Test: sE Electronics sE8, Kleinmembran Kondensatormikrofon

6. November 2017

Chinesische Stäbchen

Wer von der verehrten Leserschaft meine Testberichte kennt, dem wird aufgefallen sein, dass ich nicht sofort „Hurra“ brülle, wenn ein chinesisches Produkt wie das hier getestete Mikrofon sE Electronics sE8 auf meiner Testliste auftaucht. Viel zu oft geht es lediglich um die hemmungslose Gier nach mehr Gewinn, wenn so traditionsstarke Marken wie z.B. kürzlich AKG in Wien durch ihren Mutterkonzern dichtgemacht werden und die Produktion in ein sogenanntes Billiglohnland verlagert wird.

Ein wenig anders sieht es diesbezüglich mit der Firma sE Electronics aus, die kein Anhängsel eines Großkonzerns ist und sich seit einigen Jahren im Bereich Mikrofone mit durchaus eigenständigen und manchmal auch etwas skurril anmutenden Konstruktionen einen guten Namen gemacht hat. sE Electronics entwickelt Mikrofone unter eigenem Namen und baut sie dann auch selbst im eigenen Werk zusammen. Um die 80 Leute werkeln bei diesem amerikanisch-chinesischen Unternehmen, welches für den Gründer Siwei Zou auch irgendwie eine Herzensangelegenheit zu sein scheint.

Schauen wir uns also eines der neuesten Produkte an, das Modell sE8, welches mir zum Test als „Matched Pair“ angeliefert wurde.

Köfferchen inklusive beim sE8 Stereo-Set

Was bin ich?

Wer noch den Moderator Robert Lembke vom Bayrischen Fernsehen und dessen gleichnamige Sendung kennt, wird sich noch an das beliebte Ratespiel mit den „Schweinderln“ erinnern. Anders als dort frage ich allerdings niemanden, um was oder wen es sich handeln könnte, ich mache die Schachtel einfach auf und stöpsel die Mikros sogleich an.

Das Datenblatt verrät mir, dass es sich beim sE Electronics sE8 um ein (respektive zwei) Kleinmembran-Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik und einer Empfindlichkeit von 25 mV/Pa handelt, ergo sollte also keine brutal hohe Vorverstärkung nötig sein und das Mikrofon auch an nicht so ganz muskulösen Mic-PreAmps problemlos laufen.

Das Maximum an Schalldruck, was das sE8 verdaut, sind bei eingeschaltetem Dämpfungsglied auf Stellung -20 dB stolze 159 dB SPL bei 0,5% THD @ 1 kHz. Wer also das dringende Bedürfnis verspürt, einen Eurofighter direkt hinter dem Triebwerk akustisch einzufangen – nur zu! Für die Verbrennungen des Mikrofons respektive dessen Besitzer übernimmt Onkel Sigi aber keine Haftung….

Klangbeispiele
Forum
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    bytechop  

    Ich benutze die sehr günstigen C2 von Behringer. Ein Vergleich solcher Mikros in Bereich bis 200€ für das Paar wäre interessant.

  2. Profilbild
    Tonfänger

    Hallo Sigi! Danke für den Test der sE8!

    Zu den Mikros gibt es im Netz mittlerweile mehrere Tests, die allesamt sehr positiv ausfallen. Über ein technisches Detail, das mich stutzig macht, lässt sich leider nirgendwo etwas nachlesen:

    Laut Polardiagramm auf der Herstellerseite produziert das sE8 bei 8 kHz und 45 Grad Einsprechrichtung einen Hochtonabfall von nicht unerheblichen 5 dB, für eine Kleinmembrankapsel ungewöhnlich und auch nicht unproblematisch.

    Es wird für 8 + 16 kHz nur ein gemeinsamer Graph angegeben. Dass die Kurven für beide Frequenzen deckungsgleich sind, ist physikalisch fast ausgeschlossen.

    Vielleicht handelt es sich bei den Angaben um einen Abbildungsfehler, zumal im Frequenzgangdiagramm die 9-kHz-Linie fehlt.

    Ist dir in der Praxis bezüglich der Richtcharakteristik etwas Negatives aufgefallen?

    Leider bietet sE Electronics keine Kugelkapseln für das sE8 oder ein gleichartiges Omni-Modell an, was mir absolut unverständlich ist und beim Kauf (je nach Einsatzgebiet) unbedingt bedacht werden sollte.

    Direkte Konkurrenz für die sE8 dürften die vor ca. einem Jahr angekündigten, verbesserten NT5 von Rode werden, die zur NAMM oder zu Musikmesse erscheinen könnten (oder auch nicht). Es bleibt jedenfalls spannend.

    Gruß, Tonfänger

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Griass Di Tonfänger,

      nein, diesbezüglich ist mir nichts Negatives aufgefallen. Ich hätte das auch im Test vermerkt, wenn mir ein gewisses Frequenzspektrum unterbelichtet oder irgendwie problematisch erschienen wäre. Insgesamt ist der Klang der SE-Stäbchen in meinen Ohrwaschln stimmig.

      Musikalische Grüße

      Onkel Sigi

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