter eingestellt ist. Damit lassen sich „Crackling Noises“ mit wenigen Handgriffen einbauen, wie sie inzwischen sogar schon im musikalischen Mainstream (TV) angekommen sind.

Für die Simulation von Handclaps ließe sich diese oder eine ähnliche Schaltung auch nutzen. Die genannten Parameter lassen sich bequem über das Ribbon beeinflussen, wenn man die Eingangssignale zum Filtereingang einfach über das Multiple verdoppelt oder steuerbar über Mixer oder Abschwächer gepatcht werden. Dann sind die Signale nicht voll da oder nicht vorhanden sondern einstellbar.

Außenwelt – Beispiel Modularsystem

Wer ohnehin ein Modularsystem sein Eigen nennt, kann den Moog Voyager XL noch erweitern durch externe Module, und da der Voyager ein sehr vielseitiges MIDI-Interface hat, lässt sich ein großer Teil davon wiederholbar per MIDI aufzeichnen. Es gibt auch zwei Eingänge, die über den Voyager geschaltet externe oder auch seine eigenen Signale in MIDI zurück wandeln können. Das ist quasi wie ein CV to MIDI Interface. Als Beispiel dafür habe ich einen Microkorg verwendet, der über einen externen einfachen analogen Stepsequencer gesteuert wird. Er kann analoge Signale normalerweise nicht verarbeiten, und die intuitive Poti-Reihe eines Analog-Stepsequencers bietet sich an, um die Schwingungsformen des Korg umzuschalten. Normalerweise hat der Microkorg keinen Sequencer wie der MS2000 oder Radias, weshalb der Voyager diese Funktion übernimmt.

Er wandelt die Stepsequencer-Signale in MIDI-Controller um, die auf den für Schwingungsform zuständigen wirken. Dazu kann das Audiosignal des Korg durch das Moog Filter geführt werden und erhält nun einen anderen Charakter. Damit fängt eigentlich die Kreativität erst an, denn der Modulation des Sequencers lassen sich über das Patchfeld weitere Steuerelemente oder einfach ein LFO hinzufügen. Der Sequencer ist in diesem Falle ein sehr einfacher Geselle und tut nichts weiter als 16 Potis nacheinander abzufahren und bietet die Spannungen an. Über den Voyager kann das Signal mittels LAG-Prozessor geglättet werden. So springt nicht pro Takt der Wert einfach um, sondern fließt allmählich zum nächsten Schritt.

Die Schwingungsformen des Microkorg werden in diesem Beispiel nicht einfach radikal umgeschaltet, sondern bewegen sich mit der am LAG einstellbaren Zeit zum nächsten Wert und durchlaufen eine Reihe der dazwischen liegenden Schwingungsformen und erzeugen so PPG-artige Wavetable-Stimmung. Es verbietet niemand, die Glättungszeit des LAG nicht auch während der Einspielung zu verstellen. Das ist Teil der Performance des Musikers. Der Microkorg ist polyphon, sodass man auch Akkorde entsprechend halten kann, allerdings von der besseren Moog-Tastatur aus. Diese ist deutlich feinfühliger zu spielen als die des kleinen Körgchens. Und weil es noch etwas rhythmischer sein darf, lässt sich zum Abschluss noch der VCA des Voyagers zum „Gaten“ verwenden. Da der angeschlossene Sequencer in diesem Beispiel noch eine zweite Spur hat, reicht es, dessen Signale mit dem Gate-Eingang der Lautstärkehüllkurve zu verbinden und diese musikalisch einzustellen (unterschiedlich zur Filterhüllkurve). Jetzt werden die Akkorde immer dann „gegated“, wenn am Sequencer die entsprechende Gate-Spannung erreicht wird.

Nach links bleibt der Akkord für diese Zählzeit stumm, nach rechts wird die Hüllkurve auslösen und ein anderes Muster als die selbstgebastelte „Wavetable-Synthese“ ausgeben und die Sache spannend halten. Auf dem Moog Voyager XL muss man lediglich die passenden Akkorde spielen und den Microkorg per MIDI anschließen und natürlich die richtigen Verbindungen herstellen sowie im Menü den richtigen MIDI-Controller heraussuchen und zuweisen. Zumindest hat der Korg jetzt ein analoges Filter und einen Modulations-Sequencer und Moog-Filter. Analoge Sequencer sind heute recht günstig zu bekommen und müssen nicht mehr besonders groß oder teuer sein.

Spaßfaktor Voyager XL

Muss man jetzt erwähnen, dass das Spaß macht? Und wie, weil fast alles möglich ist und recht wenige Handgriffe erfordert. Auch wenn man keine externen Geräte anschließt wie hier im Beispiel. Dafür sind nur wenige Kabel zu stecken. Da die MIDI-Controller anderer Synthesizer ebenso steuerbar sind, lässt der Voyager als eine Art Steuergerät für das ganze Studio, als Bearbeitung und auch seine komplette Ansammlung von Baugruppen einsetzen.

Möchte man, dass die Voyager-Oszillatoren ebenfalls mit erklingen, muss man sie nur im Mixbereich dazu schalten. Wer dazu passend die Frequenzmodulation im „Takt“ des Sequencers nutzen wollte, damit auch er nicht statisch klingt und das Ganze vielleicht mit dem Ribbon etwas beeinflussen möchte, kann das auch tun. Um passend zum Stepsequencer vielleicht die Tonhöhe noch zu steuern, kann man die Steuerspannung der XL-Tastatur dem Signal des analogen Sequencers hinzufügen. Das Ergebnis dieser Aktion wäre beim Microkorg eine andere Gruppe von Schwingungsformen je nach Spielposition auf der Tastatur.

Die so entstehende Klangfläche würde sich ständig verändern, und dennoch würden sich bestimmte Muster wiederholen, da kann der Kollege mit seinem Trancegate aus irgendeinem „vituell Analogen“ vermutlich einpacken, da er sich zunächst erst einmal ein CV to MIDI Interface kaufen müsste, einen Gater und einen Modulations-Sequencer bräuchte er auch. Mit dem XL ließe sich aber auch dieser VA entsprechend einbinden. Es gibt bekanntlich einige MIDI-Interfaces für Analoge, aber sehr wenige Interfaces, die Analogsignale in MIDI wandeln. Die Anpassbarkeit ist durch die Offsetfunktionen besser als beim normalen Voyager.

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Fazit

Das mit den Kabeln macht großen Spaß und ist intuitiv. Es muss natürlich nicht so komplex sein wie in dem geschilderten Beispiel, aber es ist alles spontan und direkt. Ebenso angenehm ist es, dieses imposante Gerät vor sich zu haben, auch wenn man nicht unbedingt etwas mit Nerds zu tun hat und einfach spielerisch arbeiten will. Das Vergnügen ist angesichts des Preises sicher nicht für jeden möglich, und die Ausgabe von fast vier Kilo schweren Euros will überlegt sein. Das Beispiel hat hoffentlich deutlich machen können, weshalb eine große Tastatur sinnvoll sein kann.

Der Moog Voyager XL fühlt sich solo aber auch mit einigen externen Geräten verschiedener Technologie wohl, er ist quasi der Vermittler zwischen den Welten. Ein persönliches Wort hänge ich selten an und noch seltener in „Ich-Form“. In diesem Falle sei jedoch gesagt, dass der XL bei Ankündigung mir eher seltsam vorkam. Kann man das Geld nicht sinnvoller anlegen? Braucht man das denn unbedingt? Vielleicht nicht unbedingt. Man kann auch einen normalen Voyager kaufen mit den ganzen Zusatzgeräten und ein Ribbon oben drauf stellen. Es fügt sich zu meinem Erstaunen sehr gut in die Umgebung ein. In diesem Falle die eines Musikers mit starkem Hang zu allen elektronischen Richtungen (also alle). Das schwere Instrument dürfte vielleicht nicht die erste Wahl für eine Bühne sein, würde aber dort gut aussehen, oder?

Die Geschwindigkeit, mit der man patchen kann, ist nicht mit der des normalen Voyagers mit VX- und CP-Erweiterungsboxen zu vergleichen, da dessen Anschlüsse teilweise hinten liegen, ein LFO auf Dauer etwas wenig ist und man schlicht und einfach nicht drauf kommt, ohne wenigstens einen optisch ungelenkten Blick auf die Rückseite zu werfen oder wo immer man die Breakout-Boxen aufgestellt hat. Sie „flattern“ einfach irgendwo herum. Die XL-Möglichkeiten sind mit dem Begriff „smart“ hervorragend umschrieben. Wer das braucht? Spieler, Frickler, Leute, die schnell etwas umpatchen wollen und eher gern intuitiv arbeiten möchten, Bühnentiere und Studiobastler – so wie einst mit dem MS20 ohne Jodeldiplom-Pflicht. Auch wenn weder MS20 noch Moog Voyager XL nicht ganz ein Modularsystem waren, der Voyager hat dafür FM und Sync und klingt eben nach Moog. Ob man Joe Zawinul, NIN, Aphex Twin oder doch eher Air sein möchte, ist egal. Es funktioniert jedenfalls wunderbar und sieht verdammt gut aus. Smart eben.

Plus

  • Performance und Flexibilität
  • Umregistierbarkeit der Modulationsquellen und Ziele im Menü sowie weitreichende Details (Flankensteilheit, Trigger-Modi, Clockteilerjustage)
  • Sound
  • MIDI Umsetzungs und Einbindungs- und Verbindungsmöglichkeiten mit der Außenwelt

Minus

  • Modulation der Schwingungsform und der Oszillatoren über das Patchfeld nur en bloc
  • Preis
  • kein Arpeggiator, Modulations-Sequencer

Preis

  • 4.799 €
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Alex_KIDD

    Hallo an die Gemeinde,

    vielen Dank für den schönen Testbericht, wie
    immer erstklassig.

    Ein wirklich tolles Instrument, bei dem (fast) alles stimmt. Innere Werte, Haptik, Moog eben.

    Bleibt der Preis… nun, ich selber besitze einen
    Voyager und der ist schon jeden Euro wert, aber der Preis der XL Version ist schon nochmal
    ein Pfund mehr, also kurz vorm schmerzlichen
    Aufschrei.

    Sicher, man bekommt eine Menge, und wie moogulator schon schrieb, es flattern und kippeln nicht irgendwelchen externen Geräte
    rum, nur kostengünstiger kommt man schon, wenn man den normalen Voyager verschönern will.

    Moog bleibt Moog, das war so und wird auch so
    bleiben.

    freundlicher Gruß

  2. Profilbild
    Goofy

    Sehr schöner Bericht – Respekt und Danke.

    Etwas an dem XL verwirrt mich, was nützt mir der beste abgespeicherte Sound, wenn ich später nicht mehr weiß was ich dabei wie gepatcht hatte? Für mich würde da ein Voyager Old School XL mehr Sinn machen – da entstehen alle Sounds ständig neu.
    Für die Bühne ist es sinnvoll schnell auf einmal gespeicherte Sounds zugreifen zu können – klar, doch dann nehme ich einen ’normalen‘ Voyager. Wenn ich patchen will halte ich den Speicher für überflüssig.

    Sonst muß ich gestehen – ein beeindruckendes Instrument. Aber meinen Voyager Old School tauschen? Ich glaube – nein.

    • Profilbild
      studiodragon  

      Mit meinem Old School zu tauschen hatte ich mir auch schon mal überlegt, aber ehrlich der xl bleibt eher ein Mammut gegenüber dem OS mit seinen 105 cm breite und dicken 28 kg …

  3. Profilbild
    Filterpad  AHU

    Fragen über Fragen: Klingen alle neueren Moog´s gleich? Was ist der Unterschied „Normalversion zur XL – Version“ (also klanglich gesehen)? Wie schaut es aus mit dem Vergleich „little Phatty“ (klanglich). Vergleichbar oder komplett andere Liga? Welcher ist der Beste? Kann man das überhaupt sagen? Welcher ist am einfachsten zu bedienen? Gruß

    • Profilbild
      moogulator  AHU

      Voyager Serie klingt identisch, Little Phatty ist einfacher. Wirklich schwer zu bedienen sind sie beide nicht und der XL klingt in dem Sinne nicht anders, man kann nur mehr machen wegen des Patchfeldes.

      Phatties klingen ähnlich, können aber deutlich weniger, nur der Overdrive klingt anders als die V’ger und haben einen Arpeggiator. bis aud den sind die V’ger den Phatties überlegen, klingen aber nicht schlechter, haben aber nur 2 Vcos..

      Also identische Liga alles und alles einfach zu bedienen. Nur die Routings einzustellen erfordert in etwa die Lernkurve wie ein „VA“ also einem heutigen Digitalsynthesizer mit Modulationsmatrix, wie Radias, Virus Ti2 etc..

        • Profilbild
          moogulator  AHU

          Na, die beiden Modulationsbusse sind gemeint. Die gibts im Phatty nicht, dh. man kann weniger machen, es gibt eingeschränktere Möglichkeiten im Vergleich zum V’ger. Und weil einige Ziele und Quellen übers Menü gesteuert werden, ist es gut wenn man ein wenig im Thema Synthese ist. Diese Modulationsbusse sind so ähnlich wie eine Doppel-Modulationsmatrix, also mit einer Quelle und einem Ziel: Sagen wir mal Modwheel steuert Filterfrequenz und wie viel wäre eine EInstellung, die eben die Steuerung des Filters über das Mod-Rad ermöglicht. Wenn du aber zB das Vibrato, welches vom LFO kommt steuern willst (nicht fest haben willst), zB über Aftertouch dann gibt es eine sgnt. Sidechain, ein zweiter Modulationseingang der eben diese Verbindung steuert.

          Das alles kann der Phatty nicht, der V’ger hat davon 2 und die Menümöglichkeiten erweitern um nahezu alle anderen Parameter, zB kann man so eine FM eines Oszillators mit sich selbst herstellen – zusätzlich zu der vorgesehenen, aber eben nur, wenn man im Menü VCO1 als Quelle und Ziel einstellt. Das zu verstehen ist nicht unmöglich, aber sicher etwas komplizierter als beim Phatty, wo es das einfach nicht gibt. Da sind nur ein paar vorgegebene Sachen für den LFO und gut is‘.

          Das ist jetzt etwas technisch, aber ansonsten siehst du ja – der V’ger hat Knöpfe für alles, bis auf diese Routingziele/Quellen-Liste. Man hat ja die gängisten verfügbar an den beiden Bussen.

          Würde ich nach eigenem Ermessen entscheiden. Auch zwischen den versch. V’ger Modellen, denn da gibts es wie du im Text lesen kannst ein paar, aber eigentlich nur noch 2, die es heute noch gibt, einer davon ist der XL, der Rest sind div. Versionen des normalen V’gers und der Old-School ist ja ausverkauft. Der hat übrigens einen festen Modulationsbus und keine Menüs, deshalb hat man VCO2 als Quelle dort auch drin so als Kompromiss.

          Sorry, ist jetzt recht tech-lastig, aber das ist in der Tat der wichtigste Unterschied, abgesehen davon, dass der Phatty natürlich 2 statt 3 VCOs hat…

          So wie früher Minimoog und Prodigy…

  4. Profilbild
    Rico Müller

    Hallo,

    ist zwar schon ein älterer Test…..

    Ich hatte bislang den slim phatty und nun den XL.

    Sündhaft teuer, immer noch. Für das Geld kriegt Mann zwei sub phattys und ’nen schicken Virus Ti, oder fast zwei Andromedas oder prophets.

    Mit der Vorgabe hätte Mogg aber nicht einen davon unters Volk bringen dürfen. Da ist noch was anderes.

    So wie der Unterschied zwischen nem GTI und nem Porsche GT3, wie Lachs aus Aquakultur und nem Alaska red king, das bessere ist halt immer noch der Feind des Guten, das eine ist ok, das andere willst Du immer und immer und immer wieder. Über Sinn und Unsinn denkt Mann da nicht mehr nach. Mit nem phatty macht man Musik, im Voyager will man sich suhlen wie die Sau im Morast (zumindest in meinem Alter, wenn andere Vergnügungen langsam an Wertigkeit verlieren ;)

    Rico

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