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Making of: Pink Floyd The Dark Side Of The Moon

27. April 2019

The Dark Side Of The Moon

The Dark Side Of The Moon

The Dark Side Of The Moon

Für viele ist The Dark Side Of The Moon das Meisterstück unter den Veröffentlichungen von Pink Floyd. Es war das Album, mit dem die Briten ihren Stil perfektionierten und sich selbst ein Ehrenmal in der Rockgeschichte setzten. Es enthält Songs, die von einigen zu den besten Musikstücken des vergangenen Jahrhunderts gezählt werden und das Plattencover ist neben dem Cover von „Abbey Road“ der Beatles wahrscheinlich das bekannteste überhaupt, vielleicht sogar eines der bekanntesten Bilder des 20. Jahrhunderts. Jeder Rockfan hat das Album mindestens 200-mal gehört und trotzdem kann sich beinahe jeder immer wieder auf den ganz eigenen Sound der Platte einlassen und es scheint einem so, als würde man bei jedem Hören neue Facetten entdecken, die vorher im Verborgenen lagen und nun nur einem selber gehören. Höchste Zeit, dass wir uns mal anschauen, wie The Dark Side Of The Moon entstanden ist!

The Dark Side Of The Moon: Der Weg zum Mond

Pink Floyd waren am Anfang ihrer musikalischen Karriere noch ein wenig verwirrt, wohin die Reise denn gehen sollte. Aufgewachsen zwischen all dem Rauschen, das der Musikmarkt in den Sechzigerjahren zwischen Europa und Amerika zu bieten hatte, konnten sie schon damals auf einen Fundus an schrägen Stilrichtungen, Poesie und hartem Rock zurückgreifen, um sich inspirieren zu lassen. Das ist auch in den ersten Alben und Aufnahmen der Band zu hören. „The Piper At The Gates Of Dawn“ etwa klingt noch wie eine Mischung aus den Beatles und den sehr frühen GenesisYes…? Schwer zu sagen. Irgendwie progressiv und psychedelisch, aber es wurde schon versucht, nicht allzu weit vom Pop abzugleiten. Die folgenden Alben wurden immer experimentierfreudiger und mit „Ummagumma“ glitten Pink Floyd scheinbar völlig ins Chaos ab und konzentrierten sich eher auf Klangkollagen als auf kohärentes Songwriting.

Aber dann, wie wenn man am Frequenzrad eines Radios dreht (die Älteren werden sich erinnern) und in all dem Knacken und Rauschen irgendwo eine Melodie, einen Takt und eine Stimme meint ausmachen zu können, glätteten sich die stilistischen Wogen allmählich und es regte sich was unter der harten Kruste der musikalischen Rebellion, was nicht zuletzt an dem Dazustoßen von David Gilmour als Ersatz für Syd Barrett liegen dürfte. In ihrem Album „Meddle„, das Songs wie „A Pillow Of Winds“ und „Echoes“ enthielt, schienen alle Fäden zu dem ganz eigenen Pink Floyd Stil zu verschmelzen. Gilmour sagte später einmal, dass dieses Album und die Liveaufnahmen von Pompeji den Stil der späteren Floyd begründet hätten.

Und dann kam … The Dark Side of the Moon

Nur wenige Jahre zuvor setzte zum ersten Mal ein Mensch seinen Fuß auf die Oberfläche unseres Trabanten und auch wenn durch diese Aktion vielleicht ein wenig die Magie des Mondes abhandenkam, so öffnete sie doch auch wieder neue Horizonte. Gerade die oft fälschlicherweise als dunkel bezeichnete erdabgewandte Seite des Mondes blieb ein Mysterium, nur von wenigen Menschenaugen je betrachtet, von ungebrochener Faszination aber auch ein Ort der Angst und der Isolation. Das Album beschäftigt sich inhaltlich mit „Dingen, die die Leute verrückt machen“ wie Geld, Tod sowie dem Fluss der Zeit und spielt dabei mehr als einmal auf den Krankheitsverlauf Syd Barretts an.

Pink Floyd Gründungsmitglied Syd Barrett ca. 1970, Foto von Aubrey Powell

Nachdem die Band mit den letzten beiden Alben viel auf Tour war, entwickelten sie teils auf der Bühne und teils in einem Proberaum die Songs und Themen für ihr nächstes Album. So gerieten einige der Songs auch schon in der einen oder anderen Form weit vor der Veröffentlichung in Umlauf. In dieser Zeit kristallisierte sich dann immer mehr die spätere Struktur als Konzeptalbum von The Dark Side Of the Moon heraus. Schließlich wurde der Entschluss gefasst, das Album aufzunehmen und so trafen sich die Bandmitglieder David Gilmour, Nick Mason, Roger Waters und Richard Wright erstmals im Mai 1972 in dem ehrwürdigen Abbey Road Studio in London. Produzieren sollte dieses Album kein Geringerer als Alan Parsons.

The Dark Side Of The Moon

The Dark Side Of The Moon

Ein Grund dafür, warum man sich in diesem, schon damals legendären Studio traf, war nicht nur die Erfahrung der Ingenieure und Techniker des Studios, sondern vor allem auch die für moderne Ausstattung, über die das Studio damals verfügte, was dem Studio etwa ermöglichte, 16 Spuren zu mischen. Obwohl das für die damalige Zeit „State of the Art“ war, sollte Pink Floyd letzten Endes mehr Spuren benötigen, was das Studio zum Improvisieren nötigte. Aber fangen wir vorne an.

Pink Floyd war neben ihrem psychedelischen und impressionistischen Stil auch für den hohen materiellen Aufwand berühmt, den ihre Art Musik zu machen mit sich brachte. Eindrucksvoll ist das auch in den Filmaufnahmen „Live in Pompeji“ zu sehen, wo die Band sich förmlich unter einem Berg von Gerätschaften, Boxen, Effektgeräten und Instrumenten vergräbt und bei denen auch Aufnahmen der Sessions zu The Dark Side Of the Moon zu sehen sind.

Insgesamt setzten die Bandmitglieder aber vergleichsweise weniger, aber dafür revolutionäre Technik bei den Aufnahmen von The Dark Side Of the Moon ein, sieht man einmal von der üppigen Ausstattung des Studios mit EMI TG12345 Konsolen ab. Schon im Entstehungsprozess der Songs schafften sich die Bandmitglieder neue Spielzeuge an. Insbesondere in Sachen Synthesizer setzte man auf neueste Technik, aber schließlich wurde dem Instrument mit „On The Run“ auch ein ganzes Stück gewidmet. Neben einem Piano war in der Tastensektion auch ein EMS VCS 3 vertreten, der in Any Colour you Like zu hören ist, sowie dessen Bruder  Synthi A, der unter anderem den Song On The Run und Passagen von Time begleitet.

The Dark Side Of The Moon

EMS VCS 3

Zudem experimentierte Richard Wright mit einem Wurlitzer E-Piano sowie einem Minimoog und einem ARP String Ensemble, welches wahrscheinlich Teil der Studioeinrichtung war.

In Sachen Gitarre war David Gilmour etwas zurückhaltender unterwegs. Hauptsächlich spielte er bei den Aufnahmen eine schwarze Fender Stratocaster aus dem Jahr 1969. In der ersten Hälfte und auf Aufnahmen von „Us And Them“ sowie „Money“ war die Gitarre noch in ihrem Originalzustand zu hören, später soll Gilmour aber einen Gibson PAF-Humbucker anstelle des mittleren Singlecoils eingebaut und während der zweiten großen Session eingesetzt haben. In anderen Songs, wie Brain Damage etwa, nutze er angeblich eine Stratocaster mit Mahagonikorpus.

69′ Fender Stratocaster

Die Gitarrenparts für Money spielte Gilmour mit seiner Custom-Gitarre von Bill Lewis ein, die auch bei zahlreichen Liveauftritten später zum Einsatz kam. Dieses mithilfe von Computern (!) entwickelte Instrument verfügte über eine besonders akkurate Intonation, einen verbreiterten Hals und 24 Bünde, was dem Solostil Gilmours sehr entgegenkam. Für die Slide-Gitarrenparts kam in den Aufnahmen von Breathe und The great Gig in the Sky eine Fender Double Neck Steel Guitar zum Einsatz.

Fender Double Neck Steel Guitar

Verstärkt wurden die Gitarren über einen Hiwatt DR103, der unter anderem über WEM Super Starfinder 4×12 Speaker lief und in manchen Stücken an ein Leslie oder einen Maestro Rover Rotary Speaker angeschlossen wurde. Viele der Effekte wurden vom EMS Hi-Fli bereitgestellt, der als Multieffektprozessor und Synthesizer für viele der speziellen Gitarrensounds verantwortlich war. Neben diesem Multieffektgerät trat insbesondere das Binson Echorec 2 relativ prominent in Erscheinung, das für die Echos der Gitarre sorgte.

Hi Fli von EMS

Roger Waters nutzte in einem Großteil der Aufnahmen einen Fender Presicion Bass mit Modifikationen. So soll er den Hals des Instruments durch einen Ahornhals von Charvel ersetzt haben, um einen perkussiven Sound zu erlangen und auch die Mechaniken wurden für ein Set der Marke Kluson ausgetauscht.

Fender Precison Bass

Zur Verstärkung wurde der Hiwatt Custom 100 Head mit Starflier 4×12″ Boxen von WEM eingesetzt. Dieser Stack ist auch bei den Aufnahmen von Live in Pompeji zu sehen.

Roger Waters Bass Rig

The Dark Side of The Moon – das Konzept

Weniger als ein geplantes Album von vorne bis hinten durchkomponiert, war The Dark Side Of the Moon für Pink Floyd viel mehr ein Prozess, mit dem sich die Band über einen längeren Zeitraum befasste und der eher organisch als statisch-technisch ablief. Im Zentrum stand nicht nur die Verarbeitung des zunehmenden Erfolges der Band, sondern auch deren Geschichte und vor allem die des früheren Gitarristen und Sängers Syd Barrett, der die Band vier Jahre zuvor aufgrund seines schlechter werdenden psychischen Gesundheitszustandes die Band hatte verlassen müssen.

The Dark Side Of The Moon ist ein Versuch einer Erklärung und einer Chronologie des geistigen Abstiegs beim Einzelnen, aber auch im gesellschaftlichen Rahmen. Dabei schafft die Band eine dichte Atmosphäre, die das ganze Album hinweg anhält und erst mit dem letzten Titel Eclipse aufgelöst wird.

Den Anfang macht Speak to Me als eine modulierte Kickdrum, ein schlagendes Herz, zu dem sich Stimmen und Gelächter sowie harte Geräusche und Münzgeklimper gesellen. Eine Vorahnung für das kommende Album und der Klangraum, in dem es sich bewegt. Ein rückwärts laufender Klavierakkord, der einen langsam, aber unaufhaltsam in das erste Stück Breathe mit seinem hineinzieht, mündet in Schreien und schließlich in den beruhigend einlullenden Gitarren, dem langsamen Bass und dem flachen Schlagzeug-Groove. Der Gesang beginnt kräftig, aber sanft und das Lied baut sich langsam auf und mündet mit On the Run in einem chaotisch stressigen Sequencer-Interlude mit wilden Stereoeffekten, bedrohlichen Stimmen-Samples und manischem Lachen.

Später sollte bei Live-Auftritten auch ein vierkanaliger Mix dieser und anderer Effekte zum Einsatz kommen. In den Frühen 200ern wurde gar das ganze Album noch einmal neu (quadrofonisch) gemastert.

Quadrophonischer Mixer für die Live-Auftritte

Das folgende Stück Time ordnet das Chaos wieder etwas und entwickelt sich nach dem schrillen Intro zu einem klar strukturierten Song, in dessen Zentrum Gilmours Gitarrensolo steht, das bis heute wohl eines seiner bekanntesten ist. Hier kommt erstmals die Stimme der Background-Sängerin Clare Torry zum Einsatz, die mit dem folgenden Song The great Gig in the Sky praktisch ihr eigenes Lied bekommt. Die Band hatte für ihren Part weder einen Text noch eine genaue Vorstellung für ihre Performance und so kam es, dass sie ihren Part mehr oder weniger improvisierte und ihren eigenen Vorstellungen Raum gab. Der frenetische textfreie Gesang sollte die vielleicht bekannteste Aufnahme ihrer Stimme werden und fand sich auf einem der meist verkauften Alben der Musikgeschichte.

Mit Money beginnt der zweite Teil des Albums. Die Klangeffekte nahm Bassist und Sänger Roger Waters mit einer alten Kasse, verschiedenen Gefäßen und ein wenig Kleingeld auf und man sampelte das Ergebnis für das Intro in den vorantreibenden Takt des Stücks. Mit seinem Text über Gier und Konsumsucht setzten Pink Floyd ein wichtiges Thema für die kommenden Alben wie Wish you were here und Animals, in denen sie weitere kapitalismus- und gesellschaftskritische Motive behandelten. Dem Stück ist auf jeden Fall eine gewisse Wut in seinem stakkatoartigen Rhythmus, dem kräftigen Gesang und dem ausdrucksstarken Saxofonsolo von Dick Parry.

The Dark Side Of The Moon

The Dark Side Of The Moon

Us And Them ist dann wieder deutlich gefühlsbetonter und vor allem im Refrain singen sich alle beteiligten die Seele aus dem Leib. Der Song kann als das zentrale Stück und als Wendepunkt des Albums betrachtet werden. Das darauf folgende Any Colour You Like beruhigt das Album als Instrumentalstück etwas und schafft mit seinem klaren Rhythmus wieder etwas Ordnung.

Das letzte Stück „Brain Damage“ greift dann noch einmal das Gesamtthema des Albums auf und summiert es in einer direkten Ansprache an Barrett mit der Zeile „And if the band you’re in starts playing different Tunes, I’ll see you on the Dark Side of the Moon“ das Konzept des Albums in wenigen Worten.

Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass seltener einzelne Alben einer Band so viel Einfluss auf die Rockgeschichte hatten wie The Dark Side Of The Moon. Mit ihren hohen musikalischen und lyrischen Ambitionen ging die Band ein hohes Risiko ein und wenn man nur einige Dinge anders gemacht hätte, wäre das Album und vielleicht auch die Band irgendwo in der Versenkung verschwunden. Das Konzept ging aber auf und es wird seinen Status als eines der ganz großen Werke der modernen Musik sicher auf ewig behalten.

Forum
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    Marcel Halbeisen  

    Erst mal danke für den Bericht, der für mich als total durchgeknallter Pink Floyd Fan nichts Neues bringt. Aber ich denke wer nicht so tief darin verwurzelt ist, kann da einiges heraus lesen.
    Leider sind da aber auch ein paar Fehler drin. So hat nicht Alan Parsons das Album produziert, das machte Pink Floyd selbst, er war angestellter Toningenieur für einen eigentlich extrem geringen Lohn. Aber niemand konnte ja ahnen dass das Album mal so einen Erfolg hat. Aber seine Arbeit war wirklich ausserordentlich wertvoll für das Album und wenn man es heute, nach über 45 Jahren hört, dann staunt man welche Qualität hier abgeliefert wurde.
    Dann ist nicht „Brain Damage“ sondern „Eclipse“ das letzte Stück der Platte. Textlich etwas vom faszinierendsten was es gibt, denn es wird alles aufgefächert – wie eben das Prisma auf dem Cover – und endet dann doch zusammen wieder im dunkeln…
    Für eine Musiker-Website vermisse ich auch den Hinweis, dass der Hit „Money“ (etwas eher seltenes für Pink Floyd) nicht die typische 4/4-Sauce ist, sondern auf einem 4/7 Takt aufbaut. Keine Ahnung ob jemals wieder ein Nr. 1 Hit so produziert wurde, aber erwähnenswert – und vor allem Wert mal genau hin zu hören – finde ich es schon…

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        AMAZONA Archiv

        …und ganz streng genommen bietet Money neben dem 7/4 und 4/4-Takten immer wiederkehrende eintaktige 6/4 Passagen.

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      Joe

      Eigentlich spricht man dabei eher von einen 7/4Takt. 7 Viertel in einem Takt. Und ja, es gibt noch ein sehr bekanntes Lied, welches einen 7/4 Takt, eigentlich ein 7/8 Takt enthält. „Music von John Miles“

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      justme  

      Ob Nr.1 weis ich nicht, aber super unauffällig umgesetzt wurde ein 7/4 in Peter Gabriels Solsbury Hill. Dazu im Wechsel Strophe 4&3/4 und Refrain 3&4/4 . Spannend, daß es sogar Musikern oft nicht auffällt…

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        Marcel Halbeisen  

        Hoppla, das ist mir auch noch nie aufgefallen obwohl ich das Stück wirklich super finde und doch ab und zu höre. Musste ich sofort genauer hinhören, wirklich gut „versteckt“ wenn man es so ausdrücken will. Grundsätzlich zieht das Stück hörgangtauglich durch ohne dass man „ins stolpern“ gerät, aber dahinter steckt tatsächlich viel mehr.
        Danke für den Hinweis, ab jetzt werde ich das Stück ganz anders hören :-)

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    iggy_pop  AHU

    EMS Synthi Hi-Fli ein Multieffektgerät? Nun ja… aber nur mit Abstrichen: In erster Linie macht das Ding ziemlich üblen Lärm, fräst einem mit seiner Zerre die Schädeldecke weg, macht lustige Schluckauf-Geräusche, aber der Phaser hat’s in sich. Ach ja, und er rauscht wie die Nordsee.
    .
    Sobald eine Band Tröten und Kreischtussis einsetzt, weiß ich, daß der Zenith überschritten ist — das war für mich bei Pink Floyd bei DSOTM endgültig der Fall. Ich habe mit dieser abwischbar-glatt produzierten Resopalmusik nie etwas anfangen können.
    .
    Gebt mir Saucerful of Secrets, Ummagumma, Echoes oder Relics…
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    Aber das sehe ich — zum Glück — nur alleine so, also was weiß ich schon?
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      swift  

      Das sehe ich nicht so, DSOTM ist das einzige Pink Floyd Album, dass ich mir auch gekauft habe.

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      gaffer  AHU

      Ja, ich sehe das ähnlich. Mir gefiel Ummagumma, sogar Atom Heart, obwohl ich finde, dass Klassik mit Rock gemischt nichts Gutes ist. Antonionis Zabriskie Point mit dem Ende Careful with that Axe war sehr beeindruckend. Ich habe etwa ein Jahr vor Veröffentlichung von so nem Hippie mit Daimler Coupe beim Trampen das Angebot bekommen PF Bootlegs zu verticken. Ich habe mir die Scheibe angehört und war sicher, dass er mich reingelegt hatte. Weit entfernt von dem was ich kannte. War aber nicht so, ich staunte nicht schlecht, als ich Dark Side hörte. Aber sooo schlecht fand ich die Mittsiebziger Platten von denen auch nicht. Und Einfluß hatte die Platte mit Sicherheit.

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        iggy_pop  AHU

        Atomheart Mother ist studentische Wichtigtuerei, artsy-fartsy, wie man so schön in anglophonen Ländern sagt. Ein paar schöne Harmonien, die klauenswert sind, aber sonst getretener Quark, der breit, aber nicht stark wird. Hätte Geesin nicht dran mit- und Waters‘ Ego zugearbeitet, hätte das Album sicherlich ganz anders geklungen (oder wäre gar nicht erst entstanden). Gebt mir jederzeit Arnold Layne, See Emily Play, Careful with that Axe, Cirrus Minor oder zur Not auch Bike…
        .
        @swift: Dass DSOTM das einzige PF-Album ist, das Du auch gekauft hast, läßt jetzt verschiedene Schlüsse zu, was Deinen Anspruch und Deine Hörgewohnheiten angeht — aber da ich Dich nicht kenne, werde ich mich nicht dazu äußern.
        .
        Schönes Beispiel (oder auch nicht) für Hi-Fli-Gelärme:
        https://soundcloud.com/doombient-music/cosmic-hoffmanns-ems-synthi-hi-fli-mayhem

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          lightman  AHU

          Ui… den Hi-Fli kannte ich noch nicht, schöner Krach. Der packt schon sehr zu, klingt stellenweise wie digitales Übersteuern oder Aufruhr im Besteckkasten. Mich würde interessieren, wie das Ding mit einem Synth oder einer Drummachine tönt.

          Zum Thema Floyd, meine Albumfavoriten sind die ersten Drei (Piper, Saucerful, Ummagumma) und Relics. Dark Side, Wish You Were Here oder The Wall sind technisch toll, gehen mir im Licht der früheren Werke aber gegen den Strich, weil sie immer so vorgehoben werden, als gäbs nix anderes.

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            iggy_pop  AHU

            „Mich würde interessieren, wie das Ding mit einem Synth oder einer Drummachine tönt.“ — Diese Fragestellung interessierte mich seinerzeit auch, und die Antwort lautet: Absolut nutzlos, denn der Hi-Fli ist komplett auf das Spielverhalten einer Gitarre ausgelegt. Schickt man Synthesiser oder Klopfgeist in den Hi-Fli, so kann man zwar noch die Eingangsstufe übersteuern (was jeder andere Tansistor-Preamp genauso gut hinbekommt), aber die Art und Weise, wie Treble Booster, Ringmodulator oder Fuzz eingreifen, ist erschreckend: Der Ton wird völlig ausgedünnt, verliert jeden Punch, Bässe werden komplett beschnitten (ähnlich nützlich wie ein VOX Tone Bender am Synthi), und die interne Triggerung mit Envelope Follower etc. gerät völlig durcheinander. Da die Zerstörungsstufe unbedingt durchlaufen werden muß, um die Phase Filter Sektion nutzen zu können, kommt nur Müll im Phase Filter an.
            .
            Das war auch der Grund, warum sich unsere Wege irgendwann trennten — was nutzt mir so ein Sammlerstück, wenn ich es als Nicht-Gitarrist nicht einsetzen kann?
            .

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              lightman  AHU

              Scheint ja ein schräges Teil zu sein. Ich mag zwar kranke Töne, aber die Bassausdünnung ist zuviel des Schlechten, und wenns nicht mit Drummies und Synths funktioniert, ist es wohl wirklich nix für unsereins.

              Andererseits könnte man die Kiste ja vielleicht umbauen, so daß man die „Zerstörungsstufe“ umgehen und direkt den Phaser benutzen kann.

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    AMAZONA Archiv

    Zugegeben, Musik und Lyrics konvergieren auf „DSOTM“ bewundernswert. Trotz allem bin ich mit dem Album nie richtig warm geworden. Für mich ist „Animals“ immer noch DAS Pink Floyd Album dicht gefolgt von „The Wall“ und „The Final Cut“ – kein Wunder – ich mag auch Waters Solosachen.

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      swift  

      An Waters gibt es musikalisch nichts auszusetzen, aber als Mensch ist er mir nicht sympathisch. Er ist m.W. auch in der von Arte produzierten aber nicht ausgestrahelten Antisemitismus Doku (der Elefant im Raum darf schließlich nicht angesprochen werden) vorgekommen.

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        TobyB  RED

        Hallo swift,

        das wird schon diskutiert, nur vornehmlich in UK. Dort allerdings auf einem akademischen Niveau. Die Arte Doku wurde bei der Bildzeitung gezeigt. Ich empfand sie als zu einseitig. Allerdings wird dort viel Richtiges gesagt und gezeigt. Was aber nichts daran ändert, das Roger Waters seine politischen Positionen mal hinterfragen sollte, https://bit.ly/2WbShAG Zumal er als Engländer das Thema Nordirland direkt vor der Haustür hat. Für mich kommt Roger Waters immer wie ein Narziss mit Aluhut daher. Anders kann ich mir seine Totalausfälle nicht erklären. Noch nicht mal mit schlechtem englischem Humor.

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          AMAZONA Archiv

          Jeder, der das Werk von Waters kennt bzw. sich damit auseinandergesetzt hat, weiß, das er kein Antisemit sein kann. Ich befürchte, ihr begeht den großen Fehler das Judentum mit dem israelischen Staat gleichzusetzen.
          Und Phrasen wie „Aluhut“… Sorry, das sind Kampfbegriffe die nicht weiterführen.
          Ein guter Freund hat es bezüglich Gilmour/Waters mal auf den Punkt gebracht:
          David hat Talent, Roger hat Seele.

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            TobyB  RED

            Der Aluhut ist sicher eine Überspitzung. Allerdings kann Roger Waters nun mal eben nicht von der Hand weisen, dass er seine Aussagen überdenken sollte. Ich persönlich halte es für unklug, in Deutschland Schweine mit Judensternen aufsteigen zu lassen wollen. Und an diesem Symbolismus gibts nicht viel zu diskutieren. Ich bin in den letzten beiden Jahren recht oft in UK gewesen und habe die Diskussion dort mitverfolgen können. Er hat sich da recht unsensibel und uneinsichtig Verhalten. Dummerweise steht er in UK damit nicht alleine da. Das kommt mir so britisch vor, die Realität verweigern bis es weh tut. Denn, im Februar 1947 kündigte der britische Außenminister an, die Palästinafrage an die UN abzugeben. Damit wurde das Ende der britischen Mandatszeit eingeläutet und der Weg zum Staat Israel frei.

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      Andreas Daute

      Für mich wurde mit Echoes der musikalische Zenit erreicht. Was anschliessend kam war zunehmend perfektioniert und glatt, ohne Ecken und Kanten. Mit der DSOTM wurde ich nicht richtig warm, WYWH lullt mich ein,….. Aus diesem Grunde freue ich mich diesen Sommer Nick Mason‘s Saucerful Of Secrets live zu erleben. Hier werden genau die Schaffensperioden abgebildet die mir musikalisch am interessantesten erscheinen. Mit Interstellar Overdrive und weiteren songs von Syd Barrett, was ich als eine schöne (und längst überfällige) Hommage an den kreativen und abgedrehten Kopf der frühen PF empfinde.

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    TobyB  RED

    Schön geschrieben, ich finde TDSOM ist nach wie vor ein Meilenstein in der Geschichte der Rockmusik und hat seinen Platz im Olymp verdient. Inhaltlich, weil wir deutlich die Desillusionierung und die Thematisierung von Machtstrukturen, Kriegstreiberei im Sinne von „Was treibt ein sensibles Wesen in den Wahnsinn?“ nach hören können, also Lunatic und der Verlust einer Utopie. Zum anderen entwickeln PF auf diesem Album eine professionelle Produktionsweise. Nicht das die Alben davor schlechter wären, sie sind nur anders entstanden. Auf diesem Album werden aus Collagen und Improvisationen Songs perfekt arrangiert und eingespielt. Für mich ein perfekt umgesetztes Konzeptalbum.

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    justme  

    Ich finde Kommentare und deren Menschen lustig , die ein solches Album so polarisiert sehen, daß sie dadurch Ausschlußkriterien generien. Tja, ich bin so´n komischer Mensch, der sich nicht auf die „Wer ist nun besser : Michael Jackson ODER Prince?“ – Diskussion einliess. Und, Frevel, genauso wie ich gerne Ummagumma höre, mag ich auch The Wall. Und Abba. Und Shakatak. Und Stan Getz. Und,und,und, ist nämlich geil, soooo viele Facetten der Musik geniessen zu können.Und genauso, wie ich mir Dragster-Rennen ansehe gehe ich für ein klassisches Konzert in die Elbphilharmonie (stellvertretend für klanglich noch viel schönere Säle). Oder in´s Weserstadion oder in´s Ushuaia. Kann jeder sehen, für seinen Geschmack wie er will. Ich finde Schubladen bescheuert, das Leben ist zu kurz dafür.

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    justme  

    An die Redaktion : Danke für den interessanten Artikel ! Ich finde solche Reportagen/Berichte/Artikel sehr interessant. Eine Serie mit tiefgründigen Recherchen, sowohl über die menschlichen, wie auch die technischen Komponenten, wäre mal toll. Es ist sowieso spannend an manchem musikalischem Eckpfeiler, was eigentlich seine tiefe Besonderheit ausmacht. DIe Zeit ? Das eigene Alter ? Der Klang ? Der Song an sich ? Wie wichtig war die (nicht)verwendete Technik (Steppenwolfs aus der Not heraus gebohrener Orgel-Sound bei Born to be wild …) ? Wie kam etwas Elementares ( wie entstand Porcaro´s Groove zu Rosanna…) eines Songs zu stand. Verweise an der Stelle auch an die hochinteressante Serie von Christopher Currell über seine Zusammenarbeit mit Michael Jackson…

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    k.rausch  RED

    Schöner Artikel über einen Meilenstein der Musikgeschichte. Folgende Ergänzungen: Pink Floyd hatte damals vor Veröffentlichung der Alben die Songs erstmal live getestet, so auch Dark Side of the Moon, und das betrifft insbesondere die Reihenfolge der Songs, ebenso die Lyrics. Man kennt das von Bootlegs vorhergehender Alben und auch von der späteren Animals. Bei der Tour 1972 habe ich das Album in FFM also in einer Art Vorversion gehört, dort hatten die das Quadro-Soundsystem benutzt. Sound fliegt über das Publikum hinweg – nicht schlecht! Für die Vocals von Great Gig … hatten die durchaus Vorstellungen, bevor die eigentlichen Aufnahmen stattgefunden haben, Nick Mason äußert sich darüber im Buch „Inside Out“.

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    offbeat

    Herzlichen Dank tilmann seifert für diesen Artikel.
    Die Floyds haben mich akustisch in meinen Phasen des musikalischen Aufwachsens wie Aufmachens begleitet. Die frühen geheimnisvoll chaotischen bis hin zu Dark side und und Wish You… danach empfand ich sie zunehmend als langweilig, sich selbst wiederholend.
    Was mir in Deinem Artikel aber fehlt, ist der am Anfang angekündigte Punkt der Beschränkung des Studios auf 16 Spuren und den kreativen Umgang mit dieser Begrenzung. Da hatte ich auf spannende Infos gehofft, die sich nicht einstellten.
    Die Behauptung, die Kassengeräusche am Start von „Money“ wären gesampelt worden halte ich für sehr gewagt. Ich glaube nicht, dass es 1973 schon so etwas wie Sampler gab, es sei denn man würde so etwas wie das Mellotron dazu zählen.
    Sehr gelacht habe ich an der Stelle, wo Du davon schreibst Clare Torry habe einen frenetisch textilfreien Gesang zum Great Gig in the Sky beigesteuert. Da ist denn doch der alte Freud in die Fehlertastatur gesprungen, oder? ;-)
    Die Krach und Effektmaschiene Hi Fli von EMS habe ich bei den Floyds übrigens nie herausgehört, weiß der Himmel, in welcher Spur sie die versteckt haben. Gut zu hören ist das Teil dagegen bei Genesis im ausgeflippten Gitarrensolo von „Counting out Times“, wie es Costello in seinem Artikel über „The Lamps lies down on Broaday“ beschrieben hat.

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      Dirk Matten  RED

      Das mit dem textilfreien Gesang ist mir bei der Durchsicht und Korrektur des Textes auch aufgefallen, habe mir aber dabei gedacht, dass es vielleicht eine Idee des Produzenten war, die Dame nackig singen zu lassen, um besonders ehrlich zu artikulieren. Wer weiß, auf welche Ideen man damals noch gekommen ist. Gibt es vielleicht Aufnahmen von Bands aus der Zeit, die nackt eingespielt wurden? Auf der Plattenhülle von Sirius ist Stockhausen ja nackig abgebildet. Text wurde korrigiert.

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      k.rausch  RED

      Wg. Clare Torry: Der Autor hat das sicherlich wohlmeinend so umschrieben. Die Sängerin selber hat das etwas umfangreicher dargelegt, als es unter anderem um Beteiligung an den Kompositionsrechten ging. Deutsch übersetzt meinte sie (sinngemäß), dass sie sich nach der entscheidenden Tonaufnahme etwas unwohl gefühlt habe, denn ihren eigenen Vortrag empfand sie als etwas zu frivol. Die Bandmitglieder hatten sie allerdings beruhigt und meinten, dass sie mit dem Ergebnis sehr zufrieden waren. Die vorherigen Aufnahmen waren denen zu brav, also wurde Clare ermuntert, sich einfach von Konventionen zu befreien und heftigst loszulegen. Das ist ihr bekanntlich dann auch gelungen. Weiter oben habe ich auf Masons Buch verwiesen, da kann das jeder selber nachlesen. Übrigens sind auch die Soundeffekte erklärt, teils sehr ausführlich. Unter anderem von Alan Parsons, und wenn ich micht richtig erinnere, dann ist das auf der Doku DVD drauf. Dass es der Pförtner war, der die berühmten Sätze „… there is no dark side on the …“ gesprochen hat, wie die Money Münzen auf Tape kamen, wie das geschnitten wurde usw.

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      wolke

      Betreff Umgehen von Einschränkungen: Wenn ich mich recht erinnere, hat A. Parsons einmal erzählt (auf oben erwähnter Doku DVD?), dass sie für das Vocal-Delay bei „Us and them“ das Tonband aus dem Banddelay raus, um einen Mikrofonständer in einiger Entfernung herum und dann wieder zurück ins Gerät führen mussten, weil sie sonst die relativ lange Delayzeit nicht hingekriegt hätten. Heute würde man einfach den Sync-Parameter am Plugin ändern…

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