Test: Toontrack EZkeys, Piano Library & Player

29. April 2020

Das Songwriting-Tool

Wäre es nicht schön, wenn man nicht nur eine Piano-Library, sondern gleich den passenden Pianisten dazu kaufen könnte? Genau, das ist EZkeys von Toontrack und damit weit mehr als eine reine Piano-Library. EZkeys ist ein Songwriting-Tool, mit dem Menschen ohne Pianokenntnisse im Handumdrehen mittels MIDI-Browser komplette Song-Arrangements kreieren können.

EZkeys Studio Grand

Hinter EZkeys von Toontrack verbirgt sich weit mehr als eine Piano-Library, nämlich ein umfangreiches Songwriting-Tool

Die Installation erfolgt über die Toontrack-Product-Manager Software und EZkeys steht sowohl als Standalone-Anwendung als auch VST2, AU, AAXnativ, RTAS-Plugin zur Verfügung.

Die Systemvoraussetzungen sind für PC-User ab Win7 (32/64 Bit) oder für MAC-User ab Mac OSX 10.6, 2 GB RAM sowie eine Internetverbindung werden noch benötigt, um den besagten Toontrack-Product-Manager zu launchen, Content herunterzuladen und Lizenzen zu aktivieren.

EZkeys Konzept

Wer als Neukunde das erste Mal die EZkeys Software bezieht, hat zwischen 13 Instrumenten die Auswahl. Darunter klassische Pianos, elektrische Pianos, Orgel- und Synthi-Instrumente sowie die Kombination aus mehreren Instrumenten, wie das jüngst erschienene Cinematic Grand.

Hier eine Auflistung, der zum Testzeitpunkt 13 verfügbaren Instrumente:

  • Vintage Upright
  • Upright Piano
  • Studio Grand
  • Small Piano Upright
  • Retro Electrics
  • Grand Piano
  • Electric Grand
  • Classic Electrics
  • Strings Machine
  • Pipe Organ
  • Mellotoon
  • Dream Machine
  • Cinematic Grand

Sobald man EZkeys einmal bezogen hat, kann man jedes der oben gelisteten Instrumente als vergünstigte Sound Expansion dazukaufen und so den Instrumenten- und Preset-Umfang auf Wunsch nach und nach erweitern.

Anbei ein Auszug aus der Klangvielfalt anhand von sechs Instrumenten und jeweils 3 verschiedenen Presets. Als Spielgrundlage diente ein MIDI-Pattern der MIDI-Expansion Synth-Pop.

Bedienung

Das User-Interface ist übersichtlich gestaltet. Ganz oben befinden sich neben dem Hauptmenü zwei Dropdown-Menüs, in denen sich links die Library – also das eigentliche Instrument – und rechts ein dazugehöriges Presets auswählen lässt. Jedes Instrument kommt mit einer unterschiedlichen Anzahl an Presets und je nach Preset stehen unten links auch unterschiedliche Parameter für Feinjustierungen zur Verfügung. Hier hat man allerdings nur Zugriff auf vorausgewählte Parameter, der Rest passiert im wahrsten Sinne des Wortes verdeckt unter der Haube des Instrumentes. EZkeys richtet sich, wie der Name verrät, gezielt an Menschen, die ein einfach bedienbares Piano-Instrument suchen und ohne große Voreinstellungen direkt drauflos spielen möchten.

Im Zentrum des User-Interfaces wird das ausgewählte Instrument angezeigt. Spielt man über das angeschlossene MIDI-Keyboard eine Tastenkombination, so wird der entsprechende Akkordnamen in der Leiste oberhalb der Tasten des dargestellten Instruments angezeigt. Links von dem Anzeigenpanel kann man durch Klick auf „Dynamics“ die Anschlagsstärke und Velocity-Kurve einstellen, rechts durch Klick auf „Tuning“ kann man jedes Instrument durch Einstellen von Octave, Semitone und Cent feintunen.

EZkeys - Cinematic Grand

In der Hauptansicht zeigt EZkeys das ausgewählte Instrument. Die gespielten Akkorde werden direkt in Echtzeit oberhalb der Tasten angezeigt.

Im unteren Bereich des Fensters findet man rechts den Master-Lautstärkeregler und links davon ein Abspiel- und Aufnahmebedienfeld. Darunter wird ein Display dargestellt, in dem man die gewünschte Tonart, Taktart und das Tempo sowie ein Metronom auswählen kann. Nutzt man EZkeys innerhalb einer DAW, so wird das Tempo an die Geschwindigkeit der DAW angepasst.

MIDI-Browser

Das eigentliche Highlight von EZkeys ist die MIDI-Funktionalität, die jeden Laien zu einem begnadeten Pianisten werden lässt. Durch Klick auf den „BROWSER“-Button rechts neben dem RECORD-Button öffnet sich der MIDI-Browser. Unterteilt ist dieser in verschiedene Fenster. Links sind die MIDI-Librarys, die man besitzt, aufgeführt. Von Haus aus sind die beiden Librarys „EZkeys MIDI“ und „Music Theory/Examples“ enthalten, darunter befinden sich alle zusätzlich bezogenen Add-on-Packs.

Hat man ein MIDI-Pack ausgewählt, so werden direkt daneben die CHORDS-Spielarten angezeigt. In der Abbildung sieht man, dass man zwischen CHORDS Straight 4/4 und Melody Straight 4/4 wählen kann. Nachdem man eine Spielart ausgewählt hat, erscheinen rechts daneben nach BPM sortiert unterschiedliche Song-Spielarten-Cluster, die wiederum in Intro, Verse, Pre-Chorus, Chorus und Bridge unterteilt sind. Wählt man eine Sektion aus, werden rechts die dazu erhältlichen Varianten dargestellt. Mit aufsteigender Ziffer hinter der Variation steigt auch die Komplexität der Spielweise.

EZkeys MIDI-Browser

Ein Highlight von EZkeys ist der MIDI-Browser, der als Grundlage dient, um via Drag & Drop ganze Song-Arrangements zusammenzustellen

Es macht wirklich großen Spaß, die unterschiedlichen MIDI-Packs auszuprobieren und miteinander zu kombinieren, um daraus ein eigenes Song-Arrangement zu erstellen. Durch einfaches Drag & Drop klickt man sich einfach eine komplette Kompositionen zusammen. Durch die farbliche Kennzeichnung erkennt man stets auf einen Blick, ob es sich bei einer MIDI-Sequenz um ein Intro, Verse, Pre-Chorus, Chorus oder Bridge handelt. Dadurch behält man auch den Überblick, auch wenn man sich aus unterschiedlichsten MIDI-Packs bedient.

Mit jedem MIDI-Pack erweitern sich die kreativen Möglichkeiten in EZkeys. Toontrack bietet glücklicherweise MIDI-Pack Bundles an, die 6 MIDI-Packs zu einem Sonderpreis bündeln. Dabei kann man sich die einzelnen MIDI-Packs frei zusammenstellen und auch zeitlich flexibel einlösen. Damit ist es also kein Problem, beispielweise drei bereits erhältliche MIDI-Packs zu kaufen und die restlichen drei später zu beziehen, wenn man warten möchte, was in den nächsten Monaten noch an neuen MIDI-Packs von Toontrack erscheint.

Akkorde ändern

Hat man ein Arrangement erstellt, dann muss an dieser Stelle natürlich noch lange nicht Schluss sein. Für die meisten Songwriter fängt hier nämlich dann erst die eigentliche kreative Arbeit an. Denn man kann nun einzelnen MIDI-Sequenzen neue Akkorde zuweisen, wodurch dann nach und nach ein völlig neuer Song entsteht. Und das funktioniert kinderleicht: Man muss einfach nur einen Akkord in der MIDI-Timeline anklicken, woraufhin ein Akkord-Auswahl-Werkzeug erscheint. Je nach ausgewählter Tonart erscheinen dann die dazu passendsten Akkordfolgen oben orange und rot markiert. Unter Details kann man sogar noch mehr Varianten auswählen oder Akkorde sogar invertieren und unter insgesamt 11 verschiedenen Spielweisen wählen.

EZkeys Akkord-Auswahl-Werkzeug

Durch Klick auf einen Akkord im MIDI-Fenster kann man in EZkeys einfach neue Akkorde den MIDI-Noten zuweisen

Eigene MIDI-Noten aufnehmen

Über das Aufnahme-Bedienfeld haben Pianisten auch die Möglichkeit, ihre eigenen MIDI-Files innerhalb von EZkeys aufzunehmen und im MIDI-Browser zu speichern. Rudimentäre Nachbearbeitungsfunktionen, wie z. B. das Quantizieren, stehen in EZkeys bereit. Auch kann man natürlich seinen eigenen eingespielten MIDI-Noten nachträglich neue Akkorde zuweisen. Wem die Bearbeitungsmöglichkeiten innerhalb EZkeys nicht ausreichen, der kann die in der MIDI-Leiste aufgenommenen MIDI-Sequenzen einfach via Drag & Drop in die DAW ziehen, um dann dort die MIDI-Daten weiter zu bearbeiten.

Fazit

EZkeys ist ein Produkt, das gleich mehrere Anwendungsfälle bedient. Man kann EZkeys einfach als Piano-Library nutzen, die nach und nach um weitere Instrumente erweitert werden kann. Die große Stärke liegt jedoch vor allem in der MIDI-Funktionalität und machen EZkeys zu einem mächtigen Songwriter-Tool. So werden Menschen ohne jegliche Pianokenntnisse in die Lage versetzt, komplette Arrangements anzulegen und somit die Grundlage für einen Song zu schaffen. Erfreulich ist dabei das faire Preismodell. Die Vollversion von EZkeys kann via Sound Expansions für die Hälfte des Normalpreises pro weiterem Instrument erweitert werden und auch die MIDI-Packs gibt es zu lukrativen Bundle-Preisen.

 

Plus

  • vielfältige Einsatzmöglichkeiten
  • Preis-Leistungs-Verhältniss
  • MIDI-Funktionalitäten
  • Upgrade-Politik

Preis

  • Preis für Vollversion (Instrument kann frei gewählt werden): 149,- Euro
  • Sound Expansion: jedes weitere Instrument 69,- Euro
  • MIDI-Pack einzeln: 27,- Euro
  • MIDI 6 Pack Bundle: 99,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    „Wäre es nicht schön, wenn man nicht nur eine Piano-Library, sondern gleich den passenden Pianisten dazu kaufen könnte?“

    Nein.

  2. Profilbild
    defrigge  

    Als Nicht-Keyboarder kann man das wohl nützlich finden. Als Keyboarder kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, so was zu benutzen. Für ein paar Riff-Beispiele zum Durchhören wäre es mir zu teuer- zumal es für diesen Zweck haufenweise freie Beispielmidis und Youtube-Tutorials im Netz gibt. Und als Teil eigener Song-Strukturen hören sich die Toontrack-Midis für meine Ohren dann doch etwas eindimsional an (verglichen mit so was wie George Duke’s Soul Treasures oder sogar manchem frei erhältlichen Midi-Song- und Riff-Material)

    Wenn allerdings ein Drummer, Bassist oder Gitarrist mal eben ein Keyboard-Midi-Patern in einer der zur Verfügung stehenden Stilarten verwenden und damit zur Song-Erstellung rumspielen will, kann ich das gut verstehen und wünsche viel Spaß!

  3. Profilbild
    Ted Raven  AHU

    Erde an Toontrack: Pianos sind nicht die einzigen Tasteninstrumente.

    Aber auch wenn tausende Instrumente enthalten wären, könnte ich mit EZKeys nichts anfangen, da meine Arbeitsweise sich vollkommen von der Standard-Akkord-Spielweise unterscheidet. Bei mir setzen sich Akkorde fast immer aus mehreren Instrumenten auf unterschiedlichen Spuren zusammen. Ähnlich wie bei klassischer Musik, bei der die allermeisten Instrumente einstimmig sind. Deshalb kann ich mit vorgefertigten Akkorden grundsätzlich nichts anfangen.

  4. Profilbild
    0gravity  

    Im Prinzip versuche ich auch meine Ideen selber direkt umzusetzen. Ich habe daher die MIDI -Funktionalität von EZ-Keys erst einmal ausprobiert.
    Dabei bin ich dann recht schnell zu Arrangements und Pianobegleitungen gekommen, die ich alleine in dieser Qualität nicht hinbekommen hätte. Und man kann die MIDI Noten problemlos in die DAW ziehen um seine eigenen VSTs damit anzusteuern.
    Auch wenn ich es nicht brauche(n möchte) finde ich, dass da dem Hobbymusiker ziemlich viel muskalische Inspiration oder Unterstützung für das Geld geboten wird.

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