SCORE FX
Score FX aus dem Hause Ueberschall ist ein weiterer Teil der Liquid Instruments und beschäftigt sich, wie der Name vermuten lässt, mit atmosphärischen Klängen und Soundscapes, die für Filmvertonung, Spielesound und ähnliche Anwendungsgebiete prädestiniert ist. Der Liquid Player ist in Zusammenarbeit mit der Firma Celemony entstanden und basiert auf der Melodyne Enginge. Diese ist ja für gutes Timestretching und Pitch Shifting bekannt. Die vorigen Liquid Instruments bedienten Soloinstrumente, SCORE FX dagegen bietet vielschichtige Sounds und Loops, die in Construction Kits zusammengefasst sind. Wie schlägt sich der Player im Test mit diesem Material?
Liquid Engine
In dem übersichtlichen Liquid Instrument findet man sich schnell zurecht. Zunächst werden im großen Browserfenster die gewünschten Samples und Loops gewählt. Diese sind thematisch in Gruppen unterteilt und lassen sich einzeln vorhören. Eine Gruppe lässt sich komplett per Drag and Drop auf die Piano Roll rechts schieben und ab einer gewünschten Taste mappen. Nach kurzer Ladezeit stehen die Sounds zum Spielen bereit.
Natürlich können einzelne Loops aus unterschiedlichen Gruppen zusammengestellt werden. Hierzu zieht man einfach die gewünschten Loops auf die entsprechenden Tasten. Dort lassen sich den Loops auch unterschiedliche Ausgänge zuweisen. Per Doppelklick oder über den Editor Reiter wird in die Edit Ebene gewechselt. Hier erscheint die Loop in Form kleiner Wellenform-Balken, die ähnlich wie MIDI Noten in einem Editor mit Piano Roll platziert sind. Per Maus lassen sich nun die einzelnen Elemente entlang der vertikalen verschieben, um die Tonhöhe zu ändern. In der horizontalen lässt sich ein Element in der Länge verbiegen, wobei die Nachbarelemente entsprechend gestaucht oder gedehnt werden, eine Überlappung ist nicht möglich. Ist Autoselect gedrückt, springt die Ansicht zum jeweils zuletzt gedrückten Loop einer Taste. Eigentlich kinderleicht.
Das „Grid“, also das Raster, an dem die Elemente angeordnet sind, lässt sich in typischen Auflösungen wie 1/4, 1/8, 1/16 usw. skalieren und das Material somit quantisieren. Über das Scale Menü lassen sich zahlreiche Tonskalen auswählen, um ein Loop zum Beispiel von Dur zu Moll zu biegen. Dies funktioniert nur, wenn die Loop oder Phrase aus mehreren Segmenten besteht. Teilweise sind die Samples in einen einzelnen „Container“ gepackt, dann funktioniert die Tonskala nur für das gesamte Sample.
Loops können in halber oder doppelter Geschwindigkeit abgespielt werden, natürlich passiert das alles auf Wunsch temposynchron zum Sequenzer. Die besondere Stärke der Melodyne Engine liegt in der Echtzeitbearbeitung in hervorragender Klangqualität. Somit lassen sich die Loops schnell an Tonhöhen und Tempo anpassen. Jede Loop lässt sich über die Regler im oberen Bereich des Players in Lautstärke, Panorama, Quantize, Pitch und Formant beeinflussen. Diese Parameter sind auch per MIDI CC steuerbar.
Was leider schmerzlich fehlt sind Hüllkurven, um die Samples im Lautstärkeverlauf zu steuern, das ist echt schade. Lässt man die Taste am Keyboard los, verstummt der Sound sofort. Ebenso gibt es keine Filter- oder Modulationsmöglichkeiten. Da bleibt nur der Umweg über die Exportfunktion oder die entsprechende Loop zu resamplen und in einem Sampler weiterzuverarbeiten. Zudem lassen sich einzelne Segmente einer Phrase nicht löschen. Auch hier hilft nur externe Bearbeitung.
Inhalt
Die DVD bietet knapp 7 Gigabyte Samplecontent der sich in 28 Construction Kits, 954 Accents, 198 Klangbetten und 362 Rhythmusphrasen aufteilt. Insgesamt bietet SCORE FX 1995 Loops und Phrasen.
Eins vorweg: Die meisten Sounds zielen von der Stimmung her in die Richtung mystisch, düster, bedrohlich, hektisch. Es finden sich kaum liebliche, harmonische „Lovestory“-Sounds, es geht hier mehr in die Richtung Action, Drama, Adventure.
Die Construction Kits geben anhand ihrer Bezeichnungen wie zum Beispiel „Mysterious“ oder „Scary“ eine Ahnung dessen, was klanglich zu erwarten ist. Sie bestehen aus zahlreichen Layern, die beliebig kombinierbar sind und eine ansprechende Länge aufweisen. Meistens finden sich diverse Drumloops, dichte und komplexe Soundscapes und dazu Gitarren oder Streicherloops, Chöre, Violinen oder Trompete „ready to use“. Die meisten Loops und Phrasen sind mit Effekten bearbeitet.
Accents sind kurze bis mittellange Samples, die wie der Name schon sagt, Akzente setzen. Darunter finden sich zahlreiche Hits und kurze Effektsounds, verfremdete Vocalsamples, Impacts – kurzum allerlei Effektspielereien, die sich vielseitig einsetzen lassen.
Die Klangbetten sind oft düstere Soundscapes und Drones, die aufgrund ihrer Komplexität sehr viel Stimmung und Dichte erzeugen. Sehr spannendes Kopfkino kann dabei entstehen!
Die Rhythmusphrasen bieten treibende Beats, elfenhafte Glockenspielereien, Basslines und viele ungewöhnliche Klangstrukturen. Diese Elemente lassen sich sehr gut miteinander kombinieren und bringen spannende Gerüste für elektronische Musik.