Test: UVI Emulation II, UVI Drumulation, Software-Clones von EMU Emulator II and Drumulator

2. Juni 2012

UVI Emulation II

Ich gestehe – und langjährige AMAZONA.de-Leser wissen es längst: Ich war jeher ein großer Fan der EMU-Sampler-Serie. Angefangen vom Emulator II bis hin zum Emu IV XT Ultra. Selbst als ich für AKAI-PROFESIONAL in den Neunzigern die Werbetrommel für die S-Serie drehte, besaß ich immer klammheimlich meine geliebten Emus. Seinerzeit war das fast eine Glaubensfrage zwischen Usern, vergleichbar heute mit den APPLE und WINDOWS Lagern.

Den Ur-Emulator hatte ich nie in den Fingern, wohl aber die Klassiker Emulator II, Emulator III und Emax I, die allesamt über eine analoge Nachbearbeitung verfügten, resonanzfähiges Filter inbegriffen. Auch die rein digitalen Nachfolger wie Emu III (Rack), Emax II sowie die ganze EMU IV Serie waren zeitweise in meinem kleinen Studio, und auch heute bin ich immer noch Besitzer eines E6400 ULTRA.

Besonders aber der Emulator II hatte ein unverwechselbares Klangbild, das man vor allem auch heute noch auf vielen Peter Gabriel LPs dieser Zeit heraushören kann. Selbst als längst 12 Bit Sampler, allen voran der AKAI S900, den Markt eroberten, schworen zahlreiche Musiker und Studios weiterhin auf den 8 Bit Sampler der Marke Emu, der auch in Testberichten immer und immer wieder Bestnoten erhielt und seine 12 Bit Konkurrenten in den Schatten stellte.

Zurück in die Gegenwart

Als mich die UVI Pressemitteilung erreichte, dass es nun einen Clone des beliebten EMULATOR II geben werde, da konnte ich es kaum abwarten, bis ich „Emulation II“ auf meinem Rechner hatte. Einen BLUE BOX Report zum Original findet Ihr übrigens HIER.

Bei der Installation stellte ich fest, dass der benötigte und vor allem kostenlose Player „UVI-Workstation“ nun in der Version V. 203 vorliegt und ohne sich ohne dieses Update der „Emulation II“ nicht starten lässt. Zu meinem Leidwesen funktionierte nach dem Update zwar die Neuerwerbung tadellos, aber leider machten ältere UVI-Soundpakete Probleme. Erst nachdem ich auch die älteren Soundpakete alle einzeln über Updates aktualisiert hatte, war auch dieses Hindernis beseitigt.

Der EMULATION II präsentiert sich aufgeräumt und im „Look-A-Like“ des Vorbildes. Das Highlight ist aber die mitgelieferte Werkslibrary des original Emulator II, die den Großteil der Klänge der original Library abdeckt. Diese benötigt 4,7 GB Speicher und wird automatisch zusammen mit dem Plugin installiert. Nun fragen sie sich natürlich, wo diese für damalige Zeiten unglaubliche Speichermenge herrührt. Die  Original-8Bit Sounds, die ursprünglich auf 5 1/4 Zoll Disketten gespeichert waren, wurden nicht einfach konvertiert, sondern über den EMU II abgesampelt. Aus einem Sound mit 125kb kann dann schon mal ein Sound mit 30 MB werden. Der Vorteil, der Klangcharakter des Vorbilds bleibt erhalten, denn gerade die Engine des EMU II hat ja viel zur Klangästhetik des Kultobjekts beigetragen.

Der originale EMU II von 1984

Die Klangmodule des Emulation

Lautstärke und Filter haben jeweils ihre eigene ADSR Hüllkurve. Beide Hüllkurven lassen sich komplett abschalten oder bei Verwendung in ihrer Intensität regeln. Das Filter selbst kann über Resonanz (Q) und Cut Off editiert werden. Die UVI Filter klingen anständig, sind aber weit entfernt vom Charakter des original EMU II. Hier wurde also kein eigenes Filter für den Emulation II entwickelt, sondern das Standard-UVI-Filter verwendet, welches auch bei allen anderen Soundpaketen zum Einsatz kommt. Aber wie gesagt, es erfüllt seinen Zweck, nur werden Puristen eben bemängeln, dass es eben keine EMU II Kopie ist.

Im Modul STEREO lassen sich die Mono-Samples entweder alternierend mit jedem Tastenanschlag dem linken bzw. dem rechten Kanal zuordnen oder über UNI doppeln und leicht gegeneinander verstimmen. Diesen künstlichen Chorus-Effekt hat EMU in seinen Sample-Engines immer schon gerne verbaut, um den Sounds mehr Breite zu verleihen. Der Grad der Verstimmung lässt sich frei bestimmen. Wie weit die beiden gedoppelten Samples dann im Stereopanorama auseinander liegen, regeln Sie mit SPREAD. Setzt man beide Samples mittig übereinander, kommt es zu einer Art Flanging (und zu Phasenauslöschungen im Mono-Mix). Aus dem COLOR Poti bin ich nicht ganz schlau geworden, aber der Sound ändert sich in Tonhöhe und Filter und … am besten, Sie hören sich die Soundbeispiele an. (Mit Effekt ist hier ausschließlich der Color-Effekt gemeint)

Auf den ersten Blick nicht ersichtlich, aber vorhanden: der LFO. Er versteckt sich im Modwheel Modul und kann Einfluss nehmen auf Lautstärke, Tonhöhe und Filter. Regelbar sind jeweils die Geschwindigkeit und Tiefe, mit der der LFO auf sein Ziel einwirkt, aber immer in Abhängigkeit von Modulationsrad.

An direkten Effekten lassen sich Phaser, Delay und Reverb aktivieren. Selbstverständlich hatte der EMU II seinerzeit keinen der hier genannten Effekte, aber dennoch ist es schön, direkt im Plug-in Zugriff auf die wichtigsten Effekte zu haben. Im UVI Rack lässt sich diese Auswahl deutlich umfangreicher editieren als direkt auf der GUI.

Zu guter letzt folgt ein BIT CRUSHER, der selbstredend damals ebenfalls nicht an Board war. Was der BIT CRUSHER aus unseren schönen, alten 8Bit LoFi Sounds macht, können Sie ebenfalls an einem Soundbeispiel hören. Wollte man damals eher vermeiden, dass man die niedrige Sampleauflösung akustisch zu sehr wahr nimmt, gilt das heute als musikalischer Effekt, der gerade sehr im Trend ist.

Die Emulation Library

Library & Sounds

Sicher werden Analogfreaks ihren EMU II nicht wegen dieses Plug-ins aufgeben, aber ich muss zugeben, dass mich EMULATION II wirklich begeistert hat. Der Klang kommt dank der originalen Samples seinem Vorbild sehr nahe. Die wenigen, aber effektiven Parameter verbiegen die Samples, dass es nur so eine wahre Freude ist, daran herumzuschrauben.
Vor allem hauchige Pads und ausgefallene Chorsounds haben es mir angetan. Aber auch der Rest hat Charme, sofern man auf Popmusik der 80er steht.

DRUMULATION oder DRUMULATOR?

Mit dem Emulation erhalten Sie frei Haus auch den einstigen Drumcomputer des Hauses EMU, den Drumulator, bei UVI DURMULATION genannt.

Über acht Slots (zwei davon sind immer sichtbar) lassen sich 8 Samples über die klassische Lauflichtprogrammierung den Beats zuweisen. Jeder Slot kann mit einem beliebigen Sample belegt werden. Tonhöhe, Panorama, Highpass- und Lowpass-Filter stehen zur Editierung bereit. 20 vorprogrammierte Drumsets stehen zum Abrufen bereit. Klassiker wie TR oder Simmons sind selbstverständlich auch vorhanden, aber in erster Linie Sets, die an die 80er erinnern wie „Cameo Style“ oder z.B. „Art of Box“.  Ein paar hundert einzelne Drumsamples stehen dann auch zur individuellen Bestückung der Slots bereit. Sicher kein Konkurrent zu BATTERY, aber das soll hier auch keine Materialschlacht sein, sondern eine feine, kleine Auswahl an Sounds der 80er.

Der originale Drumulator

Auch hier gilt wieder die Devise: „Keep it simple and have fun.“  Da gibt’s kaum was „nicht“ zu verstehen, und innerhalb weniger Minuten hat man tolle Tracks gebastelt. Leider lassen sich die Pattern nicht shufflen oder die einzelnen Slots mit unterschiedlichen Auflösungen fahren. Aber als Bonus ist die Drumulation ein willkommener Gast in meiner Plug-in Sammlung.

Außerdem kann jeder Beat über eine Akzent-Funktion in seiner Lautstärke angehoben werden, aber auch jeder Slot lässt sich wie an einem Mischer in seiner Lautstärke individuell regeln. Das war’s.

Fazit

Emulation und Drumulation klingen überzeugend, haben eine tolle Library on-board und sind extrem einfach zu bedienen. Nach all den unzähligen VAs und Synth-Boliden diverser Hersteller ist das blaue Duo erfrischend „anders“ und hat seinen ganz eigenen Charme, den ich persönlich sehr schätze. Natürlich bleibt das Original das Original. Ein Sampleplayer wird den E-Mu Emulator II nicht gänzlich ersetzen können, aber teilweise eben schon.

Plus

  • 80er Feeling pur
  • originale EMU II Library on board
  • sehr leicht zu bedienen
  • tolle Klanggestaltungsmöglichkeiten

Minus

  • leider Standard UVI-Filter (keine EMU II Emulation)
  • keine Shuffle-Funktion beim Drumulation
  • keine verschiedenen Auflösungen beim Drumulation Sequencer

Preis

  • 200$
Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Der EII ist ein Traum und der unvergleichliche Klang lebt nun mal ganz besonders durch das analoge Curtis-Filter. Hier muss das Plug-In leider passen und degradiert es zum schnöden Sample Player. Eigentlich schade, denn der Ansatz ist ja gut. Das Original läßt sich so natürlich nicht ersetzen. Danke für den Test.

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        arrg! was schreibe ich bloß ?! ;D
        natürlich hat der EII ein SSM2045 24dB filter.

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        beim emax ist es ein SSM2047 für VCF und VCA.

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      Die haben den Königsweg gewählt und den vom EII processed und designed Sound direkt aus dem EII Output neu gesampelt und dann in den UVI Player geschafft. Wie man sieht, kostet das ja auch ne Menge MB. Ist ein bisschen wie einen analogen Synthesizer absampeln. Eine bessere Methode für Authentizität wahren wüsste ich jetzt auch keine.

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        Tyrell  RED 111

        Sehe ich auch so. Das Ding ist ein Player, ganz klar. Kann ja auch nicht samplen. Und dafür bringt es einem zumindest die Werkslibrary authentisch ins heimische Studio.

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          ja ich finde auch gut dass man die genialen EII Sounds konserviert und für die breite Masse zugänglich gemacht hat. Die Sounds der EII soundlibrary erfreuen sich immer noch sehr großer Beliebtheit. Die Software erhebt ja auch keinen Anspruch ein vollwertiger EII Ersatz zu sein, klar. Man will manchmal nur etwas mehr… ;)

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    Atomicosix  

    Also ich finde es sehr gut, daß es eine Möglichkeit gibt 80er Samples-Sound auf dem Computer wiederzugeben. Es gibt nur wenige Musiker die sich für viel Geld ein technisch total veralteten Original-Sampler zulegen. Im Vergleich zu gängigen Software-Samplern klingen die Sounds doch etwas andersartig, was für die Emulation II spricht. Das Soundfutter stammt nicht nur vom E II sondern auch zum großen Teil vom Fairlight und teilweise auch vom Roland D50.

    Allerdings ist die Aktivierung vom iLok-Key nichts für schwache Nerven (…).

    Vielen Dank UVI !!!

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      Das liegt daran, dass damals aktuelle Synths abgesampelt wurden, allen voran D50, DX7, Prophet VS. Wegen geringer Speicherkapazität in für heutige Ansprüche unzureichendem Multisampling und oft kurzen Einzelsamples. Was recht eigenständige Sounds im EII zur Folge hatte, und nur kaum an die Originale erinnert. Fairlight Samples wiederum wurden auch mit EII abgesampelt, ebenso DSS1 und S550. Im Grunde ein ziemlich buntes Hin- und Hergesampele. Dass man mit sowas durchaus neuen Eigencharakter erzeugen kann, ist für manche Leute heute noch Inspiration, das mal mit aktuellen Samplern auszuprobieren, und die UVI Leute machen es mit ihrem Produkt ja auch vor. Das gilt auch für das umgekehrte Verfahren, also extrem kurze Samples und One-Shots ohne jegliches Multisampling. Einen Exkurs dazu hatte ich in der Folge 5 Modern Sampling hier beschrieben, steht im Artikelarchiv.

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    Klingt zwar verlockend aber ist nix für mich… nicht zu dem Preis. Der Drumulator staubt mir daheim zu und die originalen Emulator Libraries betreibe ich mittlerweile im Kontakt Format.

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    micromoog  AHU

    Zum Thema sage ich mal nur soviel:

    Die Soft verhält sich zum EII wie ein Klaus Kinski Poster vs. Kinski himself!

    Der EII wischt mit der Soft sowas von den Boden auf, da wird selbst Meister Propper und Domestos blaß!

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    balpirol  

    Software hin, Hardware her – egal, wie man es sieht. Nie wie eine Sache so klingen wie eine andere Sache. In 50 Jahren wird es keinen/kaum noch einen Vintage Hardware-Sampler geben. Die Zukunft liegt nun mal in den Computern und hier ist/wird alles möglich /sein. Ich nutze einen E4-Platinum als auch Akai z-8 im Vergleich zum Apple. Es bestehen erhebliche Differenzen, doch trotzdem haben beide ihre Berechtigung, je nach Sichtweise….

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      AMAZONA Archiv

      03.12.2013 – 20:23 Uhr
      In 50 Jahren wird es keinen Hardware Sampler mehr geben? Ich komme aus der Zukunft, wir schreiben das Jahr 2017 Ende August ungefähr und man hat die meisten Sampler bereits abgeschafft? Nein eher waren es die PCs und die Macs, es gibt nämlich was neues, man nennt es Handy. Klein schwach und läuft mit Batterie und Empfangsstark, ideal auch zur Stasi total Überwachung von unserer Regierung Regime missbraucht. Es hat inzwischen Intel fast das Genick gebrochen und Prozessoren werden kaum noch weiter Entwickelt. Mediamarkt verkauft inzwischen nur noch Handys und Küchenmaschinen und schwachbrünstige Mini Laptops mit Atom Prozessor zum email schreiben.

      Tja und der Musiker? Nutzt trotzdem PC und Mac intensiver als je zuvor, und Nein Hardware Sampler gibt es immer noch, mit perfekter PC Anbindung. Eben alles ein wenig anders.

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        balpirol  

        Dann lad mal eine 128GB umfassende Sample-Library in Dein SP. Dazu noch eine kleine Musik-Library von 512GB und eine Chessbase-Datenbank mit 7 Mio Partien. Abgesehen von den 150000 Ebooks. ….
        Cloud ? Auf dem Atlantik und an vielen verschiedenen Orten der Welt hast Du darauf keinen Zugriff. Abgesehen von den Kosten, die entstehen , wenn Du mal lurz 100TB Daten hochladen möchtest..

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    AMAZONA Archiv

    Sodele, liege denn voll im Musikertrend…. letztes Projekt im alten PC fertiggestellt…und nee, nu wird nicht im Smartphone oder IPad gemukkt, sondern in einer phatten 8 Kern Produktionsmaschine….

    @ amazonaman
    In diesem Jahr hat der fast totgeglaubte CPU Hersteller AMD ordentlich Schub gebracht im Prozessormarkt. 2017 ist ein gutes Jahr für ein mehr an Leistung und Entwicklung im PC Sektor, ein gutes Jahr für Studioproduktionen.

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      AMAZONA Archiv

      Das Stimmt mit AMD geht wieder was, aber ehrlich gesagt waren die letzten Jahre PC Fortschritte nur sehr mager seit dem das Handy den Privaten Kunden völlig eingelullt hat. AMD kann jetzt Intel ganz gemütlich Paroli bieten.
      Natürlich stellt ein Handy im Gegensatz zum Mac oder PC eine wahre Witz Figur dar, aber so manche iPhone music production App Hersteller glaubt die Zukunft neu zu definieren.
      Was mit dem neuen PC alles geht ist wahnsinnig und das wird wohl so bleiben.

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    Hoffe ja, dass die Leute allmählich erkennen, dass Smartphones sie zu Zombies machen. In jeglicher Hinsicht. Von Kommunikation, Wahrnehmung bis hin zur Gesundheit. Die Schädigung ist ja jetzt schon immens. Gibt ja mittlerweile auch erschreckende Studien dazu.

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