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Test: Toontrack Superior Drummer 3, Drum Software

3. September 2017

Großes Update mit reichlich Sounds

Bereits seit 2008 gibt es den Superior Drummer in der Version 2 und im Laufe der Jahre wurde er sicherlich auf unzähligen Produktionen eingesetzt. Obwohl der Hersteller Toontrack in der Zwischenzeit nicht untätig war und seine Kundschaft mit regelmäßigen Sound- und Drum-Erweiterungen versorgt hat, gab es bis dato kein wirkliches Update. In neun Tagen erscheint nun aber der Toontrack Superior Drummer 3 und wir durften die aktuelle Version bereits testen.

Info

Wie eingangs erwähnt, ist der offizielle Release des Toontrack Superior Drummer 3 erst für den 12.09.2017 vorgesehen. Für unseren Test haben wir vom Hersteller eine Vorab-Version zur Verfügung gestellt bekommen, genau genommen Version 0.9.9. In einigen – wenn auch sicherlich sehr kleinen Punkten – könnte sich die finale Version somit von unserer Testversion unterscheiden.

Wie in unserer zugehörigen News zum Toontrack Superior Drummer 3 bereits verraten, kommt die dritte Version des Software Drummers mit einer gewaltigen Gigabyte Menge an Daten daher. Auf Wunsch ist der Drummer daher auch in Verbindung und mit entsprechendem Aufpreis, mit einer SSD-Festplatte zu erwerben. Relativ zügig lassen sich die rund 230 GB aber auch mit dem Toontrack Download Manager herunterladen, über den später ggf. auch Erweiterungen für den Drummer geladen werden können.

Die Core Library mit den Standard Sounds und Klangeinstellungsmöglichkeiten umfasst rund 41 Gigabyte, das ist relativ schnell geladen. Wer das komplette Paket inklusive aller Raummikrofone und Surround Setups herunterlädt, sollte aber zumindest mal das Frühstück dazwischen schieben.

Nach dem Herunterladen geht die Installation sehr flüssig voran: Gewünschtes Format und Ziel auf der Festplatte wählen, Installation durchlaufen lassen und los geht’s. Der Toontrack Superior Drummer 3 kann entweder im Standalone Modus oder aber als VST-, AU- oder AAX-Plug-in innerhalb der DAW eingesetzt werden. Besitzer der Vorgängerversion 2 können bzw. müssen beide Versionen zunächst parallel einsetzen, denn Version 3 ist nicht abwärtskompatibel, alte Projekte werden nicht automatisch in Version 3 importiert. Allerdings lassen sich alle Samples von Version 2, sowie zugehörige Erweiterungen in Version 3 nutzen.

Das GUI (General User Interface) von Toontrack Superior Drummer 3 ist sehr übersichtlich gestaltet. Erster Blickpunkt ist natürlich das aktuell geladene Drumset, was sich unter dem ersten von vier Reitern versteckt. Hier wählt man natürlich nicht nur komplette Sets aus, sondern jedes Bestandteil von Kick Drum bis zum Becken kann individuell ausgewählt werden. Jedes Bestandteil wird sehr ansprechend grafisch dargestellt, auch das Laden von älteren Drumsets aus den Vorgängerversionen sowie das Importieren eigener Samples/Audio-Files ist möglich. Über eine Such- und Vorhörfunktion lassen sich die gewünschten Kit-Bestandteile schnell auffinden und aussuchen.

Insgesamt stehen im Superior Drummer 3 sechs Drumsets zur Auswahl, die Bandbreite erstreckt sich über die Hersteller Ayotte, Gretsch, Ludwig, Pearl, Premier und Yamaha. Über die normale Spielweise mit Sticks hinaus, hat Toontrack einige Sets auch mit Besen oder Hot Rods samplen lassen, das erweitert die Palette an Sounds nochmals. Alleine 26 Snares sind enthalten, zusätzlich eine Unmenge an Becken. Auch im Bereich der Electro Samples hat der Superior Drummer 3 einiges zu bieten, stattliche 350 Samples sind enthalten.

Auch bei der Anzahl der Spielweisen/Artikulationen hat Toontrack nicht gekleckert, sondern geklotzt und das trägt unheimlich zum hohen Realismus des Superior Drummer 3 bei. Allerdings wird das Ganze dann sehr schnell speicherintensiv. In der Regel braucht man pro Drumset zwischen 1 und 2 Gigabyte RAM. Lädt man zusätzliche Artikulationen, die ab Werk nicht zum Preset gehören, können es auch deutlich mehr sein. Natürlich kommt die Software auch mit einer Vielzahl von passenden MIDI-Grooves daher, auch hier ist die Auswahl sehr groß und vor allem breitbandig, dazu gleich mehr.

Aufnahmeraum in den Galaxy Studios

Das Recording für Toontrack Superior Drummer 3 fand in den berühmten belgischen Galaxy Studios statt und kein geringerer als George Massenburg wurde hierfür als Toningeniuer verpflichtet. Massenburg hat in seiner Karriere als Engineer bereits für Earth, Wind & Fire, Herbie Hancock oder Billy Joel gearbeitet, dazu viele technische Innovationen entwickelt und vorangetrieben. Das man für solch ein komplexes Projekt, das die Positionierung von insgesamt 19 Raummikrofonen erfordert, die später in Mixes bis hin zu 11.1 Surround Setups klingen sollen, einen solch erfahrenen Mann verpflichtet, kann man nur hoch einschätzen.

Neben diesem Mammutprojekt musste Toontrack allerdings auch bedenken, dass die Samples der Vorgängerversionen in der aktuellen dritten Version verfügbar sein sollten, was bedeutet, dass man Samples aus unterschiedlichen Recording Sessions und Studios so zum Klingen bringen muss als ob sie aus einem Set stammen, sicherlich kein einfaches Unterfangen.

Ansicht

Neben dem Hauptfenster Drums, dass neben der Auswahl des Kits im unteren Fensterbereich auch eine Track-Übersicht bietet (hierüber lässt sich Drummer-intern ein kompletter Song erstellen und bearbeiten) und das Feintuning (Tuning, Velocity Curve, Soft Hit Level, MIDI Einstellungen etc.) jedes Instruments erlaubt, bietet der Toontrack Superior Drummer 3 die Fenster Grooves, Mixer und Tracker. Alle Fenster lassen sich auf Wunsch voneinander lösen und so auch nebeneinander platzieren, vor allem für den Mehrbildschirm-Betrieb eine komfortable Arbeitsweise. Die Fenster lassen sich dazu alle in der Größe individuell verkleinern und vergrößern.

Grooves

Hat man sein Wunsch-Drumset zusammengestellt, geht es an den Groove. Über 1.600 vorgefertigte Grooves aus allen erdenklichen Stilrichtungen bringt der Toontrack Superior Drummer 3 mit. Alle Pattern basieren natürlich auf MIDI-Daten und lassen sich entsprechend bearbeiten und anpassen. Das muss ab sofort nicht mehr zwingend in der DAW geschehen, sondern kann direkt im Plug-in Fenster editiert werden. Hierfür steht ein eigener Grid-Editor parat, über den man einzelnen Schläge umgehend anpassen, lauter/leiser und rausnehmen kann. Allerdings hat der Editor seine Grenzen, Swing-Quantisierungen und Triolen lassen sich hiermit (noch) nicht vornehmen.

Die Auswahl des passenden Pattern erfolgt entweder über die vorgegebenen Stilrichtungen/Genre und weiteren Filtermöglichkeiten oder man nutzt die „Tap2Find“-Funktion, mit Hilfe derer man mit der Computermaus seine Vorstellung des Grooves „eintappt“.

Mixer

Weiter geht es mit der Mixer-Seite, die aufgrund der vielfältigen Raummikrofone ab sofort eine unermessliche Anzahl an Optionen bietet, da muss man erstmal durchsteigen. Natürlich kann man auch alles in Stereo mixen, aber wenn man schon die Möglichkeit hat so viele Raummikrofon-Informationen zu nutzen, dann sollte man das auch tun. Hierdurch ergeben sich nämlich vielfältige Möglichkeiten den Klang zu individualisieren und schöne Effekte zu erzielen. Alle Mixer-Spuren lassen sich auf Wunsch einzeln an den DAW-Mixer ausgeben, so kann jedes Instrument nochmals extern mit Plug-ins bearbeitet werden.

Allerdings bietet der Toontrack Superior Drummer 3 selbst bereits eine große Anzahl an Effekt Plug-ins. 35 Effekte sind in Zusammenarbeit mit Overloud entstanden, hierzu gehören neben Nachbildungen alter Klassiker von Neve oder Urei auch ein Transient Designer oder ein Multiband-Kompressor. Auch ein Reverb findet sich nun im Superior Drummer.

Die Arbeit mit dem Drum-Mixer ist sehr intuitiv gehalten und unterscheidet sich nicht sonderlich von einem DAW-Mixer. Allerdings bietet der Toontrack Mixer die Möglichkeit, das Übersprechen einzelner Kanäle zu steuern und zu editieren, ebenso lässt sich nicht nur der Raumanteil individuell einstellen, sondern auch das Ausklingverhalten regeln. Alles Punkte die zum überaus realistischen Klangverhalten des Superior Drummer 3 beitragen.

Drum Replacer

Zu guter letzt bietet der Toontrack Drummer in seiner dritten Version eine Drum Replacer Funktion, d.h. Audioaufnahmen – auch Multispuraufnahmen – eines echten Schlagzeugs lassen sich importieren, analysieren und in MIDI-Pattern verwandeln. Danach ist der Weg natürlich frei um einzelne oder alle Noten mit Samples anzureichern oder zu ersetzen. Klingt technisch schwierig, ist es auch, aber der Superior Drummer 3 macht das tatsächlich sehr gut. Erstaunlich ist bereits die Handhabung bei der Importierung von Multispuraufnahmen, denn die Software erkennt größtenteils automatisch um welches Instrument, Kick, Snare oder Tom, es sich handelt. Der Clou: Die Software liest den Spurnahmen wie „Snare-1.wav“ oder „SN-1.wav“ und setzt die entsprechende Spur auf den richtigen Drumset-Slot. Klappt das mal nicht oder kann die Software nichts mit den Spurnamen anfangen bzw. kann den gespielten Rhythmus nicht mit einem bestimmten Instrument verbinden, lässt sich dies auch manuell zuweisen. Das Ergebnis ist oft sehr gut, selten perfekt, aber im Gegensatz zu anderen erhältlichen Drum-Replacer Programmen ist der Superior Drummer 3 ganz vorne an der Spitze zu sehen.

Um die Bearbeitung von mehreren Parametern zu verbessern, hat Toontrack dem Superior Drummer 3 eine Makro-Funktion spendiert, d.h. es lassen sich mehrere, völlig unterschiedliche Parameter kombinieren und über einen Regler steuern. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt, d.h. Tuning einer Tom verbunden mit dem Transient Designer und dem Halleffekt, alles kein Problem.

Fazit

Man muss es auf den Punkt bringen: Klang, Funktionsvielfalt und Editiermöglichkeiten sind beim Toontrack Superior Drummer 3 einfach gigantisch. Die Anzahl der zur Auswahl stehenden Kits sowie deren Samples ist sehr hoch und qualitativ einwandfrei, doch in Verbindung mit den vielfältigen Artikulationen sowie deren Editiermöglichkeiten, egal ob direkt über die Instrumente oder später im Mixer, wird das Ganze zum richtigen Knaller. Man muss Toontrack einfach ein großes Kompliment aussprechen, man merkt, dass der Hersteller sich vorab viel Gedanken über die neuen Funktionen gemacht hat und man in George Massenburg einen Toningenieur gefunden hat, der viel Erfahrung mitbringt. Ein unerlässliches Kalkül für solch ein komplexes Produkt.

Wichtig und fair ist es, dass Toontrack nicht nur neue Kunden ansprechen möchte, sondern seine bisherige Kundschaft pflegt, indem bisherige Kits und Erweiterungen ansprechend in die aktuelle Version integriert werden können, auch wenn Version 2 und 3 nicht zueinander kompatibel sind.

Mit dem Toontrack Superior Drummer 3 ist deutlich mehr möglich als einfache Drum-Pattern abzufeuern, das sollte man beim Preis von rund 329,- Euro nicht vergessen. Die Software erlaubt individuelle und vielfältige Anpassungen, was einerseits Einarbeitungszeit und Erfahrung fordert, letztlich aber zu einem sehr hohen Realismusfaktor führt. Absolute Empfehlung für den Superior Drummer 3.

Plus

  • Klang
  • Soundauswahl
  • Bearbeitungsmöglichkeiten
  • Surround Setups
  • Tracker

Preis

  • Ladenpreis:
  • Superior Drummer 3: 329,- Euro
  • Superior Drummer 3 (inkl. SSD Festplatte): 512,- Euro
  • Upgrade: 169,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Am 12.09.2017 ist mein neuer Geburtstag! Ich sag nur, GEKAUFT! Freu!
    Bei den Drums war Toontrack schon immer genial.

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