Test: Steinberg CUBASE 4

26. Oktober 2006

CUBASE 4

 

CUBASE 4 ist da.
Zahlreiche neue Funktionen und Prozesse haben den Weg in die überarbeitete Version der beliebten Sequenzersoftware gefunden.
Wir möchten an dieser Stelle keine reine Aufzählung der neuesten Killerfeatures bringen, die gab es im Vorfeld schon zu lesen. Wir beschäftigen uns mit den Neuerungen, um zu sehen, was die Funktionen im Einzelnen für Vor- und Nachteile mit sich bringen.

Hauptansicht

Hauptansicht

Media Bay
Herzstück der Neuerungen ist Media Bay, insbesondere Sound Frame.
Wie schon angekündigt, lassen sich hier unterschiedliche Libraries verwalten. So können die abertausenden Sounds und Loops, die auf Festplatten schlummern ebenso erfasst werden, wie auch Presets verschiedener VST-PlugIns und Effektsettings einzelner Kanalzüge.
Media Bay setzt sich wie eine Art Explorer zusammen. Links befindet sich eine Baumstruktur mit den Laufwerken und Verzeichnissen. Besonders wichtige Ordner können als Presets gespeichert werden, um sie schnell aufzurufen. Die Funktionen Full und Focus zeigen entweder die Ergebnisse aller Verzeichnisse oder nur des angewählten Verzeichnisses plus den Unterordnern. Auf der rechten Seite werden die gefundenen Files dargestellt und die Suchfunktionen bedient.
Dabei gibt es zwei Suchmodi: detailliert und kategorisch. In der detaillierten Sparte lässt sich wie in einer Suchmaschine arbeiten. Stichwörter können durch Attribute das Suchergebnis verfeinern (enthält, und, oder, nicht, etc.). In der kategorischen Suche lässt sich nach Files suchen, die mit Tags versehen sind. Entsprechend tauchen die kategorischen Attribute zum Auswählen in fünf Spalten auf. Es werden die Kategorien dargestellt, die Media Bay im entsprechenden Ordner findet. Sucht man in einem anderen Ordner, so ändert sich die Auswahl der Kategorien. Es können mehrere Tags in einer Spalte kombiniert werden (ODER-Verknüpfung), sowie Spalten nebeneinander (UND-Verknüpfung). Natürlich ist es eine Heidenarbeit, die Soundfiles einer umfangreichen Samplelibrary zu taggen. Aber es lohnt sich. Außerdem lassen sich mehrere Files gleichzeitig anwählen und mit demselben Tag versehen. So geht die Arbeit dann doch recht flott von der Maus bzw. Hand. Ich könnte mir vorstellen, dass Hersteller von Libraries diese Arbeit in Zukunft schon übernehmen und fertige Tags in die Library integrieren. Das Scannen der Files dauert natürlich eine Weile. Je nachdem, wie umfangreich die eigene Samplelibrary ist, kann es schon mehrere Minuten dauern, bis alles gescannt ist. Danach sieht man farblich markiert welche Ordner erfasst sind und welche nicht. Um kein ganzes Laufwerk zu scannen, können auch nur einzelne Ordner auf der Festplatte angeklickt und gescannt werden. Das erspart Zeit.

MediaBay

MediaBay

Track Presets
Hat man während der Arbeit an einem Projekt interessante Kanaleinstellungen oder die ultimative Hookline kreiert, so können diese Einstellungen als gesamtes Track Preset gespeichert und in beliebigen Projekten wieder geöffnet werden. Es stehen verschiedene Typen zur Verfügung: AUDIO speichert die EQ und Effektkette eines Audiokanalzugs, um sie in einem anderen Audiokanal benutzen zu können. MIDI speichert die Kanal- und Programmnummer, Volume, Pan und MIDI Effekte. INSTRUMENT speichert das gewählte VST Instrument inklusive Programm und die Audiosettings (EQ und Effektkette) in einem Instrument-Kanalzug.
Steinberg liefert über 1000 Presets für alle verfügbaren VST3 PlugIns mit.

Insert Presets
So genannte Insert Presets speichern eine ganze Insert-Kette, um sie in anderen Kanälen und/oder Projekten einsetzen zu können. Das ist sinnvoll, denn oft benutzt man dieselben PlugIns in denselben Einstellungen mehrfach, weil sie sich klanglich bewährt haben. Arbeitet man oft mit denselben Sprechern oder Vokalisten zusammen, hat man die Einstellungen für Kompressor, EQ, Hall usw. gleich parat.

Während Media Bay sämtliche relevanten Daten anzeigt, sind Loop Browser und Sound Frame so eingestellt, dass sie nur bestimmte Dateitypen zeigen. Sound Frame sucht nach Track- und VST-Presets, wogegen im Loop Browser alle Audiofiles angezeigt werden. Diese können übrigens im Wave, AIFF und MP3 Format vorliegen. Es können alle Files, bis auf Video, Audio Track Presets und Projektfiles in der SCOPE Sektion vorgehört werden. Für Audiofiles stehen Autovorhören und Loop zur Verfügung. Leider kann man die Start/Stopp Befehle nicht per Tastatur bedienen.
Audioloops können dem Songtempo angepasst abgespielt werden – sogar Kontextbezogen – damit man sie mit dem restlichen Arrangement vorhören kann.
Instrument Track Presets kann man entweder durch ein MIDI-File oder durch MIDI Input auf einem angeschlossenen Keyboard angespielen. Das Vorhören von PlugIn-Sounds dauert wenige Sekunden, wenn ein anderes PlugIn geladen wird. Dabei fühlt man sich fast schon an Hardware Synthesizer erinnert, bei denen (wenn auch schneller) einfach durch die Sounds gesteppt wird, bis der Gewünschte gefunden ist. Trotzdem ist das wirklich genial, dass man PlugIn-übergreifend nach Sounds suchenn kann! Das Ganze erinnert auch an Native Instruments KORE.

Tags
Um Files wieder zu finden, empfiehlt es sich, diese mit Tags zu versehen. Hier können Angaben wie Name, Dateigröße, Samplingrate und Kategorie bestimmt werden. Beim Import von VST2 PlugIn Presets werden keine Tags angelegt, diese muss man selbst erstellen.

Instrument Tracks
Darauf habe ich als alter LOGIC User gewartet. Es war mir völlig unverständlich, warum die MIDI und Audiotätigkeiten eines VST Instrumentes auf zwei unterschiedliche Spuren aufgeteilt wurden. Unübersichtlichkeit und Verwirrung waren vorprogrammiert. Endlich können so genannte Instrument Tracks alternativ zum VST Rack benutzt werden. Wenn die Presets dieses PlugIns schon erfasst sind, kann man die Sounds vorhören und anspielen. Das finde ich sehr gut. Die Automationsinformationen von MIDI und Audio erscheinen nun zusammen in einer Spur. Beim Kopieren und Verschieben von Spuren wandern die Automationsdaten mit, sofern dieselben Parameter auf der neuen Spur auch vorhanden sind. Eine Filterautomation eines PlugIns wandert demnach nicht mit, wenn auf der Zielspur ein anderes PlugIn liegt. Allerdings funktionieren Instrument Tracks nur bei PlugIns mit Stereo Output, da jeder Instrument Track einem Stereo Output zugeordnet ist. Mono- oder Multitimbrale Synths funktionieren nicht, bzw. nur der erste Ausgang letzterer Gattung. Hier muss man klassisch mit einer MIDI- und einer VST Spur arbeiten. Das ist natürlich schade. Instrument Tracks lassen sich inklusive aller Insert Effekte und Routings als Track Preset speichern und nach Belieben auf anderen Spuren oder in anderen Projekten aufrufen.

Oberflächliches
Die Oberfläche von CUBASE hat ein angenehmes Facelifting bekommen, dennoch findet man sich sofort zurecht. Farblich sind aktive und inaktive Funktionen besser zu unterscheiden als in SX3.
SX 3 hat im Inspector und in der Audiokanalansicht eine Fülle von Informationsmöglichkeiten geboten. Nur braucht man diese nun mal mehr oder weniger oft. Viele Funktionen blieben unangetastet und nahmen Platz auf dem Monitor in Anspruch. Das ist in CUBASE 4 anders, denn der Inspector lässt sich dem eigenen Geschmack anpassen, ebenso das Fenster für die Audiokanaleinstellungen. So lassen sich nicht benötigte Funktionen ausblenden. Bei einer Audiospur wäre zum Beispiel denkbar, die EQs oder Inserts von der Auswahl zu entfernen, bei einer MIDI-Spur das Notizfeld oder die Geräteansicht. Dinge die man nicht braucht, tauchen dann nicht mehr auf. Sehr schön. Zudem kann man unterschiedliche Darstellungen des EQs wählen. Mit Kurvenansicht oder ohne, mit Reglern oder lieber mit Slidern? Alles machbar. Des Weiteren taucht an verschiedenen Bereichen das rautenförmige SoundFrame Logo auf. Hier kann mit einem Klick auf das Symbol nach Presets für die jeweilige Funktion gesucht werden. In der Menüleiste findet man unter anderem die neuen Einträge für Media Bay, Loop Browser und Sound Frame. Diese führen zu den oben beschriebenen Organisationstools und sind über F5, F6 und F7 erreichbar. Die Menüs wurden leicht angepasst – Einstellungen für Audiosettings, VST und MIDI sind nun übersichtlicher gestaltet als in SX3. Generell öffnet sich ein Popupfenster beim Erzeugen neuer Spuren, die in irgendeiner Form vom SoundFrame profitieren. Nun kann man Presets, Sounds oder PlugIns auswählen und vorhören. Das ist ein Feature, das man nicht mehr missen will!

Edit
Ein neues Trim Tool im Key Editor erlaubt das Beschneiden mehrerer Noten mit einem „Messer“. Es lassen sich Schnitte entlang der Anfangs-(Alt/Option + Click), bzw. Endregionen einer Notenansammlung vornehmen. So lässt sich z.B. ein Glissando erstellen. Mit Strg/Command+Click können mehrere Noten auf denselben Anfangs- oder Endpunkt getrimmt werden.

Mixerfenster
Das Mixerfenster wurde ebenfalls verfeinert. CUBASE zeigt auf Wunsch nicht mehr alle Einzelausgänge eines PlugIns an, sondern erstmal zwei. Über einen neuen Schalter im Fenster VST Instruments können weitere Ausgänge definiert werden. Die Oberfläche wurde dezent überarbeitet. Die Regler sehen haptischer aus, Look and Feel stehen dem Mixer gut.

Der neue EQ bringt einige Besonderheiten mit sich. So bieten die Bänder verschiedene Algorithmen für unterschiedliche Frequenzcharakteristiken, um „musikalischere“ Ergebnisse zu erzielen als der SX3-EQ. Ein tolles Feature: Öffnet man eine ältere Projektdatei, so werden die EQ-Charakteristiken des SX3 EQs aktiviert und der Song erklingt so, wie er in SX3 erstellt wurde. So bleibt die Kompatibilität zu älteren CUBASE-Projekten erhalten! Der EQ in CUBASE 4 ist deutlich gewachsen und hat sich einige Klassen nach vorne gespielt. So können Nuancen durch die Verstellung der Charakteristik das Klangbild deutlich beeinflussen. Er packt kräftiger zu und kann weicher zeichnen als vorher. Klanglich kann der EQ mit den PlugIns von Sonalksis oder der URS Serie locker mithalten. Außerdem steht er pro Kanalzug und auch als PlugIn zur Verfügung.

Endlich, endlich kann man Inserts per Drag and Drop untereinander in der Reihenfolge verschieben. Eine Funktion, die viele User schon schmerzlich vermisst haben.

Klangbeispiele
Forum
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    ich seh das mit Cubase mal so. Vor 15 Jahren stand ich mal vor der Wahl meinen ersten Rechner (Atari MegaST4) entweder mit Cubase oder Notator SL zu bestücken. Die Wahl fiel letzlich dann doch auf Notator weil da die Bedienung einfach cooler gelöst war und auch einiges mehr. Und auch heute geht es mir nicht anders damit. Für 879 EUR erwarte ich trotz professioneller Audiobearbeitung … und nun endlich einer guten Verwaltungslösung für das eigene Soundarchiv eben auch eine Sidechaining-Funktion und Plugins die mich vom Hocker hauen und dass gibts scheinbar auch in dieser Version (noch) nicht. Klar, bevor mich jetzt 100 professionelle Studios belehren das Cubase absoluter Studio-Standard ist … das wird schon so sein aber gerade für die Freunde der elektronischen Musik kriegt man für das Geld mittlerweile so viel abgefahrenes Zeug und kann mehr damit erreichen als „nur“ mit einer Cubase-Vollversion. OK, ich bin noch dabei ein „Profi“ zu werden und mein Equipment entsprechend aufzurüsten. Aber schon Cubase 3 konnte mich im Vergleich zu Ableton oder FL Studio trotz der „Professionalität“ nicht überzeugen weil gerade die freakigen Werkzeuge kaum zu Verfügung stehen. Das musste jetzt mal raus, irgend Jemand muss doch auch mal gegen Cubase wettern :-)

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    ich arbeite seit jahren mit cubase, jetzt mit sx3….ich finde mit cubase lässt sich nicht schnell und kreativ arbeiten, eher für leute die genau wissen was sie machen wollen, auf die schnelle mal gewisse sachen umsetzten/ ausbrobieren ist oft ein horror, da fühle ich mich total eingeschränkt !

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    da kann ich nur beiden beiden wiedersprechen! ich arbeite schon ewig mit cubase und ich kann hier sehr schnell, creativ sein und ausprobieren wirkt wunder. kein anderer sequenzer konnte mich so überzeugen. einige der plug ins sind wirklich super. brot und butter dinge, die man immer braucht in überzeugender qualität. es gibts vllt nicht die agefahrensten effekte schon an board, aber hier kann man leicht durch viele kostenlose plugins nachbessern.

    in der aktuellen version gibts sidechaining!

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