Test: Elektron Analog Four MKII, Synthesizer, Sequencer

1. August 2018

Lohnt sich ein Upgrade?

Elektron Analog Four MKII

Der Elektron Analog Four MKII im Studio-Setup

Neben den Neuauflagen von Elektrons Octatrack und Analog Rytm wurde nun ebenfalls der erstmals 2012 vorgestellte Synthesizer und Sequencer als Elektron Analog Four MKII in überarbeiteter Version auf den Markt gebracht. Wie auch beim Octatrack MKII wich das ehemals charakteristische rot-schwarze Lunchbox-Design einem angewinkelten Gehäuse, das sich in einem zurückhaltenden Grau präsentiert. Auf Bildern kommt dieser neue Anstrich zwar nicht wirklich hinreichend zur Geltung, in der Realität wirkt er jedoch durchaus ansprechend und fügt sich optisch auch gut in die Studioumgebung ein. Die neu verpasste Optik schreit förmlich nach Reformation, doch wurde sich neben dem neuen Outfit auch um die Mankos des Vorgängers gekümmert?

Was ist neu am Elektron Analog Four MKII? Ein kurzer Überblick.

Zunächst fällt beim ersten Betrachten des Analog Four MKII sofort ins Auge, dass Elektron die wohl offensichtlichsten Stolpersteine des Vorgängers erkannt hat: Bedienungstaster und Display.

Sämtliche Taster des Gerätes wurden durch Knöpfe mit farblich abgesetzter Multicolour-Hintergrundbeleuchtung und gewohnt weichem Druckpunkt (Druckgefühl und -Klang entsprechen in etwa der Haptik einer alten Computertastatur) ersetzt, die durch die farbliche Kennzeichnung einerseits schneller und intuitiver deutlich machen, in welchem Menü man sich befindet, andererseits aber auch in ihrer Haptik, Bedienbarkeit und nicht zuletzt durch deren robustere Anmutung eher dazu einladen, den Elektron Analog Four MKII schneller und beherzter zu bedienen. Im Vergleich zum winzig anmutenden, unübersichtlichen Display der MKI-Version wartet Elektron hier nun ebenfalls mit einem großen und aus jedem Blickwinkel gut lesbarem OLED-Display auf. Dieses lässt sich mit Sicherheit auch und gerade im Club gut ablesen und aufgrund der hohen Helligkeit und des Kontrasts sollte es auch in Open-Air-Situationen bei großer Sonneneinstrahlung einen zuverlässigen Dienst verrichten. Die robust anmutenden Endlos-Drehregler mit Druckpunkt sind bereits bekannt, diese verarbeiten nun jedoch sämtliche Befehle intern noch einmal deutlich hochaufgelöster als in den bisher allseits bekannten 0-127er Schritten, respektive der ebenfalls intern bereits hochaufgelösteren Engine des Vorgängers.

 

Elektron Analog Four MKII

Das OLED-Display des Elektron Analog Four MKII

Ein besonderes Feature, das zwar auch in anderer Version für die MKI-Modelle bereits verfügbar ist, blieb allerdings für den Test verwehrt: Sowohl auf der Produktverpackung als auch in sämtlichen Anleitungen wird seit Februar mit Elektrons Software „Overbridge“ geworben, mit der sich das „Digital Brain“ des Elektron Analog Four MKII in all seinen Funktionen von einem Computer aus steuern lassen soll, sprich: DAW-Integration, Automatisieren aller Parameter, Übertragung von mehrkanaligen Audiosignalen via USB-Schnittstelle sowie der Möglichkeit, sämtliche im Vorhinein vorgenommenen Einstellungen am Gerät beim Öffnen eines Projektes innerhalb der DAW automatisch zu recallen, also wiederherzustellen. Auch soll diese eine Nutzung des Gerätes als externe Soundkarte zulassen. Leider ist die Software für sämtliche MKII-Modelle von Elektron noch nicht verfügbar, obwohl sie seit geraumer Zeit angekündigt war und umfangreich beworben wurde. Deswegen kann diese im nachfolgenden Test nicht berücksichtigt werden.

Die vielleicht wichtigste Neuerung gegenüber der alten Version stellen jedoch die vollständig überarbeiteten Klangerzeuger des Synthesizers dar. Ließ sich der Sound des alten Gerätes eher als direkt, crispy, modern aber auch etwas dünn charakterisieren, so wartet der neue mit vollständig überarbeiteten Schaltkreisen sowie einer aktualisierten Sättigungsstufe (Overdrive) auf, welche die klanggestalterischen Möglichkeiten des Desktop-Gerätes auf ein völlig neues Level bringen. Ebenfalls der neue, umfassendere Performance-Mode stützt die musikalische Evolution des Gerätes. Hierzu jedoch später mehr.

Elektron Analog Four MKII – Basics

Im Lieferumfang enthalten sind neben dem Netzteil ein wertig anmutendes, durch eine Ummantelung aus Textilstoff geschütztes USB-Kabel und eine Kurzanleitung „Quick Guide“. Als Neuling in der Elektron Produktreihe empfiehlt es sich jedoch, das englischsprachige Benutzerhandbuch von den Elektron-Seite herunterzuladen, wobei höchstwahrscheinlich selbst jenes für Sequencer- beziehungsweise Elektron-Neulinge wenig Aufschluss darüber geben wird, wie sich das Gerät am besten bedienen und erlernen lässt. Obwohl das Gerät in seinen Abmessungen geringfügig sperriger als sein Vorgänger ist, bleibt es mit seinen 2,4 kg, die es mit seinem Aluminiumgehäuse auf die Waage bringt, gleich schwer.

 

Elektron Analog Four MKII

Verpackung, USB-Kabel und Kurzanleitung des Elektron Analog Four MKII

Diejenigen Leser, die das Gerät bereits kennen, wissen höchstwahrscheinlich ebenfalls bereits um dessen umfassenden Bearbeitungs- und Einsatzmöglichkeiten. Für jene, die sich neu mit dem Thema befassen, empfiehlt es sich, zunächst einmal zu ergründen, wozu das Gerät auf dem Papier imstande ist. Der Elektron Analog Four ist ein detailliert programmierbarer Sequencer mit vier gleichwertig analogen, multitimbral und vierstimmig poly- bzw. paraphon spiel- und programmierbaren Synthesizern und Effekt Send- und Return-Weg, der Chorus, Hall und Echo beinhaltet. Des Weiteren lassen sich per CV/Gate, unabhängig von dem Ansteuern der internen Synths, mit dem Sequencer noch vier weitere Parameter von externen Geräten kontrollieren sowie via MIDI-Out und -Thru weitere Geräte in die Kommunikation mit einbinden.

Die einzelnen Synthesizer des Elektron Analog Four MKII bauen sich in jeweils zwei digital angesteuerten Oszillatoren mit analogen Integratoren (DCOs), zwei Suboszillatoren, einem digitalen Rauschgenerator, einem 24 dB Tiefpass-Ladder-Filter, einem nachgeschalteten 12 dB Multimode-Filter und einem Overdrive-Schaltkreis auf. Als Alternative zu den standardmäßig verfügbaren, jedoch alle per Waveshaping modulierbaren Schwingungsformen, lassen sich neben einer Feedbackschleife auch externe Quellen über die zwei Eingänge auf der Rückseite als Ausgangsbasis für die fort folgende subtraktive Klangmanipulation einpflegen. Hält man die Gates offen, lässt sich das Gerät so beispielsweise auch als Filterbank oder rudimentärer Gitarreneffekt nutzen, für diese Zwecke hätte natürlich noch das Verbauen eines Envelope-Followers ein nettes Schmankerl darstellen können.

 

Signalflussplan einer Synthesizerstimme des Elektron Analog Four MKII

Der Signalweg des Geräts ist vollständig analog, die Kontrolle über jenen gestaltet sich durchweg digital. Eine digitale Hüllkurve gibt es für die Amplitude sowie zwei frei zuweisbare. Wie auch schon beim MKI gibt es für jede davon verschiedene Hüllkurvencharakteristiken, 11 an der Zahl, mit denen sich das Ansprechverhalten gewählter Parameter auf umfassende Art und Weise beeinflussen lässt. Hinzu kommen noch zwei digitale, frei zuweisbare LFOs. Eine weitere Neuheit gegenüber dem Vorgänger bieten die zwei CV-Inputs, mit denen sich Parameter des Elektron Analog Four MKII beispielsweise per Pedal oder Breath-Controller steuern lassen. Neben dem Elektron-typischen Sequencer mit Parameter-Locks finden sich ebenfalls sechs verschiedene Arpeggiatoren zur Beeinflussung der Notenwerte.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    mar beso

    Danke für den Bericht, bin auch sehr glücklich mit meinem A4 mk2!
    Hoffe Elektron kann die Latenzen mit Overbridge 2.0 deutlich senken. Soll ja angeblich auch eine Konfiguration mit weniger (/ohne?) USB-Audio-Stream geben.

    Momentan laufen Ableton + Rytm mk1 + A4 mk2 über die Expert Sleepers Usamo Midi Clock sehr tight! Dann aber mit erheblichen Latenzen beim Live-Einspielen auf dem Gerät. ;)

    • Profilbild
      Vincent  RED

      Hey,

      danke dir vielmals für dein tolles Feedback! Ich bin mega gespannt auf die neue Overbridge Software und dessen Bandbreite und Stabilität, wenn hier alles richtig gemacht wird, wird das Gerät sicherlich nochmal einige zusätzliche Features erlangen! Die Usamo ist ein völlig geiles Teil, funktioniert einfach. ;)))

      Vince

  2. Profilbild
    h3rtz  

    Ja und, lohnt sich denn nun ein Upgrade? Wie deutlich ist der klangliche Unterschied zum Vorgaenger? Kacken die Oszis immer noch so ab in den tiefen Lagen?

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      Vincent  RED

      Cheers,

      wie im Test erwähnt war ich sehr überzeugt vom Klang des MKii, der MKi war aber auch super im Studioumfeld. Einfach eine weiße Weste, die nur darauf gewartet hat, sich klanglich färben und „andicken“ zu lassen.

      Der neue ist soundtechnisch absoluter Allrounder geworden und hat deshalb natürlich auch viel größeren Alleinstellungswert, der kann dick, dünn, clean und dirty sowie alles dazwischen. Würde hier einfach nochmal auf Seite zwei (ff.) verweisen und dir die Audiobeispiele ans Herz legen wollen. Von den DCO’s und dessen Spektren an sich war ich sehr üerzeugt :)

      Vince

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    J.P.

    Als „Herzstück“ eines Studios seh ich den Analog Four nicht. Dazu fehlt ihm die Steuerbarkeit von externen Synth via MIDI. Als ein solches Herzstück würde ich da eher den Octatrack sehen.

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      Vincent  RED

      Hey,

      da hast du recht, was MIDI data angeht, geht noch was. In meinem spezifischen Umfeld kam das aber nicht zum tragen weil all meine externen Synths auch CV und Trigger ins hatten und ich die MIDI Outs nur sync gebraucht habe (Drummachines). Da bringt jedes Gerät halt seine eigenen Qualitäten mit sich, in meinem persönlichem Umfeld würde ich, wenn ich die Entscheidung treffen müsste, die vier frei konfigurierbaren CV Outs dem vollen MIDI vorziehen. Am liebsten hätte ich beide Geräte. ;)

      Vince

  4. Profilbild
    Ralle373  

    Moin, auch wenn der Artikel schon etwas älter ist, so danke ich für diesen ausführlichen Bericht. Ich habe den A4 MK II sowie den Rytm MK II im Studio im Einsatz. Möchte beide Kisten nicht mehr missen! Und bei mir ist die Lernkurve noch um ein vielfaches größer, da ich blind bin.
    Eine Fachfrage an die Kommuniti… Ich möchte meinen MS-20 mit dem A4 steuern, z.B. Ausgang A für Pitch, B für Trigger (Hüllkurve), C für HPF und D für LPF. Wie muss das konfiguriert werden??? In der Eurorack Welt komme ich sehr gut zurecht, jedoch bin ich beim MS-20 überfordert. Hat da jemand draußen einen Tipp für mich, incl. Patchfeld beim MS-20 (wo muss jetzt welches Kabel rein)??? Hintergrund… ich habe zwar sehende Hilfe an meiner Seite, jedoch hat der Null Ahnung von Synthesizern!

    Danke und Gruß Ralle

    • Profilbild
      Vincent  RED

      Lieber Ralf,

      entschuldige die späte Antwort, ich war für einen Monat in Kalifornien auf Tour. Es wäre mir eine große Freude, dir hiermit helfen zu können, einen Korg MS hatte ich selber mal in meinem Besitz und ebenfalls mit der Kiste zum laufen bekommen. Haste du eine Email Adresse? Dann schreibe ich dir da ein- zwei Sachen zu. :)

      Ganz lieben Gruß,
      Vincent

      • Profilbild
        Ralle373  

        Moin Vincent,

        Danke für Deine schnelle Antwort.
        Hier meine Adresse: ralle373 bei gmx in Deutschland

        Gruß Ralf

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