Test: Rock N Roll Relics Heartbreaker, E-Gitarre

2. Juni 2019

Eine Gibson Customshop Paula oder besser doch die Rock N Roll Relics?

Rock N Roll Relics Heartbreaker

Rock N Roll Relics Heartbreaker

Die Heartbreaker ist ein Modell von diversen Klassikern der E-Gitarren Hall of Fame, die sich im Sortiment des Gitarrenherstellers Rock N Roll Relics befinden. Billy Rowe ist ein Musiker aus San Francisco, der selbst lange in der kalifornischen Rockszene unterwegs war und mit Jet Boy in den 80ern spielte. Seine Erfahrung und Liebe zur Gitarre führte ihn dazu, selbst Gitarren zu bauen. In seiner Garage fing er 2005 an, Rock N Roll Relics aus der Wiege zu heben. Wie der Name schon sagt, dreht es sich ausschließlich um „gerelicte“ Instrumente. Hier gibt es ja immer wieder kontroverse Diskussionen, ob man so etwas braucht oder auch nicht. Unabhängig davon und meiner persönlichen Meinung nach hat es mich auf den ersten Blick sehr überrascht, wie authentisch die Gitarren „bearbeitet“ sind und wie viel Liebe zum Detail hier aufgewendet wird.

Der Erfolg gibt ihm recht. Mittlerweile arbeitet er mit einem weiteren Gitarrenbauer/Vollzeit und fertigt, nach der CNC, alles per Hand. Am Puls der Zeit und anscheinend doch eine Nische, die für Absatz sorgt. Unter vielen anderen befinden sich auch bekanntere Kunden wie Billy Joe Armstrong (Green Day), Gilby Clarke (Guns N‘ Roses/Kings Of Chaos), Bruce Kulick (Kiss/Grand Funk Railroad), Rick Nielsen (Cheap Trick), Bob Rock (Metallica and The Cult Producer), Derek St. Holmes (Ted Nugent) wieder. 

Fender und Gibson verkaufen immer noch den höchsten Prozentsatz an Instrumenten. Vor allem im Customshop-Bereich steigen die Absätze, schön dass es auch zunehmend ernstzunehmende Konkurrenz gibt. Mal schauen, was dahinter steckt und ob es sich lohnen könnte, eines seiner Instrumente in die nähere Auswahl zu nehmen.

Rock N Roll Relics Heartbreaker Modelle

Diverse Variationen der Rock N Roll Relics Heartbreaker

Rock N Roll Relics Heartbreaker – Facts & Features

Wie man auf dem Bild ganz gut erkennen kann, liefert Rock N Roll Relics Unikate. Im Stile ähnlich, bei der Heartbreaker handelt es sich natürlich immer um eine Les Paul Kopie, dennoch variiert die Bestückung, die Lackierung und die Nachbearbeitung zur Relic. Hier wird unterschieden in Light, Medium, Heavy und Extra Heavy Aging Stufen.

Bei der im Test besprochenen Heartbreaker handelt es sich um eine Burst mit zweiteiliger Decke, Aging Level Light. Angelehnt an dem berühmten 59er Modell der Gibson Les Paul.

Rock N Roll Relics Heartbreaker 3

Rock N Roll Relics Heartbreaker Burst

Der zweiteilige Korpus ist gekammert und besteht aus afrikanischem Mahagoni. Auch wenn er leicht in der Form variiert, ist das Instrument doch sehr nahe am Original. Die meiner Meinung nach sehr schöne Ahorndecke ist, wie auch der Hals, durch ein Creme-Binding eingefasst. Auch in Creme ausgeführt sind die Pickup Rähmchen, das Schlagbrett und die Schalterscheibe.

Der Hals besteht ebenso aus Mahagoni plus Ebenholz Griffbrett, auch hier ist das gute Stück mit einem Binding eingerahmt, hat einen 12 Inch Radius und einen dickes ’59er Profil. Typisch für dieses Model sind auch die Trapez-Inlays. Der Kopf variiert, wie immer bei Kopien, am stärksten orientiert sich aber auch am Original. Oben befindet sich das Logo, in der Mitte der Typ und auf der Halsstababdeckung wird der Firmenname ausgeschrieben aufgeführt.

Mit zum Lieferumfang gehört ein weißer G&G Koffer, ein Tuch mit Logo, ein handschriftlich ausgefülltes Zertifikat mit Typ, Seriennummer und Baujahr/Monat, ein paar Innensechskantschlüssel, ein Aufkleber und ein Button. Eigentlich so das Übliche, was man von Customshop-Modellen so erwartet.

Rot in rot mir einer besonderen Kopflackierung

Rock N Roll Relics Heartbreaker – Der Korpus

Auch immer wieder in der Diskussion ist die Frage: Solidbody oder gekammert? Besonders wenn es zu einer Paula kommt. Ich möchte hier nicht über besser oder schlechter reden, da es am Ende doch Geschmacksache ist, es dennoch kurz thematisieren. Billy Rowe bevorzugt das Weight-Relief, da er es mag, Instrumente zu bauen, die eher leichter sind. Die Heartbreaker die uns heute vorliegt, wiegt 3,8 kg. Auf meine Frage hin, was denn im Schnitt so verloren geht, sagte er, es wären etwa two Pounds (900 Gramm), was aber auch vom Holz abhängig ist. Da könnte man jetzt sagen, in der Gewichtsklasse gibt es aber auch Solid Les Pauls. Stimmt, aber es ist auch einfach etwas anderes. Eine Solidbody hat vielleicht etwas mehr Druck und Durchsetzungsvermögen, dafür klingt ein ge-chambertes Modell perkussiver, offener und hat mehr Dynamik. Am Ende muss die Person, die das Instrument spielt, damit glücklich werden.

Die Verarbeitung der Heartbreaker ist bestens, keine Ecken oder Kanten, außer sie sind durch das Relic-Verfahren so gewollt. Das Material ist handselektiert und qualitativ auf einem Top-Niveau. Lackiert werden alle Instrumente von Rock N Roll Relics ausschließlich mit Nitrolack.

Kluson Tuner

Rock N Roll Relics Heartbreaker – Hals & Kopf

Wie schon erwähnt, besteht der Hals aus Mahagoni mit einem Ebenholz-Griffbrett im ’59 Profil. Viel mehr  Hals geht nicht. Er ist aus einem Stück gefräst bis auf ein 1,5 mm Furnier auf der Front des Kopfes, sehr schöne Holzarbeit, hier gibt es nichts zu beanstanden. Auch die Übergänge der Bundstäbchen in das Binding sind perfekt verarbeitet. Hier erkennt man in jeder Form fachmännisch ausgeführte Handwerkskunst.

Hardware und Pickups

Hier legt Billy auch Wert auf Vintage-Style, somit finden wir auf der Heartbreaker eine ABR-Style Tune-o-matic Brücke, einen Knochensattel und Kluson Tuner. Bei den Potis wurden Emerson Customs verbaut und .022 russische Militärkondensatoren.

Sieht alt aus

Bei der Humbucker-Bestückung befinden sich Mojo Tone ’59 Clones am Hals und Steg. Klar, dass hier der P.A.F Pate stand. Mit weniger Output, 7,4 k am Hals und 8,2 k am Steg klingen sie laut Beschreibung dynamisch, offen und warm – mit einer Unterteilung von 1-10 wird der Sound so beschrieben: Hals/ Output 5, Bass 4,5, Mitten 5,5, Höhen 6 und am Steg / Output 5,5, Bass 5, Mitten 6, Höhen 5,5. Beide verschlossen aus Nickel wie auch der Rest der Hardware. Die Schaltung ist, wie zu erwarten, klassisch Dreiwege.

Rock N Roll Relics Heartbreaker – in der Praxis

Ohne zu übertreiben, hat mich bereits der erste Eindruck überzeugt. Koffer auf und schon bekommt man den bekannten Geruch um die Nase geweht. Kurz danach auf dem Schoß will man die Heartbreaker eigentlich nicht mehr wegstellen. Schon alleine der akustische Klang und die Dynamik der Heartbreaker überzeugen mich sofort. Ok, bei einer Gitarre in dieser Preisklasse sollte man das auch erwarten können. Hier geht es auch nicht mehr um sehr gut oder gut, denn das ist sie sowieso. Wer sich solch eine Paula kauft, der hat entweder zu viel Kleingeld oder sucht eben genau dieses Gefühl, das solche Instrumente vermitteln und dann muss es passen oder nicht.

Wenn man sich Relic auf die Fahne schreibt, sollte es überzeugen.

Neben dem Klang ist die Action (Saitenlage/Bespielbarkeit) bestens, wenn man auf etwas „tiefergelegt“ steht. Alle Töne intonieren, wie sie sollen und es macht einfach Spaß, festzustellen, wie einfach Gitarre spielen doch sein kann.

Hier habe ich mal versucht, das akustische Signal einzufangen:

Trotz Großmembran-Kondensatormikrofon leider nicht der gewünschte Erfolg, aber so ist das ja oft mit den Audiobeispielen. Die Heartbreaker klingt schon unverstärkt sehr ausgewogen und überzeugt mit einer großen dynamischen Spannweite. Ein Spielgefühl, das sich hier schwierig widerspiegeln lässt.

So ähnlich schreitet das mit den anderen Klängen fort. Hier die Clean-Variante:

Die Mojotones-Tonabnehmer sind, wie man hier hört, nicht überzüchtet. Sie reagieren sehr zahm und geben den Röhren im Amp genügend Spielraum. Sehr ausgewogen klingen hier alle drei Pickup-Schaltungen:

Trotz des recht zahmen Outputs der Tonabnehmer setzt sich der Gain-Sound gut durch und klingt sehr ausgewogen. Von meiner Seite aus stimmt hier nahezu alles.

Die Klangbeispiele wurden mit einem Fender Champ 57 Custom und eine Alairex HALO aufgenommen. Als Close-Mikrofon wurde ein altes Sennheiser MD421 verwendet.

Fazit

Die Überschrift ist natürlich ein Teaser, der nicht mit ja oder nein beantwortet werden kann. Vor allem hinkt da dann doch jeder Vergleich. Hier spielen zu viele Komponenten eine Rolle. Vor allem auch der große Name mit dem  G. Mich hat die Rock N Roll Relics Heartbreaker in jeder Hinsicht überzeugt. Ok, es ist kein Schnäppchen und irgendwie muss man in der Preisklasse auch erwarten können, dass hier alles stimmt. Aber das macht es dann auch. Ich hoffe nur, dass Billy die Qualität halten kann, es wäre ihm zu wünschen. Ich kann hier nur empfehlen, mal eine in die Hand zu nehmen, falls sich die Gelegenheit bietet!

Plus

  • Verarbeitung
  • Qualität
  • perkussiver, dynamischer Ton
  • Action/Bespielbarkeit
  • Aging sehr authentisch

Minus

  • -

Preis

  • 3700,- USD
Klangbeispiele
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