Test: Orange Rocker 32, Gitarrenverstärker

26. Dezember 2017

Klassiker mit Stereoröhrenendstufe

Auch der legendäre Verstärkerhersteller Orange wird nicht müde, neue Modelle am Verstärkermarkt zu präsentieren. Diesmal handelt es sich um einen Röhrenverstärker mit zwei unabhängigen Monoendstufen (stereo). Beide Endstufen leisten je ca.15 Watt, welche von zwei EL84 Endröhren erzeugt werden. Man könnte sich durchaus auch zwei Orange Tiny Terror Modelle in einem Combogehäuse darunter vorstellen. Dass diese Annahme nicht weit von der Realität ist, wird auch der Verlauf dieses Tests zeigen.

Mein allererster Gitarrenverstärker war ein gebrauchter Orange Overdrive (OD80) Combo mit zwei 12″ Lautsprechern (mittlerweile „Vintage“), den ich auch bis heute nicht verkaufte, da diese Modelle nur noch selten anzutreffen sind. Auch ein Tiny Terror Modell befindet sich in meinem Besitz, deswegen war ich gespannt, wie sich der Rocker 32 im Test verhalten würde. Schauen wir uns nun den Combo einmal genauer an!

Orange Rocker 32 front

— Der Orange Rocker 32 —

Facts & Features

Natürlich ist die Optik des Verstärkers wieder einmal typisch Orange. Hier sieht man die bekannten Knöpfe, die eigenwillige Beschriftung der Bedienelemente, das Logo und die berühmte hellbraune Lautsprecherbespannung. Selbstverständlich ist der Comboverstärker auch mit orangefarbigem Tolex bezogen. Der Rocker 32 ist übrigens darüber auch in Schwarz zu bekommen, dieser Look käme dem einen oder anderen Metalfreund wohl eher entgegen. Die Abmessungen des Orange Rocker 32 von 58 x 46 x 29 cm sind recht kompakt geraten. Der Combo kann mit seinem Gewicht von 23,3 kg noch einigermaßen bequem mit einer Hand transportiert werden, ohne dabei Schäden an den Bandscheiben zu verursachen.

Verarbeitung

Die Verarbeitung ist wie sooft bei Verstärkern der Firma Orange ausgesprochen stabil und roadtauglich, da das zum Einsatz kommende Holz eine ordentliche Stärke besitzt. Ein stabiler Griff ist gleichermaßen an Bord, wie schwarze Metallecken zum Schutz der Kanten beim Transport. Die entstehende Wärme wird durch ein schwarzes Gitter an der Oberseite des Combogehäuses sicher ausgeleitet. Leider ist zu beanstanden, dass an zwei Stellen auf der Rückseite, an denen das aufgeklebte Tolex keine perfekte Verbindung zum Holz aufweist und somit kleine Blasen aufwirft.

Lieferumfang des Orange Rocker 32

Abgesehen vom sicher verpackten Verstärker selbst und dem zum Betrieb notwendigen Kaltgerätekabel bekommen wir nichts weiter mitgeliefert.

Preamp

In der Vorstufe befinden sich zwei ECC81. Diese Röhre generiert nicht so viel Gain wie die, welche normalerweise deutlich häufiger in Vorstufen von Röhrenverstärkern eingesetzte ECC83. Wie wir später hören werden, kann die Vorstufe jedoch auch hiermit eine ordentliche Portion Verzerrung produzieren.

Orange Rocker 32 panel

— Lediglich spartanisch ausgestattet —

Klarer Kanal

Die Features des klaren Kanals sind schnell aufgezählt. Wir finden lediglich einen Lautstärkeregler, das nenne ich wirklich spartanisch! Manchmal ist weniger ja auch mehr, aber hier trifft die Definition „zu wenig“ eindeutig am besten zu. Jeder Gitarrist weiß, dass man sich in einer Livesituation häufig dem Raum bzw. den Bühnenverhältnissen anpassen muss. Einige Räume schlucken viel Bass, andere sind sehr bassig. Da wir hier nur eine Klangregelung für den Overdrive-Channel an Bord haben, wird eine Anpassung des Clean-Channels an die akustischen Verhältnisse der Bühne hier leider erschwert bzw. ist nicht fein genug justierbar.

Viele Verstärker haben einen Federhall oder auch (mittlerweile häufig anzutreffen) einen digitalen Hall an Bord. Ein solcher würde dem klaren Kanal des Orange Rocker 32 durchaus auch gut tun. Wahrscheinlich geht man seitens der Entwickler aufgrund der Stereoendstufe des Verstärkers davon aus, dass hier digitale Hallgeräte in Stereo oder auch ein Multieffektgerät im Stereobetrieb zum Einsatz kommt.

Verzerrter Kanal

Hier gibt es zumindest etwas mehr zu berichten. Natürlich finden wir einen Gain-Regler, der den Grad der Übersteuerung einstellt. Die Klangregelung ist dreibandig, wir müssen also auf einen Präsenzregler verzichten, obwohl dieser bei Röhrenverstärkern durchaus sinnvoll ist. Des Weiteren existiert noch ein Mastervolumen-Regler, das war’s.

Der Kippschalter auf der rechten Seite des Panels verschafft dem Orange Rocker 32  Strom. Der linke Kippschalter schaltet zwischen den beiden Kanälen des Verstärkers um. Die Umschaltung kann auch mit einem Fußschalter (z.B. Orange FS-1) vorgenommen werden, der sich jedoch nicht im Lieferumfang befindet.

Die Leistung beider Endstufen kann auf 7 Watt pro Seite reduziert werden, wie dies auch beim Tiny Terror Modell aus eigenem Haus erfolgt. Hierbei werden die Endstufenröhren als Trioden betrieben und liefern so weniger Leistung bei einem etwas wärmeren Klang. Die resultierenden 7 Watt Leistung reichen dann aber meist nicht mehr für eine ausreichende Beschallung einer Bühne aus. Der Lautstärkeunterschied zwischen der 7 und 15 Watt Einstellung fällt gefühlt verhältnismäßig klein aus. Für einen „Schlafzimmerbetrieb“ sind die 7 Watt zu laut.

Orange Rocker 32 logo

— Das traditionelle Orange-Logo darf natürlich nicht fehlen —

Klangbeispiele
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