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Test: Spaceman Sputnik III Germanium Fuzz Pedal

3. Mai 2022

Kaputte Sounds für die Völkerverständigung

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Da flattert mir doch, just im Moment angespanntester, weltpolitischer Lage, ein Gerät ins Haus, das in den USA gefertigt wird, Germanium-Transistoren besitzt und einen russischen Namen trägt. Also eins dieser Geräte, das mehr zur Völkerverständigung beiträgt, als so mancher Politiker es je könnte. Die Firma Spaceman, die ihren Sitz in Portland, Oregon hat, ist bekannt für ihre innovativen, oft aber auch etwas schrägen Pedale, das Artemis hatte ich unlängst zum Test hier und es hat einige Zeit gedauert, bis ich mit den Möglichkeiten dieses Pedals klargekommen bin. Das Spaceman Sputnik III Germanium Fuzz Pedal will jetzt unter meinen Fuß und zeigen, wie schön ein kaputter Sound zu klingen imstande ist. Schauen wir uns die spacige Blechkiste mal in Ruhe an. 

Spaceman Sputnik III Fuzz – Facts & Features

Das Spaceman Sputnik III Pedal ist, laut Hersteller-Website, immer wieder mal in außergewöhnlicher Optik zu bekommen. Auch wenn im Moment anscheinend nur die klassische silber/graue Optik verfügbar ist, kommt das Testobjekt doch tatsächlich mit weißer Oberfläche und pinkem Gehäuse. Das sieht auf jeden Fall schon mal sehr stylisch aus. Mit Abmessungen von (B x T x H) 101 x 121 x 56 mm ist es kein überdimensioniertes Pedal und sollte auch auf kleineren Boards seinen Platz finden. Knapp 400 g wiegt das Kistchen. Im Lieferumfang enthalten ist ein Beutelchen im Astronautenlook und zwei Aufkleber nebst einer kurzen Bedienungsanleitung auf Englisch. Klebefüßchen sucht man vergebens, falls das Pedal also nicht fest auf einem Board verbaut wird, muss man noch mal schnell in den Baumarkt. Vier Schrauben halten die Bodenplatte aus Aluguss am Gehäuse, deren Entfernung gibt den Blick auf die saubere Verarbeitung der Platine frei. Im Inneren des Sputnik III werkeln „Vintage Soviet Dioden und Transistoren“. Was angesichts der aktuellen Lage natürlich sofort die Frage aufwirft, ob es für die weitere Produktion der Geräte zukünftig Einschränkungen gibt oder ob der Hersteller sich seine Bauteile für einen längeren Zeitraum gesichert hat. 

Spaceman Sputnik II innen

Das aufgeräumte Innere des Spaceman Sputnik III

Die Anschlüsse des Spaceman Sputnik III finden sich an den Seiten des Pedals, was ich persönlich immer als etwas hinderlich für den platzsparenden Aufbau eine Pedalboards empfinde. Nun gut, das ist subjektiv und jeder hat da so seine Vorlieben. Zum Betrieb des Pedals wird ein handelsübliches 9V-Netzteil mit Minuspol innen benötigt, das stellt den leidgeprüften Boardbauer jetzt nicht vor große Probleme. Ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. 

Spaceman Sputnik III Fuzz – Panel

Auf der Oberfläche des Sputnik III tummeln sich vier Regler mit den Bezeichnungen „Signal“, „Range“, „Calibrate“ und „Scan“. Ein Kippschalter wählt noch irgendwelche Frequenzen, die dann vom „Calibrate“-Regler weiterverarbeitet werden und mit dem mit „Drift“ bezeichneten Fußschalter kann das Signal dann so richtig krankenhausreif verprügelt werden. Alles klar? Nein? Ich habe auch keine Ahnung, deshalb wird’s jetzt (mal wieder) spannend im Hause Steiger. „Die Nachbarn schickt man ins Kino, am besten drei Stunden Ben Hur. Ob in der Garage, ob zweite Etage, es wackelt die Architektur …“ Mit diesem Zitat der legendären Rodgau Monotones steige ich ein in die Welt des Germanium Fuzz. 

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Doch zunächst noch ein paar Erklärungen bzgl. der Regler. „Signal“ bestimmt die Ausgangslautstärke des Fuzz-Pedals. Kein Geheimnis also. „Range“ kümmert sich um den Grad der Zerstörung. „Calibrate“ bearbeitet die Frequenz, fungiert also quasi als Klangregler, während der Kippschalter zwischen zwei Frequenzenkurven auswählt, die der Regler dann bearbeitet. Interessant ist jetzt der Regler mit der Bezeichnung „Scan“. Um mal die Betriebsanleitung zu zitieren: „Scan adjusts the level of corruption and chaos when in Drift mode.“ Aha. Der entsprechende Fußschalter ist vom Werk aus als normaler Umschalter zwischen zwei Modi konzipiert, kann aber in den Zustand eines Momentary-Switches umgewandelt werden, wenn man das Pedal bei gedrücktem Schalter mit dem Netz verbindet. Wozu das gut sein kann, klären wir später. Der Bypass-Schalter macht, was er soll, er schaltet die Hölle ein oder aus. Die Verarbeitung des Spaceman Sputnik III ist vorbildlich, die Fußschalter sind fest mit dem Gehäuse verschraubt und somit erdbebensicher. Alle Regler haben einen angenehmen Drehwiderstand und genug Abstand zu den Schaltern, so dass eine versehentliche Verschiebung der Sollwerte erst ab Schuhgröße 53 zu erwarten ist. Die LED für den Betriebzustand ist zwar recht prominent, leuchtet aber nur recht schwach, so dass bei Sonneneinstrahlung das Ohr als Kontrollinstanz herhalten muss. Schade, denn eigentlich ist das Ding recht gut gedacht, leuchtet es bei eingeschaltetem Effekt doch wundervoll rot und bei zugeschaltetem Drift lila. 

Spaceman Sputnik III Fuzz – Soundbeispiele

Um das Sputnik III Pedal zu demonstrieren, hört ihr zunächst in Klangbeispiel 1 die cleane Referenz. Ich benutze mal wieder meine Ibanez AZ226, ihr hört den Hals-Pickup und den Steg-Pickup. Die folgenden KlaNGbeispiele zeigen das Spaceman Sputnik III in Mittelstellung der Regler, einmal mit Toggle nach links, einmal nach rechts. Leider machen sich schon jetzt unangenehme Nebengeräusche bemerkbar, die selbst mit einem Noisegate nur schwer in den Griff zu bekommen sind. Ein hochfrequentes Pfeifen nervt dann doch arg.

Zeit für ein bisschen Spielerei mit den Frequenzen und der Zerrintensität.

Und jetzt kommt der „Scan“-Regler ins Spiel, die Drift-Funktion ist aktiviert. Ich persönlich fände es wundervoll, wenn der Scan-Regler über ein externes Pedal regelbar wäre. Dann hätte die Kaputtness keine Grenzen.

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Fazit

Germanium und ich werden wahrscheinlich doch noch Freunde. Das Spaceman Sputnik III ist sehr speziell in seiner Ausrichtung und dürfte tatsächlich in Bezug auf Kaputtheit des Sounds einzigartig sein. Die Drift-Funktion macht herrlich schräge Gimmicks möglich. Schöne Sounds können andere besser, wer ein Germanium-Fuzz bestellt, weiß, dass Heidi Klum kein Foto übrig hätte. Lediglich die wirklich teilweise heftigen Nebengeräusche machen den Spaß ein bisschen kaputt. Jimi Hendrix hätte da wahrscheinlich drüber gelacht, deshalb mein Rat an alle Fuzzys: Ausprobieren! Schade, dass das Scan-Poti nicht extern regelbar ist.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Drift-Funktion

Minus

  • Nebengeräusche

Preis

  • 309,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Freudenthaler  AHU

    Manches cleane Pedal kosten weit mehr daher verstehe das Minus für die Nebengeräusche nicht, schließlich gibt’s die Nebengeräusche ja als „Extra“ noch on top.

    …hach und schön Pink ist das Teil auch, noch´n Plussi… ***Bussi***

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