Test: Blackstar Silverline Special, Gitarrenverstärker

12. November 2019

Der Silberstreif am Horizont?

Blackstar Silverline Special Gitarrenverstärker

Blackstar Silverline Special Gitarrenverstärker

Die britische Firma Blackstar präsentiert uns unter der Bezeichnung Silverline eine komplett neue Gitarrenverstärkerserie auf digitaler Basis. Vier neuen Combos in verschiedenen Größen und Ausstattungsvarianten im Silber-Finish sind erhältlich, sie werden ergänzt durch ein Topteil mit einer passenden 2×12″ Box dazu. An Bord befindet sich alles, was unser Herz begehrt: Sechs Grund-Sounds von clean bis ultraverzerrt, verschiedene Röhrencharakteristiken für den Klang der Endstufe, eine Effektsektion mit solider Auswahl sowie USB-Funktionalität sind die Eckpfeiler dieser neuen Verstärkergeneration, von der wir uns den Blackstar Silverline Special 1×12″ Combo mal für einen Test haben zukommen lassen.

Blackstar Silverline Special – Facts & Features

Für einen Gitarrencombo mit 50 Watt Ausgangsleistung und einem 12″ Lautsprecher ist der Blackstar Silverline Special mit seinen knapp 14 kg und den Maßen von 505 x 418 x 248 mm recht kompakt ausgefallen. Auffällig ist auf den ersten Blick die leicht angewinkelte Vorderseite des mit silbernem Tolex beklebten Gehäuses, um dem Lautsprecher einen besseren Abstrahlwinkel zu ermöglichen. Der interne 12″ Speaker stammt von Celestion (V-Type) und wird durch einen robusten Bespannstoff auf der Vorderseite geschützt, der ebenfalls einen silbernen Schimmer trägt. Somit hätten wir die Erklärung für den Namen der neuen Silverline Serie von Blackstar schon gleich zu Beginn gefunden. Vielleicht hätte man die Ecken des Gehäuses noch mit entsprechenden Schützern ausgestattet, sonst könnte es schnell vorbei sein mit der hübschen Optik des Silberkastens, der auf der Rückseite komplett geschlossen ist. Dort hinten sind auch keine weiteren Anschlüsse zu finden, außer dem für das Netzkabel, das in einer praxisgerechten Länge mitgeliefert wird. Der ganze Zirkus findet also auf dem Bedienpanel statt – und das betrachten wir uns nun genauer.

Blackstar Silverline Special Gitarrenverstärker rear

Blackstar Silverline Special Rückseite – nicht viel los

Silverline Special – Bedienpanel

Dort gibt es tatsächlich eine Menge zu entdecken, das Bedienpanel ist vollgestopft mit Reglern und Schaltern, viel mehr hätte hier wahrhaftig nicht mehr drauf gepasst. Beginnen wir ganz links, dort sitzen die Eingangsbuchse für die Gitarre sowie zwei Miniklinkenbuchsen, von denen die eine ein Signal aufnehmen kann (MP3/Line In), während die zweite ein emuliertes Signal für den Kopfhörer oder zur weiteren Bearbeitung in den Rechner abgibt (Phones/Emulated Out). Wir finden eine klassische Gitarrenvorstufe, die mit sechs per Drehknopf anwählbaren Grundsounds arbeitet und mit Gain, Volume, einem Zweiband-EQ sowie dem Blackstar-eigenen ISF-Regler im Sound abgestimmt werden kann. Immerhin eine Zweiband-Klangregelung, mir persönlich war der ISF-Regler an den von mir bislang getesteten Blackstar-Amps nicht effektiv genug, da hätte ich mir öfters mal einen kräftig zupackenden EQ gewünscht. Den gibt es jetzt also und zusammen mit dem ISF-Poti sollte das doch wohl jetzt genügen!

Doch das war noch nicht alles, was man für einen guten Sound tun kann, denn auch der Klang der Endstufe lässt sich mit der Emulation verschiedener Röhrentypen nachbilden. Sechs Charakteristiken stehen zur Verfügung, die per Drehschalter ausgewählt werden:

  • Clean Warm – klassischer, dynamischer Cleansound
  • Clean Bright – Boutique-Sound, der bei härterem Anschlag der Saiten übersteuert
  • Crunch – klassischer Overdrive mit mittleren Gain-Reserven
  • Super Crunch – mehr Gain und Druck, als Crunch
  • OD 1 – dynamischer, druckvoller Overdrive mit Mastervolume
  • OD 2 – Overdrive-Sound mit Mitten-Boost

Response-Poti zum Anpassen der Klangcharakteristik der Endstufe

Zu guter Letzt erwartet uns eine Effektsektion, die mit den wichtigsten Werkzeugen ausgestattet wurde. Hinter dem Knopf „Modulation“ verbergen sich ein Phaser, ein Flanger, ein Chorus sowie ein Tremolo, bei den Reverbs empfehlen sich Room-, Hall-, Spring- und Plate-Sounds, während mit Linear, Analogue, Tape und Multi vier der beliebtesten Delay-Effekte auf ihren Einsatz warten. Mit dem Effects-Type-Regler werden die vier jeweiligen Presets durchfahren, ein Level-Poti sorgt für die gewünschte Intensität und ein Tap-Taster für die Eingabe der Modulationsgeschwindigkeit bzw. die Verzögerungszeit der Echos.

Als letzter Regler begegnet uns ganz außen das Mastervolume-Poti, der Netzschalter sowie eine Fußschalterbuchse, an der man im Idealfall den Blackstar FS-10 Fußschalter anschließen sollte. Denn dieser gewährt den entfernten Zugriff auf die Patches, ermöglicht das Umschalten der Effekte oder kann den Tuner-Modus aktivieren, der ein einfaches Stimmen mithilfe der LEDs auf dem Panel ermöglicht. Die erstellten Sounds können auf drei Bänken mit je vier Speicherplätzen dauerhaft abgespeichert werden, das macht summa summarum also 12 Sounds auf Knopf- bzw. Fußdruck und das ist in aller Regel mehr als genug.

Blackstar Silverline Special Effects

Blackstar Silverline Special Effektsektion

Blackstar Silverline Special – USB für Insider

Blackstar Insider heißt die Software, die dem Blackstar Silverline Special Gitarrenverstärker über seine Micro-USB-Buchse bequem vom Mac oder PC aus steuerbar macht. Doch nicht nur das, auch als USB-Audiointerface kann der Silberling benutzt werden, für Recording-Sessions ist also nicht zwangsläufig ein Mikro erforderlich. Für den Test hatte ich den Amp mit meinem Mac ohne weitere Treiber verbunden und konnte das Signal latenzfrei in Logic aufnehmen – und das gar nicht mal in einer schlechten Qualität, obwohl ein gutes Mikro hier immer noch vorzuziehen sei. Um Ideen festzuhalten, reicht die gebotene Klangqualität aber allemal aus. Weiterhin steht der USB-Port für Firmware-Updates bereit, ein passendes USB-Kabel befindet sich übrigens mit im Lieferumfang.

Der Blackstar Silverline Special in der Praxis

Mit einem nur leichten Knacken nach Umlegen des Netzschalters meldet sich der Blackstar Silverline Special zu Diensten. Die sechs gebotenen Grundsounds decken eine breite Palette ab, die vom Top-40-Schlagermodus mit den beiden Cleansounds, über die beiden Crunchmodi  für dreckigen Blues und Rock ’n‘ Roll bis hin zu den zwei Overdrive-Modi, deren Gain-Reserven den silbernen Quader fast zum Bersten bringen. Dank der Zusammenarbeit des Zweiband-EQs mit dem ISF-Regler sowie der Endstufenemulation mit den verschiedenen Röhrentypen lassen sich die Sounds des Amps wirkungsvoll bearbeiten. Und wer schon mal die Effektsektion an einem Blackstar-Amp bedient hat, der weiß, wie einfach das geht! Unter den angebotenen Effekten finden wir gute und weniger gut gelungene, hier fallen die Modulationseffekte und ein Teil der Delays äußerst positiv auf, während es beim Hall leider eher in die blecherne Richtung geht. Aufpassen sollte man jedoch mit dem Effects-Level-Regler, denn ab gut der Hälfte seines Regelwegs tendiert das Originalsignal dazu, hinter den gewählten Effekten komplett unterzugehen – und damit auch der Gitarrensound im Bandmix.

Nicht neu bei Blackstar-Amps und trotzdem immer wieder erwähnenswert ist die clever gelöste Bedienbarkeit der Effektsektion mit ihren farbig beleuchteten Tastern. Die Bedienung erfolgt hier absolut intuitiv und „gitarristenfreundlich“, ein Blick in das mitgelieferte Handbuch erübrigt sich daher eigentlich.

Blackstar Silverline Special Gitarrenverstärker Top

Trotz der Klangbearbeitung, die komplett auf digitaler Basis stattfindet, besitzt der Blackstar Silverline Special eine für einen DSP-gesteuerten Gitarrenverstärker überraschend hohe Dynamik. Gut zu spüren ist das vor allem bei den Crunchsounds, die jede abgegebene Nuance der angeschlagenen Saite fast so exakt und präzise wiedergeben, wie man es von einem guten Röhrenamp kennt. Diese Dynamik schrumpft dann natürlich deutlich zusammen, wenn es zu den beiden High-Gain-Presets geht und hier sollte man wiederum mit dem Gain-Poti vorsichtig umgehen, denn allzu viel Saft in der Vorstufe bringt den Sound dann doch ganz schön zum Rauschen bzw. resultiert in einem recht matschigen Klangbild. In Sachen Lautstärke und Schalldruck kann man dem Silberling in jedem Fall potente Bühnenqualitäten bescheinigen, denn mit der 50 Watt Endstufe und dem 12″ Celestion Speaker in der angewinkelten Frontplatte des Gehäuses sollte man sich ganz bestimmt Respekt verschaffen können.

Silverline Special – Die Klangbeispiele

Die folgenden Klangbeispiele zeigen einen groben Querschnitt der Sounds, die mit dem Blackstar Silverline Special Gitarrenverstärker möglich sind. Wie man sich denken kann, bietet die Vorstufe mit ihren sechs Grundsounds zusammen mit der ebenfalls sechsfachen Röhrenemulation der Endstufe eine Menge Möglichkeiten, die man in ein paar MP3-Files kaum bannen kann. Die Tracks wurden mit einem AKG C3000 Mikrofon aufgenommen und mit einer Music Man Silhouette Special Gitarre eingespielt. Weitere Effekte kamen nicht zum Einsatz, lediglich eine Pegelangleichung mit einem Limiter (aufgrund der quicklebendigen Dynamik des Amps) fand statt.

Fazit

Sechs gut klingende, dynamisch spielbare Grundsounds, dazu sechs Möglichkeiten, den Klang der Endstufe zu beeinflussen, um ihn danach mit wirkungsvollen Effekten abzuschmecken: Es gibt kaum einen Grund, den Blackstar Silverline Special nicht zu mögen! Hinzu kommt die Rundumversorgung mit Anschlüssen, wie USB, AUX IN, Kopfhöreranschluss und der Möglichkeit, mit einem optional erhältlichen Fußschalter den Amp auch für die Bühne richtig fit zu machen. Betrachtet man dann noch den Preis, der sich knapp unter der 500-Euro-Marke befindet, dann kann man dem Blackstar Silverline Special nur ein sehr gutes Urteil ausstellen!

Plus

  • vielseitiger, flexibler und überraschend dynamischer Klang
  • reichlich integrierte Effekte
  • USB-Anschluss u.a. für INSIDER-Software
  • robust verarbeitet

Minus

  • Effekte klingen nicht alle überzeugend
  • Rauschen bei hohen Gainsettings im OD 1 und OD 2 Modus

Preis

  • Ladenpreis: 479,- Euro
Klangbeispiele
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