Test: Universal Audio OX Amp Top Box, Lautsprechersimulator

5. Juni 2018

Lautsprechersimulation aus dem obersten Regal

Universal Audio OX Amp Top Box title

Unser heutiger Testkandidat, die Universal Audio OX Amp Top Box, gehört momentan zur Oberklasse unter den analogen reaktiven Loadboxen für Gitarrenröhrenverstärker und wurde reichhaltig mit hochwertigen Features bestückt. Damit lässt sich auch ein 100-Watt-Röhrenverstärker bändigen, ohne Klangverluste in Kauf nehmen zu müssen. Zudem ist die Universal Audio OX Amp Top Box auch mit ausgesprochen guten Effekten bestückt und verfügt neben analogen Ausgängen auch über zwei digitale Schnittstellen (USB und S/PDIF).

Viele Gitarrenaufnahmen werden heute noch nach guter alter Tradition mit der Abnahme per Mikrofon erstellt. Für viele Produzenten, Techniker, Gitarristen, Homerecorder etc. ist diese Methode noch immer konkurrenzlos gut. Die Aufnahme mithilfe einer qualitativ hochwertigen Loadbox mit Lautsprechersimulation bringt jedoch riesige Vorteile. Regelt man die Lautsprecherbox auf ein sehr geringes Level (oder auf null), entfällt die doch teilweise enorme Lautstärkeentwicklung, die bei einer Gitarrenaufnahme schon einmal erzeugt wird.

Basierend auf der langjährigen Erfahrung bei der Entwicklung und Herstellung analoger Hardware war das Ziel von Universal Audio, eine Reactive Loadbox zu konzipieren, die alle Klangfarben, die Dynamik und das Spielgefühl unabhängig von der Lautstärkenreduktion eines Röhrenverstärkers beibehält. Das UA Dynamic Speaker Modeling hat die Aufgabe, exakt das Verhalten eines Lautsprechers und dessen (deren) Membranresonanzen zu modellieren.

Erster Eindruck der OX Amp Top Box

Bereits beim Auspacken des Boliden fällt sofort dessen Robustheit ins Auge. Hier ist alles von feinster Qualität. Solides Gehäuse aus dickem Stahlblech. Edles Frontpanel, umhüllt von einem sehr solide verarbeiteten Holzrahmen. Der Bolide bringt satte 6,3 kg auf die Waage. Sein Design ist eindeutig Vintage und erinnert an frühere Zeiten. Wirft man einen Blick von oben in das Gerät, findet man dicht gedrängt ausschließlich hochwertige Bauteile. Selbst der Geruch des Geräts ist sehr angenehm, auch wenn man auf der Rückseite den kleinen Aufdruck „Made in China“ lesen kann.

Facts & Features der Universal Audio OX Amp Top Box

Der orangefarbene Diamant zeigt uns die Bereitschaft zur Arbeit an, die fünf Regler haben große Plastikknöpfe, die Schalter und Potis sind von sehr solider Qualität. Da die OX Amp Top Box gegebenenfalls viel Leistung in Wärme umsetzt, hat man auch am Frontpanel Lüftungsschlitze angebracht. Das ganze Metallgehäuse ist gleichfalls mit vielen Löchern zur Abfuhr der entstehenden Wärme ausgestattet worden.

Universal Audio OX Amp Top Box studio

— So könnte ein (Traum-) Setup aussehen —

Regler

Die OX Amp Top Box wurde mit fünf großen Reglern ausgestattet. Ganz links der RIG-Regler. Dieser ist ein sechstufiger Drehschalter und wählt unter sechs Presets aus, welche voreingestellte Mikrofon- und Lautsprecherboxen-Emulationen bereitstellen.

Der ROOM-Regler fügt dem Klang einen hochwertigen Hall bzw. Raumeffekt hinzu.

SPEAKER VOLUME reduziert bei Bedarf die Lautstärke der angeschlossenen Lautsprecherbox und bestimmt auch somit, wie viel Leistung „verheizt“ wird. Steht dieser Regler ganz links, also auf null, kann die Aufnahme auch völlig geräuschlos erfolgen, jedenfalls was den Klang aus dem (der) Lautsprecher der Box betrifft. Somit ist man jederzeit in der Lage, professionelle Gitarrensounds aufzunehmen, ohne dass die Umwelt darunter leidet.

LINE-OUT regelt den Pegel des analogen Line-Ausgangssignals, um diesen z.B. an den Eingang des Audiointerfaces anzupassen.

Auf der Vorderseite befindet sich auch eine Buchse (6,3 mm Klinke) zum Anschluss eines Kopfhörers. Der Pegel dieses Signals kann mithilfe des HEADPHONE-Reglers den persönlichen Bedürfnissen angepasst werden.

Rückenpanel der Universal Audio OX Amp Top Box

Universal Audio OX Amp Top Box, Back

— Vintage-Design, aber modernste Ausstattung —

Auffällig bei der Inspizierung des Rückenpanels ist, dass die Beschriftung auch auf den Kopf gestellt angebracht wurde. Somit lässt sich eine Bedienung auch bewerkstelligen, wenn man von oben auf die Rückseite schaut. Selten gesehen, aber absolut sinnvoll! Ganz links wird das mitgelieferte Netzteil angeschlossen. Ein sehr stabiler Netzschalter stellt den Kontakt zur Stromversorgung her.

Daneben befinden sich die beiden Digitalschnittstellen (USB und S/PDIF) zum Anschluss an einen Computer bzw. an ein digitales Audiointerface.

Der große Drehschalter stellt die gewünschte Impedanz (4, 8, und 16 Ohm) ein. Hier sollte man natürlich mit Bedacht vorgehen, da eine Fehlanpassung auch eine Beschädigung der Endstufe des Verstärkers zur Folge haben könnte. Die OX Amp Top Box wird quasi zwischen den Ausgang des Amps und der Lautsprecherbox angeschlossen. Hierfür stehen zwei solide Klinkenbuchsen für den Ein- und Ausgang zur Verfügung. Die maximale Belastbarkeit der OX Amp Top Box ist mit 150 Watt RMS angegeben, das sollte für alle erdenklichen Fälle ausreichen.

Des Weiteren finden wir noch zwei analoge Line-Ausgänge (6,3 mm Klinke, symmetrisch), mit dem wir ein Mischpult, einen aktiven Monitor oder unser Interface verbinden können.

In der Universal Audio OX Amp Top Box wurde auch ein WiFi integriert. So lässt sich mittels Computer (nur Mac) oder iPad auch bequem eine drahtlose Editierung bewerkstelligen.

Bedienung der Universal Audio OX Amp Top Box

Das Gerät ist leicht an den Start zu bringen. Aus folgender Skizze lässt sich erkennen, dass die Verkabelung simpel von sich geht. Die Universal Audio OX Amp Top Box wird einfach nur zwischen den Lautsprecherausgang des Verstärkers und die Lautsprecherbox angeschlossen. Dann greift man sich noch ein analoges oder wahlweise digitales Signal ab, welches das DAW-Interface, ein Mischpult oder auch Monitore versorgt.

Universal Audio OX Amp Top Box-Anleitung

— Ein Überblick über die Verkabelung des Boliden —

Software

Erfreulicherweise sind auch klanglich hochklassige Universal Audio EQ, Kompressions-, Delay- und Halleffekte an Bord, die sich bequem per App oder entsprechendem Programm (Mac) aufrufen und editieren lassen. Auch sind sechs verschiedene Mikrofonsimulationen der besten und für die Abnahme von Gitarrensignalen bewährten Mikrofone am Start. Die Lautsprechersimulation umfasst satte 17 Boxensimulationen. Die Angebotspalette lässt hier rein gar nichts vermissen. Von 1 x 10″ über 2 x 12″, 4 x 12″, 4 x 10″ und viele weitere Modelle wird alles geboten. Allein durch das Umschalten der Boxenmodelle kommt schon eine Menge Inspiration auf, ohne dass man bereits von den EQs, Mikrofonpositionen, Effekten etc. profitiert hat.

Die Bedienung und das Editieren und Speichern der Sounds etc. kann über eine App (iPad) oder mittels eines Programms (für Mac OS, Sierra oder High Sierra) erfolgen. Obwohl das Gerät auch ohne Software betrieben werden kann, ist diese unbedingt zu empfehlen, da sie einen schnellen und spontanen Zugriff auf sämtliche Presets und Effekte erlaubt.

Universal Audio OX Amp Top Box-App

— Editieren der Universal Audio OX Amp Top Box drahtlos (via WiFi) mit iPad oder Mac —

Universal Audio OX Amp Top Box – Sound & Praxis

Jetzt aber mal Butter bei die Fische, denn wir wollen natürlich auch wissen, ob die OX Amp Top Box auch klanglich höchsten Ansprüchen gerecht wird. Unten sehen wir die Liste mit den voreingestellten Parameter der sechs Presets, die sich am Frontpanel über den RIG-Regler erreichen lassen. Diese lassen sich natürlich nach Belieben editieren und für den späteren Gebrauch abspeichern. Zum Editieren stehen ausgesprochen hochwertige Plug-ins aus dem Hause UAD bereit. Hier wären u.a. im Angebot: grafischer EQ, Low- und High-Cut-Filter, Kompressor, Mischpultkanalzug, Plate-Reverb und verschiedene Delays.

Über die App bzw. das Programm lassen sich zahlreiche gute Presets aufrufen, editieren und speichern.

Universal Audio OX Amp Top Box; Presets

— Die sechs Presets mit ihren Mikrofon- und Effekteinstellungen —

Wir hören die 6 Presets, die sich über den RIG-Regler anwählen lassen. Die „Mikrofonierung“ ist aus der obigen Liste zu entnehmen.

Zunächst Preset 1, dieses simuliert ein 4 x 12″ Kabinett ohne Effekte:

 

Preset 2 simuliert eine 1 x 12″ Box mit etwas Plate-Reverb:

 

Preset 3, eine 2 x 12″ Box ohne Hinzunahme von Effekten:

 

Preset 4, simuliert eine 4 x 10″ Box und wurde mit etwas Plate-Reverb angereichert:

 

Gefolgt von Preset 5. Hier wird ein kleiner Combo (1 x 10″) simuliert. Keine Effekte am Start:

 

Das letzte Preset No.6 simuliert eine 2 x 12″ Box mit Delay und Plate-Reverb:

 

Man kann der OX Amp Top Box hier nur attestieren: absolut authentische Verstärkersounds. Schon die Presets überzeugen und sind nur die Spitze des Eisberges, da sich über das Editieren mit den hochwertigen integrierten UA-Effekten via die App unendlich viele hochklassige Sounds produzieren lassen.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Stratocaster SSH – Peavey Classic 20 MH – Universal Audio OX Amp Top Box plus Nutzung integrierter Effekte – Mesa Boogie 1×12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher (spielte keine Rolle bei der Aufnahme) – Apogee Duett – Mac mit Logic.

Fazit

Die Universal Audio OX Amp Top Box kann voll und ganz überzeugen. Abgesehen vom Design und der soliden Verarbeitung lässt sie auch klanglich selbst für das kritische und jahrzehntelang geschulte Ohr eines erfahrenen Gitarren oder Produzenten keine Wünsche offen. Nun kann man ohne Abstriche die ganze Klasse des geliebten eigenen Verstärkers nutzen, ohne dabei Qualitätsverluste in Kauf zu nehmen. Und das Ganze bei Bedarf ohne jegliche Lärmentwicklung. Auch die Software lässt sich intuitiv bedienen und ermöglicht im Handumdrehen eine riesige Bandbreite an hochklassigen Sounds. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis geht aufgrund der hervorragenden klanglichen Ergebnisse und der durchdachten Bedienbarkeit in Ordnung.

 

 

Plus

  • Sound
  • Flexibilität
  • gute Effekte
  • Design
  • Verarbeitung

Minus

  • leider sehr teuer

Preis

  • Ladenpreis: 1299,- Euro
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