Test: Elektron Analog Rytm Update 1.30, Overbridge 1.10, Drumcomputer

5. Juni 2016

Mehr Dampf für den Schweden-Hammer

In den Foren wurde vorab bereits darüber spekuliert, wie viele neue Synthesemaschinen das Analog Rytm Firmware Update auf Version 1.30 wohl enthalten mag. Zwei, drei oder gar fünf? Als dann bei Veröffentlichung klar wurde, dass Elektron sage und schreibe zwölf(!) neue Synthesemaschinen in das Update gepackt hat, war die Begeisterung groß.

Gleichzeitig dazu bekam das Integrations-Plug-in „Overbridge“ ebenfalls ein dickes Update mit der Version 1.10.1 verpasst, das völlig neue Möglichkeiten der Integration der Analog Rytm bietet. Den ursprünglichen Test der Analog Rytm findet ihr hier. In diesem Update Test beschränke ich mich auf die Neuerungen der aktuellen Version.

Elektron Analog Rytm

Elektron Analog Rytm

Die neuen Synthesemaschinen

Zunächst ein paar Worte zu den neuen „Machines“, wie die Parameter-Sets zur Steuerung der analogen Klangerzeugung genannt werden.

  • Basic Hi-Hat
  • Metallic Open Hi-Hat
  • Metallic Closed Hi-Hat
  • Ride Cymbal
  • Metallic Cymbal
  • Metallic Cowbell
  • Sharp Bass Drum
  • Silky Bass Drum
  • Plastic Bass Drum
  • Natural Snare Drum
  • Noise Generator
  • Impulse Generator

Einen Überblick über die neuen Machines gibt es im Elektron-Video auf YouTube. Besonders hervorzuheben sind dabei die vier Machines: Plastic BD, Impulse Generator, Basic HH und Ride Cymbal.

Basic Hi-Hat

Elektron Analog Rytm 1.30c - Basic Hi-Hat

Die Basic Hi-Hat bietet durch den Transient Decay die Möglichkeit, dem Sound ein natürlicheres Feel zu verleihen. Echte Hi-Hats verändern sich bei unterschiedlichen Spielweisen, so dass kein Anschlag exakt wie der andere klingt. Durch den Transient Decay in Verbindung mit LFO oder Parameter Locks gelingen dann auch interessant akzentuierte Pattern.

Ride Cymbal

Elektron Analog Rytm 1.30c - Ride Cymbal

Eine Freude ist das Ride Cymbal. Mit dieser einen Machine können wirklich sehr viele verschiedene Becken-Klänge realisiert werden. Zunächst gibt es vier Grundvarianten, wobei man bei jeder Variante drei Komponenten unabhängig voneinander einstellen kann. Die Varianten können auch über den LFO oder Parameter-Locking alteriert werden, was sehr interessante Klänge erlaubt. Die Komponenten stellen im Wesentlichen die Frequenzanteile Hi/Mid/Low dar. Zusätzlich zum üblichen Decay gibt es noch einen separaten Hit-Decay, der das Aufschwingen der Becken bei heftigeren Schlägen simuliert.

Plastic Bass Drum

Elektron Analog Rytm 1.30c - Plastic Bass Drum

Die Plastic Bass Drum ist ein besonderes Schätzchen. Dem Namen nach schon in die Acid-Richtung gehend, bietet sie FM und Ringmodulation in einem. Mit Leichtigkeit kann man sogar eine richtige Acid-Bassline daraus machen, wenn man sie im chromatischen Modus spielt. Direkt ersetzen wird sie einen Bass-Synth nicht, aber man kann sie auf jeden Fall dafür einsetzen. Was auch gut gelingt, sind röhrige FX-Sounds und sogar vokalartige Klänge.

Manchmal reicht ein einfacher Impuls

Elektron Analog Rytm 1.30c - Impulse Generator

Impulse ist eigentlich nur ein kurzer Nadel- oder auch Dirac-Impuls. Legt man diesen auf einen Einzelausgang kann man diesen als analogen Clock-Ausgang benutzen. Da in diesem kurzem Impuls auch alle Frequenzen enthalten sind, eignet er sich auch hervorragend, um den Reverb oder das Filter anzuregen. Man nutzt dann Reverb/Filter als eigentlichen Klanggenerator.

Metallisches

Elektron Analog Rytm 1.30c - Metallic Closed Hi-Hat

Elektron Analog Rytm 1.30c - Metallic Open Hi-Hat

Elektron Analog Rytm 1.30c - Metallic Cymbal

Elektron Analog Rytm 1.30c - Metallic Cowbell

Allen Metallic-Variationen ist ein scharfer metallischen Klang, erzeugt durch FM, zu eigen. Dieser ist zwar zu zähmen, der Grundcharakter setzt sich aber immer deutlich durch

Sharp Bass Drum

Elektron Analog Rytm 1.30c - Sharp Bass Drum

Die Sharp Bass Drum bietet nun die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Schwingungsformen zu wählen. So gibt der Sinus die schon bekannten BD-Sounds, nimmt man aber z.B. einen Sägezahn als Grundschwingungsform, knarzt es ordentlich im Gebälk, eben auch ohne zusätzliche Distortion.

Seidig ist anders

Elektron Analog Rytm 1.30c - Silky Bass Drum

Die Silky Bass Drum glänzt vor allem als Allrounder und ermöglicht eine weite Bandbreite an schnell zu erstellenden guten Kicks. Der Dust-Parameter fügt dem Ganzen ein wenig weißes Rauschen hinzu, mit dem man dann über die Filter Akzente in den höheren Frequenzbereichen erreichen kann.

Die natürlichste unter den Analogen

Elektron Analog Rytm 1.30c - Natural Snare Drum

Die Natural SD ersetzt keine Snare-Samples, jedoch ist hier der Syntheseakzent auf einen eher natürlicheren Snare-Klang gesetzt. Die getrennte Regelung von HPF und LPF, abseits vom schon vorhandenen Filter, lassen viele Variationen des analogen Teppichklangs zu.

Diesen Rausch bitte nicht ausschlafen

Elektron Analog Rytm 1.30c - Noise Generator

Hinter Noise verbirgt sich eben genau das, ein Rauschgenerator der für den universellen Einsatz geeignet ist. Das liegt u.a. daran, dass HPF und LPF wieder getrennt geregelt werden können. Zusätzlich gibt es für das LPF noch zwei Sweep-Parameter.

Wirklich alle neuen Synthesemaschinen bereichern den ohnehin schon großen Klangumfang des Analog Rytm, auch in den Foren herrscht seit dem Update allgemeine Zufriedenheit. An dieser Stelle möchte ich Jonas Bonk danken, der mir beim Erstellen einiger Soundbeispiele geholfen hat.

Overbridge 1.10.1

langes Arbeiten ohne Ermüdung - Overbridge 1.10.1

Langes Arbeiten ohne Ermüdung – Overbridge 1.10.1

Das Update von Overbridge auf Version 1.10.1 bringt einige mächtige Neuerungen mit sich und hebt die Integration der Analog Rytm Hardware in die DAW auf eine neue Ebene. Die überarbeitete GUI kann nur als absolut gelungen betrachtet werden. Die Aufteilung und die Farbgebung sorgen für sofortige Verständigung mit den Funktionen, ohne das Handbuch auch nur gesehen zu haben.

Endlich auch für die DAW „Total Recall“

Overbridge 1-10-1 - Elektron Analog Rytm 1.30c - Total Recall

Total Recall kann auch deaktiviert werden

Die wichtigste Neuerung ist wohl die „Total Recall“-Funktionalität, mit der der gesamte Status der Analog Rytm im Overbridge-Plug-in mit dem DAW-Projekt abgespeichert werden kann. Werden substantielle Sachen wie Routing geändert, fordert einen der Analog Rytm auf, die Änderungen entweder vom Plug-in zu übernehmen oder den Status des Analog Rytm im Plug-in abzuspeichern. Das dauert einige Sekunden, hält sich aber auch für Ungeduldige im Rahmen.

Jetzt geht’s ab für Mac-User

Die zweite Neuerung scheint simpel, macht aber für MAC-User den entscheidenden Unterschied: Overbridge gibt es jetzt auch in einer AU-Version und kann somit endlich in AU-Only DAWs (z.B. Logic X) genutzt werden. Zusätzlich ist das Plug-in nun auch mit dem neuesten OSX 10.11 El Capitan kompatibel.

Streaming direkt in den Analog Rytm

Die dritte wichtige Neuerung betrifft wiederum die Integration. Es ist nun möglich, über Overbridge Sidechaining zu nutzen. Dabei kann man einfach ein Signal auf das Overbridge-Plug-in routen und einen der acht Sidechain-Kanäle nutzen, um das Signal mit den Möglichkeiten der Synthese-Engine zu bearbeiten. Die Sidechain-Ziele können aus insgesamt zwölf möglichen Zielen ausgewählt werden. Anstatt also ein zusätzliches Sample zu benutzen, kann man nun einfach in den Analog Rytm streamen!

Hier sind die Overbridge Kanalkonfiguration und das PlugIn zusammen zu sehen.

Hier sind die Overbridge Kanalkonfiguration und das Plug-in zusammen zu sehen

Neben den üblichen Bug-Fixes wurde insgesamt die Integration in verschiedene DAWs verbessert. Das betrifft auch den Sync zwischen Host und Analog Rytm. Im Test nutzte ich unter MAC OSX 10.9, Reaper 5.20 und die AU-Version des Plug-ins ohne nennenswerte Probleme. Allerdings gab es bei einigen DAWs (z.B. Reaper 5.2) kleine Klangartefakte in unregelmäßigen Abständen zu hören, was nicht so schön ist, aber eben auch nur wirklich selten passierte. Für Ableton Live scheint der Analog Rytm dagegen absolut optimiert zu sein, hier läuft alles rund.

 

Fazit

Billig heißt nicht immer schlecht und teuer muss nicht automatisch gut sein. Der Preis des Elektron Analog Rytm ist mit 1.379,- Euro sicherlich an der oberen Grenze für eine Rhythmusmaschine. Teurer ist eigentlich nur der Tempest. Aber wie man bei Elektron sehen kann, ist eine richtige Firmenphilosphie, die sich am Kunden orientiert und solche Weiterentwicklungen in nur knapp zwei Jahren ermöglicht, eben ein schlagendes Kaufargument.

Der Analog Rytm ist durch dieses Update so viel mehr geworden, dass sich das Preis-Leistungs-Verhältnis erheblich verschoben hat. Mit der intuitiven kompletten Integration in mittlerweile jede DAW spricht der Analog Rytm dazu einen größeren Kundenkreis an. Es ist im eigentlichen Sinne das Beste aus zwei Welten. „Total Recall“ beim Aufruf eines Projektes in der DAW und echte analoge Klangerzeugung für die Ohren. Dabei bleibt das Gerät auch im Standalone-Modus komplett bedienbar und empfiehlt sich somit auch für Live-Projekte.

Unter den neuen Synthesemaschinen stechen einige heraus (vor allem die Plastic-BD hat es mir angetan), die anderen scheinen zunächst nicht so spektakulär, erweitern aber die Klangpalette des Analog Rytm um ein Vielfaches. Und in einem Song werden dann genau diese Klänge den Unterschied machen.

Dass man nun auch über die Sidechain-Funktionalität direkt aus der DAW in das Gerät streamen kann, eröffnet wiederum eine ganze Welt von neuen Möglichkeiten, angedeutet im Soundbeispiel. Mittlerweile ist es dann auch kein Wunder mehr, wenn komplette Songs nur mit dem Analog Rytm gemacht werden – das dürfte nun in Zukunft sogar zunehmen.

War der Elektron Analog Rytm vorher schon ein ausgefeilter Drumsynth mit Sample-Kapazität, ist durch das Update der Wert des Gerätes enorm gestiegen – allerdings ohne dass der Preis angehoben wurde. Ich vermute einfach mal, das war schon vorher eingepreist. Denn mit den integrativen Möglichkeiten und der analogen Synthese-Power ist das Gesamtpaket vielleicht immer noch nicht günstig, aber enorm preiswert.

Plus

  • kostenloses Update
  • 12 neue Machines
  • stabile Overbridge Integration
  • Sidechaining über Overbridge Plug-in
  • perfekte Integration in Ableton Live

Minus

  • ganz selten kleine Artefakte bei Benutzung von Overbridge bei einigen DAWs (Reaper 5.2)

Preis

  • Ladenpreis: 1.379,- Euro (Update kostenlos)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    tomk  AHU

    Was einst 808/909 ist nun Machinedrum und Analog Rytm. Service, Support und Features sind einzigartig. Wer die erste Hürde nimmt befindet sich im Drum-Paradies. Wenn nicht hier, wo zieht Kreativität gepaart mit individuellen Optionen so ausgeprägt? Elektron bringt worauf man von Roland bis heute vergebens wartet – Innovation. Mein Fazit: Investitionen, die sich lohnen!

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      penishead  

      Wobei Roland eigentlich ausversehen durch die Nutzer so auf den Thron mit der 808/909 gehoben wurde. Und bei Elektron hat man sich viel viel mehr Mühe gemacht den Musiker in den Mittelpunkt zu stellen. Deswegen sind die Geräte auch so innovativ.

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    chain  AHU

    benötigt man nun noch einen octa? klingt sehr konsequent und so langsam, wie ein Analoger Tracker 2016 oder !?1 Hat jetzt auch „mehr“ TR8 Feeling, mit den neuen Basis-Sound-Parts
    (in erster Linie wegen der Rechtschreibung nochmal)

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      Sammy3000

      Da der Sequencer vom Analog Rytm (immernoch) kein Midi ausgibt kann er den Octatrack nicht ersetzen. Er ist aber eine prima Ergänzung zum OT, weil man keine Spuren für Percussions verschwenden muss und so mehr Möglichkeiten für andere Dinge (z.B. Thru- und Neighbour-Machines) hat.

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        chain  AHU

        Aha, also geht midi noch immer nicht. Na der rytm erscheint schon mächtig komplex und fast, nach einem live act only rytm.

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        hijack  

        @Sammy3000 : Danke für die Erläuterung, dass das eine Gerät das andere nicht ersetzt und es deshalb absolut keine Sinn macht, den Analog Rytm oder auch Analog Four zu kastrieren (MIDI-Out).
        Jetzt sollten es die Elektron Jungs nur auch noch raffen :-(
        Wie auch die Tatsache, dass dem OT das Overbridge am besten zu Gute gekommen wär. Ja ich weiss mit OT1 sei das technisch gar nicht möglich. Dann halt zusammen mit einem OT2.
        So verpasst man halt ein paar Verkaufschancen für ein an sich interessantes Konzept. Es gibt halt auch noch die Hybrid-Workflower welche die Symbiose aus Standalone-Hardware mit der Ausschöpfung der Potentiale von Computern suchen. Der Overbridge-Ansatz ist da absolut richtig.

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    Kosh  

    habe jetzt mal eine woche lang die füße still gehalten, aber jetzt muss es doch raus: wäre es nach dem update, spätestens, nicht gerechtfertigt, wenn der rytm den dsi tempest in den drumcomputer-charts von platz 1 ablösen würde? falls nicht: warum nicht?

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      Tyrell  RED

      Soeben passiert. Und nun hat der Rytm auch sein goldenes BB-Logo ZU RECHT bekommen :-). Schon sehr heiß die kleine Kiste!!!!

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        Kosh  

        das blieb nicht unbemerkt: elektron hat sich gestern (montag) in einem facebook-post bedankt :)

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    Aerocity  

    Kann man in der RYTM nur layern oder kann man auch Samples alleine, ohne den Zusatz von Synthese Maschinen verwenden?

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    monopuls  

    Der Klang tröstet über die Bedienungsanleitung hinweg. Ich nutze die Rytm im Studio – ohne Sequenzer, Parameterlocks und Scenes (was ne Schande – was?).
    Aber Dank Overbridge alles im Griff. Die Oberfläche von Overbridge ist fantastsch.

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    Synthpark

    Ist die Kiste analog oder nicht? Man kann auch etwas als analog verkaufen, was digital ist. und dann 12 neue Maschinchen mal im Handumdrehen einbauen klingt für ne analoge Struktur sehr abenteuerlich.

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      crispbrown  

      Ja, die Kiste ist analog UND hat parallel Sampleplay im Angebot. Die 12 neuen Maschinen sind 12 neue Kombinationsmöglichkeiten von durch Elektron ausgewählten analogen Parametern. Dieses Update was schon länger verfügbar ist, macht das Gerät um ein vielfaches interessanter.

  7. Profilbild
    BJack  

    Schade das ihr keinen Test vom Update 1.45 habt, jetzt gibt es einen Dual VCO für die Rytm :)
    Das finde ich eine der besten Eigenschaften an Elektron, auch wenn es natürlich von vielen bemängelt wird arbeitet man an bestehenden Produkten weiter lange lange nach der Veröffentlichung.

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