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Test: Xils-Lab, Synthix, Software-Synthesizer


XILS-lab Synthix

Wie könnte der Himmel für analoge Raritäten aussehen? Man könnte meinen, es sei ein grauer Kasten mit viel Elektronik im Innern (auch Computer genannt), betrachtet man die Reinkarnationen der Synth-Klassiker von Xils-Lab. Das Konzept der Softwareschmiede besteht darin, alte Klassiker möglichst originalgetreu in die digitale Welt zu übertragen und ihre Features zu erweitern, ihnen gewissermaßen Flügel zu verleihen. Das dürfte nicht mit einem Energy Drink getan sein, denn wir alle wissen, was geschieht, wenn man einen Synthesizer damit tränkt. Ob wir uns im Synth-Himmel oder in der Klanghölle befinden, soll der nun folgende Test zeigen.

Der Synthix ist eine Nachbildung des Synthex von 1982, der, wie so viele interessante Instrumente, kein Verkaufsschlager war, obwohl ihn Stars wie Stevie Wonder und Jean-Michel Jarre spielten. Der bekannteste Auftritt des Synthex war wohl der als Klanglieferant der Laser Harp, von Jarre gespielt und auf dem Rendez-Vouz-Album von 1986 zu hören.

XILS-lab Synthix

XILS-lab Synthix

Ausstattung

Der Synthex ist ein 8-stimmiger polyphoner Synthesizer, dessen Besonderheit neben der Polyphonie die Möglichkeit war, zwei verschiedene Klänge gleichzeitig zu erzeugen, wodurch natürlich die Stimmen geteilt wurden. Außerdem waren seine Oszillatoren digital gesteuert, was ihm Stimmstabilität verlieh.
Sein digitaler Nachfahre wird standesgemäß in immaterieller Form als Download verkauft.

Da die Software kopiergeschützt ist, benötigt man einen Dongle, wobei löblicherweise iLok und eLicenser (Steinberg/Syncrosoft) zur Wahl stehen. Das Plug-in (eine Stand Alone-Version gibt es nicht) steht in den gängigsten Varianten in 32 und 64 Bit bereit (VST, AU, RTAS). Das Handbuch im PDF-Format führt in alle Funktionen des Synthix ein und ist dabei nicht zu lang (-atmig) geraten. Die Systemanforderungen verlangen nach einem zeitgemäßem PC/Mac, was sich im Test mit einem Core i5-PC bestätigt. Die 4x 3 GHz ließen sich bequem mit zwei Instanzen auslasten, wenn man denn will. Allerdings dürfte es eher selten nötig sein, alle Stimmen und Layer des Synth gleichzeitig zu nutzen, weshalb der Leistungsbedarf unter realen Bedingungen zwar nicht niedrig, aber vertretbar ist.

Die VCOs bieten jeweils sieben Schwingungsformen, davon Dreieck, Sägezahn und Puls mit PWM. Daneben gibt es ein Multimode-Filter und zwei D-ADSR-Hüllkurven, die jeweils für das Filter und den Verstärker zuständig sind. Das D bedeutet, dass ein Delay vor dem Einsetzen der Hüllkurve eingestellt werden kann, welches auch mit dem Host-Tempo synchronisierbar ist. Gesteuert wird alles durch vier LFOs, die sich ebenfalls mit dem DAW-Tempo synchronisieren lassen, sowie durch zwei weitere frei zuweisbare D-ADSRs. Abgerundet wird das entstandene Klanggebilde durch die Effektsektion, welche Delay, Phaser, Chorus und EQ beinhaltet.

Erweiterungen gegenüber der Syntex sind in den LFOs zu finden, welche zwei weitere Modi, einen Chaosmodus und einen Rhythmusmodus besitzen. Dazu bietet der Synthix eine 16-fache Polyphonie und einen Gitarren-/Schlagzeugmodus, der es erlaubt, sechs verschiedene Klänge auf sechs MIDI-Kanälen anzusteuern.            

Factory-Presets

Die Factory-Presets lehnen sich teilweise, aber nicht ausschließlich, an Klänge der 80er Jahre an. Die Sounds sind durchgehend hochwertig, und auch aktuelle Geschmäcker kommen auf ihre Kosten. Insgesamt werden über 250 Klänge mitgeliefert. Alle Factory-Presets sind schreibgeschützt, um ein versehentliches Löschen zu verhindern. Dies ist zunächst verwirrend, da man bei dem Versuch, einen Regler zu bewegen, eine Fehlermeldung angezeigt bekommt, die glücklicherweise nicht in Form eines nervigen Popup-Fensters daherkommt, sondern nur kurz über dem jeweiligen Regler aufleuchtet. Bearbeiten kann man die Presets nur, indem man sie unter einem neuen Namen abspeichert. 

Fehlermeldung

Fehlermeldung

Bedienung

Die grundsätzliche Bedienung erfolgt wie von anderen VST-Synths gewohnt, jedoch mit der Besonderheit, dass die (selbstverständlich MIDI-lernfähigen) Potis sowohl durch Vertikal- als auch durch Horizontalbewegung des Mauszeigers gedreht werden können, was in der Praxis etwas hakelig ist und die Arbeit erschwert. Daher sei die Steuerung durch das Mausrad angeraten. Der Synthix scheint mit einem besonderen Augenmerk auf Sounddesigner konzipiert worden zu sein. Ein wichtiges Element ist der A/B-Schalter, mit dem sich zwei Presets vergleichen lassen. Hierbei ist es möglich, das Preset aus dem A-Slot in den B-Slot zu laden. Zwischen beiden Slots kann man ohne Verzögerung umschalten.

Bevor man richtig loslegt, sollte das Handbuch gelesen werden, da der Synthix bzw. Synthex einige Besonderheiten gegenüber “gewöhnlichen” polyphonen Synths aufweist. Zunächst lassen sich die Stimmen fließend zwischen zwei Keyboards bzw. Keyboardhälften aufteilen. Dies wird über zwei Auswahlfenster bewerkstelligt, die beide für jeweils ein “Keyboard” zuständig sind. Hier lassen sich MIDI-Kanäle und Notennummern sowie die Synth-Stimmen zuweisen. So kann z.B. mit der einen Keyboardhälfte ein Bass, mit der anderen die Lead-Stimme gespielt werden. Der Synthix erweitert diese Funktion gegenüber dem Synthex, indem ein spezieller Gitarrenmodus bereitsteht, welcher es ermöglicht, mit jeder Saite einen anderen Klang zu spielen. Selbstverständlich wird hierfür ein Guitar-to-MIDI-Interface vorausgesetzt. Diese Funktion ist genauso mit E-Drums nutzbar. Der Guitar Mode ist eines der Features, welches den Wunsch nach einer Stand Alone-Version aufkommen lässt. Zwar gibt es auch minimale VST-/AU-Hosts, für die Bühne kann es jedoch nie einfach genug sein.

Guitar Mode

Guitar Mode

Zur erweiterten Modulation existiert eine Routingmatrix. Sechs Modulationsquellen können mithilfe der Matrix zu den gewünschten Modulationszielen geleitet werden, wobei auch Optionen wie „Tonhöhe aller VCOs” zur Verfügung stehen und die Klangschrauberei damit erleichtern. Ein Poti erlaubt, die Stärke und Ausrichtung der jeweiligen Modulation einzustellen.
Das Sahnehäubchen bildet in der Ausstattung der vierstimmige 128-Step-Sequencer, der bei Bedarf an die Stelle des Mausklaviers tritt. Hier lassen sich die einzelnen Schritte sowohl mittels MIDI-Keyboard als auch per Maus eingeben.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    efka526

    Seit ewigen Zeiten wieder ein VSTi, welches mich fasziniert hat. Ich mag das „Original“ sehr gerne, den ELKA Synthex, wie eigentlich alle italienischen Synthies a la SIEL, ELKA, Crumar etc. Vom Sound her kommt es dem Feeling sehr nah, wie es der Test auch sehr gut beschreibt. Und bietet noch mehr Möglichkeiten.

    Schönes Teil, Kauf nicht bereut! Auch wenn die ersten Experimente schon mit den Presets zwangsweise irgendwie 80s Wave wurden ;) .

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Test: Xils-Lab, Synthix, Software-Synthesizer

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