Test: Sennheiser HD 660 S Version 2019, Studiokopfhörer

10. April 2020

Hi-Fi-Kopfhörer fürs Studio?

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Sennheiser HD 660 S Version 2019, Studiokopfhörer

Im Zuge der Überarbeitung seiner Kopfhörer-Reihe im letzten Jahr hat Sennheiser auch den HD 660 S neu gestaltet. Im Gegensatz zu den rein für den Studioeinsatz konzipierten Kopfhörern HD 25 oder HD 600 findet man den HD 660 S auf der Sennheiser Website unter „High End“ und nicht unter der für uns Musiker, Sänger und Produzenten gedachten „Studio“-Rubrik. Doch da man die Vorgänger durchaus auch im einen oder anderen Studio vorfindet, ist das Grund genug, uns den Sennheiser HD 660 S einmal genauer anzuschauen.

Aufbau des Sennheiser HD 660 S – Version 2019

Beim Sennheiser HD 660 S handelt es sich um einen Kopfhörer der offenen Bauweise. Hierdurch ist er vor allem für die Bereich Mixing und Mastering prädestiniert. Aufgrund der bauartbedingten relativ großen Abstrahlung nach außen hin, eignet er sich wenig bis gar nicht für den Recording-Bereich.

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Technisch und funktional hat Sennheiser den HD 660 S in der 2019er Version nicht verändert, lediglich an der Optik wurde Hand angelegt. Dabei präsentiert er sich sehr dezent in Schwarz. Der vornehmlich aus Kunststoff gefertigte Kopfhörer bringt ein Gewicht von 260 Gramm zzgl. Kabel auf die Waage, entsprechend leicht sitzt er auf dem Kopf auf. Die Ohren werden vom Kopfhörer komplett umschlossen. Nicht nur dank des Gitternetzes, das an den Außenseiten der Ohrmuscheln angebracht ist, entwickelt sich jedoch kein „abgeschottetes Gefühl“ – sehr gut.

Die Innenseiten der Ohrmuscheln sind mit Schaumstoff ausgekleidet, entsprechend weich sitzen sie rund um den Ohren auf. Auch die Unterseite des Kopfbügels ist mit Schaumstoff ausgekleidet. Das bereits erwähnte Gitternetz erlaubt einen guten Blick auf die Wandler des Kopfhörers.

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Die Verarbeitung wirkt solide, wenn auch der Griff zu Kunststoff als Hauptmaterial des Kopfhörers einen klaren Unterschied zu anderen alltagstauglichen Kopfhörern deutlich werden lässt. Für den Betrieb im Studio sehe ich hierbei jedoch keine Einschränkungen.

Geliefert wird der HD 660 S in einer edel anmutenden Box, die innen komplett mit Schaumstoff ausgekleidet ist und eine entsprechend gute Aufbewahrungsmöglichkeit darstellt.

Zum Lieferumfang gehören eine mehrsprachige Bedienungsanleitung, ein kurzes Adapterkabel von Groß- und Kleinklinke sowie zwei 3 m lange gerade Anschlusskabel. Während das erste der beiden Kabel unsymmetrisch ausgeführt ist und auf einem 6,3 mm Klinkenstecker endet, ist das zweite Kabel symmetrisch und endet auf einem 4,4 mm Klinkenstecker. Hierüber lässt sich der Kopfhörer an entsprechende Kopfhörerverstärker anschließen. Die Kabel sind austauschbar, am Kopfhörer werden sie beidseitig befestigt und rasten sicher ein, alle Kabel sind mit vergoldeten Steckern versehen.

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Technische Werte

Für jeden HD 660 S Kopfhörer werden die Schallwandler paarweise ausgewählt, so dass sehr geringe Fertigungstoleranzen sichergestellt werden. Extrem leichte Schwingspulen aus Aluminium sollen für höchste Impulstreue sorgen.

Die Impedanz des Kopfhörers liegt mit 150 Ohm relativ hoch. Dennoch konnte er während des Tests auch an mobilen Endgeräten (iPhone SE) überzeugen. Den Frequenzbereich gibt Sennheiser mit 10 – 41.000 Hz an, der maximale Schalldruckpegel liegt bei 104 dB, der Klirrfaktor bei 1 kHz unter 0,4%. Wie immer entscheidet aber letztlich das Ohr.

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Praxiseinsatz

Getestet wurde der HD 660 S in Zusammenspiel mit einem SPL Phonitor Mini, dem Kopfhörerausgang einer RME HDSP Karte, einem Mischpult Mackie 1604 sowie einem Apple iPhone.

Während der ersten Hör-Sessions wird recht schnell klar, dass der HD 660 S ein sehr ausgewogenes Klangbild bietet. Die für den Consumer-Einsatz entwickelten Kopfhörer weisen zwar oftmals einen angehobenen Höhen- und Bassbereich auf – die sogenannte Hi-Fi-Badewanne. Von dieser ist beim HD 660 S glücklicherweise aber nichts zu sehen bzw. zu hören. Über den kompletten hörbaren Frequenzgang erscheint der Sennheiser sehr neutral abgestimmt und bietet sich hierdurch sehr gut für den Einsatz im Tonstudio an.

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Verglichen mit dem dreimal so teuren Modell Focal Clear Professional und dem AKG K812 Pro, die ich zum direkten Vergleich heranziehen konnte, offenbaren sich dennoch einige Unterschiede.

Das Klangbild erscheint beim Focal Kopfhörer noch eine gute Spur plastischer und greifbarer, Gleiches gilt für den schon sehr lange erhältlichen K812. Vor allem im Bassbereich bilden der Focal und der AKG deutlich akkurater ab, das ist schon sehr deutlich zu spüren. Während die Unterschiede im Mittenbereich bei weitem nicht so gravierend sind, glänzen der K812 und der Clear Professional im höheren Frequenzbereich wieder mehr, bringen das Audiomaterial brillant ans Ohr und zeigen Optimierungen für den Mix besser und schneller auf, als man es mit dem HD 660 S hören kann.

Die räumliche Darstellung sowie die Tiefenstaffelung erledigt der Sennheiser HD 660 S dagegen mit Bravour. Die Einordnung von Gesang und Instrumenten, sowohl auf der Stereobühne als auch auf der vertikalen Achse, gibt keinen Grund zur Beanstandung.

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Fazit

Trotz des deutlichen Unterschieds zu K812 und Clear Professional kann man dem HD 660 S – Version 2019 –  ein ausgewogenes Klangbild, eine gute Impulstreue und eine ordentliche räumliche Abbildung attestieren. Neben den klanglichen Qualitäten überzeugt der Kopfhörer mit einer soliden Konstruktion. Für den reinen Studio- und Wohnzimmereinsatz reicht diese vollkommen aus.

Plus

  • ausgewogener Klang
  • Verarbeitung
  • Lieferumfang

Minus

  • im direkten Vergleich mit höherwertigen Kopfhörern leichte Schwächen
  • Verarbeitung sehr gut, haptischer Unterschied zu Kopfhörer mit Metallkonstruktion

Preis

  • 429,- Euro
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