Aufbau eines Musikstudios Teil 3: Monitoring

1. April 2017

Wichtige Kaufentscheidung: Monitore

Nachdem wir uns in Teil 2 unseres Aufbau eines Musikstudios einen Überblick über allerlei akustische Phänomene geschaffen haben, beschäftigen wir uns nun mit den Lautsprechern. Welche Lautsprecher sind zum Musikmachen und Produzieren wirklich geeignet? Wieviel sollte ich ausgeben und wohin stelle ich die edlen Teile? Zusätzlich schauen wir noch auf alternative Möglichkeiten, den Klang zu beurteilen.

Aufbau eines Musikstudios Teil 3: Monitoring

Vorab zunächst die Verweise auf die bisherigen Teile unseres Workshops Projektstudio:

Lautsprecherauswahl

Das Unangenehme vorweg: Hochwertige Lautsprecher kosten ihr Geld. Natürlich gibt es mittlerweile eine Flut an sehr guten Angeboten, aber es gibt immer noch einen Unterschied zwischen günstig und objektiver Qualität. Wer sich für sein Studio ein bestimmtes Budget einplant, sollte bei den Monitoren nicht sparen – sondern im Gegenteil – den größten Anteil hier hinein investieren. Gute Monitore halten ein Leben lang, während der hippste Sequencer nach ein paar Jahren nur noch als YouTube-History-Filmchen auftauchen wird. Unter Stückpreisen von 200 bis 250 Euro sollte man skeptisch sein. Die Bandbreite nach oben ist wie immer offen, aber auch hier wird es irgendwann ohne großartige Qualitätszuwächse nur noch esoterisch teuer.

Sound

Je nach persönlicher Einschätzung werden wir unsere Boxen finden. Auch wenn wir möglichst neutrale Boxen suchen – jedes Paar hat seinen Soundstempel und der muss einem natürlich liegen. So wird der Hip Hop-Produzent auf mehr Bass und der Klassik-Fetischist auf absolut neutrale Mittenwiedergabe stehen. Aber: Die Guten unter den Lautsprechern sind immer universell und machen Unterschiede im Mix ohne Schönfärberei schonungslos sicht- bzw. hörbar. Die Paarabweichung sollte minimal sein, damit auch das Stereobild und die Tiefenstaffelung der Wirklichkeit entspricht. Gleiches gilt natürlich für Surround-Setups.

Übrigens: Auch im Hi-Fi Sektor gibt es sehr gute Lautsprecher, die allerdings häufig ein Vielfaches einer vergleichbaren Studiobox kosten. Die Hi-fi-Fraktion scheint dem „Kult“ Lautsprecher noch mehr zu erliegen als wir Studioheinzis. Unglaublich eigentlich.

Bei günstigen Lautsprechern achten wir auf neutrale Wiedergabe, denn sie neigen häufig zum Schönfärben. Sie versprechen für wenig Geld einen irren Sound, der auf anderen Systemen völlig flach klingt. Dank des großen Wettbewerbs unter Lautsprecherherstellern ist die Qualität aber gestiegen und so bleibt uns häufig nur noch die Qual der Wahl.

Do it yourself

Eins vorneweg: Auch wenn Zeitschriften und Online-Portale die ganze Palette an verfügbaren Monitorboxen auf Herz und Nieren durchtesten (da schließen wir uns selbst mit ein). Wer nur aufgrund von Testaussagen kauft, wird vermutlich wenig Freude an seinen Boxen finden. Das betonen wir auch immer wieder in unseren eigenen Tests.

Selbst ist die Frau bzw. Mann. Es gilt, möglichst viele verschiedene Boxen parallel zu vergleichen. Am besten geschieht das nicht im Musikgeschäft, sondern zu Hause, in Ruhe, ohne störende Einflüsse von außen und wichtiger noch – in den einzigartigen, aber hoffentlich guten akustischen Besonderheiten unseres Regieraumes.

Größe

Das Volumen einer Box entscheidet neben anderen Konstruktionstechniken über die Basswiedergabe. Je größer Gehäuse und Chassis (Membran, Magnet etc.), desto tiefer wird die Box reichen. Große Boxen können in ein kleines Studio (unter 20 m²) bis zu einem gewissen Punkt gestellt werden. Allerdings sollte auf den nötigen Hörabstand zur Box geachtet werden, um Laufzeitunterschiede zwischen den Tief-, Mitten- und Hochtöner wieder auszugleichen. So gesehen ist die Maximalgröße einer Box je nach Raumgröße begrenzt, da ja bei der Aufstellung auf Mindestabstände zu Wänden und Ecken geachtet werden muss. (s.u).

Die Hör-Entscheidung

Für eine Entscheidung zwischen verschiedenen Boxen nehmen wir uns 20 unserer Lieblings-CDs mit in Klausur. Wir spielen verschiedene Tracks auf den Boxen durch, so dass wir einen Eindruck von der Qualität bekommen. Unter den ausgewählten Musikstücken sollte eine bunte Stil- und Genre-Vielfalt vorhanden sein. Nur Metal auf einem Boxenpaar zu testen, würde eine einseitige Entscheidung hervorrufen. Im Laufe der Zeit kristallisiert sich das favorisierte Monitorboxenpaar heraus.

Um dem Händler nicht zu viel zu zumuten, kann ja auch im Laden eine erste Vorauswahl getroffen werden. Eigentlich sollte es in jeder Preislage selbstverständlich sein: Je hochwertiger die Boxen, desto exklusiver wird euch der Händler behandeln und desto mehr Verständnis wird er dafür aufbringen, dass die Boxen im eigenen Studio getestet werden müssen.

Aktive oder passive Studiomonitore

Die Frage ob aktiv oder passiv lässt sich pauschal nicht sagen, wird aktuell aber schon durch das Angebot beantwortet, passive Lautsprecher gibt es kaum noch zu kaufen. Handelt es sich um eine passive Box, muss zu dem Preis für die Lautsprecherbox noch ein ausreichender Verstärker gekauft werden, wobei sich der Preisvorteil in der Gesamtheit wieder relativiert. Der Preis allein ist also nicht entscheidend: Wichtiger ist die akustische Abbildungsleistung der Box in Bezug auf Linearität, Impulstreue und Stereoabbildung.

Ist die Box aktiv, sollte auf vernünftig dimensionierte Verstärkerbauteile geachtet werden. Schwachbrüstige Amps sind besonders bei lauten Abhörlautstärken überfordert und neigen zum Verzerren. Die Box sollte so dimensioniert sein, dass tiefe Frequenzen bei 85 db und mehr impulstreu und trocken wiedergegeben werden können.

Tipp: Linearität im Frequenzgang findet sich heute schon bei einigen Budget-Monitorboxen. Impulstreue und phasenoptimale Stereoabbildung dagegen weisen auf hochwertige Treiber und selektierte Bauteile hin.

Subwoofer?

Optional kann auch über ein, zwei Subwoofer nachgedacht werden, wobei ich persönlich eine gute Fullrange Box bevorzuge, da die richtige Position eines Subwoofer im Raum nicht ganz so leicht zu finden ist. Auch ist die Einrichtung einer Übergangsfrequenz oft ein Glückspiel, wenn wir nicht einen Akustiker zu uns bestellen wollen. Natürlich bleibt oft keine andere Wahl zum Subwoofer, wenn wir bereits Monitore haben, die nach unten erweitert werden sollen oder ein Surround-Setup errichtet werden soll. Unser Autor Gregor Scherer hatte sich kürzlich fünf Subwoofer im direkten Vergleich angehört, als Einstieg sicherlich empfehlenswert.

Der JBL LSR310S

Für ein gutes System gilt: Ein Frequenzbereich von 30 Hz bis 20 kHz wären optimal. Allerdings wird jedes Hertz in die Tiefe teurer und teurer. Für das angegebene Frequenzgangspektrum sind 2-Wege Boxen schon schwer zu finden. 3- und Mehrwege finden sich eher in Mid- und Farfieldsystemen, die preislich höher liegen. Bessere 2-Wege-Systeme sind aber schlechteren 3-Wege-Boxen vorzuziehen.

Aufstellung der Lautsprecher

Neben der Akustik und den Monitoren kommt der Aufstellung der Monitore eine besondere Bedeutung zu. Um den Raummoden (siehe Teil 2 https://www.amazona.de/workshop-aufbau-eines-projektstudios-teil-2-akustik-und-monitoring/) nicht noch mehr Futter zu geben, sprich sie nicht noch mehr anzuregen, sollten die Lautsprecher genügend Abstand von allen Wänden haben.

Stereolautsprecher sollten so mittig im Raum positioniert sein, dass sie zusammen mit dem Hörer ein gleichschenkliges Dreieck ergeben. Der Hörer sitzt optimalerweise im sog. Sweetspot, also in der Position im Raum, in der alle Frequenzen optimal zu hören sind. Hochwertige Lautsprecher haben oft einen größeren Sweetspot und lassen auch daneben sitzende Kunden und Auftraggeber am ganzen Frequenzspektrum teilhaben. Wichtig ist die Anordnung der Lautsprecher in der richtigen Höhe: Wenn die Hochtöner auf Ohrhöhe liegen, stimmt’s.

Raumecken

Werden Monitore in Raumecken positioniert, erhöht sich der Schalldruck in den verbleibenden Abstrahlrichtungen. Das kann in bestimmten Fällen bis zu 18 dB (!) in einigen Frequenzbereichen betragen und führt zu völlig unvorhersehbaren Spektrumsverläufen. Die Ecken eines Raumes sollten also unbedingt vermieden werden.

Bis zu 18 dB mehr durch Lautsprecher in der Ecke

Bis zu 18 dB mehr durch Lautsprecher in der Ecke

Auch die einfachere Positionierung vor Wänden sollte nicht zu nah folgen. Ein Mindestabstand von 80 cm hilft, den Direktschallanteil zu bewahren. Wenn die Verteilung der Raummoden in einem Raum bekannt sind, sollten auch diese Positionen vermieden werden. Der Einbau in Studiowände sollte nur von einem erfahrenen Akustiker durchgeführt werden. Einfacher und billiger ist daher die Positionierung der Lautsprecher im Raum.

Mischpulte

Auch wenn große Mischpulte in kleinen Studios selten anzutreffen sind: Die Positionierung von Nahfeldmonitoren auf der Meter Bridge ist nicht ganz unproblematisch. Die Mischpultoberfläche reflektiert die Schallwellen. Diese treffen dann verspätet zusammen mit dem Direktschall auf das menschliche Ohr. Hierdurch entstehen Auslöschungen in wichtigen Frequenzbändern (Kammfiltereffekte). Deshalb ist es oft besser, die Lautsprecher hinter der Meter Bridge aufzustellen.

Kammfiltereffekte durch Nearfeld Boxen auf der Meter Bridge

Kammfiltereffekte durch Nearfeld Boxen auf der Meter Bridge

Optisches Monitoring

Wir verstehen unter optischem Monitoring die Kontrolle des Frequenzverlaufes, der Phase, der Stereoabbildung etc. unseres Audiofiles mithilfe von optischen Hilfsmitteln. Mittlerweile gibt es für den PC oder Mac ganz hervorragende Software Tools, die dem teuren Outboard oft schon ebenbürtig sind bzw. sie gar übertreffen. Die am häufigsten anzutreffenden Formen sind z.B. FFT-Analyser, die die Frequenzen einer Mischung von 20 Hz bis mindestens 20 kHz horizontal mit Balken beziehungsweise einer durchgehenden Peak-Linie abbilden.

FFT-Analyser

Sie helfen uns, in einer Mischung problematische Frequenzlöcher bzw. Frequenzspitzen zu entdecken, die dann bei Bedarf gezielt mit einem Equalizer ausgeglichen werden können. Subbassanteile können manchmal nur so entdeckt werden. Die Spielart des Terzbandanalysers ist besonders beim Mastering sehr zu empfehlen. In vielen Sequencern ist ein einfacher Analyser als Plug-in bereits integriert. Alleinstehende Softwarelösungen sind oftmals genauer und oft auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Levelmeter

Der Pegelmesser zeigt entweder die Maximallautstärke und/oder den Durchschnittswert (RMS-Wert) eines Songtitels.

Stereometer

Das Stereometer zeigt uns, inwieweit eine Mischung monokompatibel beziehungsweise wie breit eine Mischung ist. -1 bedeutet das Signal ist komplett mono. +1 signalisiert hundertprozentige Stereobreite.

Tipp: Optische Analyser können den Engineer sehr wohl unterstützen. Allzuviel sollte man sich aber nicht darauf verlassen, denn nur das menschliche Gehör ist die Messlatte, an der wir uns schlussendlich messen lassen müssen. So wird ein Analyser keine wirklich wertvollen Aussagen über den Hallanteil, Tiefe und Dynamik eines Titels machen können.

Monitor Controller

Nun haben wir unser Monitoring schon ziemlich fest im Griff. Fehlt nur noch eine geeignete Abhörmatrix, mit der wir zwischen verschiedenen Lautsprecherpaaren und Kopfhörern bequem hin und her schalten und dabei die Lautstärke exakt gleich lassen können. Das ist sehr wichtig, denn verschieden laute Mixe werden auch verschieden gut beurteilt. Ein lauter Mix wird immer besser klingen als ein leiser. In vielen Studios und Masteringsuites wird daher mit einer gleichbleibend lauten (!) Referenzlautstärke von 85 dB gearbeitet. Der Markt für Controller ist in den letzten Jahren wesentlich umfangreicher geworden. Es geht bereits bei 30-40 Euro für einfache Modelle los und endet bei Mastering Versionen für 2.000,- Euro und mehr.

Drawmer MC 2.1

Kopfhörer

Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind Kopfhörer. Besonders die Leser, die die Räumlichkeiten ihres Studios nicht exklusiv, sondern mit der Familie, den Eltern oder (zumindest indirekt) mit den Nachbarn teilen, sind Kopfhörer ein wichtiger Bestandteil des Studios. Auch hier zählen die gleichen Soll-Eigenschaften wie bei Monitoren: Möglichst neutral sollen sie klingen. Von InEar Kopfhörern raten wir ab, in den meisten Fällen kommt die Wiedergabequalität nicht an richtige Studiokopfhörer ran. Unser Autor Sigi Schöbel hat kürzlich fünf Kopfhörer gegeneinander antreten lassen. Sein Fazit und viele gute Tipps findet Ihr in seinem Vergleichstest Studiokopfhörer.

Audio Technica ATH-M70x

Fazit

Wie wir sehen, ist die optimale Abhörsituation, also das Monitoring, von vielen Bedingungen abhängig: Raumakustik, Qualität der Schallwandler, Qualität der Aufnahme und nicht zuletzt von den anderen genutzten Geräten. Die Annäherung an ein optimales Monitoring kann fast als lebenslange Aufgabe gesehen werden, über die immer wieder nachgedacht werden sollte. Fertige Komplettlösungen mit perfekter Akustik und Top-Lautsprechern lassen sich nur mit einem größeren Geldbeutel bewältigen. Aber auch für kleinere Ansprüche lohnt es sich unbedingt, mit geeigneten Maßnahmen die Vorteile einer besseren Akustik in Verbindung mit besseren Lautsprechern zu nutzen.

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