Test: Waldorf Micro Q Phoenix & Vocoder Workshop

10. Mai 2007

Micro Q in Neuauflage

Waldorf Micro Q Phoenix

Die Auferstehung aus der Asche:

Anlässlich der Wiedergeburt von Waldorf, widmen wir uns nochmals dem Micro Q (den wir bereits HIER ausführlich getestet haben), den es nun in limitierter Auflage als Phoenix Edition ein letztes Mal im Handel zu kaufen gibt. Der Preis der Phoenix-Edition, liegt im Handel derzeit über dem Preis der gelben Edition, die immer noch über diverse Shops als Neuware erhältlich ist.

Technisch sind beide Geräte identisch. Aber wie gesagt, wer in Schönheit sterben und wieder auferstehen möchte, sollte zur Phoenix-Edition greifen, denn die Optik ist einfach der Hammer!!! Als Bonus bekommen Phoenix-Käufer außerdem eine CD-ROM gratis dazu, die weit über 1000 erstklassige Sounds enthält. Was will man mehr?

Der nun folgende Up-Date Bericht stammt von Holger Steinbrink, wurde am 11.12.2001 erstmals veröffentlicht und beschreibt ziemlich detailliert die Neuerungen der Software-Version 2.0 die damals erschienen ist. (Heutige MicroQs werden mit OS 2.22 ausgeliefert)

Nach so viel Lektüre werden Sie schnell feststellen, dass der MicroQ auch heute noch ein extrem starker, virtuell analoger Synthesizer ist, der Dank des niedrigen Preises zu Recht inzwischen drei Sterne aus der AMAZONA.de Redaktion verdient hat.

Waldorf microQ OS 2.0 und microQ lite

Diese 2.0-Version erweitert den microQ um einige interessante Features, die in den nächsten elektronischen Zeilen ausführlich erläutert werden sollen. Selbstverständlich ist dieses Update – wie bei Waldorf üblich – kostenlos.Weiterhin ist seit einiger Zeit den microQ lite verfügbar. Was es mit diesem Synthesizer auf sich hat, erfährt der aufmerksame Leser weiter unten.


Nutrition Facts

Das aktuelle Betriebssystem 2.22 steht auf der Waldorf-Website zum Download zur Verfügung. Sowohl der microQ, als auch das microQ Keyboard lassen sich mit dem neuen OS bespielen. Im gepackten (.zip) 2.0-Ordner befindet sich neben dem OS auch gleichzeitig das Factory-Soundset 2001, in dem sich viele Klänge befinden, welche die neuen Funktionen des Betriebssystems nutzen. Dieses Soundset fand auch schon im Q so großen Anklang, so dass wir es uns nicht nehmen ließen, eine Adaption für den microQ vorzunehmen. Weiterhin gibt es ein Manual-Addendum in deutscher und englischer Sprache, sowie ein Textfile mit den Soundset-Namen.

Nach dem Update informiert der microQ seinen Besitzer über den erfolgreichen Vorgang und startet mit neu animiertem Waldorf-Logo.

Hier zunächst die neuen Features von OS 2.22 in loser Aufzählung:

– Neue Effekttypen Reverb und zwei Surround Delays
– Multimode Mixer
– Direct Mix Input
– Search-by-Category
– viele neue Bedienfunktionen und Detailverbesserungen

Neue Effekttypen

Reverb

Um die Komplexität eines natürlichen Halls zu erreichen, sind aufwändige Rechenprozesse notwendig, so dass gute Raumsimulatoren leicht viele tausend Mark kosten. Das Reverb im microQ erhebt nicht den Anspruch, einen perfekten Hall erzeugen zu können. Es ist vielmehr als Bestandteil eines Klanges zu sehen, um diesem mehr Expressivität und Breite zu verleihen. Trotzdem wurde bei der Programmierung des Reverbs sehr viel Wert auf einen dichten und nicht metallischen Klangcharakter gelegt; zum Vergleich dienten diverse Lexicon-Prozessoren. Das Ergebnis sollte jeder selbst beurteilen, meiner Meinung nach kann das microQ Reverb qualitativ mit einigen besseren VST-Plug-Ins locker mithalten. Neben den obligatorischen Parametern wie Predelay, Decay und Damping lassen sich auch Raumgröße (Size), Diffusion, Charakteristik des Halls (Shape) und Filterung (Hoch- und Tiefpass) einstellen. Im Gegensatz zum Q ist die Raumgröße aufgrund der etwas geringeren Prozessorleistung nur bis 20m einstellbar, was bei praktischen Anwendungen allerdings kaum auffällt.

5.1-Surround-Delays

Neben der seit Jahren verwendeten üblichen Stereoaufnahmetechnik hat sich vor allem im Bereich der Filmvertonung die Mehrkanaltechnik etabliert. Dank des Siegeszuges der DVD haben sich auch die Hörgewohnheiten der Konsumenten entsprechend gewandelt. Surroundproduktionen sind auch im Musikbereich keine Seltenheit mehr. Aus diesem Grund wurden die Effekte des microQ wie auch schon beim Q um zwei Surround-Delays erweitert.
Der Terminus „5.1“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass gleichzeitig 6 verschiedene Kanäle angesteuert werden können; 2 Front Speaker, 2 Rear Speaker und ein Center-Kanal ergeben die 5 Tonkanäle (5.x), die auf die meist kreisförmig um den Zuh

uml;rer aufgestellten Lautsprecher verteilt werden, während der sechste Kanal das tieffrequente LFE (Low Frequency Effects)-Signal für den Subwoofer enthält (x.1).
Die verschiedenen Delay-Lines werden getrennt über die sechs Einzelausgänge des microQ ausgegeben, so dass vorher entsprechend verkabelt werden muss. Ich kann nur sagen, dass es sehr viel Spaß macht, mit dem Surround-Delay zu arbeiten, da ein Klang so eine ganz andere Raumqualität bekommt.
Es stehen zwei Effekttypen zur Verfügung, ein normales und ein synchronisiertes Delay.

Multi Mixer

Mit dem Multi Mixer lassen sich schnell und übersichtlich Lautstärken, Panoramaeinstellungen und Effektanteile aller 16 Instrumente im Display anzeigen und graphisch ändern. Die Mute- und Solo-Funktion ermöglichen hierbei schnelle Änderungen des Multi-Setups. Aus diesen Gründen lässt sich der Multi Mixer während eines Live-Einsatzes des microQ sehr gut einsetzen, um schnell und gezielt Instrumente einzublenden oder stumm zuschalten. Es gibt zwei Darstellungsarten, ein Level-Mode zum Anzeigen der aktuellen Parameterwerte mittels einer Balkengrafik und den VU-Modus, der eingehende MIDI-Events grafisch für alle 16 Kanäle anzeigt. Unser holländischer Programmierer Albert Huitsing hatte die Idee für den Multi-Mixer, da er seine Techno-Patterns im Q übersichtlicher steuern wollte. Natürlich wollten wir dem microQ den flexiblen Multimixer nicht vorenthalten.

Classic Design, löste 2003 die gelbe Version ab

Direct Mix Input

Mit diesem Parameter lässt sich ein externes Audiosignal auf direktem Weg durch die Effektsektion des microQ schicken, ohne eine Note über MIDI zu triggern. So kann man den microQ quasi als Effektgerät missbrauchen und externes Material auf diesem Weg verfremden. Stimmen werde bei diesem Vorgang übrigens nicht verbraucht. Besonders die 5FX-Effekte eignen sich hervorragend, um ein Audiosignal nach allen Regeln der Kunst zu verfremden, beispielsweise mit dem Ringmodulator oder durch Reduktion der Sampling-Rate.

Search by Category

Der microQ bietet eine besondere Funktion zur Suche nach Klängen mit ähnlichem Charakter. Wenn man zum Beispiel nach Flächensounds suchen möchte, kann der microQ nur diese Klänge anzeigen, während man mit dem Auswahlrad auf „die Suche geht“. Aus diesem Grund beinhaltet der Name eines Sound-Programms im microQ zusätzlich vier Buchstaben, die seinen Klangcharakter definieren. Gerade im Studiobetrieb spart man so viel Zeit und Mühen beim Suchen von geeigneten Sounds.

Weitere Detailverbesserungen

Neben einigen Bugfixes gibt es auch zahlreiche kleine Detail- und Bedienungs-verbesserungen: So zum Beispiel die Möglichkeit, Sounddumps vom Q zu empfangen oder die blinkende Amp/FX-LED, die als Tempo-Indikator für den internen Arpeggiator fungiert.
Viele Menüseiten der Globalparameter oder des Multimodes wurden vereinfacht, das Senden und Empfangen von Program-Changes wurde komplett überarbeitet und vereinfacht.

microQ lite

Neu in der Produktpalette von Waldorf ist seit kurzem der microQ lite. Äußerlich unterscheidet er sich bis auf den orangenen „Lite“-Sticker in der linken Ecke nicht vom „normalen“ microQ. Auch die Anschlüsse und die interne Hardware sind identisch mit dem microQ. Lediglich die Stimmenzahl ist auf maximal 12 Voices festgelegt. Auch ist der microQ lite nicht in der Lage, Betriebssystemupdates wie zum Beispiel die das neue OS 2.0 zu empfangen. Sein Leistungsumfang entspricht dem des microQ mit dem Betriebsystem 1.17 (weitere Informatione hierzu auf unserer Website.
Dafür ist der Preis des microQ lite unschlagbar günstig. Für den empfohlenen VK von 1.350 DM bekommt man einen waschechten Waldorf, der Straßenpreis dürfte mit Sicherheit um einiges darunter liegen.
Gedacht ist der microQ lite für alle, die für relativ wenig Geld einen leistungsfähigen Synthesizer erwerben möchten. Gerade für Einsteiger dürfte der microQ lite deshalb interessant sein.
Das ist aber noch nicht alles: der microQ lite lässt sich mittels eines kostenpflichtigen Updates zu einem „echten“ microQ mit all seinen Vorzügen upgraden. Das bedeutet mehr Stimmen, zukünftige Feature-Updates und Verwendung des 75-Stimmen-Erweiterungsboards, welches nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.

Kleine Vocoder Anleitung

Da es immer wieder User gibt, denen die Verwendung des microQ-Vocoders etwas unklar ist, folgt hier ein kurzer Tipp zum Einrichten eines Vocoder-Setups. Selbstverständlich verfügt auch der microQ lite über den Vocoder.

  1. Verbinden Sie den Audio-Eingang des microQ mit einem geeigneten Klinken-Kabel (in der Praxis hat sich ein sogenanntes Insert – oder Y-Kabel bewährt, welches eine Stereoklinke auf zwei getrennte Monoklinken führt) mit der gewünschten Signalquelle (Mischpult, CD-Player, DAT-Player, etc.). Beachten Sie, dass Sie für ein Mikrophon einen geeigneten Vorverstärker verwenden müssen.
  2. Bei Bedarf können Sie mit dem Input Gain-Parameter im Globalmenü die Eingangsempfindlichkeit nachregeln.
  3. Stellen Sie das gewünschte Sound-Programm ein. Die besten Ergebnisse erzielen Sie bei Verwendung eines Pad- oder String-Sounds.
  4. Wählen Sie für FX1 oder FX2 den Vocoder als Effekt-Typ an und machen Sie die folgenden Einstellungen:FX1 Mix oder FX2 Mix: 127Bands: 025
    Analysis Signal: External
    A.Lo Frq: 220.0 Hz, A.Hi Frq: 14.0 kHz
    S.Offset: +00, Hi Offset: +00
    Bandwidth: +00, Resonance: +00
    Attack: 010, Decay: 020
  5. Starten Sie die Wiedergabe des externen Signals und triggern Sie eine oder mehrere Noten Ihres microQ via MIDI. Sie sollten nun den Vocoder-Klang hören. Sprache und perkussive Loops als externes Signal eigenen sich besonders gut.
  6. Experimentieren Sie mit verschiedenen Einstellungen der Vocoder-Parameter.
  7. Wir empfehlen Ihnen zunächst die Anwendung der Vocoder-Presets im Factory-Soundset 2001 am Ende von Bank C, besonders Preset „C093 Arp+Voc=???“ ist sehr beeindruckend, da hier ein Arpeggiator-Sound im Hold-Modus das Synthese-Signal stellt.

Sie wollen mehr über Vocoding wissen?

Was genau ein Vocoder ist, wie die Hintergründe für seine Entwicklungwaren und welche Varianten es gibt, erklären wir ausführlich in unserem Vocoder-Special. Dazu bitte HIER KLICKEN.

Preis

  • Waldorf Micro Q Phoenix Edition 549,-€
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ist ja schön und gut, dass es Waldorf wieder gibt und sie den Klassiker von 2001 wieder rausgekramt und aufgewärmt haben – aber wann kommt was neues??

  2. Profilbild
    Tyrell  RED 1

    Wir werden übermorgen den Waldorf Blofeld vorstellen. Außerdem bitte mal im Archiv die Preview zu den Waldorf-News öffnen, da stehen jede Menge neuer Produkte drin, die Waldorf dieses Jahr veröffentlichen wird.

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Danke, hab ich gemacht.

    Stromberg – sehr symphatisch. Nicht nur der Name ;-)

  4. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Waldorf Q Rack ist mein eigen der beste von der ganzen Welt nun ist er kaputt und Waldorf hat keine Ersatzteile mehr dafür
    sowas finde ich eine riesen …..
    Service bei Waldorf ?! Fehlanzeige !!!
    4315

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Also der Service von Waldorf war schon mal besser.Ich habe die schon zig mal angeschrieben,ob die mir meinen micro Q auf 75 Stimmen erweitern können.Die halten es noch nichtmal für nötig mir zu antworten.Ausserdem finde ich den Multimode sehr kompliziert gemacht,versuche schon seit längerem ein paar Sounds im Multimode mit verschiedenen Midikanälen zu laden,bekomme es trotz Manual nicht hin.Ist echt blöde beschrieben.

  5. Profilbild
    H

    sieht genial aus und klingt super. Für härtere musik bestens geeignet! Mein erster synth und würde ihn niemals hergeben

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