Test: UVI Beatbox Anthology 2, Drumbeats Plug-in

21. Juni 2017

Drumcomputer Heaven!!

Ich bin ein großer Freund von Drumcomputern und hatte da auch mal eine schöne Sammlung an digitalen und analogen Klassikern. Doch nach und nach wurden diese abgesampelt und wieder „vertickt“. Seitdem nutze ich die Samples mit BATTERY oder seit Neuestem – wenn ich wirklich Hardware einsetzen möchte – in meinem ANALOG RYTM.

Als UVI vor Jahren seine erste Beatbox Anthology auf den Markt brachte, war das genau mein Ding. Alle erträumten Schätze, von denen ich nur einen Bruchteil selbst besessen hatte, in einer Software. Doch schon bald kam die Ernüchterung, denn das Plug-in bestand nur aus Samples und ein paar Audioloops.

Mit BEATBOX ANTHOLOGY 2 haben die Franzosen nun nachgelegt und all die Schwachstellen der alten Version beseitigt und sie übrigens auch gänzlich ersetzt. UVI BEATBOX ANTHOLOGY 2 ist also keine Ergänzung zur alten Version, sondern ein Upgrade. Genau als solches hätte ich dann auch auf eine moderate Preispolitik gehofft. Pustekuchen! BA-1 Besitzer müssen exakt denselben Preis bezahlen wie Neueinsteiger – 149,- Euro.

BEATBOX ANTHOLOGY 2 benötigt als Basis UVI FALCON, den kürzlich mein Kollege Johannes Kothe ausführlich getestet hat, oder UVIs kostenlose WORKSTATION. Beide bindet man als Plug-in letztendlich in eine beliebige DAW ein.

Die Registrierung ist bei UVI wie üblich ein Kinderspiel. Ob man die Lizenz nun auf seinen iLOK-Dongle schiebt, der den Rechner autorisiert, beides geht reibungslos.

Die komprimierte Download-Datei ergiebt am Ende auf der HD 3,1 GB an Daten, fast 1 GB weniger als beim Vorgänger und das bei mehr Sounds und Maschinen – löblich. ich schätze, die fehlenden Audio-Loops haben hier den Speicherplatzbedarf deutlich reduziert.

Die neue Oberfläche von BEATBOX ANTHOLOGY 2 macht sofort klar, das ist nicht nur eine Sample-Library, sondern ein Groove-Tool. Ganze 111 Drumcomputer mit 11.000 Einzelsounds aus allen Epochen sind vertreten und gut sortiert abrufbar. Sehr nett, die kleinen Grafik-Icons der Hardware-Boxen sind vom Vorgänger übernommen worden und wissen zu gefallen.

Icon des Casio RZ-1

SOUND

Bereits der Vorgänger war in dieser Kategorie über jeden Zweifel erhaben. Nun mag man meinen, es kann ja nicht schwer sein, den Sound eines Drumcomputer zu sampeln. Doch da gibt es große qualitative Unterschiede. Zum einen müssen selbst 12 Bit Samples einer EMU-SP12 mit hohen Sampelraten aufgenommen werden, um eben genau den originalen Charakter zu erhalten, zum anderen müssen Lautstärken angeglichen werden. Hinzu kommen Attack- und Release-Phasen, die ebenfalls mit Sorgfalt eingestellt werden wollen. All das hat das UVI-Team getan (wenn auch zum großteil schon für Part I) und im Falle der analoge Klassiker auch für unterschiedlichste Einstellungen.

Übrigens sind nicht nur Klassiker enthalten, sondern auch Neulinge wie z.B. Arturias DrumBrute.

KITS

Zunächst liegen alle Drumcomputer in speziell zusammengestellten Kits vor. In einem TR-808 Set wird man also keine TR-909 finden. Zusätzlich gibt es aber auch frei zusammengestellte Kits mit kryptischen Namen unter Custom und .. das fand ich eine geniale Idee… sogenannte Recreation Kits, bei denen versucht wurde, authentische Kits zu Popklassikern zusammenzustellen.

Wer wollte nicht schon immer mal Herbie Hancocks Rockit oder Queens Radio Gaga unter den Fingern haben. Und die gute Nachricht, die Jungs haben sich echt alle Mühe gegeben, um die Sounds (inkl. Effekten) der Pop-Hits so gut wie möglich authentisch nachzubilden.

Zusätzlich gibt es nach wie vor noch einige Audio-Loops, Fills und Impacts für Akzente, In- und Outros.

Jedes der Sets lässt sich natürlich individuell anpassen … aber … mir ein vollkommenes Rätsel, nur innerhalb des DAW-Projekts, aber nicht als eigenes Custrom-Kit abspeichern und benennen.

EDIT

Jeder Sound kann aus bis zu drei Klangkomponenten bestehen. Drei Samples oder zwei Samples und ein Tone. Tones sind quasi kleine Single-Oszillatoren Synths, mit denen man die Sounds andicken kann oder ihnen ein knackigen Snap hinzufügt. Diese Funktion steht allerdings nur den Slots für die Kick-Drum, Snare 1 und Snare 2 zur Verfügung.

Hier ein Beispiel, bei dem ein TR-909 Sample durch einen voluminösen „Bauch“ angedickt wurde.

Leider stehen für ein Kit nur 12 Slots zur Verfügung. Und Slots können auch nicht frei belegt werden, sondern sind einem speziellen Soundcharakter fest zugeordnet. Im Zusammenhang mit dem fest verdrahteten Sequencer macht das aber durchaus Sinn. Außerdem bekommt man im Slot immer nur eine Auswahl an ähnlichen Klängen angeboten, was das Durchsteppen von Alternativen deutlich einfacher gestaltet.

Die Parameter beschränken sich sonst pro Element auf das Wesentliche, wie dreistufige Hüllkurve, Tuning, Offset. Pro Slot lässt sich einstellen Volume, Velocity, Kompressor und Dreiband-EQ sowie die Möglichkeit, einen oder alle vier Insert-Effekte anzusteuern. Übergeordnet pro Slot gibt es (linke Seite) nochmals eine Masterlautstärke und einen Panoramaregler. Für meinen Geschmack wunderbar übersichtlich und ausreichend, um kreative Drumkits zu erzeugen, ohne ein Handbuch bemühen zu müssen.

Ein schwerer Lapsus ist mir aber dennoch aufgefallen – und das ist unverzeihlich. Es gibt weder hier noch später auf der Sequencer-Page die Möglichkeit, Sounds Exklusiv-Gruppen zuzuordnen. Klassisch ist das die geschlossene HiHat, die die geöffnete HiHat stoppt. Eigentlich war ich bis dahin gewillt dem Plug-in die Best-Note zu verleihen, aber das hat mich dann doch schwer schockiert. Wie kann man denn eine Drumcomputer-Emulation bauen OHNE dieser Funktion? NACHTRAG vom 21.12.: Diese Funktion wurde mittlerweile seit Version 1.04 nachgereicht. Leider gibt es dieses Feature aber nur für die offenen HiHats.

Effekte

Wie oben beschrieben, kann jeder Slot über vier Returns vier Effekte ansteuern. Zwei Delays und zwei Reverbs. Ausgefallenere Effekte müssen dann über die Multi-Out Version des Plug-ins aus der DAW genommen werden. Als Master-Effekt gibt es noch einen weiteren Dreiband-EQ und einen Bitcrusher. „Wenn’s schee macht …“, denn in der Regel wird man hier aus der DAW wiederum amtlichere Effekte hinzuziehen.

SEQUENCER

Ein einfacher, aber dadurch auch leicht zu bedienender Stepsequencer war genau das, was der Vorgängerversion am meisten fehlte.

Schön an diesem Exemplar, die wirklich zahlreichen und inspirierenden Sequencer-Presets, mit denen man immer eine hervorragende Ausgangsbasis für eigene Kreationen hat. Für Tüftler bietet die Page aber wirklich nur Hausmannskost. Irgendwelche Parameter (und sei es nur Panorama) dem Sequencer zuzuweisen, „… is nich .t..“.

YT-VIDEO

Hier noch ein YT-Video von UVI mit einem kleinen Rundgang:

Und auf Soundcloud finden sich zahlreiche Demosounds und Songs zum Produkt auf der UVI-Seite:

Fazit

UVIs BEATBOX ANTHOLOGY 2 hat die meisten meiner Wünsche nach der ersten Version erfüllt, die eigentlich nicht mehr als eine Sample-Library war. Mit BBA2 wurde das Tool erwachsen und lässt sich innerhalb einer DAW nun wirklich enormn kreativ und extrem simpel einsetzen. Der Klang kann dabei voll und ganz überzeugen.

Ab Version 1.04 gibt es nun endlich auch einem „Choke-Button“ bei den geöffneten HiHats, der ein Abklingen verhindert, wenn eine geschlossene HiHat gespielt wird.

Liebhaber von Drumcomputern jegliche Couleur kommen jedenfalls mit der BEATBOX ANTHOLOGY 2 voll auf ihre Kosten (bis auf die genannten Einschränkungen).

Plus

  • überzeugender Sound
  • enorm umfangreiche Sammlung an sehr gut reproduzierten Klassikern
  • Kit-Library mit Sets berühmter Popsongs
  • schnelle und einfache Bedienung
  • Sehr gute Stepsequencer-Presets als Basis für eigene Kreationen

Minus

  • keine abspeicherbaren Custom Kits
  • Sequencer kann nur Note-on-Befehle wiedergeben

Preis

  • 149,- Euro
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Jo, klingt interessant. Auf Loops verzichte ich gerne. Und quantitativ ist ja ordentlich was geboten.
    Mal gucken….

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    gaffer  AHU

    Mir ist einer Kette von Geräten sagen wir mal Masterkeyboard > DAW oder PlugIn in der DAW immer am liebsten, wenn die Einstellmöglichkeit nur in EINEM Device ist, bzw. dort erledigt wird. Also dummes Masterkey mit guter Tastatur und Controllern, aber bitte ohne 25-fach Split/Layer, oder noch schlimmer, mit zusätzlicher Software (Novation). Deshalb ist das letzte, was ich in einem PlugIn verwenden würde ein eigener Sequenzer. Da muss ich dann an zwei Stellen eingreifen. OK, manchmal hat der interne Sequenzer einen Vorteil, meist aber nicht, siehe hier, der kann fast gar nix. Und mir ist lieber bei der DAW statt der üblichen 15% mich langsam in Richtung 20% Verwendung aller Funktionen zu orientieren.

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      AMAZONA Archiv

      ´Timmt!

      Einen VSTI-internen Sequenzer braucht man nicht wirklich. Wäre mir beim Aufnehmen auch zu umständlich, diese Switcherei. Muss man ja nicht nutzen. Eher ein Gimmick für den Einen oder Anderen.

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    AMAZONA Archiv

    Schade jetzt fand ich die drums nun gar nicht schlecht, aber leider habe ich kein Falcon. Tja das war Pech.

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